Herzrhythmusstörungen - Medizinische Experten

Bei Herzrhythmusstörungen ist die normale Herzschlagabfolge durch organische oder äussere Faktoren gestört. Patienten empfinden dabei häufig Herzstolpern, Herzklopfen, Herzrasen, Extraschläge oder Pausen im Herzschlag. Das EKG ist für die Diagnose von Herzrhythmusstörungen entscheidend. Abhängig von der Ursache, der Art und der Schwere der Störung erfolgt die Behandlung konservativ medikamentös oder invasiv (Herzschrittmacher, Defibrillator, Katheterablation, Herzoperation).


Medizinischer Lektor Dr. Claus Puhlmann

Dieser Artikel wurde nach den Vorgaben aktueller medizinischer Fachliteratur, Leitlinien und wissenschaftlichen Standards verfasst und sorgfältig von Medizinern geprüft.

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Was genau sind Herzrhythmusstörungen?

Unter Herzrhythmusstörungen, die auch Arrhythmien genannt werden, versteht man eine krankhaft veränderte Herzschlagabfolge, bei der die Erregungsbildung oder Erregungsausbreitung im Herz gestört ist. So kann der Herzschlag im Vergleich zum Normalzustand verlangsamt sein (unter 60 Schläge pro Minute), dann liegt eine Bradykardie vor. Ist der Herzschlag zu schnell (über 100 Schläge pro Minute), spricht man von einer Tachykardie. Daneben kann es aber auch zu einem unregelmässigen Herzschlag mit Extraschlägen des Herzens (Extrasystolen) kommen.

Störungen der Erregungsbildung werden auch unter der Bezeichnung Sick-Sinus-Syndrom oder Syndrom des kranken Sinusknotens zusammengefasst.

 

 

Die Herzrhythmusstörungen werden nach ihrem Entstehungsort (Vorhof, Herzkammer, AV-Knoten, Sinusknoten oder Erregungsleitungssystem) eingeteilt. So sprechen die Spezialisten für Herzrhythmusstörungen beispielsweise von Vorhofflattern und Vorhofflimmern, von Kammerflattern und Kammerflimmern oder von AV-Blockierungen und Störungen im Sinusknoten. Neben den gefährlichen Arrhythmien, wie zum Beispiel Kammerflimmern und ventrikuläre Tachykardie, es gibt auch ungefährliche Herzrhythmusstörungen.

Ist die Erregungsweiterleitung innerhalb des Herzens blockiert, kann von folgenden Zuständen gesprochen werden:

  • Sinuatrialer Block: die Überleitung zwischen Sinusknoten und Vorhof ist gestört
  • Atrioventrikulärer Block (AV-Block): die Überleitung zwischen Vorhof und Herzkammern ist gestört
  • Rechtsschenkelblock bzw. Linksschenkelblock: die Überleitung in den rechten bzw. den linken Schenkel des Reizleitungssystems der Herzkammern (Tawara-Schenkel) ist gestört

 

 

Da die Unterscheidung zwischen den einzelnen Rhythmusstörungen, zwischen Begriffen wie Flattern und Flimmern etwas verwirrend sein kann, soll eine kurze Übersicht über einige wichtige Rhythmusstörungen gegeben werden:

