Prof. Dr. med. Günther Winde - Viszeralchirurgie, Herford - Lebenslauf

Beruflicher Werdegang

…an der Universität Münster

1984 nahm ich die Tätigkeit in der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefässchirurgie der Chirurgischen Klinik der Universität Münster bei Prof. Dittrich auf und erlernte die intensivmedizinischer Versorgung nach kardiovaskular-chirurgischen Eingriffen. 1985 wechselte ich in das angestrebte Arbeitsgebiet "Chirurgie" in die Klinik und Poliklinik für Allgemeine Chirurgie (Prof. Dr. H. Bünte), für die Weiterbildung zum Arzt für Chirurgie mit Ausbildung zum Rettungsarzt für die Stadt Münster. Im Rahmen der Facharztweiterbildung wechselte ich für 1 Jahr in die Abteilung für Unfall- und Handchirurgie zu Prof. Brug für die operative und konservative Frakturbehandlung. Danach führte ich ein Jahr die Privatstation von Prof. Bünte als Stationsarzt; Umfangreiche Assistenztätigkeit bei viszeralchirurgischen-, thoraxchirurgischen und gefässchirurgischen Operationsverfahren dienten der intensiven chirurgischen Schulung. 1991 erlangte ich 1991 die Gebietsbezeichnung "Arzt für Chirurgie".
Die Mitarbeit in Spezialsprechstunden seit 1987 umfasste die proktologische Sprechstunde, die endokrinologische Sprechstunde und gefässchirurgische Sprechstunde. Neben den Tätigkeiten auf der Intensivstation entwickelte sich gleichzeitig ab 1986 eine Beteiligung im Transplantationsteam der Klinik bei Prof. B. Buchholz (Versorgung der NTP-Patienten, Organempfängerauswahl, Koordination von Transplantationen bis Operation). Zwischen 1986-88 nahm ich an der Durchführung von Organex-plantationen teil, assistierte > 150 Nierentransplantationen und führte 27 Nierentransplantationen selbständig durch.
Ab Anfang 1991-1993 nahm ich an der speziellen Weiterbildung für den Schwerpunkt Gefässchirurgie teil. Dazu gehörte die Akut- und Regelversorgung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, die Operation von Aortenaneurysmen, Y-Prothesen, periphere Prothesen- und Bypassversorgung und Operationen von Stenosen supraaortaler Blutgefässe. Subclavia-Carotisbypass und extraanatomischer Bypass wurden unter Assistenz durchgeführt, ebenso Shunt-Chirurgie erlernt.
Nach der Habilitation im Juni 1993 folgte im 1993 die Ernennung zum Oberarzt.
Seit Mitte 1993 - 1996 wurden mehrheitlich viszeralchirurgische Operationen durchgeführt, um den Operationskatalog im Schwerpunkt Visceralchirurgie zu ergänzen. Das vielseitige onkologische Patientengut der Klinik ermöglichte eine reichhaltige Erfahrung bei grossen abdominalchirurgischen und thoraxchirurgischen Operationen (Ösophagus-, Magen-, Pankreas-, kolorektale Karzinome).
Unter Prof. Senninger differenzierte sich die Lymphadenektomie und die Anastomosentechnik bei onkologischer Pankreaschirurgie. Die Metastasen-Chirurgie der Leber als auch die Resektion von primären Lebertumoren und Klatskin-Tumoren war erlernt. Lungeneingriffe umfassten sowohl die offene und thorakoskopische Chirurgie, aber vor allem auch die onkologische Chirurgie von Bronchialkarzinomen und schwierige Dekortikationen. Thoraxchirurgische Notfälle und Rethorakotomien bei Rezidiveingriffen führten in Absprache zwischen Prof. Senninger und Prof. Scheld (Thorax-, Herz- und Gefässchirurgie) zur Beteiligung am thoraxchirurgischen Operationsprogramm dieser Klinik. Die zwischen 1996-1998 erworbenen Erfahrungen ermöglichten die Erfüllung des Operationskatalogs für die Schwerpunktbezeichnung Thoraxchirurgie.

Seit 1991 nahm ich am Konsiliardienst der Klinik teil, seit 1993 auch an der konsiliarischen operativen Tätigkeit in anderen operativen Fachgebieten (Gynäkologie, Orthopädie)

