Experten für minimalinvasive Hernienchirurgie finden

Hernien sind Gewebebrüche, die entweder als äussere Hernien durch erkennbare Hautvorwölbungen, zum Beispiel in der Leiste als Leistenbruch, sichtbar werden oder als innere Hernien diverse Beschwerden wie Sodbrennen oder Übelkeit verursachen. Nicht immer kommt es gleich zu Schmerzen und Symptomen, die eine Operation sofort nötig machen. Da sich Hernien aber nicht von allein zurückbilden und mit der Zeit auch grösser werden können, kann es zu teils lebensgefährlichen Komplikationen wie eingeklemmte Darmteile kommen. Hernienspezialisten können mit bewährten Verfahren der Hernienchirurgie, minimalinvasiv oder offen chirurgisch, den Gewebebruch verschliessen und Komplikationen verhindern.


Medizinischer Fachlektor:  Dr. med. Claus Puhlmann

Dieser Artikel wurde nach den Vorgaben aktueller medizinischer Fachliteratur, Leitlinien und wissenschaftlichen Standards verfasst und sorgfältig von Medizinern geprüft.

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Minimalinvasive Hernienchirurgie - Weitere Informationen

Was ist eine Hernie?

Hernien sind erworbene oder angeborene Gewebebrüche in der Bauchdecke oder des Zwerchfells, wobei die Bezeichnung „Bruch“ nicht im Sinne eines Knochenbruchs zu verstehen ist. Vielmehr handelt es sich um eine Schwachstelle im Gewebe (Zwerchfell oder Bauchmuskel), die bei entsprechender Veranlagung und Belastung auseinander weichen kann. Durch die so entstandene Bruchpforte können dann - je nach Art der Hernie - Bauchfell, Teile des Magens oder des Darms hindurchtreten. Befindet sich die Bruchpforte im Bauchmuskel, ist der hindurchgetretene Eingeweidebruchsack von aussen als Vorwölbung fühlbar und gegebenenfalls sichtbar, es liegt dann eine sogenannte äussere Hernie vor. Innere Hernien bilden sich durch eine Schwachstelle im Zwerchfell; bei ihnen werden Teile des Magens in den Brustkorb gedrückt.

Gründe für Behandlung

Hernien führen nicht immer zu Schmerzen und Symptomen. Bei manchen Patienten mit einer äusseren Hernie ist lediglich der vorgewölbte Bruchsack unter der Haut zu erkennen. Anfangs kann dieser nach aussen verlagerte Bruch wieder zurückgedrückt werden. Dieses sogenannte Reponieren lindert zwar zunächst auftretende Schmerzen, heilt die Hernie aber nicht. Im Gegenteil, mit der Zeit kann der Bruch sich weiter vergrössern, was wiederum eine Operation wahrscheinlicher macht. Innenliegende Zwerchfellhernien (Hiatushernien) hingegen führen meist zu Schmerzen nach dem Essen oder im Liegen.

Schmerzhaft wird eine Hernie immer dann, wenn Darmschlingen durch die Bruchlücke nach aussen hindurchtreten und eingeklemmt werden. Dadurch kann die Blutversorgung der Darmteile unterbrochen werden. Diese Situation einer eingeklemmten Hernie ist immer ein medizinischer Notfall. Um die Durchblutung wieder herzustellen, muss schnell operiert werden, nur so kann ein Absterben des Gewebes verhindert und einer Bauchfellentzündung vorgebeugt werden.

Hernienarten, die operativ versorgt werden, sind:

Da Abwarten eine Hernie nicht heilt, die Ursachen der Brüche weiterhin bestehen bleiben und konservative Massnahmen wie Zurückdrücken und Bruchbänder nicht ausreichen, sollte die Möglichkeit einer operativen Versorgung der Hernie mit einem Hernienspezialisten frühzeitig besprochen werden.

Methoden der Hernienchirurgie

Die Hernienchirurgie ist eine Spezialisierung der Viszeralchirurgie, also des medizinischen Fachgebiets, das sich mit Operationen an den inneren Organen befasst. Experten für Hernienchirurgie verlagern die im Bruchsack befindlichen Gewebeteile zurück in den Bauchraum und verschliessen die Bruchpforten entweder mithilfe einer Naht oder durch ein künstliches Netz, das die Schwachstelle im Gewebe verstärken soll. So kann einem erneuten Durchbruch vorgebeugt werden.

Grundsätzlich werden offen chirurgische und minimalinvasive Operationsmethoden sowie Methoden mit und ohne Netzimplantat unterschieden. Welche Methode zum Einsatz kommt, hängt insbesondere von der Expertise des Operateurs, den zur Verfügung stehenden Ressourcen, der Grösse und Art der Hernie und von patienteneigenen Faktoren ab.

Mit minimalinvasiver Hernienchirurgie sind alle Behandlungsmethoden eines Hernienspezialisten gemeint, die mit kleinstmöglichen Hautschnitten auskommen und so schonend wie möglich durchgeführt werden. Im Gegensatz zur offenen Hernienoperation entstehen bei der minimalinvasiven Hernienchirurgie keine grossen Narben, und die Regenerationszeit ist durch die Schonung des umliegendes Gewebes beschleunigt.

Minimalinvasive Hernien-Operationen: Was wird gemacht?

