Hammerzehen - nicht nur ein kosmetisches Problem

Unter einem Hammerzeh (Digitus malleus oder Hallux malleus) versteht man eine Zehenverformung, die durch zu enges oder zu kleines Schuhwerk zustande kommt. Ist der Schuh vorne zu kurz oder zu schmal, stossen die Zehen an und krümmen sich. Auch hohe Absätze begünstigen diese Fehlstellung, da durch die Erhöhung der Ferse der Fussballen nach vorne rutscht und der vermehrte Druck auf den Vorderfuss eine chronische Belastung verursacht.


Medizinischer Lektor Dr. Claus Puhlmann

Dieser Artikel wurde nach den Vorgaben aktueller medizinischer Fachliteratur, Leitlinien und wissenschaftlichen Standards verfasst und sorgfältig von Medizinern geprüft.

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Hammerzehen - Weitere Informationen

Hintergrundinformationen zu Hammerzehen

Unsere Füsse tragen uns im Laufe unseres Lebens rund dreimal um den Erdball. Oft ist unser Schuhwerk dafür allerdings ungeeignet. Vor allem Frauen bekommen deshalb im Alter oft Probleme mit ihren Füssen, da High Heels, Stilettos & Co. die denkbar ungünstigsten Schuharten für einen gesunden Fuss sind. Als Folge dieser falschen Schuhwahl oder infolge von Veränderungen im Fussskelett (Spreizfuss, Ballenhohlfuss) treten häufig Fehlstellungen der Zehen auf, die als Hammerzehen und Krallenzehen bezeichnet werden. In seltenen Fällen entstehen diese Fussfehlstellungen im Rahmen von anderen Erkrankungen, wie beispielsweise neurologischen Krankheiten, bei chronischer Polyarthritis oder nach Frakturen im Unterschenkel oder Sprunggelenk.

Was sind Hammerzehen?

Bei einem Hammerzeh ist der Zeh so weit aufgrund einer Beugung im Endgelenk gekrümmt, dass der Zehenknochen wie der Kopf eines Hammers Richtung Boden zeigt. Meist ist der zweite Zeh betroffen. In schlimmen Fällen führt die Fehlstellung der Gelenke dazu, dass sich mehrere Zehen überlagern.

Hammerzehe
© Henrie / Fotolia

Von den Hammerzehen zu unterscheiden sind die Krallenzehen. Bei dieser Fehlstellung kommt es zu einer Überstreckung im Grundgelenk bei gleichzeitiger Beugung im Mittel- und Endgelenk der betroffenen Zehe. Die Folge: Die Zehe wölbt sich wie eine Kralle nach oben und die Zehenspitze verliert den Kontakt zum Boden.

Häufig geht der Hammerzeh mit weiteren Fussdeformationen einher - wie beispielsweise dem Spreizfuss, dem Hohlfuss oder dem Hallux valgus (Fehlstellung des grossen Zehs). Bei einem Hallux valgus tritt der Ballen des grossen Zehs deutlich seitlich hervor (Ballenzeh). Der erste Mittelfussknochen des grossen Zehs verschiebt sich immer weiter nach aussen, während der Grosszeh sich nach innen Richtung kleiner Zeh neigt und zu einer Schiefzehe wird. Der Schwerpunkt beim Gehen verschiebt sich immer weiter zum Mittelfuss. Anfänglich macht der Ballenzeh noch keine Probleme, doch je weiter die Fehlstellung fortschreitet, desto mehr Schmerzen treten auf. Oft hilft dann nur noch eine Operation.

Welche Symptome treten bei einem Hammerzeh auf?

Im Anfangsstadium bereiten Hammerzehen meist keine Beschwerden. Oft gehen Betroffene nur zum Arzt, weil sie ihren Fuss optisch nicht mehr ansprechend finden. Schreitet die Verformung jedoch fort, können an den betroffenen Stellen Reizzustände auftreten und es kommt zu Druckschmerzen, Schwielen und Hühneraugen, meist über dem Zehenmittelgelenk. Ein Tragen von normalen Schuhen ist dann oftmals nicht mehr möglich. Zudem können durch die Deformation andere Zehen verdrängt werden, was dazu führen kann, dass Zehen in ihren Grundgelenken ausgerenkt werden (Luxation).

