Katarakt-OP - Medizinische Experten

Die Katarakt-OP wird bei Menschen mit Grauem Star (Katarakt) durchgeführt, um die körpereigene, getrübte Augenlinse gegen eine künstliche Linse auszutauschen. Die Augen gehören zu unseren wichtigsten Sinnesorganen. Die Angst, durch den Grauen Star eines Tages zu erblinden, ist heute unbegründet, wenn die Katarakt-Operation zur rechten Zeit durchgeführt wird. Mit der extrakapsulären und der intrakapsulären Kataraktextraktion stehen dabei grundsätzlich zwei Verfahren zur Verfügung, wobei die intrakapsuläre Kataraktextraktion wegen verschiedener Komplikationsrisiken heute kaum noch durchgeführt wird.

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Katarakt-OP - Weitere Informationen

Hintergrundinformationen zur Katarakt-OP

Die Katarakt-Operation gehört nicht nur zu den häufigsten Eingriffen in der Chirurgie, sondern auch zu den ältesten. Schon in der Antike war die Augenkrankheit, der Graue Star, bekannt. Da die Erkrankten durch die getrübte Linse und die dadurch verschwommene Sehweise meinten, durch einen herabstürzenden Wasserfall zu schauen, waren sie der Ansicht, hinter der Pupille würde eine Flüssigkeit fliessen, die dann erstarrte und somit die Katarakt auslösten.

Der Begriff „Katarakt“ entstammt dem Griechischen „katarrhaktes“ und bedeutet tatsächlich „Herabstürzen“ oder „Wasserfall“. Bereits zu Zeiten der Babylonier kannte man die Operation des Grauen Stars. Durch den „Starstich“ wurde die getrübte Linse einfach aus dem Auge herausgestochen.

Kataraktextraktionen, das heisst, die Entfernung einer getrübten Linse, werden bereits seit dem 18. Jahrhundert durchgeführt. Erstmalig versuchte sich beispielsweise der Mediziner J.J. Daviel im Jahr 1745 daran, das Auge von der Katarakt zu befreien. Das Verfahren, das Daviel nun einführte, versprach im Vergleich zu der damals vorherrschenden Operationsmethode des Sparstich bessere Operationserfolge und wurde von da an bevorzugt praktiziert. Die heute bekannten und durchgeführten Methoden der Kataraktextraktion basieren nach wie vor stark auf diesem ursprünglichen Verfahren.

Definition und Verfahren der Katarakt-Operation

Die Katarakt-Operation am Auge ist für am Grauen Star Erkrankte die einzige Möglichkeit, die Welt wieder klar, deutlich und unverschleiert wahrnehmen zu können. Dabei wird die getrübte körpereigene Linse gegen eine Kunstlinse ausgetauscht. Grundsätzlich gibt es dabei zwei veschiedene Verfahren zum Linsentausch:

  • Intrakapsulär: Die Augenlinse wird zusammen mit der Linsenkapsel entnommen (sie befindet sich bei der Entnahme also innerhalb der Kapsel)
  • Extrakapsulär: Vor der Entnahme wird die Augenlinse aus der Linsenkapsel herausgetrennt und die Kapsel verbleibt im Auge

Beim heute am häufigsten durchgeführten Verfahren der Katarakt-Operation, der sogenannten Phakoemulsifikation, wird die Augenlinse mittels einer Ultraschallsonde verflüssigt und abgesaugt. Anschliessend setzt man eine faltbare Kunstlinse in die körpereigene Linsenkapsel ein. Es handelt sich dabei um eine extrakapsuläre Kataraktextraktion. Der Eingriff ist mit geringen Risiken verbunden und kann in der Regel ambulant durchgeführt werden, so dass kein Klinikaufenthalt notwendig ist.

Verbleibt die Linsenkapsel im Auge, kann die anschliessend eingesetzte Kunstlinse sicher in der Kapsel verankert werden, so dass sie an Ort und Stelle verbleibt und nicht verrutschen kann. Ohne die Linsenkapsel ist die Implantierung der Kunstlinse schwieriger, aber nicht unmöglich. Das Fehlen der Kapsel kann auch die Stabilität des Glaskörpers beeinträchtigen, so dass das Risiko einer Netzhautablösung um etwa 6 bis 8 Prozent steigt. Nicht zuletzt ist auch ein grösserer Schnitt notwendig, um die Linse samt Kapsel aus dem Auge zu entfernen. Das führt zu einem erhöhten Infektionsrisiko. Die extrakapsuläre Kataraktextraktion ist also die vorteilhaftere Methode und löste die intrakapsuläre Kataraktextraktion seit den 1960er Jahren ab.

