Die Vagina - Anatomie, Funktionen und häufige Erkrankungen

Die Vagina, die auch als Scheide bezeichnet wird, zählt zu den inneren Geschlechtsorganen einer Frau. Sie ist ein etwa zehn bis zwölf Zentimeter langes, muskuläres und dehnbares Hohlorgan, das die äusseren Geschlechtsorgane mit der Gebärmutter verbindet. Die Vagina ist elastisch und daher in der Lage, sich bei einer Entbindung so auszudehnen, dass sie als Geburtskanal für das Neugeborene dient. Bei der Periode der Frau kann das Menstruationsblut zudem durch die Vagina abfliessen.

Die Öffnung der Vagina ist vor dem ersten Geschlechtsverkehr durch das Jungfernhäutchen, auch als Hymen bezeichnet, verengt. Dieses liegt etwa zwei Zentimeter hinter dem Scheideneingang und reisst in den meisten Fällen beim ersten Geschlechtsverkehr ein, was eine Blutung zur Folge haben kann.


Medizinische Lektorin Dr. Stephanie Hübner

Dieser Artikel wurde nach den Vorgaben aktueller medizinischer Fachliteratur, Leitlinien und wissenschaftlichen Standards verfasst und sorgfältig von Medizinern geprüft.

Themenübersicht dieses Artikels

Welche anatomischen Strukturen machen die Vagina aus?

Die Vagina ist ein sogenanntes Hohlorgan, das aus einem flexiblen und glatten Muskelschlauch besteht, der zwischen zehn und zwölf Zentimeter lang ist. Die Dehnbarkeit der Vagina, die bei der Geburt eines Kindes notwendig ist, erklärt sich durch ihre flexible und faserige Struktur. Diese erlaubt es, sich bei der Geburt der Grösse des Kindes anzupassen. Darüber hinaus verfügt die Vagina über die Fähigkeit, Heilungsprozesse zu unterstützen Dies wird aufgrund der sauren Vaginalflora und ihrer speziellen Struktur ermöglicht.

weibliche Geschlechtsorgane Anatomie

Während die Vagina zu den inneren Geschlechtsorganen der Frau zu zählen ist, handelt es sich bei den äusseren Genitalien um die Schamlippen, die Klitoris und den als Introitus bezeichneten Scheidenvorhof. Neben der Harnröhre mündet auch die Vagina in den Introitus. Dieser wird von den kleinen Schamlippen umschlossen, die im vorderen Bereich in die Klitoris übergehen. Die kleinen Schamlippen wiederum werden von den grossen Schamlippen umschlossen. In der Klitoris befinden sich Schwellkörper. Von der embryologischen Entwicklung her entspricht sie dem männlichen Geschlechtsorgan. Die Klitoris wird von zahlreichen Nerven versorgt und spielt für das sexuelle Lustempfinden der Frau eine zentrale Rolle.

Funktionen und Aufgaben der Vagina

Die Vagina erfüllt eine Vielzahl an Aufgaben. Zum einen ermöglicht sie dem Menstruationsblut einen Weg, um aus dem Körper herauszufliessen. Zum anderen kann beim Geschlechtsverkehr das männliche Geschlechtsorgan in die Vagina eindringen. Auf diese Weise können die männlichen Spermien über die Vagina, den Gebärmutterhals und –körper und über die Eileiter ihren Weg zur reifen Eizelle finden. Sofern diese befruchtet wird, kommt es zu einer Schwangerschaft und neues Leben kann in den weiteren Monaten heranreifen. Auch nach der Befruchtung spielt die Vagina eine zentrale Rolle, denn sie fungiert während der Entbindung als Geburtskanal.

Was ist die Scheidenflora bzw. das Scheidenmilieu?

Eine gesunde Vagina zeichnet sich dadurch aus, dass sie keinesfalls keimfrei ist. So wie der menschliche Dickdarm oder die Haut ist sie mit vielen Bakterien besiedelt. Eine solche natürliche Besiedelung der Vagina mit Keimen wird als Scheidenflora bezeichnet. Diese hat die Aufgabe, das Scheidenmilieu zu regulieren und Krankheitserreger abzuwehren.

Neben Schleimhautzellen befinden sich in einem normalen Scheidensekret etwa 100 Millionen Keime pro Milliliter. Vorwiegend handelt es sich bei diesen Bakterien um Milchsäurebakterien, die unter dem Einfluss der weiblichen Hormone in der Vagina gute Bedingungen für ihr Wachstum vorfinden. Durch die Umwandlung von Zucker in Milchsäure führen diese Bakterien zu einer Absenkung des pH-Wertes in der Vagina.

