Ellenbogenchirurgie - Finden Sie den passenden Spezialisten

Die Ellenbogenchirurgie ist eine Spezialisierung der Orthopädie und Unfallchirurgie, die sich mit der operativen Behandlung des Ellenbogens befasst. Experten für Ellenbogenchirurgie sind in der Regel Fachärzte für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin. Darüber hinaus können sie Kompetenzen in Spezialgebieten erworben haben, wie beispielsweise in der Rheumaorthopädie, der speziellen orthopädischen Chirurgie und der Endoprothetik. Sie können Erkrankungen und Verletzungen des Ellenbogengelenks sicher diagnostizieren und alle operativen Eingriffe nach dem aktuellen Stand der Medizin durchführen. Durch Zertifizierungen gewährleisten sie eine hohe Qualität in der operativen Versorgung.

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Ellenbogenchirurgie - Weitere Informationen

Was ist der Ellenbogen?

Der Ellenbogen beziehungsweise das Ellenbogengelenk ist eines der kompliziertesten Gelenke des menschlichen Körpers und besteht eigentlich aus drei einzelnen Gelenken, die an der Bewegung und Drehung des Unterarms beteiligt sind. Das Humeroulnargelenk (also das Gelenk zwischen Oberarmknochen und Elle) dient dem Beugen und dem Strecken des Unterarms, das Radioulnargelenk (Gelenk zwischen Speiche und Elle) und das Humeroradialgelenk (zwischen Oberarmknochen und Speiche) der Drehbewegung des Unterarms. Das Ellenbogengelenk ist von einer Gelenkkapsel umgeben und wird durch mehrere Bänder stabilisiert. Eine Knorpelschicht an den Enden der Knochen schützt diese vor Abnutzung. Ebenfalls zum Schutz vor zu starker Belastung dienen die Schleimbeutel (Bursa). Mehrere Oberarmmuskeln sind an der Bewegung des Unterarms beteiligt, sie sind über Sehnen, die über das Ellenbogengelenk ziehen, mit dem Unterarmknochen verbunden.

Welche Krankheiten werden von den Spezialisten für Ellenbogenchirurgie behandelt?

Im Bereich des Ellenbogens können verschiedene Verletzungen wie Knochenbrüche (Frakturen), Bänderrisse, knöcherne Bänderausrisse oder Luxationen (Verrenkungen) auftreten. Unter einer Luxation versteht der Mediziner das plötzliche Herausspringen eines Knochens aus seiner natürlichen Position, in der Regel als Folge eines Sturzes oder einer anderen äusseren Krafteinwirkung. Der Radiusköpfchenbruch ist die häufigste Fraktur im Bereich des Ellenbogens. Bei Verletzungen besteht auch immer die Gefahr, dass Blutgefässe und Nerven mit geschädigt werden. Neben den genannten Verletzungen behandeln Experten für Ellenbogenchirurgie unter anderem auch folgende Erkrankungen:

  • Ein Tennisellenbogen, der auch als Tennisarm oder Epicondylitis humeri radialis bezeichnet wird, entsteht unter anderem dadurch, dass die Muskulatur regelmässig überansprucht wird und es zu einer Entzündung der Muskelansätze auf der Aussenseite des Ellenbogens kommt. Dies kann bei bestimmten Sportarten (wie Tennis) oder bei handwerklichen Tätigkeiten der Fall sein. Ein Tennisellenbogen äussert sich durch Schmerzen auf der Aussenseite des Ellenbogens, die bis in den Unterarm und Oberarm ausstrahlen können.
  • Sind die Muskelansätze auf der Innenseite des Ellenbogens gereizt, wird von einem Golferellenbogen (Werferellenbogen, Epicondylitis humeri ulnaris) gesprochen.
  • Beim Ulnarisrinnen-Syndrom (Kubitaltunnel-Syndrom) kann es durch eine dauerhafte Reizung des Ellennervs (Nervus ulnaris) unter anderem zu einer Funktionseinschränkung der Hand und Finger(verringerte bzw. erschwerte Beweglichkeit) kommen. Es zählt zu den Nervenengpasssyndromen.
  • Angeborene Fehlbildung des Ellenbogens, wie die radioulnare Synostose, bei der Elle und Speiche miteinander verwachsen sind, und die kongenitale Radiusköpfchenluxation, bei der das Radiusköpfchen dauerhaft ausgerenkt ist.
  • Ellenbogenarthrose, also ein über das normal Mass hinausgehender Knochen- und Knorpelverschleiss, beispielsweise aufgrund von rheumatoider Arthritis.

Welche Diagnoseverfahren setzen Spezialisten für Ellenbogenchirurgie ein?