Die intensive Mitarbeit in der koloproktologischen Sprechstunde erstreckte sich kontinuierlich über mehr als 13 Jahre, seit 1995 war ich verantwortlicher Oberarzt dieses Hauptfunktionsbereichs.
Eine Ausbildung an der Universität Tübingen bei Prof. G. Buess führte seit 1991 zum gezielten Aufbau operativer Tätigkeit auf dem Gebiet transanale endoskopischer Mikrochirurgie (TEM).
Unter Prof. Senninger erweiterte sich mein Operationsspektrum um die totale mesorektale Exzision beim Rektumkarzinom, und um die ileopouch-analen Anastomosentechnik. Die intraoperative Strahlentherapie bei Rektumkarzinomrezidiven (IORT) zählte seit 1996 zum operativ interdisziplinären Therapiespektrum, ebenso werden retrorektale Eingriffe bei M. Hirschsprung.
Seit 1991 betreute ich den Aufbau des Polyposisregisters der allgemeinchirurgischen Klinik in Kooperation mit der Leeds Castle Polyposis Group, St. Mark’s Hospital, London, und unter Inanspruchnahme von Leistungen verschiedener Institute und Kliniken der eigenen und auch auswärtiger medizinischer Fakultäten in Fortführung meiner Habilitationsarbeit.
Der Funktionsbereich Doppler-/Duplex-Sonographie zur klinikeigenen, konsiliarischen und ambulanten Patientenversorgung wurde weiterhin betreut. Die intraoperative und laparoskopische Sonographie wurde 1996 eingeführt. Seit 1994 nehme ich an der KV-ärztlichen Versorgung teil inkl. Endosonographie.

Mit der Ernennung zum leitenden Oberarzt der Klinik 1997 war ich weiterhin verantwortlicher Oberarzt des Funktionsbereichs Kolo-Proktologie und Sonographie. Spezielle Aufgaben in Ausfüllung der leitenden Oberarztfunktion bildeten die Erstellung des Operationsplans, Koordination von Operationsabläufen mit anderen Kliniken, ferner Personalplanung und Teilnahme an den Tätigkeiten der betriebswirtschaftlichen Kommission des Hauses zusammen mit weiteren Oberärzten.

Begleitend zur klinischen Arbeit erfülle ich seit Jahren regelmässig Lehrverpflichtungen.

Dem Antrag auf Ernennung zum ausserplanmässigen Professor befürwortete der Fachbereichsrat der Medizinischen Fakultät. Der Titel wurde im Mai 1998 erteilt.

Im Sommer 1998 bewarb ich mich um die Position des Chefarztes der Chirurgischen Klinik im Klinikum Herford (damals akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Münster) und wurde im November 1998 einstimmig gewählt.

 

… am Klinikum Herford

Am 15.4.1999 nahm ich die Tätigkeit als Chefarzt der Klinik für Chirurgie im Klinikum Kreis Herford auf. Das operative Spektrum der Klinik umfasst die Allgemein-, Viszeralchirurgie und Thoraxchirurgie. Es handelt sich um eine Klinik der Schwerpunktversorgung/Stufe IV. Die Klinik hat derzeit 70 Betten und 8 Betten auf der operativen Intensivstation.

Das Spektrum der Klinik wurde vom vornehmlich kolorektalen Schwerpunkt um das Spektrum der onkologischen Eingriffe am oberen Gastrointestinaltrakt auf das Gesamtgebiet der Viszeralchirurgie erweitert. Die Beteiligung an neoadjuvanten Therapiekonzepten (Ösophagus, Magen, Rektum) ist seit Gründung der Medizinischen Klinik II – Hämatologie/Onkologie 2003 gesichert (interdisziplinäre Tumorkonferenz 2 x / Woche).

Eine Besonderheit war die von mir eingeführte Kryochirurgie und die intraoperative und perkutane Thermoablation von Lebermetastasen.

Thoraxchirurgische Eingriffe wurde gesteigert, die Mediastinoskopie und Thorakoskopie eingeführt. Thoraxchirurgische Operationen ergeben sich zunehmend mit Ausbau der Pulmonologie der Med. Klinik I. Im Rahmen eines Kooperationsvertrags mit dem Herz- und Diabeteszentrum NRW (Prof. Gummert) besteht ein thoraxchirurgisches Ausbildungskonzept, Einrichtung eines thorxchirurgischen Notfalldienstes und eine Indikationssprechstunde für ein geplantes thoraxchirurgisches universitäres Zentrum.

Endoskopischen Untersuchungen in der interdisziplinären Endoskopie werden in Eigenregie der Klinik für Chirurgie betrieben.

Die minimal invasive Chirurgie, die sich auf die laparoskopische Cholezystektomie beschränkte, wurde sukzessive um die endoskopische Hernienversorgung (TEP-Verfahren), die laparoskopische Fundoplikatio, die laparoskopische Kolon- und Rectumchirurgie, die lap. Appendektomie und laparoskopische Narbenhernien-OP und MIC-Nebennieren-Chirurgie erweitert. 2007 implantierten wir den ersten Magenschrittmacher als minimal invasiven und gastroenterologischen Eingriff für Patienten mit diabetischer Gastroparese in Kooperation mit der Medizinischen Klinik I und dem Diabetes-Zentrum NRW.

Es gelang die Zahl der kontinenzerhaltenden Eingriffe mit der Totalen Mesorektalen Exzision zu steigern (TME). Die Pouch-Operationen bei Colitis ulcerosa und Polyposis wurden eingeführt und die Zahl der TEM-Operationen erhöht und zuletzt die PIOM-Technik (Pl.hypogastricus-Monitoring) 2015 etabliert.

