Gallenblasenentzündung - Medizinische Experten

Bei einer Gallenblasenentzündung – auch Cholezystitis genannt – handelt es sich um eine Entzündung der Gallenblasenwand, die entweder akut oder chronisch auftreten kann. Verursacht wird eine Gallenblasenentzündung in 90 bis 95 Prozent der Fälle durch Gallensteine, die den Gallenabfluss stören und so zu einer Überfüllung der Gallenblase führen. Zu den typischen Beschwerden, die bei einer Gallenblasenentzündung auftreten, gehören krampfartige oder dauerhafte Schmerzen im rechten Oberbauch sowie Übelkeit, Verdauungsstörungen und Gelbsucht.


Medizinischer Lektor Assoc. Prof. Priv.-Doz. Dr. Emanuel Sporn

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Gallenblasenentzündung - Weitere Informationen

Definition: Gallenblasenentzündung (Cholezystitis)

Eine Gallenblasenentzündung bezeichnet eine Entzündung der Gallenblasenwand. In den meisten Fällen (90 bis 95 Prozent) wird diese durch Gallensteine ausgelöst.

Eine akute Gallenblasenentzündung liegt vor, wenn der Patient kolikartige Schmerzen im rechten Oberbauch hat, die sich zu einem dauerhaften Schmerz entwickeln und zusätzlich mit Fieber und Übelkeit einhergehen können.

Bei einer chronischen Gallenblasenentzündung wird die Gallenblasenwand fortwährend oder immer wiederkehrend durch Gallensteine oder Gallenflüssigkeit gereizt. Anhaltende dumpfe oder intervallartige Schmerzen und Verdauungsbeschwerden können auftreten. Eine chronische Gallenblasenentzündung erhöht das Risiko für Gallenblasenkrebs.

Lage und Funktion der Gallenblase

Die Gallenblase liegt in der Gallenblasengrube am Unterrand der Leber im rechten Oberbauch. Die Hauptfunktion der Gallenblase besteht darin, die in der Leber produzierte Galle zu sammeln und bei Nahrungsaufnahme durch den Hauptgallengang in den Zwölffingerdarm abzugeben. Dort emulgiert die Galle den Nahrungsbrei und spielt eine massgebliche Rolle bei der Verdauung von Fetten. Die Gallenblase ist mit mehreren Schliessmuskeln versehen, die durch Kontraktionen das Abfliessen der Galle regulieren.

Gallensteine entstehen entweder, wenn sich die Zusammensetzung der Galle und dadurch die Löslichkeit unter anderem von Cholesterin ändert, wenn die Motilität (Beweglichkeit) der Gallenblase gestört ist oder Bakterien zu einer Kristallisation der Gallenflüssigkeit führen. Dementsprechend können verschiedene Gallensteine unterschieden werden. In den meisten Fällen handelt es sich um Cholesterin- und gemischte Gallensteine, seltener kommen Pigmentgallensteine vor, die dann hauptsächlich aus Bilirubin bestehen.

 

 

Ursachen einer Gallenblasenentzündung (Cholezystitis)

Eine Gallenblasenentzündung wird in den meisten Fällen durch Gallensteine verursacht, die den Gallenabfluss stören und damit eine Überfüllung der Gallenblase verursachen. Diese Überfüllung führt zunächst zu krampfartigen Schmerzen, sogenannten Koliken. Im weiteren Verlauf der Erkrankung können Bakterien aus dem Darm über den Gallengang in die Gallenblase eindringen und diese befallen.

Risikofaktoren für die Entstehung von Gallensteinen sind körperliche Inaktivität, falsche Ernährung (zu kalorienreich und zu ballaststoffarm) und Übergewicht. Auch eine östrogenbasierte Hormontherapie scheint das Risiko für Gallensteine zu erhöhen. Weitere Risikofaktoren sind ein Alter um die 40 Jahre, weibliches Geschlecht, Schwangerschaft, Stoffwechselstörungen, rasche Gewichtsabnahme und familiäre Häufung.

