Interventionelle Radiologie - Medizinische Experten

Die Nachricht, an einer Erkrankung zu leiden und einen chirurgischen Eingriff zu benötigen, ist für die meisten Patienten erschreckend und mit vielen Fragen verbunden. Für viele Eingriffe wird heutzutage die interventionelle Radiologie angewendet; ein Begriff, mit dem der medizinische Laie oft wenig anfangen kann. In diesem Artikel finden Sie hilfreiche Informationen. Haben Sie sich für die interventionelle Radiologie als Therapieverfahren entschieden, können Sie hier direkt einen Spezialisten kontaktieren.

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Interventionelle Radiologie - Weitere Informationen

Was ist interventionelle Radiologie?

Die interventionelle Radiologie gehört offiziell zur diagnostischen Radiologie. Noch häufiger kommt sie allerdings therapeutisch zum Einsatz, um unter Bildsteuerung via

bestimmte therapeutische Eingriffe minimalinvasiv (also unter grösstmöglicher Gewebeschonung) vorzunehmen.

Anwendungsgebiete der interventionellen Radiologie

Über die bildgebenden Verfahren wird der zu behandelnde Bereich exakt lokalisiert. Auf die Weise führt der Arzt auch feinchirurgische Eingriffe, die ansonsten nicht oder nur durch invasives (also mit grösserer Gewebeschädigung verbundenes) Vorgehen möglich wären, minimalinvasiv durch.

Häufige Anwendungsgebiete sind:

Vaskuläre Eingriffe, also Eingriffe an den Blutgefässen, sind das Hauptanwendungsgebiet der interventionellen Radiologie. Vor allem Gefässverengungen und -verschlüsse, wie zum Beispiel Arterienstenosen, die Carotisstenose oder Nierenarterienstenose, werden damit schnell und unkompliziert behoben. Auch bei verengten Herzkranzgefässen (Koronare Herzkrankheit, KHK) kommen interventionell radiologische Verfahren zum Einsatz, zum Beispiel die PTCA (Perkutane Transluminale Coronare Angioplastie).

Angioplastie

Bei einer Angiografie verabreicht der Arzt Ihnen ein Kontrastmittel und fertigt anschliessend Röntgenaufnahmen an. Das entstehende Angiogramm stellt Ihre Blutgefässe dar und gibt Aufschluss über krankhafte Veränderungen (beispielsweise Blutgerinnsel oder Verkalkungen) sowie deren genaue Lokalisation.

Im Rahmen der interventionellen Radiologie schiebt der Art, gesteuert vom Angiogramm, durch einen unter örtlicher Betäubung gesetzten minimalen Schnitt einen Katheter in das betroffene Blutgefäss. Im Falle einer Gefässverengung verwendet er einen sogenannten Ballonkatheter oder einen Stent (gefässstabilisierendes Implantat): Beide führen zu einer Rekanalisation verschlossener Gefässe, indem sie die verengte Stelle wieder weiten und künftig offen halten.

Tumorbehandlung

Um bestimmte Tumore örtlich behandeln zu können, findet die Computertomographie Anwendung: Unter ihrer Kontrolle nimmt der Arzt eine punktgenaue Injektion von Medikamenten vor oder kappt die Blutversorgung des Tumors über einen Katheter; beispielsweise mit Hilfe der transarteriellen Chemoembolisation (TACE), welche gezielt ein Blutgerinnsel in den tumorversorgenden Gefässen verursacht; oder über eine selektive interne Radiotherapie (SIRT), bei der radioaktive Partikel in die entsprechenden Gefässe eingebracht werden.

Die Chemosaturation hingegen schneidet die Leber kurzfristig vom Blutkreislauf des Körpers ab, um sie anschliessend unter Schonung des restlichen Körpers einem Chemotherapeutikum auszusetzen.

Eine weitere Behandlungsmethode ist die Radiofrequenzablation (RFA), welche tumorös verändertes Gewebe zielgenau mittels Wechselstrom zerstört.

Blutungsstillung

Unfallchirurgen wenden die interventionelle Radiologie an, um grössere Blutungen minimalinvasiv zu stillen: Über einen Katheter verödet der Arzt das geschädigte Gefäss oder verschliesst es mit einem membranüberzogenen Stent.

Auch Schädigungen der Aorta (Hauptschlagader) kann der Arzt auf diese Weise minimalinvasiv versorgen.

Vertebroplastie

Durch die Injektion von Knochenzement stabilisiert der Arzt gebrochene oder eingefallene Wirbel, die oft Schmerzen oder Empfindungsstörungen auslösen.

Dafür erhalten Sie in Bauchlage eine Röntgendurchleuchtung oder Computertomographie. Die Kombination einer Vollnarkose mit einer lokalen Betäubung (Lokalanästhesie) hilft, auch minimale Bewegungen zu vermeiden. Nun führt der Arzt unter Bildkontrolle eine Hohlnadel ein, durch die er das stabilisierende Knochenzement in Ihren Wirbel injiziert.