Um festzustellen, wie ausgeprägt die Verformung der Zehen ist, wird eine Röntgenuntersuchung durchgeführt. So kann der Arzt sehen, wie weit die Deformation fortgeschritten ist, welche Gelenke betroffen sind und ob bereits Zehluxationen vorhanden sind. Ausserdem zeigt das Röntgenbild, ob mögliche arthritische Veränderungen (Arthritis) mit der Fehlstellung einhergehen.

Wie können Hammerzehen behandelt werden?

Wenn noch keine komplette Versteifung der Zehen vorliegt und die einzelnen Zehen noch passiv gestreckt werden können, versucht der Arzt, die Beschwerden mit konventionellen Methoden zu beheben. Folgende Behandlungsversuche können unternommen werden:

  • Beseitigung der Ursache
  • Krankengymnastik
  • Manuelle Therapie
  • Orthopädische Schuheinlagen
  • Polsterung und Pflege der Druckstellen
  • Zügelverbände
  • Speziell angefertigtes Schuhwerk

Wenn die Hammerzehen im fortgeschrittenen Stadium durch chronische Entzündungen und Versteifungen immer mehr Probleme machen, sollte eine Operation durch einen Fusschirurgen in Betracht gezogen werden, bei der je nach Verfahren der Zeh begradigt, ein Teil des Knochens entfernt, Knochen durchtrennt und verschoben und/oder das Gelenk versteift wird. Der operative Eingriff kann in den häufigsten Fällen ambulant durchgeführt werden. Der Arzt kann unter mehreren Operationsmethoden wählen. Die Auswahl hängt davon ab, wie stark der Zeh gekrümmt beziehungsweise versteift ist und ob sich das Gelenk noch bewegen lässt.

Die Arthrodese

Bei dieser Methode erfolgt eine operative Gelenkversteifung. Sie wird meist bei Hammerzehen mit Komplettversteifung oder in Fällen, bei denen mehrere Zehen betroffen sind, angewendet. Bei einer Arthrodese wird das Gelenk mithilfe einer Schraube, einer Metallklammer oder einem Implantat verstärkt. Der Vorteil: Die Schmerzen und die Gefahr der Ödembildung sind geringer als bei anderen Eingriffsmethoden. Jedoch kann die Nachbehandlung etwas länger dauern.

Operation nach Hohmann

Bei dieser Operationsmethode werden der Zehenknochen durch die Entfernung des am Gelenk beteiligten Grundgliedkopfes verkürzt und die Beugesehne aufgedehnt. Als Folge davon wird ein neues Gelenk angelegt und so die Zehenstellung korrigiert. Deshalb wird die Methode auch Resektionsarthroplastik genannt. Der Zeh muss ggf. für einige Wochen mit einem Draht fixiert werden, der äusserlich sichtbar ist. Durch die Verkürzung der Knochenstrecke erfolgt eine Entlastung der Weichteilstrecke. Nachteile dieser Methode: Es besteht eine häufige Schwellungsgefahr, und es kann zu schmerzhaften Reizzuständen im Gelenk kommen. Von Vorteil sind dagegen die kürzere Nachbehandlungszeit und der relativ einfache technische Aufwand.

Operation nach Weill

Ist die Hammerzehe in ihrer Bewegung noch nicht völlig eingeschränkt und bestehen Beschwerden im Mittelfuss, ist die Operationsmethode nach Weil ein gängiges Verfahren. Hierbei wird zunächst der Mittelfussknochen durchtrennt (so genannte Osteotomie) und der gelenktragende Knochenteil nach hinten verschoben. Je nach Ausmass der Fehlstellung werden weitere Knochenumstellungen im Bereich des Mittelfusses sowie Eingriffe an den Sehnen vorgenommen. Die Knochenteile und die verschobenen Knochen werden nun durch Schrauben in ihrer neuen Position fixiert und stabilisiert. Zwar bleibt bei dieser Methode das natürliche Gelenk vorhanden (deshalb wird die Methode auch gelenkerhaltende Verschiebeosteotomie genannt), doch verlangt diese Prozedur einen höheren technischen Aufwand und eine längere Nachbehandlungszeit.

Quellen

  • Bajer D (2013) Ursache hoher Absatz. Dtsch Arztebl Int 110(17): 296; DOI: 10.3238/arztebl.2013.0296
  • Grifka J, Krämer J (2013) Orthopädie Unfallchirurgie. 9. Aufl., Springer, Heidelberg
  • Waizy H (2015) Die aktuelle S2e-Leitlinie zum Hallux valgus. Bayerisches Ärzteblatt 12:656-660