  • Sinustachykardie: ein zu schneller Herzschlag, der vom Sinusknoten ausgeht; die Ursachen können vielfältig sein, oft, aber nicht immer liegen sie ausserhalb des Herzens, zum Beispiel bei Stress oder Schilddrüsenerkrankungen
  • Sinusbradykardie: ein zu langsamer Herzschlag, der vom Sinusknoten ausgeht; bei gut trainierten Sportlern (so genanntes Sportlerherz) oder im Schlaf ist dies normal; Ursache können aber auch verschiedene Grunderkrankungen sein, wie beispielsweise eine Schilddrüsenunterfunktion, erniedrigte Körpertemperatur oder das frühe Stadium eines Herzinfarkts
  • Vorhofflattern: der Vorhof wird bis zu 300-mal pro Minute erregt; allerdings werden nicht alle Erregungen auf die Herzkammern übertragen, sodass die die Herzkammern normalerweise langsamer schlagen; dies wird vom Patienten oft als Herzrasen empfunden
  • Vorhofflimmern: der Vorhof wird über 300-mal pro Minute erregt; die Herzkammern schlagen dann bis zu 180-mal pro Minute (bei Kindern bis zu 200-mal), was als unangenehm empfunden wird; als eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen in Deutschland führt Vorhofflimmern zwar relativ selten zu einem medizinischen Notfall, es ist allerdings mit einem erhöhten Risiko unter anderem für Tod, Herzinsuffizienz und Schlaganfall verbunden
  • Ektope atriale Tachykardie: neben dem Sinusknoten existieren im Vorhof weitere Erregungszentren, die eine Erregung auslösen; dadurch kommt es zu Herzrasen
  • AV-Knoten-Reentry-Tachykardie (AVNRT): im AV-Knoten kommen anstelle nur einer Leitungsbahn zwei Bahnen vor, die sich "kurzschliessen" können; auch dies wird als Herzrasen wahrgenommen; sie ist die häufigste angeborene Herzerkrankung und betrifft vor allem das weibliche Geschlecht
  • Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW-Syndrom): aufgrund eines zusätzliches Leitungsbündels zwischen Vorhof und Herzkammern kommt es zu einer kreisenden Erregung, die sich durch anfallsweises Herzrasen zeigt
  • Ventrikuläre Tachykardie (VT, Kammertachykardie): die Ursache für die erhöhte Herzschlagfrequenz liegt in den Herzkammern, es ist eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung
  • Kammerflattern und Kammerflimmern: das Herz schlägt so schnell, dass das Blut nicht mehr ausreichend in den Körper gepumpt werden kann; es liegt dann ein medizinischer Notfall vor; beim Kammerflattern schlägt das Herz 200- bis 350-mal pro Minute, beim Kammerflimmern über 320-mal, der Übergang zwischen den beiden Formen ist fliessend

Ursachen von Herzrhythmusstörungen

Herzrhythmusstörungen können durch angeborene oder erworbene Erkrankungen oder durch äussere Einflüsse entstehen. Zu den angeborenen Erkrankungen zählen u.a. angeborene Herzmuskel-Erkrankungen (Kardiomyopathien), angeborene Herzfehler und Herzklappenfehler sowie Ionenkanalstörungen. Herzinfarkt, koronare HerzkrankheitBluthochdruck, Herzmuskelentzündung und Elektrolytstörungen sind erworbene Krankheiten, die für eine Arrhythmie verantwortlich sein können. Äussere Ursachen sind beispielsweise übermässiger Alkohol- und Koffeinkonsum, Medikamentennebenwirkungen, Nervosität und Infektionen.

Symptome und Beschwerden bei Herzrhythmusstörungen

Manche Patienten haben keine Beschwerden. Andere wiederum nehmen die veränderte Herzschlagabfolge als Herzstolpern, Herzklopfen, Herzrasen oder durch die Pausen im Herzschlag wahr.

Mögliche Symptome bei zu langsamem Herzschlag sind:

  • Müdigkeit
  • Leistungsschwäche
  • Übelkeit
  • Schweissausbrüche
  • Sehstörungen
  • Schwindel
  • Ohnmacht

Mögliche Symptome bei zu schnellem Herzschlag sind

  • Schmerzen in Herz und Brust
  • Herzenge
  • Atemnot
  • Schwindel
  • Benommenheit
  • Bewusstlosigkeit

Im schlimmsten Fall kann eine Arrhythmie auch zu einem Herzinfarkt, plötzlichen Herztod, Gefässverschlüssen, Schlaganfällen und Herzinsuffizienz führen.