In seltenen Fällen kommt die intrakapsuläre Kataraktextraktion noch immer zum Einsatz. Beim Marphan-Syndrom, einer Bindegewebserkrankung, können sich die Zonulafasern des Aufhängeapparates so sehr lockern und dehnen, dass die Linse verrutscht. In diesem Fall greift man auf die intrakapsuläre Methode zurück. Wegen des geringeren Operationsaufwandes und der niedrigen Kosten wird sie auch als Standardverfahren zur Behandlung des Grauen Stars in Ländern der dritten Welt angewandt.

Voruntersuchungen vor einer Katarakt-OP

Bevor die Katarakt-Operation am Auge von einem Facharzt für Augenheilkunde durchgeführt werden kann, wird der Patient nochmals einer gründlichen Untersuchung der Augen unterzogen. Der Arzt stellt durch genaue Messungen fest, wie sehr die Linsentrübung die Sehschärfe beeinflusst. Er kann erkennen, wie weit der Graue Star fortgeschritten ist.

Durch eine weitere Untersuchung mit einer Spaltlampe wird festgestellt, ob und inwieweit die Hornhaut oder gar die Netzhaut geschädigt ist und ob die Linsentrübung ausschliesslich durch den Grauen Star verursacht wird. Bei dieser letzten Untersuchung durch den Augenarzt soll die Notwendigkeit eines Eingriffs am Auge bestätigt werden.

Ambulant oder stationär?

Eine ambulante Katarakt-OP kann jedoch nur dann durchgeführt werden, wenn der Patient einen guten Allgemeinzustand aufweist und eine anschliessende umfassende Pflege zu Hause möglich ist. Auch die Nachbetreuung beim ambulanten Augenarzt muss sichergestellt werden.

Falls der Betroffene jedoch unter weiteren Krankheiten leidet, ist von einer ambulanten Augenoperation abzuraten. Besonders bei Herz- und Kreislauferkrankungen und Diabetes ist eine nachoperative Überwachung in der Klinik erforderlich. Der stationäre Aufenthalt wird etwa zwei bis vier Tage betragen.

Vor der Operation

Vor der eigentlichen Katarakt-Operation sind zahlreiche Vorbereitungen erforderlich. Um Komplikationen so weit wie möglich zu vermeiden, müssen gründliche internistische Voruntersuchungen beim Hausarzt oder beim Internisten in der Klinik durchgeführt werden. Hierzu gehören die Messung des Blutdrucks und ein EKG. Wichtig ist auch die Blutgerinnungsfähigkeit. So sollten Sie einige Tage vor der Katarakt-OP die Einnahme blutverdünnender Mittel unterlassen, damit Sie während des Eingriffs nicht zu viel Blut verlieren.

Zu den Voruntersuchungen gehört auch eine spezielle Untersuchung durch den Augenarzt, der Sie operieren wird. Hier werden unter anderem die Stärke und der Brechwert der Kunstlinse berechnet. Vor der Katarakt-Operation werden Sie über mögliche Risiken und eventuelle Komplikationen aufgeklärt.

Ablauf der Katarakt-OP

Die Katarakt-Operation findet meist unter örtlicher Betäubung statt. Hier wird durch spezielle Augentropfen oder durch lokale Injektionen in die Umgebung des Auges das Schmerzempfinden und auch die Bewegungsfähigkeit des Auges ausgeschaltet. Bei Kindern oder besonders ängstlichen erwachsenen Patienten kann die Operation auch unter Vollnarkose erfolgen.

Das Ziel des Eingriffs ist die Entfernung der getrübten Linse beziehungsweise der geschädigten Linsenteile und das Einsetzen einer Kunstlinse. In der Regel wird zunächst nur ein Auge operiert. Wenn danach feststeht, dass die Sehfähigkeit sich stark verbessert hat und auch keine Komplikationen aufgetreten sind, erfolgt der Eingriff auch am zweiten Auge.

Hinterkammerlinse 01 (fcm)Künstliche Augenlinse

Um in das Innere des Auges zu gelangen, ist ein wenige Millimeter kleiner Schnitt in die Hornhaut oder die Lederhaut erforderlich. Bei der extrakapsulären Linsenextraktion werden nur der Linsenkern und die Linsenrinde mittels Ultraschall verflüssigt und anschliessend abgesaugt. In die leere Linsenkapsel kann nun die Kunstlinse implantiert werden. Da durch diese Methode der Katarakt-Operation die künstliche Linse in der hinteren Augenkammer einen sicheren Halt findet, sind Komplikationen weitgehend ausgeschlossen. Diese Operationsmethode hat sich in Europa bewährt und wird bevorzugt angewandt.

