Die Beinvenen - Das Venensystem der Beine

04.10.2017
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
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Das System der Beinvenen kann in verschiedene komplexe Strukturen unterteilt werden. So wird zum einen zwischen den tiefen und den oberflächlichen Beinvenen sowie den sogenannten Perforansvenen, die das System der tiefen mit dem der oberflächlichen Beinvenen verbindet, differenziert. Daneben bilden die Fussvenen ein umfassendes Netzwerk und stellen dadurch ein echtes Blutreservoir (Kapazitätssystem) zur Verfügung. Dieses Blutreservoir kann bei Bedarf mobilisiert werden, indem der Tonus der glatten Gefässmuskulatur erhöht wird.

Artikelübersicht

Die tiefen Beinvenen

Ein Grossteil des venösen Rückflusses zum Herzen (95 Prozent) wird über ein Netzwerk aus tiefen Beinvenen realisiert. Dieses liegt in der Mittelachse und folgt den Beinarterien. Es ist von Muskeln und der sogenannten Aponeurose – einer flächigen Bindegewebsstruktur – umgeben. Die Venen tragen hierbei dieselben Bezeichnungen wie die Arterien, zu denen sie jeweils als Begleitvenen (Venae comitantes) parallel verlaufen. Die Begleitvenen sind zumeist doppelt angelegt.

Zu den grossen tiefen Beinvenen gehören

  • die Vena poplitea,
  • die Vena tibialis anterior und
  • Vena tibialis posterior sowie
  • die Vena fermoralis,

die die Vena poplitea im Oberschenkel fortsetzt und im kleinen Becken in die Vena iliaca externa mündet. Vena tibialis anterior und Vena tibialis posterior transportieren das venöse, sauerstoffarme Blut aus dem Unterschenkel und vereinen sich zur Vena politea. Die Vena dorsalis pedis (Fussrückenvene) führt das Blut in die Vena tibialis anterior und die plantaren Venen (Fusssohlenvenen) in die Vena tibialis posterior.

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Die oberflächlichen Beinvenen

Daneben wird ein geringerer Teil des venösen Rückstroms (fünf Prozent) über ein interindividuell sehr stark variierendes Netz aus oberflächlichen Beinvenen verwirklicht. Die oberflächlichen Beinvenen verlaufen unabhängig von den Arterien ausserhalb der Muskulatur und epifaszial (oberhalb einer Faszie) im subkutanen Fettgewebe zwischen der Hautwand und der die Muskulatur umhüllenden Aponeurose. Sie sind nicht lebensnotwendig. Das oberflächliche Beinvenensystem besteht aus einigen wenigen grossen Gefässen sowie venösen Netzen, die sich flächenförmig ausbreiten. Die beiden Hauptbestandteile des oberflächlichen Venennetzes sind:

  • die an der Innenseite des Beines verlaufende und in die Vena femoralis mündende Vena saphena magna (auch Vena saphena interna) sowie
  • die an der Wadenrückseite verlaufende und in die Vena poplitea mündende Vena saphena oarva (auch Vena saphena externa).

Verbindung der tiefen mit den oberflächlichen Beinvenen

Das System der Perforansvenen verbindet die oberflächlichen mit den tiefen Beinvenen. Um beide Venensysteme verbinden zu können, durchqueren die Perforansvenen Muskelfaszie und Aponeurose. Die Perforansvenen werden in die innenseitig am Unterschenkel verlaufenden Cockett-Venen, die unterhalb des Kniegelenks und innenseitig am Unterschenkel verlaufenden Boyd-Venen sowie die an der Oberschenkelinnenseite oberhalb des Knies verlaufenden Doddsche-Perforansvenen unterteilt. In einem gesunden Venensystem fliesst das Blut immer von den oberflächlichen zu den tiefen Beinvenen.

Kleine Venolen (feinste Venen) der Haut und Unterhaut kleiden die gesamte Fusssohle aus und bilden ein komplexes Netz, das auch Lejahrs-Sohle bzw. plantarer Venenplexus genannt wird. Das tiefe Netzwerk setzt sich vor allem aus den internen und externen Plantarvenen zusammen. Diese verlaufen zwischen den Muskeln der Fusssohle und befördern das Blut zu den zu den tiefen Beinvenen gehörenden Venae tibiales posteriores sowie aus den dorsalen Fussvenen, die die gut unter der Haut erkennbare dorsale Venenarkade bilden.

