Geschlechtskrankheiten - Medizinische Experten

Die Venerologie ist ein Teilgebiet der Dermatologie (Hautkrankheiten), das sich mit Geschlechtskrankheiten beschäftigt. Der Begriff Geschlechtskrankheiten ist aus der falschen Annahme heraus entstanden, dass die Krankheiten nur durch Geschlechtsverkehr übertragen werden. Vielmehr sprechen heute die Mediziner von sexuell übertragbaren Infektionen oder genitalen Kontaktinfektionen. Im englischen Sprachraum werden diese Erkrankungen STI („sexually transmitted infections“) beziehungsweise STD („sexually transmitted diseases“) genannt. Die einzelnen Begriffe und Abkürzungen werden häufig synonym benutzt.


Medizinischer Lektor Dr. Claus Puhlmann

Dieser Artikel wurde nach den Vorgaben aktueller medizinischer Fachliteratur, Leitlinien und wissenschaftlichen Standards verfasst und sorgfältig von Medizinern geprüft.

Übersicht

Geschlechtskrankheiten - Weitere Informationen

Die häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen

Die Gruppe der sexuell übertragbaren Infektionen ist hinsichtlich Übertragungsweg, Erreger, betroffenen Personengruppen und Erkrankungsschwere äusserst heterogen. Wie der Name schon verrät sind STI Krankheiten, die vorwiegend beim Sex übertragen werden. Dazu gehört aber nicht nur der Geschlechtsverkehr im eigentlichen Sinne, auch beim Oral- und beim Analsex oder beim Küssen ist eine Infektion möglich. Ferner kann bei einigen STI auch eine Ansteckung über den Kontakt mit infiziertem Blut oder von der Mutter auf ihr Kind während der Schwangerschaft, der Geburt oder des Stillens erfolgen. Manche Personengruppen, wie zum Beispiel MSM (Männer, die mit Männern Sex haben), können ein erhöhtes Risiko für bestimmte STI haben.

Zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen gehören, weltweit betrachtet, die Trichomonadeninfektion (Trichomoniasis; Erreger ist das Protozoon Trichomonas vaginalis) sowie die Chlamydieninfektion (bakterielle Infektion). Diese können sich zum Beispiel durch Juckreiz im Intimbereich sowie durch Ausfluss bemerkbar machen. Auch die Gonorrhoe (bakterielle Infektion) wird zu den häufigen STI gezählt.

Nicht nur Bakterien, auch Viren können für eine STI verantwortlich sein. So sind die Erreger von Feigwarzen humane Papillomaviren, abgekürzt HPV genannt. Auch Herpes genitalis ist eine Erkrankungen, die durch Viren ausgelöst wird. Ebenso wie die virale Infektion gehören auch die Pilzinfektion der Genitalien sowie der Befall mit Filzläusen und Krätzmilben (Skabies) zu den STI. Weitere sexuell übertragbare Infektionen sind beispielsweise HIV und Hepatitis B.

Zu den „klassischen“ Geschlechtskrankheiten wurden ursprünglich nur die folgenden gezählt:

  • Syphilis (Lues venerea; Erreger ist das Bakterium Treponema pallidum)
  • Gonorrhoe (Tripper; Erreger ist das Bakterium Neisseria gonorrhoeae)
  • Ulcus molle (Weicher Schanker, Chancroid; Erreger ist das Bakterium Haemophilus ducreyi)
  • Lymphogranuloma inguinale (Lymphogranuloma venereum, Chlamydieninfektion; Erreger ist das Bakterium Chlamydia trachomatis)
  • Granuloma venereum (Wucherbeule; Erreger ist das Bakterium Klebsiella granulomatis)

Durch die Entdeckung neuer Erreger wie auch durch Aufdeckung der genitalen Übertragung bei altbekannten Infektionen hat sich heute die Liste auf über 30 STI erweitert.

Die Diagnose von Geschlechtserkrankungen

Bei Verdacht auf eine Geschlechtskrankheit führt der Facharzt zunächst ein Gespräch mit dem Patienten. Der Arzt erfragt zum Beispiel, ob der Patient ungeschützten Geschlechtsverkehr hatte und lässt sich die Symptome genau beschreiben. Die anschliessende körperliche Untersuchung richtet sich nach dem Beschwerdebild, dem Geschlecht und den sexuellen Praktiken. Insbesondere der Urogenitaltrakt inklusive Genitalien, die Analregion und der Mund-Rachen-Raum, aber auch die übrige Haut werden genau untersucht, und es wird auf Hautauffälligkeiten geachtet. Die Leistenregion wird abgetastet.

Um eine Infektion auszuschliessen bzw. zu bestätigen wird ein Abstrich durchgeführt. Untersucht werden Scheidensekret, infektiöses Sekret wie Ausfluss aus der Harnröhre oder auch Hautmaterial. Durch eine mikrobiologische Aufarbeitung kann der Laborarzt einen Erregerstamm isolieren. So kann der Arzt dann eine sichere Diagnose stellen. Bei einigen STI, wie beispielsweise HIV oder Hepatitis B, lassen sich die Erreger auch im Blut nachweisen.