Der pH-Wert einer gesunden Scheide liegt unter 4,5 und somit deutlich unter dem Wert der Haut, der etwa 5,5 beträgt. Aufgrund des sauren Scheidenmilieus ist es für Krankheitserreger schwer, sich zu vermehren. Zu diesen Krankheitserregern zählen etwa Pilze oder Bakterien. Darüber hinaus bilden viele Milchsäurestämme neben der Milchsäure weitere Stoffe, die eine Vermehrung von Krankheitserregern erschweren, wie etwa antibiotisch wirksame Eiweissmoleküle oder Wasserstoffperoxid. Im Scheidensekret gesunder Frauen lassen sich zwischen fünf und acht verschiedene Stämme von Milchsäurebakterien finden, wobei die Zusammensetzung der Stämme von Frau zu Frau verschieden sein kann. Aus diesem Grund ist auch die Anfälligkeit für vaginale Infektionen von Frau zu Frau unterschiedlich.

Auch während einer Schwangerschaft verändert sich die Scheidenflora grundsätzlich kaum. Jedoch kann es bei manchen Frauen zu einem Anstieg des pH-Wertes in der Vagina kommen. Aus diesem Grund sind regelmässige Kontrollen beim Frauenarzt empfehlenswert, damit Infektionen möglichst frühzeitig erkannt werden können.

Die natürliche und gesunde Zusammensetzung der Scheidenflora kann durch äussere Einflüsse gestört werden. Dies ist beispielsweise bei der Einnahme von Antibiotika der Fall, da diese nicht nur die Zahl der unerwünschten Bakterien vermindern, sondern auch zu einer Reduzierung der Milchsäurebakterien in der Vagina führen. Dies ist auch der Grund dafür, dass viele Frauen bei der Einnahme von Antibiotika unter einem Vaginalpilz leiden. Das Milieu innerhalb der Scheide ist durch die Einnahme der Medikamente derart gestört, dass es Krankheitserregern erleichtert wird, sich in der Vagina anzusiedeln.

Dieses Phänomen lässt sich bei einigen Frauen auch bei der Einnahme von Hormonpräparaten, also beispielsweise der Anti-Baby-Pille, beobachten. Darüber hinaus können auch die Verwendung von Seifen im Intimbereich sowie die Anwendung spezieller Intimsprays die Scheidenflora negativ beeinträchtigen. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, die äusseren Genitalien in erster Linie mit klarem Wasser zu reinigen. Auf Scheidenspülungen sollte zudem verzichtet werden, da so die gesunde Vaginalflora empfindlich gestört werden kann.

Letztlich können auch beispielsweise Immunschwächekrankheiten oder ein Diabetes mellitus ungünstige Einflüsse auf die natürliche Scheidenflora nach sich ziehen. Sollte die Frau häufig unter Pilzinfektionen der Scheide leiden, ist es daher sinnvoll, die mögliche Existenz verschiedener Grunderkrankungen abzuklären.

Was sind häufige Erkrankungen der Vagina?

Vaginale Infektionen

In der frauenärztlichen Praxis zählen Infektionen der Vagina zu den häufigen Krankheitsbildern. Diese lassen sich beispielsweise im Rahmen von gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen finden. Als Ursache kommt in den meisten Fällen eine Störung der gesunden Scheidenflora in Frage. Diese wiederum führt dazu, dass sich Bakterien, Pilze oder Viren in der Scheide einnisten und vermehren können.

Abhängig vom jeweiligen Auslöser können auch die Symptome einer vaginalen Infektion unterschiedlich ausfallen. So klagen viele Betroffene über einen Juckreiz oder über Schmerzen im Intimbereich, die auch beim Sexualverkehr auftreten können. Darüber hinaus sind auch Rötungen der vaginalen Schleimhaut und ein unangenehmer Ausfluss aus der Vagina keine Seltenheit bei Scheideninfektionen. Bei manchen Frauen können jedoch die Symptome auch völlig fehlen.

Die Behandlung einer Vaginalinfektion ist vom jeweiligen Erreger abhängig. Hierzu wird vom behandelnden Gynäkologen das Scheidensekret analysiert, um den Erreger zu identifizieren. Sobald dieser bekannt ist, kann mit einer medikamentösen Therapie begonnen werden.

Scheidenpilz

Wenn die Vagina von speziellen Pilzen befallen ist, wird dies als Scheidenpilz bezeichnet. Oftmals handelt es sich hierbei um den Erreger Candida albicans, der normalerweise im Darm eines Menschen angesiedelt ist. Zu den häufigsten Symptomen bei einem Scheidenpilz zählen ein vermehrter Ausfluss aus der Vagina sowie ein brennender und starker Juckreiz im Scheidenbereich. Eine Ansteckung mit einem Scheidenpilz ist nur durch direkten Körperkontakt möglich. Durch die gemeinsame Nutzung von alltäglichen Dingen, wie etwa dem Toilettensitz, ist eine Übertragung hingegen nicht möglich.