Welche Operationsmöglichkeiten gibt es bei Hernien? Auf diese Frage wissen Hernienspezialisten einen fundierten Rat. Welche Operationsmethode die richtige ist, hängt von der jeweiligen Hernienart und -ausprägung ab. Das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand der Patienten sowie die Erfahrung des Chirurgen spielen auch eine wichtige Rolle.

Bei minimalinvasiven Techniken, auch Schlüssellochchirurgie oder endoskopische Chirurgie genannt, sind nur kleine Hautschnitte mit jeweils einem Zentimeter Länge nötig, durch die der operierende Arzt die OP-Instrumente einführt und so die Hernie direkt mit der grösstmöglichen Gewebeschonung operiert. Erfolgt der endoskopische Eingriff über die Bauchhöhle, wird auch von laparoskopischen Methoden gesprochen. Zum Endoskop beziehungsweise Laparoskop gehören eine optische Einheit und Arbeitssonden. Eine solche minimalinvasive Hernien-OP wird unter Vollnarkose durchgeführt.

Das Prinzip einer Hernien-Operation ist immer dasselbe: die Rückverlagerung des Bruchsacks und das Schliessen der Bruchpforte. Ob dabei ein Kunststoffnetz eingesetzt wird, ist eine weitere Entscheidung des Hernienspezialisten gemeinsam mit dem Patienten. Ein solches Netz schliesst die Bruchpforte und verstärkt das Gewebe an der Stelle, wo die Hernie war.

Bewährte minimalinvasive Verfahren zum Beispiel beim Leistenbruch sind:

  • TAPP: laparoskopische transabdominelle Patchplastik, das heisst die Operation erfolgt über die Bauchhöhle
  • TEP: endoskopische präperitoneale Patchplastik, das heisst die Operation erfolgt in der Zwischenschicht zwischen Bauchfell und Muskelwand, die Bauchhöhle wird nicht eröffnet

Verhalten nach der minimalinvasiven Hernien-OP

Direkt im Anschluss an die Operation werden Schmerzen durch Medikamente gelindert und die OP-Region durch Kühlpads gekühlt. In der Regel werden Hernienpatienten bereits wenige Stunden nach dem minimalinvasiven Eingriff in der Klinik mobilisiert, das heisst, sie dürfen wieder aufstehen und ein paar Schritte gehen. Dies beugt auch Thrombosen vor und fördert den Kreislauf. Nach wenigen Tagen werden Patienten meist wieder aus der Klinik entlassen, nach drei bis fünf Tagen wird die Aufnahme von täglichen Aktivitäten empfohlen.

Körperliche Anstrengungen sollten genauso vermieden werden wie starkes Pressen beim Stuhlgang. “Bleiben Sie schmerzfrei” ist nicht nur gut gemeinter Wunsch Ihres Arztes, sondern gleichzeitig das Mass Ihres persönlichen Aktivitätslevels nach der OP. Solange keine Schmerzen verspürt werden, ist die Belastung in Ordnung, tasten Sie sich vorsichtig an Aktivitäten heran.

Minimalinvasive Hernienchirurgie hat den Vorteil, dass Patienten in der Regel schneller wieder mobil sind und die Wundheilung schneller abgeschlossen ist. Nach zwei bis vier Wochen sind minimalinvasiv operierte Hernienpatienten in der Regel wieder arbeitsfähig. Zum individuellen Verlauf nach einer Hernien-OP berät der behandelnde Arzt ausführlich.

Komplikationen nach der minimalinvasiven Hernien-OP

Zu den allgemeinen Risiken einer minimalinvasiven Hernienoperation zählen Blutungen, Wundheilungsstörungen, Infektionen und Thrombosen. Die Klinik und das Pflegepersonal beugen diesen Risiken mit der entsprechenden Pflege und Vorsorgemassnahmen vor. Schwellungen, Blutergüsse und Ansammlungen von Gewebewasser im operierten Bereich können auch bei minimalinvasiver Hernienchirurgie auftreten.

 

Quellen

Berger D (2016) Evidenzbasierte Behandlung der Leistenhernie des Erwachsenen. Dtsch Arztebl Int 2016; 113(9): 150-8. https://www.aerzteblatt.de/archiv/175103/Evidenzbasierte-Behandlung-der-Leistenhernie-des-Erwachsenen

Lenzen-Schulte M (2016) Hernienchirurgie: Nicht ohne Netz, Register und Studien. Dtsch Arztebl 2016; 113(19): A-926 / B-785 / C-769. https://www.aerzteblatt.de/archiv/179202/Hernienchirurgie-Nicht-ohne-Netz-Register-und-Studien

Scheidbach H (2011) Hernien-Operation. Welche Methode für welchen Patienten? Der Allgemeinarzt 33(5): 40-44. https://www.allgemeinarzt-online.de/1588246/a/welche-methode-fuer-welchen-patienten-1563330

Weyhe D et al. (2018) HerniaSurge: internationale Leitlinie zur Therapie der Leistenhernie des Erwachsenen. Kommentar der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft Hernie (CAH/DGAV) und der Deutschen Herniengesellschaft (DHG) zu den wichtigsten Empfehlungen. Der Chirurg 89(4). https://www.researchgate.net/publication/325906981