Die intrakapsuläre Linsenextraktion wird wegen verschiedener Komplikationsrisiken in Europa kaum noch durchgeführt. Hier wird die Linse durch eine „Kryosonde“ angefroren und anschliessend herausgezogen. Da durch diese Methode der Kapselsack beschädigt wird, ist eine Implantation der Kunstlinse in die hintere Augenkammer nicht mehr möglich. Eine Vorderkammerlinse muss eingesetzt werden. Zu den Folgen gehören Netzhaut- oder Aderhautblutungen. Ausserdem kann der Glaskörper heraustreten.

Extrakapsuläre Kataraktextraktion

Die extrakapsuläre Kataraktextraktion stellt heute in der refraktiven Chirurgie um das standardmässig angewandte Prinzip bei der Katarakt-Operation. Das zugrundeliegende Prinzip sieht den Austausch der Augenlinse gegen eine Kunstlinse vor: Zunächst wird die betroffene Augenlinse entfernt (Extraktion). Dabei bleibt die Linsenkapsel, in der die Linse sich befindet, erhalten, so dass eine Kunstlinse in diese körpereigene Linsenhalterung eingesetzt werden kann. Dieser Linsenaustausch kann mittels verschiedener Verfahren erfolgen, darunter die Kataraktoperation mit Femtosekundenlaser und die Phakoemulsifikation.

Kataraktoperation mit Femtosekundenlaser

Dieses Verfahren ist die präziseste und gewebeschonendste Methode für den Linsenaustausch. Sie beginnt sich zurzeit erst durchzusetzen und wird bis jetzt nur an wenigen Augenzentren angeboten.

Hier übernimmt ein computergesteuerter Femtosekundenlaser die Schnittführung, die Herauslösung der Linse aus der Linsenkapsel und die Zerkleinerung der Linse. Die Schnitte werden auf diese Weise mit höchster Präzision gesetzt – dadurch sind nur sehr kleine Schnitte nötig, die anschliessend auch noch besser verheilen.

Die Kunstlinse kann durch den exakt kreisrunden Schnitt an der Augenkapsel optimal verankert werden.

Phakoemulsifikation

Die Phakoemulsifikation ist die Operationsmethode, die heute am häufigsten zur Anwendung kommt. Sie löste ab Ende der 1990er Jahre die manuelle ECCE ab.

Durch einen 2-3 mm kleinen Schnitt an der Hornhaut wird eine Ultraschallsonde in das Auge eingeführt. Diese zerstört mit Ultraschallwellen die Augenlinse, die anschliessend mittels einer Saugspülvorrichtung durch den kleinen Schnitt abgesaugt wird.

Im Anschluss wird eine faltbare Kunstlinse durch den winzigen Schnitt in das Auge verbracht und in der Linsenkapsel fixiert. Der Schnitt an der Hornhaut schliesst sich nach der Operation von selbst.

Die exakte Präzision des computergesteuerten Lasers fehlt bei dieser Methode im Vergleich zur Operation mithilfe eines Femtosekundenlasers. Durch den Einsatz von Ultraschallwellen zur Zerkleinerung der Augenlinse kann auch umliegendes Gewebe in Mitleidenschaft gezogen werden.

Dennoch ist dieses Verfahren heute sehr sicher und erfolgsversprechend.

Manuelle ECCE

Die manuelle ECCE führt der Chirurg – wie der Name sagt – von Hand und ohne Laser- oder Ultraschallunterstützung durch. Auf diese Weise müssen grössere und dadurch naturgemäss ungenauere Schnitte gesetzt werden. Die Augenlinse wird ohne Zerkleinerung durch den etwa 7 mm langen Schnitt entfernt, die Linsenkapsel bleibt jedoch erhalten und kann eine Kunstlinse aufnehmen.

Den langen Schnitt vernäht der Chirurg im Anschluss. Die dadurch entstehende Naht zieht die Hornhaut zusammen und verkrümmt sie, so dass die Sehleistung bis zur vollständigen Verheilung kein optimales Resultat erreichen kann.

Im Vergleich zur Phakoemulsifikation bringt diese Operationsform mehr Risiken mit sich. Es können Brechungsfehler der Hornhaut (Astigmatismus) auftreten, die Heilungsphase dauert länger und es besteht eine höhere Entzündungsgefahr während der Heilung.

Das Verfahren wird heute nur noch in Ausnahmefällen angewendet. Da dabei die Hornhaut geschont wird, kann die manuelle ECCE eingesetzt werden, wenn die diese bereits in Mitleidenschaft gezogen wurde, wie etwa bei fortgeschrittenem Grauen Star. Auch bei einem stark verhärteten Linsenkern, der nicht problemlos verflüssigt werden kann, wird dieser am Stück entnommen.

