Die Dickdarmchirurgie (chirurgische Koloproktologie) ist ein Behandlungsfeld der Viszeralchirurgie (Bauchchirurgie). Ein Chirurg führt einen Eingriff am Kolon (aufsteigender, querer und absteigender Dickdarm), Enddarm, Rektum (Mastdarm) oder Anus durch. Die Behandlung umfasst die Therapie von Erkrankungen der allgemeinen und speziellen Proktologie. Ebenso ist sie ein Teil der interdisziplinären Therapie bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie z. B. der Colitis ulcerosa. Häufig ist vor der Operation eine Koloskopie nötig, um eine exakte Diagnose zu stellen. Das ermöglicht dem Chirurgen zu entscheiden, welcher Eingriff nötig ist. 

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Dickdarmchirurgie - Weitere Informationen

Was gehört zur Dickdarmchirurgie

Die allgemeine Chirurgie des Dickdarms umfasst die Behandlung von Blinddarmentzündungen, Divertikeln, und Resektionen bei Tumoren des Dickdarms und Analbereichs. 

Zur speziellen Chirurgie des Dickdarms gehören die Operationen bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und die unterstützende chirurgische Behandlung des Rektumkarzinoms. 

Chirurgische Eingriffe erfolgen konventionell oder minimal-invasiv. Bei konventionellen Methoden eröffnet der Chirurg die Bauchhöhle und operiert am freigelegten Darm, während bei minimal-invasiven Techniken nur kleine Schnitte nötig sind, durch die Instrumente eingeführt werden.

Gründe für eine OP der Dickdarmchirurgie

Ein Eingriff am Dickdarm wird nötig, wenn durch entzündliche Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Infektionen, Tumore, Fremdkörper oder Fehlbildungen der Darm verändert oder geschädigt ist, sodass die normale Funktion beeinträchtigt ist und medikamentös keine Besserung erzielt wird. Die operative Behandlung entfernt betroffene Darmteile und versucht die Funktionstüchtigkeit wiederherzustellen, indem dauerhaft oder vorübergehend ein künstlicher Darmausgang gelegt wird.

Bei folgenden Erkrankungen führt ein Chirurg Operationen am Dickdarm durch:

  • HämorrhoidenGefässstrukturen, die in den Analkanal hineinragen. Entzündet und geschwollen stören sie den Kotabsatz. Die operative Behandlung der Hämorrhoiden-OP konzentriert sich auf das Stoppen der Blutungen oder die Entfernung der Hämorrhoiden.
  • AnalfistelnGänge oder ein Netzwerk von Gängen, die vom Analkanal nach aussen führen und sich aufgrund einer Entzündung gebildet haben. Die Therapie ist die chirurgische Versorgung in Form einer Spaltung, Exzision oder Drainage.
  • AnalfissurenDies sind Risse in der Haut oder Schleimhaut am After. Bei chronischer Erkrankung ist die chirurgische Entfernung mit einer Analfissur-OP indiziert.
  • Chronische Obstipation: Bei der Obstipation (Verstopfung) handelt es sich um eine Stuhlentleerungsstörung, die in schweren Fällen mit chirurgischen Techniken behandelt wird.
  • DivertikelAusstülpungen der Darmwand. Bei chronischen Beschwerden mit starken Entzündungen, die Divertikulitis, kann eine Entfernung des betroffenen Abschnitts heilend sein.
  • StuhlinkontinenzBei einer Stuhlinkontinenz ist ein kontrollierter Stuhlabgang nicht möglich. Als Ursachen kommen Entzündungen, Tumore, Beckenboden- oder Nervenerkrankungen in Frage. Die operative Behandlung richtet sich nach der Ursache.
  • RektumprolapsDer Rektumprolaps ist ein Vorfall des Mastdarms. Operativ oder laparoskopisch wird das Rektum teilreseziert, zurückverlagert und fixiert.
  • DarmpolypenDies sind gutartige Auswüchse der Darmschleimhaut, die in den Darmkanal ragen. Die Entfernung während einer Darmspiegelung gehört zur Darmkrebsprophylaxe.
  • Infizierter Sinus pilonidalis: Dies bezeichnet eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Gesässfalte, die sich sekundär infiziert hat. Die therapeutische Lösung der Wahl ist die Exzision.
  • Anorektale Fehlbildungen: Ein Beispiel für eine angeborene Fehlbildung ist die Analatresie. Enddarm und After sind unzureichend ausgebildet oder der Darmausgang fehlt. Hier ist das Ziel der Operation, den fehlgebildeten Darm zu rekonstruieren und einen Darmausgang anzulegen.
  • Kolorektale Tumore und Tumore des Anus: Bei Tumoren wird der befallene Darmteil mit genug Sicherheitsabstand zum übrigen Gewebe entfernt. Ist der Krebs früh erkannt worden, ist die Behandlung oft kurativ.
  • Appendizitis: Bei einer Entzündung des Wurmfortsatzes des Blinddarms, vereinfacht Blinddarmentzündung genannt, ist die chirurgische Entfernung kurativ.
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Enteritis und ReizdarmsyndromAus chronischen Entzündungen des Darms kann Darmkrebs entstehen. Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, die nicht auf eine medikamentöse Behandlung ansprechen, ist die chirurgische Entfernung indiziert. Bei der Colitis ulcerosa beispielsweise, zielt das meist auf die komplette Entfernung des Dickdarms ab. Heutzutage ist die OP nicht immer mit einem künstlichen Darmausgang verbunden und der Schliessmuskel kann geschont oder rekonstruiert werden. Die laparoskopische Resektion ist ebenfalls möglich.
  • Fremdkörper und Verletzungen des Dickdarms oder Anus: Fremdkörper und Verletzungen des Dickdarms sind mit einer chirurgischen Intervention verbunden, um eine Perforation mit folgender Bauchfellentzündung zu vermeiden. Der Chirurg entfernt den Fremdkörper und versorgt die verletzten Darmteile.