Neben der Befragung des Patienten nach den Beschwerden (wie Schmerzen, Sensibilitätsstörungen und Funktionseinschränkungen) steht die klinische Untersuchung im Vordergrund der Diagnose. Dabei tastet der Mediziner das Ellenbogengelenk und die benachbarten Strukturen ab, achtet auf Fehlstellungen und Schwellungen, auf Farbveränderungen der Haut und überprüft die Beweglichkeit des Armes und der Hand (Funktionstests). Dadurch ergeben sich bereits Hinweise darauf, ob beispielsweise eine Luxation vorliegt und ob Nerven und Blutgefässe ebenfalls betroffen sind.

Bei Verdacht auf einen Knochenbruch oder zu zum Ausschluss von Frakturen und bei Ellenbogenluxation wird eine Röntgenuntersuchung durchgeführt. Mit ihr lassen sich die Knochen sehr gut darstellen. Eine noch genauere Darstellung der knöchernen Strukturen lässt sich mit der Computertomographie (CT) erzielen, mit der auch Blutungen, Blutergüsse oder Schwellungen aufgespürt werden können. Sie kommt auch bei komplexen Ellenbogenluxationen zum Einsatz. Bei Verletzungen an den Bändern und Weichteilen sowie an den Muskeln und den Schleimbeuteln kommt eher die Magnetresonanztomographie (MRT) zum Einsatz.

Aber auch mit einer Ultraschalluntersuchung (Sonographie) lassen sich Weichteilstrukturen besonders gut darstellen, sodass sie bei Schleimbeutelentzündungen, vermehrter Flüssigkeit im Ellenbogen, Gelenk- und Blutergüssen, Verletzungen von Muskeln und Sehnen eingesetzt wird. Mithilfe von hochauflösenden Ultraschallgeräten können sogar Nerven dargestellt werden. Bei Verdacht auf ein Nervenengpasssyndrom wird eine neurologische Untersuchung mit Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit durchgeführt.

In manchen Fällen wird sich der Untersucher ein genaueres Bild über das Innere des Gelenks mithilfe der Arthroskopie (Gelenkspiegelung) machen wollen. Im Rahmen solch eines minimalinvasiven Eingriffs können dann auch gleich therapeutische Eingriffe vorgenommen werden, wie beispielsweise die Entfernung von knöchernen Strukturen. 

Welche Behandlungsmethoden gehören zum Leistungsspektrum eines Spezialisten für Ellenbogenchirurgie?

Die Behandlungsmethoden der Experten für Ellenbogenchirurgie reichen über Arthroskopien (Gelenkspiegelungen) und minimalinvasiven Eingriffen bis hin zu offenen Operationen. Es werden Operationen zur Stabilisierung des Ellenbogengelenks und zur Versorgung von Verletzungen und Knochenbrüchen (Osteosynthese, das heisst die operative Verbindung von einzelnen Knochen oder Knochenfragmenten, sodass sie wieder zusammenwachsen können) genauso durchgeführt wie die Korrektur von angeborenen Fehlbildungen und Gelenkersatzoperationen sowie die Behandlung bestimmter Erkrankungen. Zum Leistungsspektrum eines Ellenbogenchirurgen zählen unter anderem:

  • Therapie des Tennisellenbogens
  • Therapie des Golferellenbogens
  • Behandlung von Nervenengpasssyndromen
  • Entfernung von Osteophyten (krankhafte Knochenneubildungen am Rande des Knochens)
  • Entfernung von freien Gelenkkörpern 
  • Behandlung der Ellenbogenarthrose
  • Behandlung der Schleimbeutelentzündung
  • Entfernung der Gelenkinnenhaut bei rheumatoider Arthritis (Synovektomie)
  • Behandlung von Bewegungseinschränkungen und Gelenksteife
  • Behandlung von Knochenbrüchen und mehrfachen Bänderrissen; je nach Schwergrad muss das Gelenk über Platten und Schrauben stabilisiert werden.
  • Reposition des ausgerenkten Knochens bei Luxation

Quellen

Deutsche Vereinigung für Schulter- und Ellenbogenchirurgie (DVSE) (2017) Bildgebung in der Schulterund Ellenbogenchirurgie. Obere Extremität 12 (Suppl 1): S1–S84. doi 10.1007/s11678-017-0401-9

Ellenbogen- und Handgelenkskomitee der AGA in Zusammenarbeit mit dem Komitee Ellenbogen der DVSE (2014) Untersuchungstechniken des Ellenbogen- und Handgelenks. Ellenbogenkomitee der AGA, Zürich

Schünke M et al. (2018) Prometheus. Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem: LernAtlas der Anatomie. Thieme, Stuttgart

Raschke MJ, Haas NP (2013) Unfallchirurgie. In: Siewert JR, Stein HJ (Hrsg) Chirurgie. 9. Aufl. Springer, Heidelberg

Behandlungsschwerpunkte