Als Behandlungsmöglichkeiten bieten sich bei einem Scheidenpilz bestimmte Zäpfchen oder Salben an, die  in die Vagina eingeführt werden. Auch der Partner sollte bei einem Scheidenpilz mitbehandelt werden. Dies geschieht durch eine Salbe, die auf den Penis aufgetragen wird.

Scheidenkrebs

Während Eierstockkrebs und Gebärmutterhalskrebs bei jüngeren Frauen häufiger auftreten, betrifft Scheidenkrebs vor allem Frauen ab einem Lebensalter von 60 oder 70 Jahren.

Typische Beschwerden, die auf Scheidenkrebs hindeuten können, gibt es nicht. Aus diesem Grund wird Scheidenkrebs häufig erst in einem weit fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert, wodurch die Heilungschancen deutlich verschlechtert werden.

Um Scheidenkrebs möglichst frühzeitig erkennen und behandeln zu können, sind regelmässige Vorsorgeuntersuchungen beim Gynäkologen sehr wichtig. Sollte der Scheidenkrebs rechtzeitig entdeckt werden, ist dieser in etwa 70 Prozent der Fälle heilbar. Zu den typischen Untersuchungsmethoden zählen die gynäkologische Untersuchung (Inspektion und Palpation), Zellabstriche, Biopsien  und eine Ultraschalluntersuchung.

Die Therapie von Scheidenkrebs ist abhängig von der Lage und der Grösse des Tumors. Wenn sich dieser zentral in der Scheide befindet, ist er in der Regel einfach zu entfernen. Sollte er sich hingegen in der Nähe des Gebärmutterhalses befinden, ist unter Umständen auch eine Entfernung der Gebärmutter erforderlich. Alternativ zur Operation kann in bestimmten Fällen  bei der Behandlung von Scheidenkrebs eine Bestrahlung in Frage kommen.

Vaginismus

Beim Vaginismus handelt es sich um eine unwillkürliche Verkrampfung der Muskulatur im weiblichen Beckenboden. Er erschwert den Geschlechtsverkehr zum Teil erheblich und wird von Betroffenen auch deswegen als sehr störend erfunden. In einigen Fällen wird die Sexualität als schmerzvoll erlebt oder durch ein ungewolltes Verkrampfen der Muskulatur unmöglich gemacht.

Als mögliche Ursachen kommen auch psychische Gründe in Frage. Falsche Scham oder Ängste können einen Vaginismus begünstigen. Ein Vaginismus kann jedoch auch die Folge einer Geburt, einer Operation oder eines traumatischen Erlebnisses sein.

Für die Behandlung von Vaginismus kommt gezieltes Beckenbodentraining in Frage, das der Betroffenen dabei helfen kann, die Muskulatur zu entspannen. Zusätzlich kann eine psychologische Behandlung dabei helfen, innere Verspannungen zu lösen. Auch der Einsatz von Vaginaldilatoren kann die Auswirkungen eines Vaginismus reduzieren.

Vaginalsenkung

Bei einer Vaginalsenkung kommt es zu einer Lageveränderung der Scheide. Die Folge hierbei ist ein Tiefertreten der Vagina. Oftmals tritt eine solche Scheidensenkung gemeinsam mit einer Senkung der Gebärmutter auf. Die Gebärmutter verlagert sich hierbei nach unten.

Als Grund für eine Vaginalsenkung kommt bei vielen betroffenen Frauen eine Beckenbodenschwäche in Frage. Steigendes Alter, schwere körperliche Arbeit, geschwächtes Bindegewebe oder starkes Übergewicht sind die häufigsten Ursachen für das Auftreten einer solchen Beckenbodeninsuffizienz. Auch Schwangerschaft und Geburt können den weiblichen Beckenboden verändern.

Betroffene beschreiben im Rahmen einer Vaginalsenkung häufig Blasenbeschwerden und Druckgefühle als typische Symptome. Der ungewollte Verlust von Urin beim Husten oder Lachen können die Folge hiervon sein. Darüber hinaus können bei einer Vaginalsenkung auch Unterleibsschmerzen auftreten.

Die Behandlung einer Vaginalsenkung ist vom jeweiligen Ausmass abhängig. Grundsätzlich kommen sowohl operative als auch konservative Therapiemöglichkeiten in Betracht. Regelmässiges Beckenbodentraining ist wichtiger Bestandteil der verschiedenen Therapien. Hierbei sollen Betroffene gezielte Übungen durchführen, mit denen die Muskulatur im Beckenbodenbereich gekräftigt wird. In vielen Fällen lässt sich bereits durch diese Massnahme eine Besserung der Beschwerden erreichen.

Zuletzt aktualisiert am 16.08.2019