Seit 1999 wurde das Polyposisregister für FAP und HNPCC Patienten aufgebaut. Viele Patienten, die ich bereits in Münster betreute folgten den Untersuchungen nach Herford.

Im Jahr 2008 wurde das Darmzentrum Herford etabliert und zertifiziert und 2017 rezertifiziert. (DKG/Onkozert/TÜV). Zusätzlich wurde im August 2011 das Pankreaszentrum zertifiziert und 2017 rezertifiziert.

Bei Eingriffen an der Schilddrüse wurde seit 2003 das Neuromonitoring bei Struma-Operationen eingesetzt.

Eingriffe der Adipositas-Chirurgie (gastric-banding, sleeve resection, Magenballon) wurden etabliert und werden in kleiner Zahl erbracht.

Innerhalb der ersten dreieinhalb Jahre gelang es die Zahl der operativen Eingriffe von ursprünglich 1850 auf ca. 2700 Operationen pro Jahr zu steigern.

Seit Mai 2002 bin ich zur vollen Weiterbildung im Schwerpunkt Visceralchirurgie von der Ärztekammer Westfalen-Lippe ermächtigt worden, bzw. aktuell für den FA für Vizeralchirurgie und spezielle Viszeralchirurgie nach WBO 2005, die Zusatzweiterbildung Proktologie wurde 2010 absolviert, Weiterbildungsermächtigung für 12 Monate.

Im Jahr 2008 und 2015 wurde die DEGUM-zertifizierte Ausbildung für Sonographie durch temporäre Anstellung eines Ausbildungsarztes für die operativen Fachgebiete eingeführt.

Im Rahmen der Unterrichtsveranstaltungen für die PJ-Studenten der WWU und später für die MHH werden wöchentlich Unterrichtsstunden oder klinische Visiten nach Ausbildungsplan von mir durchgeführt. Zusätzlich habe ich eine Lehrverpflichtung an der WWU Münster (Staatsexamensvorbereitung-Kurs) und die Abnahme der Staatsexamensprüfung nach Zuteilung durch die MHH.

Als fester Bestandteil der Fortbildung wurden die Herforder Viszeralchirurgischen Symposien in Kooperation mit der Ärztekammer in Münster etabliert.

Innerhalb von 17 Jahren Tätigkeit als Chefarzt wurden in Herford neben Fachärzten für Chirurgie, 13 Viszeralchirurgen ausgebildet, 2 Kollegen zum leitenden Oberarzt und 6 Kollegen zum Chefarzt in auswärtigen Kliniken ernannt.

Seit 2005 übernahm ich zunächst stellvertretend, von 2006-2010 als gewählter ärztlicher Direktor Leitungsfunktion in der Betriebsleitungsebene.

Nach einem offiziellen Ausschreibungsverfahren der RUB erhielt das Bieterkonsortium des Klinikum Herford/Minden/Herzzentrum Bad Oeynhausen den Zuschlag Universitätskliniken der RUB zu werden.

Mit Aufnahme des studentischen Lehrbetriebs zum 17.10.2016 wurde ich zum apl. Professor (W3-analog) mit Habilitationsrecht und Promotionsrecht durch den Rektor der RUB ernannt und bin seitdem Direktor der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Thoraxchirurgie und Proktologie am Klinikum Herford, Medizin Campus OWL.

Aktuell sind ca. 120 Studierende zu betreuen. In der Vorbereitung vor Aufnahme des Lehrbetriebs wurden dazu umfangreiche bauliche aber auch vor allem organisatorische Massnahmen ergriffen, um den Lehrbetrieb zu ermöglichen. Dazu gehörte, neben didaktische Schulungen hinsichtlich des sog. Bochumer Modells die Beschaffung von Lehrmaterial und die minutiöse Planung der Lehrveranstaltungen in Kooperation mit den anderen Fachbereichen, hier speziell der Inneren Medizin am Klinikum Minden. Es wurden Lehrpläne für jeweils zum Wintersemester immatrikulierte Studierende für den sog. Unterricht am Krankenbett konzipiert und für das 9./10. Semester das chirurgische Blockpraktikum organisiert, dazu kooperieren das Herz- und Diabeteszentrum NRW und die Klinik für Unfallchirurgie und Gefässchirurgie im Klinikum Herford. Die Ausbildung der Studenten im praktischen Jahr PJ läuft nach Logbuch-Kriterien der RUB und nach Koordination der PJler durch das Studiendekanat in Minden. Die Gestaltung des Unterrichts erfolgt unter grösstmöglicher Einbeziehung der Studierenden in das operative Stoffgebiet (OP-Beteiligung, Training an der Lübecker Toolbox und am LapSim-Trainer, Naht-und Knotenkurs etc.) Dieses Unterrichtsmodell erreichte die Bestnote der RUB (1,04) im WS 2016/17.