Gallenblase mit Gallensteinen
© Henrie / Fotolia

In seltenen Fällen wird eine Gallenblasenentzündung durch Operationen, Entzündungen anderer innerer Organe, Verbrennungen oder Unfälle ausgelöst.

Symptome einer Gallenblasenentzündung (Cholezystitis)

Eine nicht bakterielle Gallenblasenentzündung bzw. Gallenblasensteine äussern sich vor allem durch starke krampfartige Schmerzen im rechten Oberbauch, die auch gürtelförmig in Richtung Rücken ausstrahlen können. Übelkeit und Brechreiz, gelegentlich auch Erbrechen, eine leichte Gelbfärbung der Haut und Verdauungsstörungen sind weitere Symptome einer Gallenblasenentzündung.

Wird das gestaute Gallensekret mit Bakterien infiziert, treten zu den oben genannten Anzeichen ausserdem Fieber, Schüttelfrost, Druckschmerz und eine angespannte Bauchdecke im rechten Oberbauch auf.

Diagnose einer Gallenblasenentzündung (Cholezystitis)

Zur Diagnose einer Gallenblasenentzündung werden neben der körperlichen Untersuchung laboranalytische und bildgebende Verfahren eingesetzt. Typisch für eine Gallenblasenentzündung sind lokale Entzündungszeichen (druckschmerzhafte Ultraschalluntersuchung, Anspannen der Bauchmuskulatur während des Abtastens des Bauchs - die so genannte Abwehrspannung), allgemeine Entzündungszeichen (siehe unter Laboranalyse), Verdickung der Gallenblasenwand und in den meisten Fällen Nachweis von Gallensteinen.

Laboranalyse

Die Blutuntersuchung stellt eine wichtige Untersuchung im Rahmen der Abklärung einer Gallenblasenentzündung dar. Die Zahl der weissen Blutkörperchen ist erhöht, die Blutsenkungsgeschwindigkeit beschleunigt und die Konzentration des C-reaktiven Proteins (CRP) angestiegen. Zudem können die Leberwerte über dem Normbereich liegen.

Bildgebende Verfahren

Bei einer Ultraschalluntersuchung (Sonografie) wird die Gallenblase mittels eines Schallkopfes begutachtet. Eine vergrösserte Gallenblase, eine Schwellung der Gallenblasenwand und in weiterer Folge eine sogenannte Dreischichtung der Gallenblasenwand können durch dieses Verfahren erkannt werden. Ebenso können bei einer Ultraschalluntersuchung die auslösenden Gallensteine dargestellt werden. Typisch für die Gallenblasenentzündung ist der lokal begrenzte Schmerz, der auftritt, wenn mit dem Schallkopf ein Druck ausgeübt wird. Dieses Phänomen wird in der Medizin auch als Murphy-Zeichen bezeichnet.

In manchen Fällen (zum Beispiel wenn die Sonografie nicht eindeutig war) werden auch Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) eingesetzt. Hierbei kann die Gabe eines Kontrastmittels die Gallenblasenwand und deren Umgebung besser darstellen und so unter Umständen Hinweise auf eine Entzündung geben.

Behandlung einer Gallenblasenentzündung (Cholezystitis)

Eine Gallenblasenentzündung sollte immer frühzeitig behandelt werden, um bedrohliche Komplikationen zu vermeiden. Verzögert sich die Therapie, können sich lebensbedrohliche Komplikationen entwickeln, wie zum Beispiel, dass die Gallenblase einreisst, sich infizierte Gallenflüssigkeit in den Bauchraum verteilt und dann eine sogenannte Bauchfellentzündnung auslöst.