Behandlung von Nervenschmerzen

Nerven, die permanente oder überschiessende Schmerzsignale senden, behandelt der Arzt in der Regel mit entzündungshemmenden, desensibilisierenden und schmerzlindernden oder betäubenden Medikamenten.

Hierfür bildet er den betroffenen Teil der Wirbelsäule mit Hilfe einer Röntgendurchleuchtung oder Computertomographie ab, ehe er die Nadel im richtigen Winkel und in der passenden Tiefe einführt und im Anschluss die Medikamente injiziert.

Gegegebenfalls erhalten Sie ein Lokalanästhetikum. Bei Bedarf wendet der Arzt ausserdem ein Kontrastmittel an.

Weitere Einsatzbereiche der interventionellen Radiologie

Bei Dialysepatienten werden zwecks Blutfilterung künstliche Shunts (bzw. Dialyse-Shuntanlagen), also Verbindungen zwischen einer Arterie und einer Vene, angelegt.

Weitere Anwendungsgebiete sind zum Beispiel die Gewebeprobenentnahme (Biopsie) und das Legen von Drainagen sowie Ernährungssonden.

Nach der Behandlung

Patientenverhalten

Das Patientenverhalten unterscheidet sich je nach Krankheitsbild und vorgenommenem Eingriff stark. Zum Beispiel empfiehlt sich nach einer Vertebroplastie ein Tag Bettruhe, um die Zementaushärtung nicht zu beeinträchtigen.

Nach der Verabreichung von Betäubungsmitteln ist ebenfalls ein Ruhetag angezeigt und das Bedienen eines Fahrzeugs nicht möglich.

Prognose

Auch die Prognose ist abhängig davon, welche Art von Eingriff der Arzt bei Ihnen durchgeführt hat. Katheterisierungen der Gallengänge oder Blutgefässe haben beispielsweise auch langfristig eine sehr hohe Erfolgsquote. Auch Patienten, die unter Nervenschmerzen leiden, profitieren grösstenteils enorm von der Behandlung.

Wie erfolgsversprechend eine Tumorbehandlung ist, hängt von der Behandlungsmethode sowie der Art, Grösse, Lokalisation und dem Stadium des Tumors ab. Einige Tumore sind nicht (mehr) heilbar, bei anderen stehen die Chancen sehr gut. Die genauere Einschätzung kann der behandelnde Arzt vornehmen.

Mögliche Komplikationen

Dadurch, dass die interventionelle Radiologie minimalinvasiv arbeitet, sind die Komplikationsrate und das Ausmass der Nebenwirkungen äusserst gering.

Selten sind bei Injektionen folgende Komplikationen möglich:

  • Infektionen
  • versehentliche Fehlinjektionen
  • Nervenschädigungen
  • Blutungen

Bei der Vertebroplastie sind Anschlussfrakturen oder, wenn Knochenzement aus dem Wirbel austritt, Lähmungserscheinungen durch den Druck aufs Rückenmark möglich.

Die Therapie von Nervenschmerzen kann vorübergehend zu Empfindungsstörungen, Lähmungen oder einer Verschlechterung der Beschwerden führen.

Einige Menschen besitzen Unverträglichkeiten gegen die injizierten Medikamente oder Kontrastmittel.

Fazit

Die interventionelle Radiologie ist eine Therapiemethode mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Dank der Bildgebung in Echtzeit ermöglicht sie eine schonende, punktgenaue Behandlung, wodurch die Komplikationsrate sehr viel geringer ist als bei einem invasiven Eingriff und Sie sich deutlich schneller erholen. Ihr Arzt erörtert Ihnen in einem persönlichen Gespräch, welche Methode für Ihr Krankheitsbild geeignet ist, wie Ihre individuelle Prognose aussieht und ob Sie mit Nebenwirkungen rechnen müssen.

Quellen

  • DocCheck Medizinlexikon: https://flexikon.doccheck.com/de/Interventionelle_Radiologie
  • Radiologie-Netz: https://www.radiologie.de/radiologische-therapie/
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  • Mindestens 10 Jahre Operations- und Behandlungserfahrung
  • Beherrschung moderner diagnostischer und operativer Verfahren
  • Repräsentative Anzahl an Operationen, Behandlungen und Therapien
  • Herausragender Behandlungsschwerpunkt innerhalb des eigenen Fachbereiches
  • Engagiertes Mitglied einer führenden nationalen Fachgesellschaft
  • Leitende berufliche Position
  • Aktive Teilnahme an Fachveranstaltungen (z.B. Vorträge)
  • Aktiv in Forschung und Lehre
  • Ärzte- und Kollegenakzeptanz
  • evaluatives Qualitätsmanagement (z.B. Zertifizierung)

 

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