Funktionsweise der Beinvenen: Venenklappen und Muskelpumpe

In den Venen des Körperkreislaufes wird vor allem das sauerstoffarme Blut zurück zum Herzen transportiert. Dabei transportieren die Venen eines erwachsenen Menschen etwa 7.000 Liter Blut am Tag. Dieser Rückstrom wird gegen die Schwerkraft realisiert und muss auch sitzend oder stehend sichergestellt werden. Dabei lastet auf den Beinvenen die gesamte Blutsäule bis zum rechten Herzen. Die im Vergleich zu den Arterien dünneren und weicheren Wände der röhrenförmigen Venen würde der hydrostatische Druck allerdings überlasten. Sie würden sich immer stärker ausdehnen, bis der Blutfluss zum Stillstand käme. Daher enthalten die Venenwände etagenweise und in regelmässigen Abständen Venenklappen, die wie Rückschlagventile ein Zurückfliessen des Blutes in die „falsche Richtung“ verhindern.

Die Venenklappen sind taschenartige Ausstülpungen aus der Intima der Gefässwand in das Gefässlumen. Gemeinsam mit der Anspannung der Wadenmuskulatur sorgen diese für einen rhythmischen Blutstrom zum Herzen. Diese Muskelpumpe funktioniert, da die tiefen Beinvenen gemeinsam mit der Muskulatur in einem nicht dehnbaren Faszienschlauch (Bindegewebsschlauch) liegen, sodass jede Muskelanspannung auch die im Schlauch befindlichen Venen komprimiert und das Blut voranpresst. In der Erschlaffungsphase füllen sich die Venen erneut. In Ruhe realisieren Herzpumpe und Atmung über einen positiven Druckgradienten den venösen Rückstrom.

Die Beinvenen dienen wie alle Venen des Körpers wegen ihrer hohen Compliance als Blutreservoir, das bei Bedarf über eine Tonuserhöhung der glatten Gefässmuskulatur mobilisiert werden kann. In dem weitverzweigten Netz kleinster Blutgefässe (Venolen, Arteriolen und Blutkapillaren) spielt sich die Mikrozirkulation ab. Diese ist wichtig für den Organismus, denn sie stellt nicht nur ein bedeutendes Blutreservoir dar. Sie reguliert zudem den Blutdruck und fördert den Wärmeaustausch und Nährstofftransport zu den Zellen. Die Venolen nehmen hierbei das Blut aus dem venösen Schenkel der Kapillaren auf und führen dieses den Venen zu, indem sie sich mit den angrenzenden Venolen zu diesen vereinen.

Häufige Erkrankungen der Beinvenen

Mehr als die Hälfte aller Frauen und etwa ein Drittel der Männer haben mindestens einmal in ihrem Leben mit Venenproblemen zu tun. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Venenerkrankungen. Mehr als zwei Drittel der über 70-jährigen leidet an Beschwerden, die auf ein Krampfaderleiden (Varikose) zurückgeführt werden können. Krampfadern, die von Medizinern als Varizen bezeichnet werden, sind knotenförmig erweiterte Venen des oberflächlichen Systems.

Bei einem primären Krampfaderleiden (primäre Varikose) schliessen die Venenklappen aufgrund einer Bindegewebsschwäche nicht mehr vollständig, sodass es zu einem Rückfluss des Blutes kommt. Dies resultiert in einer Druckerhöhung in den Beinvenen, die sich unter der Haut erkennbar und tastbar erweitern. Zudem kann es zu einer lokalen Entzündung der oberflächlichen Vene (Beinvenenentzündung bzw. Phlebitis) kommen.

Daneben können Krampfadern Folge einer anderen Gefässerkrankung – beispielsweise einer Beinvenenthrombose – sein (sekundäre Varikose). Bei einer Beinvenenthrombose verstopft ein Blutgerinnsel eine tiefere Beinvene (Thrombose), es kommt zu einer Abflussbehinderung oder sogar zum akuten Venenverschluss. Die Beinvenenthrombose-Symptome sind Anschwellen des betroffenen Beines, das erwärmt und bläulich verfärbt ist.

Der Betroffene leidet darüber hinaus an Schmerzen im Bein, markant sind insbesondere ein Druckschmerz in der Wade sowie ein muskelkaterartiges Spannungsgefühl. Varizen gelten entsprechend immer auch als möglicher Indikator für eine Beinvenenthrombose. Die Beinvenenthrombose-Therapie zielt in erster Linie auf die Beseitigung der Abflussbehinderung sowie Vermeidung von Komplikationen – zum Beispiel eine Lungenembolie – ab.

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