Intrakapsuläre Kataraktextraktion

Bei der intrakapsulären Kataraktextraktion wird die Linse samt Linsenkapsel entfernt. Dazu ist ein grösserer Schnitt am Auge nötig als für die Entfernung der durch Ultraschall verflüssigten Linse bei der modernen Phakoemulsifikation. Während dort ein etwa 3 mm grosser Schnitt ausreicht, muss der Chirurg bei der intrakapsulären Kataraktextraktion einen etwa 8-10 mm langen Schnitt an der Hornhaut/Lederhaut setzen.

Mithilfe eines Kältestifts friert der Chirurg die Augenlinse ein und entfernt sie am Stück zusammen mit der Linsenkapsel aus dem Auge. Da nun die natürliche Aufhängung für die Linse fehlt, gibt es folgende Optionen zum Einsatz der künstlichen Linse:

  • entweder als Vorderkammerlinse in die vordere Augenkammer – also zwischen Hornhaut und Pupille, statt wie zuvor hinter die Pupille
  • oder wie zuvor hinter die Pupille, hier muss sie jedoch an der Regenbogenhaut oder der Lederhaut festgenäht werden

Der Eingriff dauert pro Auge meistens nur wenige Minuten – die Betäubung hält rund 10 Minuten an, wird aber bei Bedarf immer wieder erneuert. Während der Betäubugn darf der Patient das Auge keinesfalls sein Auge berühren, da er durch das mangelnde Gefühl schwere Verletzungen hervorrufen könnte.

Nach dem Eingriff

Die Katarakt-OP dauert etwa 15 bis 20 Minuten pro Auge. Das operierte Auge wird mit einem Salbenverband abgedeckt, der schon am folgenden Tag entfernt werden kann. Sie werden wahrscheinlich bereits dann mit Freude entdecken, dass sich Ihr Sehvermögen verbessert hat.

Die ersten Tage nach dem Eingriff erfordern jedoch eine intensive Behandlung mit Salbe und Augentropfen. Die anschliessenden Termine zur Kontrolluntersuchung sollten Sie unbedingt einhalten. Bis die volle Sehfähigkeit wiederhergestellt ist, sollten Sie etwas Geduld mitbringen. Auch wenn die Katarakt-Operation zufriedenstellend verlaufen ist, werden Sie auf eine leichte Korrektur der Sehschärfe durch eine Brille für die Nähe und eventuell auch für die Ferne nicht verzichten können.

Risiken des Eingriffs

Die Katarakt-Operation am Auge gehört heute zu den Routineeingriffen in der Augenchirurgie. So werden jährlich etwa 600.000 Grauer Star-Operationen durchgeführt, die meisten davon völlig komplikationslos.

Obwohl die Operation zu den sichersten chirurgischen Eingriffen gehört, sollten dennoch eventuelle Komplikationen und Risiken erwähnt werden:

  • Infektionsrisiken können trotz steriler und sorgfältiger Operationsmethoden nicht ausgeschlossen werden. Diese sind jedoch extrem selten.
  • Ein Verlust der Sehkraft ist durch eine Infektion in äusserst seltenen Fällen nachweisbar.
  • In 0,1 Prozent der durchgeführten Operationen ist eine Netzhautablösung möglich.
  • Es kann in seltenen Fällen zu einer Kapselruptur, zu einem Riss der Linsenkapsel kommen.
  • Bei 1 Prozent der Operierten kann es zu einem zystoiden Makulaödem, einer Wasseransammlung unterhalb der zentralen Netzhaut, kommen.
Erfahren Sie mehr zu unserem Auswahlverfahren

Die Qualitätssicherung des Leading Medicine Guide wird durch 10 Aufnahmekriterien sichergestellt. Jeder Arzt muss mindestens 7 davon erfüllen.

  • Mindestens 10 Jahre Operations- und Behandlungserfahrung
  • Beherrschung moderner diagnostischer und operativer Verfahren
  • Repräsentative Anzahl an Operationen, Behandlungen und Therapien
  • Herausragender Behandlungsschwerpunkt innerhalb des eigenen Fachbereiches
  • Engagiertes Mitglied einer führenden nationalen Fachgesellschaft
  • Leitende berufliche Position
  • Aktive Teilnahme an Fachveranstaltungen (z.B. Vorträge)
  • Aktiv in Forschung und Lehre
  • Ärzte- und Kollegenakzeptanz
  • evaluatives Qualitätsmanagement (z.B. Zertifizierung)

 

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