Diagnose von Herzrhythmusstörungen

Die Diagnose erfolgt auf Basis einer körperlichen Untersuchung. Hierbei ertastet der Arzt den Puls und hört das Herz ab. Darüber hinaus wird ein Elektrokardiogramm (EKG) erstellt. Durch das Aufzeichnen der elektrischen Ströme des Herzens im EKG lässt sich häufig eine Arrhythmie sofort erkennen. Treten die arrhythmischen Zustände allerdings selten oder unregelmässig auf, wird der Herzrhythmus mit einem Langzeit-EKG-Gerät über 24 oder mehr Stunden aufgezeichnet. Als Alternative oder Ergänzung zum Langzeit-EKG kann der Ereignisrekorder eingesetzt werden, der vom Patienten dann gestartet wird, wenn er eine Störung des Herzschlags wahrnimmt. Aus dem aufgezeichneten EKG können die Spezialisten für Herzrhythmusstörungen herauslesen, ob eine Arrhythmie vorliegt und um welche Art es sich handelt. Falls nötig, schliessen sich weitere Untersuchungen an, um die Ursache der Arrhythmie zu finden.

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Von Bionerd - Eigenes Werk, CC BY 3.0, Link

 

 

Therapie von Herzrhythmusstörungen

Die Therapie richtet sich nach der Art und der Ursache der Störung sowie der Schwere der Beschwerden. Liegt der Arrhythmie eine organische Ursache zugrunde, so muss auch diese behandelt werden.

Medikamente zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen werden als Antiarrhythmika bezeichnet. Mit der Gabe solcher Medikamente lässt sich in unterschiedlicher Weise die Bildung und Weiterleitung der elektrischen Erregungen und damit die Herzfrequenz beeinflussen.

Ein Herzschrittmacher wird in der Regel dann implantiert, wenn der Herzschlag zu langsam ist. Durch elektrische Impulse gibt er dem Herz die Herzfrequenz vor.

Ein Defibrillator wird bei immer wieder auftretenden gefährlichen Arrhythmien implantiert. Er erkennt bedrohliche Störungen und beendet diese durch elektrische Impulse.

Über eine Herzkatheterablation werden die erkrankten Bereiche (zum Beispiel bei Vorhofflimmern) im Herz verödet und so die gestörte Erregungsleitung unterbunden.

Über eine Herzoperation (zum Beispiel eine Bypass-Operation) werden die Zustände am Herz, die zu einer verminderten Durchblutung und damit indirekt zu einer Arrhythmie geführt haben, beseitigt.

Welche Fachärzte behandeln Herzrhythmusstörungen?

Spezialisten für Herzrhythmusstörungen sind Fachärzte für Kardiologie. Je nach Ursache der Störungen können weitere Fachärzte wie Endokrinologen oder Herzchirurgen und Gefässchirurgen hinzugezogen werden.

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz-und Kreislaufforschung (2016) ESC Pocket Guidelines Management von Vorhofflimmern. Börm Bruckmeier Verlag GmbH, Grünwald
  • Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz-und Kreislaufforschung (2016) ESC Pocket Guidelines. Ventrikuläre Arrhythmien und Prävention des plötzlichen Herztodes, Version 2015. Börm Bruckmeier Verlag GmbH, Grünwald
  • Fröhlig G (2014) Bradykarde Herzrhythmusstörungen. In: Lehnert H. et al. (eds) DGIM Innere Medizin. Springer Reference Medizin. Springer, Berlin, Heidelberg
  • Paul T et al. (2018) Leitlinie Pädiatrische Kardiologie: Tachykarde Herzrhythmusstörungen im Kindes-, Jugend- und jungen Erwachsenenalter (EMAH-Patienten)
  • Sommer P, Hindricks G (2012) Herzrhythmusstörungen. Notfallmedizin up2date 7: 243-254
  • Zabel M (2014) Vorhofflimmern. In: Lehnert H. et al. (eds) DGIM Innere Medizin. Springer Reference Medizin. Springer, Berlin, Heidelberg