Unabhängig vom Auftreten von Beschwerden sollte aber auch eine Untersuchung auf STI bei Personen mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko (dazu gehören MSM und Sexarbeiter*innen) in regelmässigen Abständen stattfinden. So werden folgende Untersuchungsintervalle empfohlen:

  • Einmal jährlich bei Frauen und Männern, die mit mehr als zehn Personen mit erhöhtem Risiko pro Jahr heterosexuellen Geschlechtsverkehr haben
  • Bei MSM alle drei bis sechs Monate eine Untersuchung auf STI nach Risikokontakt und einmal jährlich ein HIV-Test bei mehr als zehn Kontakten
  • Bei Sexarbeiter*innen mit ungeschützten Kontakten alle drei bis sechs Monate auf STI und einmal jährlich ein HIV-Test

Die Behandlung von sexuell übertragbaren Erkrankungen

Die Behandlung hängt immer von der Infektionsart und der Infektionsschwere ab. Therapie der Wahl bei einer bakteriellen Infektion sind Antibiotika.

Bei einer viralen Erkrankung helfen Antibiotika nicht. HIV und Herpes genitalis werden zum Beispiel mit einer retroviralen Therapie behandelt, bei einer HPV-Infektion der Vagina kann ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein, um Wucherungen zu entfernen. Daneben gibt es zur Behandlung von HPV-bedingten Hautveränderungen weitere Möglichkeiten, wie zum Beispiel Anwendung von Cremes, Lasertherapie und Kryotherapie.

Eine Trichomonadeninfektion wird in der Regel mit dem oralen Antibiotikum Metronidazol erfolgreich behandelt. Für Skabies und Filzlausbefall stehen ebenfalls entweder Cremes oder andere Zubereitungsarten mit verschiedenen Wirkstoffen zur Verfügung.

Wichtig ist die Information, Untersuchung und gegebenenfalls die Behandlung der aktuellen und auch der vergangenen Sexualpartner. Wird nur ein Partner gegen die Geschlechtskrankheit behandelt, besteht immer das Risiko einer Reinfektion.

Der Facharzt führt zudem bestenfalls eine Beratung zum Thema Safer Sex durch. Während ungewollten Schwangerschaften durch die Pille und andere hormonelle Verhütungsmittel vorgebeugt werden kann, ist bei bestimmten Geschlechtskrankheiten die Verwendung eines Kondoms ein wirkungsvoller Schutz. Gegen HPV und Hepatitis-A- und -B-Viren gibt es Impfungen.

Wenn Sie den Verdacht haben, unter einer Geschlechtskrankheit zu leiden, sollten Sie den Arztbesuch keinesfalls aus falscher Scham hinauszögern. Fachärzte für Geschlechtskrankheiten wie Gynäkologen, Urologen und Venerologen können eine Diagnose schnell und sicher stellen und so auch rasch die erforderliche Therapie einleiten.

Fachärzte für Geschlechtskrankheiten

Die Betreuung von Patienten mit sexuell übertragbaren Infektionen ist typischerweise eine Domäne der Dermatologie, weil sich die STI in vielen Fällen im Bereich der Haut zeigen. Der Spezialist für Geschlechtskrankheiten bei beiden Geschlechtern wird daher auch Venerologe genannt, wobei der offizielle Titel in Deutschland Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten (Hautarzt) lautet. Ein Venerologe ist also ein Hautarzt, der sich auf den Bereich der Geschlechtskrankheiten spezialisiert hat.

Aber auch Fachärzte anderer medizinischer Richtungen behandeln Patienten mit Geschlechtskrankheiten, wie zum Beispiel:

  • Frauenärzte (Gynäkologen) beschäftigen sich vor allem mit den weiblichen Geschlechtsorganen. Betreffen die Beschwerden den weiblichen Intimbereich, ist ein Frauenarzt ein möglicher Ansprechpartner.
  • Männliche Patienten mit Symptomen am männlichen Geschlechtsorgan können sich an einen Urologen wenden.
  • Bei Symptomen im Bereich des Afters kann auch ein Proktologe der richtige behandelnde Arzt sein.

Quellen

  • Bundesärztekammer (2013) (Muster-)Weiterbildungsordnung 2003 in der Fassung vom 28.06.2013. https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/20130628-MWBO_V6.pdf
  • Bundesministerium für Gesundheit (2019) Sexuell übertragbare Infektionen (STI). https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/s/sexuell-uebertragbare-infektionen-sti.html
  • Bremer V et al. (2017) Sexuell übertragbare Infektionen in Deutschland. Bundesgesundheitsbl 60:948–957. https://link.springer.com/epdf/10.1007/s00103-017-2590-1?shared_access_token=AJCmwjoszYkKBfLM3LmW5ve4RwlQNchNByi7wbcMAY52nAkVKKYt1mYLeTeNpEby4lwDE080dYSCHyn08vhTG7dCfANucGC5j6DrdwqhmDNpZW02CTkWS0h_1sfNp8-cQX7ncTG-qvGWbpQaCEyErU4Pe2rSgQwrpBau-1CXYvE%3D
  • Deutsche STI-Gesellschaft (DSTIG) - Gesellschaft zur Förderung der Sexuellen Gesundheit (2014) Leitfaden STI-Therapie. http://dstig.de/images/DSTIG-Flyer/Leitfaden/sti-leitfaden_version%202.1_web.pdf
  • Deutsche STI-Gesellschaft (DSTIG) - Gesellschaft zur Förderung der Sexuellen Gesundheit (2018) Sexuell übertragbare Infektionen (STI) - Beratung, Diagnostik, Therapie. S2k-Leitlinie. AWMF-Register-Nr.: 059-006. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/059-006l_S2k_Sexuell-uebertragbare-Infektionen-Beratung-Diagnostik-Therapie-STI_2019-03.pdf
  • Robert Koch-Institut (2017) Sexuell übertragbare Infektionen (STI). https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/S/STI/STD.html
  • Zangerle R (2018) Venerologie. In Fritsch P, Schwarz (Hrsg) Dermatologie Venerologie. Springer, Berlin