Wird eine Gallenblasenentzündung diagnostiziert, so sollte eine sofortige Behandlung mit Antibiotika erfolgen, um die bakterielle Infektion zu bekämpfen. Zusätzlich erfolgt eine symptomatische Therapie mit Schmerzmitteln und krampflösenden Medikamenten, sogenannten Spasmolytika. Eine operative Entfernung der Gallenblase (Cholezystektomie) und der darin enthaltenen Steine ist dann auf alle Fälle empfohlen und notwendig, da neuerliche Symptome und Entzündungen zu erwarten sind. Die Operation kann entweder sofort im Stadium der akuten Entzündung durchgeführt werden oder auch im Intervall mindestens 6 Wochen nach Abklingen der Entzündung.

Der Versuch der Auflösung von Gallensteinen mithilfe von Medikamenten (Ursodeoxycholsäure) oder die Zertrümmerung mit extrakorporale Stosswellenlithotripsie (ESWL) ist nicht empfohlen bzw. kontraindiziert und kann im Gegenteil schwerwiegende Komplikationen mit einem Abgang der Steine in den Hauptgallengang und Verschluss desselben bewirken. Bleibt ein Stein im Bereich der Papille, der gemeinsamen Öffnung des Hauptgallenganges und des Ganges der Bauchspeicheldrüse in den Zwölffingerdarms hängen, so kann es zu einer lebensbedrohlichen Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) kommen.

Die operative Entfernung der Gallenblase samt der darin befindlichen Steine kann in fast allen Fällen mittels einer minimalinvasiven laparoskopischen Operation („Schlüssellochchirurgie“) durchgeführt werden. Hierbei werden in Vollnarkose 3-4 kleine 0,5-2 cm haltende Einschnitte durchgeführt und dann mit Blick auf einen Monitor mittels dünner Instrumente die Gallenblase entfernt. Die meisten Patienten können das Spital bereits am Tag nach der Operation verlassen. Nur selten muss bei massiveren Entzündungen der Bauchraum mit einem grossen Schnitt eröffnet werden, um die Gallenblase zu entfernen.

Stecken Gallensteine im Hauptgallengang fest, so können diese endoskopisch mit einer sogenannten ERCP (endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie) entfernt werden.

 

Wie kann einer Gallenblasenentzündung (Cholezystitis) vorgebeut werden?

Da die Gallenblasenentzündung in den allermeisten Fällen auf Gallensteine zurückgeführt werden kann, sollte vor allem der Entstehung von Gallensteinen entgegengewirkt werden. Insbesondere regelmässige körperliche Aktivität und eine ausgewogene, bedarfsgerechte Ernährung sind wichtig, um ein möglichst normales Körpergewicht zu halten. Auch scheinen Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Olivenöl, Vollkornprodukte, Salat, Nüsse und ungesättigte Fette der Entwicklung von Gallensteinen vorzubeugen. Dasselbe gilt für eine erhöhte Vitamin-C- und Magnesium-Zufuhr. Dagegen erhöhen gesättigte Fettsäuren, Süssigkeiten und energiehaltige Getränke das Risiko. In bestimmten Situationen, zum Beispiel bei Übergewicht oder infolge einer Gewichtsreduktion oder nach Adipositaschirurgie, können Medikamente helfen, das Risiko zu senken. Eine generelle Empfehlung zur medikamentösen Vorbeugung gibt es aber nicht.

Quellen

  • Gutt C et al. (2017) Aktualisierte S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) zur Prävention, Diagnostik und Behandlung von Gallensteinen. AWMF-Register-Nr. 021/008. Z Gastroenterol 2018; 56: 912–966
  • Lenzen H, Lankisch T (2014) Cholelithiasis. In: Lehnert H et al. (eds) SpringerReference Innere Medizin. Springer Reference Medizin. Springer, Berlin, Heidelberg
  • Zylka-Menhorn V (2013) Akute Cholezystitis: Die frühzeitige Operation ist dem konservativen Vorgehen überlegen. Dtsch Arztebl 110(37): A-1683 / B-1489 / C-1464
Zuletzt aktualisiert am 25.09.2019