Operationsmethoden zur Behandlung von Dickdarmerkrankungen

Die Chirurgie am Dickdarm wird konventionell oder minimal-invasiv durchgeführt. Der Ablauf der Behandlung richtet sich nach der Art des Eingriffs. Im Allgemeinen ist eine Vollnarkose nötig. Zudem sind das Fasten vor der OP und eine Darmreinigung erforderlich. Die Koloskopie geht der OP voraus oder findet am selben Tag statt. Dickdarmoperationen dauern durchschnittlich zwischen ein und fünf Stunden.

Verfahren, die bei der Dickdarmchirurgie zum Einsatz kommen:

  • Appendektomie: Die Appendektomie ist die Entfernung des Wurmfortsatzes des Blinddarms. Diese erfolgt konventionell oder laparoskopisch.
  • Kolektomie und Proktokolektomie: Die Kolektomie bezeichnet die irreversible Entfernung des Kolons, während bei der Proktokolektomie das Kolon und Rektum reseziert werden. Bei einer vollständigen Dickdarmentfernung ist der Erhalt des Schliessmuskels und des Darmausgangs nicht immer möglich und ein künstlicher Darmausgang muss gelegt werden.
  • Hemikolektomie: Bei der Hemikolektomie entfernt der Chirurg nur einen Teil des Dickdarms. Dementsprechend gibt es die rechtsseitige oder die linksseitige Hemikolektomie, je nachdem, ob der aufsteigende Teil oder der absteigende Teil des Kolons reseziert wird.
  • Laparoskopische Kolektomie: Eine vollständige Entfernung des Dickdarms kann ebenso mit laparoskopischen Verfahren erfolgen. Ob diese zum Einsatz kommen, hängt von der Ausbildung des Chirurgen ab. Vorteil der Technik ist ein geringeres Risiko für Adhäsionen.
  • Kolostomie: Die Kolostomie bezeichnet das Anlegen einer künstlichen Darmöffnung. Der Chirurg führt das Darmende durch die Abdomenwand, verbindet es mit der Haut und lenkt so den Stuhlfluss um.

Postoperative Behandlung und Nachsorge 

Nach einer Dickdarmoperation, besonders wenn grosse Teile entfernt worden sind, kann es zu breiigen bis dünnflüssigen Stühlen und Blähungen kommen. Daher ist postoperativ eine darmschonende Ernährung wichtig. Stopfende Nahrungsmittel wie Haferflocken, Flohsamen, Weizenkleie, Kartoffeln oder Bananen helfen die Kotkonsistenz zu verfestigen. Es kann bis zu einem Jahr dauern, bis sich die Stuhlabsatzfrequenz wieder normalisiert. Blähende Lebensmittel müssen dauerhaft gemieden werden.

Wichtig ist ausserdem, den Wasserverlust auszugleichen. Das Trinken von zwei bis drei Litern Flüssigkeit pro Tag in Form von Kräutertees, Schwarztee oder stillen Mineralwässern ist die Empfehlung.

Welche Komplikationen treten auf, welche Risiken gibt es und wie ist die Prognose?

Nach einer Dickdarmoperation, bei der eine Resektion durchgeführt wurde, müssen die manipulierten und eventuell neu verbundenen Darmteile heilen. In 3 bis 4 % der Fälle treten Leckagen auf. Gelangt Darminhalt in die Bauchhöhle, können Bauchfellentzündungen auftreten. In diesem Fall ist eine Reoperation nötig. Wird ein künstlicher Darmausgang gelegt, kann dieser sich infizieren.

Als weitere Komplikation kann es zu einer Schädigung benachbarter Strukturen kommen (z. B. von Harnleiter, Dünndarm oder Nerven).

Komplikationen, die bei jeder Art von OP vorkommen können sind Infektionen, Blutungen oder Narkosezwischenfälle. 

Bei der Entfernung grosser Dickdarmanteile kann es dauerhaft zu Störungen des Flüssigkeits- und Salzhaushalts kommen.

Obwohl Dickdarmoperationen kurativ sein können, hängt die Prognose stark von der zugrunde liegenden Erkrankung, vom allgemeinen Gesundheitszustand, von der OP-Methode und vom Verlauf der Operation ab.

Quellen:

https://www.koloproktologie.org/

https://www.dgav.de/

https://www.swiss-surgery.de

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de

https://www.chirurgie-online.net

https://www.reizdarm.one/