Morbus Basedow - Medizinische Experten

Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung, die die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigt. Auch als Graves' Disease bekannt, ist sie im Deutschen nach dem Forscher Carl Adolph von Basedow benannt.

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Morbus Basedow - Weitere Informationen

Definition: Was ist Morbus Basedow?

Das Krankheitsbild von Morbus Basedow wird fast immer von drei Beschwerdekomplexen geprägt, die charakteristisch für die Erkrankung sind. Dieses als Merseburger Trias bekanntes Dreigespann besteht aus dem Kropf (Struma), dem Herzrasen (Tachykardie) und einer exponierten Stellung des Bulbus (Exophthalmus). Damit einher geht eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose).

Morbus Basedow kann in jedem Alter auftreten. Zwischen den Lebensjahren 30 und 50 gibt es ein erhöhtes Risiko, dass die Krankheit ausbricht. Ausserdem wird ein vermehrter Ausbruch in Phasen hormoneller Umstrukturierung des Körpers verzeichnet (Pubertät, Schwangerschaft, Wechseljahre). Bei einem enormen Verhältnis von 8 zu 1 sind Frauen wesentlich häufiger von Morbus Basedow betroffen als Männer. Für den Ausbruch von Morbus Basedow gibt es eine genetische Prädisposition.

Was sind die Symptome von Morbus Basedow?

Die Merseburger Trias tritt bei etwa der Hälfte aller Patienten auf. Durch eine Vergrösserung der Schilddrüse entsteht der sogenannte Kropf, der ab einer gewissen Grösse von aussen am Hals zu sehen ist. Im Rahmen einer Überfunktion der Schilddrüse wird der Stoffwechsel beschleunigt, sodass das Herz häufig nicht nachkommt und die Überlastung durch Herzrasen (Tachykardie) anzeigt. Der Exophthalmus ist eine Begleiterscheinung von Morbus Basedow, die jedoch eher als eigenständige Autoimmunerkrankung eingestuft und lediglich von einer Schilddrüsenüberfunktion begünstigt wird. Beim Exophthalmus tritt der Bulbus sichtbar aus dem Auge hervor, während sich die Augenlider allmählich hinter diesen zurückziehen. Meistens kommt Exophthalmus auf beiden Seiten zur Ausprägung, es kann jedoch auch sein, dass nur ein Augapfel hervortritt.

Betroffene verlieren schneller Gewicht als andere Menschen. Es ist aber auch das Gegenteil möglich. Die Schilddrüsenüberfunktion bewirkt einen ständigen Heisshunger und eine gesteigerte Nahrungsaufnahme, die bei Menschen mit einem eher schwachen Stoffwechsel zu Übergewicht führt. In vielen Fällen kommt es zu Haarausfall. Die Muskulatur ist schwächer, die Transpiration (Schwitzen) ist erhöht. Durch den hohen Aufwand, den die Schilddrüse im Körper betreibt, sind die Betroffenen in ihrer physischen und psychischen Leistungsfähigkeit eingeschränkt.

Weitere Symptome:

  • häufiger Stuhlgang/Durchfall
  • Tremor (Zittern)
  • Schlafprobleme
  • Atemnot
  • Bluthochdruck
  • Nervosität
  • Wärmeempfindlichkeit
  • Beeinträchtigungen der Fruchtbarkeit (Impotenz bei Männern, Unregelmässigkeiten im Zyklus bei Frauen)

Was sind die Ursachen von Morbus Basedow?

Morbus Basedow kann durch zwei unterschiedliche Faktoren hervorgerufen werden. Einerseits ist eine Anfälligkeit für die Krankheit in der DNA codiert, weshalb diese jederzeit zum Ausbruch kommen kann. Eine vormalige Manifestation der Krankheit bei einem Verwandten kann in den meisten Familienstammbäumen der Betroffenen nachgewiesen werden. Andererseits können aber auch Umweltfaktoren für den Ausbruch der Krankheit sorgen. So erhöhen vor allem psychischer Stress, Nikotinmissbrauch oder schwelende Infektionen das Risiko, an Morbus Basedow zu erkranken.

Bei Morbus Basedow bildet der Körper Antikörper gegen den TSH-Rezeptor. Diese Antikörper führen eine Entzündung der Schilddrüse herbei. Im Anschluss wird die Schilddrüse übermässig gereizt, wodurch eine Steigerung der Schilddrüsenaktivität bewirkt wird. Die durchgängige Stimulation der Rezeptoren ist verantwortlich für einen dauerhaften Wachstumsreiz, der sich in der Bildung eines Kropfes niederschlägt.

Die Antikörper können jedoch auch in anderen Körperregionen Veränderungen verursachen. Im Auge kann eine endokrine Orbitopathie entstehen, die durch die typischen "Basedowschen Glotzaugen" erkennbar ist. Eine Entzündung des Bindegewebes am Unterschenkel wird prätibiales Myxödem genannt und ist ebenfalls als Folge einer übermässigen Bildung von TSH-Rezeptor-Antikörpern bekannt.

Diagnose und Behandlung von Morbus Basedow

Die Diagnose Morbus Basedow kann nach einer eingehenden klinischen, sonographischen und chemischen Untersuchung des Patienten gestellt werden. Einige Symptome wie der Kropf oder der Exophthalmus können den behandelnden Arzt schon früh auf die richtige Spur bringen.

Ultraschalluntersuchung Schilddrüse

Die Krankheit wird am Anfang der Therapie mit Thyreostatika behandelt. Diese Medikamente hemmen die Funktion der Schilddrüse und bringen den Stoffwechsel wieder in ein Gleichgewicht. Zusätzlich werden häufig Beta-Blocker eingesetzt, um die unnatürlich hohe Beanspruchung der Herz-Kreislaufsystems zu entspannen. Wenn der T3- und der T4-Spiegel bis auf normales Niveau gesenkt sind, sollte die Dosis der Thyreostatika reduziert werden. Um die Dosierung immer wieder individuell anzupassen, ist es wichtig, den Therapiefortschritt in regelmässigen Abständen zu kontrollieren.

Der Patient kann seine Heilung passiv vorantreiben, indem er auf sportliche Betätigungen verzichtet, sich vor Stress und psychischen Anstrengungen schützt und die Aufnahme von Jod eklatant einschränkt. Die Ernährung sollte so umgestellt werden, dass jodhaltige Produkte in Gänze umgangen werden. Ausserdem ist es besonders bei Menschen, die zur Fettleibigkeit neigen, notwendig, auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung zu achten und den häufigen Heisshunger zu unterdrücken (z.B. durch eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme oder Meditation). Betroffene, die unter starkem Gewichtsverlust leiden, müssen hingegen auf eine reichhaltige Ernährung achten, mit der sie dem Gewichtsverlust entgegenwirken.

In besonders schweren Fällen hilft nur noch eine Operation im Rahmen der endokrinen Chirurgie. Bei einem dramatischen Stadium der endokrinen Orbitopathie muss die Schilddrüse im Rahmen einer subtotalen Schilddrüsenresektion in Teilen entfernt werden.

Die Krankheit Morbus Basedow ist stark rezidivierend. Obwohl die medikamentöse Behandlungsmethode bei etwa der Hälfte aller Patienten anschlägt und die Symptome verschwinden, ist eine erneute Erkrankung möglich.

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