Erektile Dysfunktion (Erektionsstörung, Impotenz)

Bei der Erektionsstörung, die medizinisch auch erektile Dysfunktion genannt wird, handelt es sich um eine Sexualstörung, von welcher Männer betroffen sind. In den meisten Fällen gelingt es ihnen über einen längeren Zeitraum nicht Erektionen des Penis zu erreichen, die für ein befriedigendes Sexualleben notwendig sind. Handelt es sich hingegen nur um kurzfristige Erektionsstörungen, spricht man hingegen nicht von einer erektilen Dysfunktion.

Weitere Informationen zu Erektionsstörungen finden Sie weiter unten.

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Erektile Dysfunktion - Weitere Informationen

Grundsätzlich handelt es sich bei einer Erektionsstörung um eine ernstzunehmende Erkrankung. Sowohl organische als auch psychische Ursachen können hierbei eine Rolle spielen. Letzteres trifft vor allem dann zu, wenn weiterhin nächtliche Erektionen auftreten.

Allerdings kann die Erektionsstörung auch das Anzeichen für eine andere, schwerwiegende Erkrankung sein. Deshalb sollte eine Erektionsstörung unbedingt ärztlich untersucht werden. Eine Erektionsstörung kann häufig durch verkalkte Penis-Arterien bedingt sein und auch ein Hinweis auf einen bevorstehenden Herzinfarkt oder Schlaganfall darstellen. Deshalb sollte nach der Diagnose "Erektile Dysfunktion" unbedingt ein Internist, ein Angiologe und ein Kardiologe hinzugezogen werden. Weitere Informationen zum interdisziplinären Ansatz finden Sie im englischsprachigen Fachartikel "Interdisciplinary options for diagnosis and treatment of organic erectile dysfunction".

Aus Scham gehen viele Betroffene nicht zum Arzt. Das ist jedoch der falsche Weg. Denn vor allem, wenn die Erektionsstörung auf eine Verletzung zurückzuführen ist, ist eine schnelle Untersuchung sehr wichtig.

Pärchen im Bett, erektile Dysfunktion ist therapierbar
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Wie oft tritt eine Erektionsstörung auf?

Wie häufig eine erektile Dysfunktion beim Mann auftritt, hängt massgeblich vom Lebensalter ab. Während im dritten Lebensjahrzehnt etwa 2,3 Prozent der Männer an einer Erektionsstörung leiden, sind es im siebten Jahrzehnt bereits deutlich mehr als 50 Prozent.

Was kann die Erektionsstörung auslösen?

In der Vergangenheit wurde die Erektionsstörung meist auf organische oder psychische Ursachen zurückgeführt. Heute sind sich die Mediziner jedoch darüber einig, dass eine erektile Dysfunktion oft mehrere Ursachen hat, die auf verschiedene Faktoren, die sich gegenseitig bedingen, zurückzuführen sind. So stellen bei jüngeren Männern und im mittleren Alter meist psychische Ursachen den Grund für die Erektionsstörung dar, während mit zunehmendem Alter organische Ursachen eine immer grössere Rolle spielen.

Psychische Ursachen

Bei jüngeren Männern sind meistens psychische Probleme die Ursache für eine erektile Dysfunktion. Hier spielt meist die Angst vor einem sexuellen Versagen eine Rolle. Diese Angst geht häufig einher mit

  • Konflikten in der Beziehung
  • Trennungen
  • beruflichem Misserfolg
So sieht sich der Mann in seiner Rolle als Familienernährer angegriffen. 

Organische Ursachen

Während sich die psychischen Ursachen für eine Erektionsstörung also relativ eindeutig eingrenzen lassen, sind die organischen Gründe sehr viel breiter gefächert. Typische Gründe sind beispielsweise

  • Zuckerkrankheit
  • Bluthochdruck
  • Verletzungen an den Schwellkörpern
  • langjährige Einnahme verschiedener Suchtmittel wie Alkohol oder Tabletten, wodurch es zu Schäden an den Schwellkörpern oder Blutgefässen kommen kann
  • Verkalkung der Blutgefässe
  • Lecks in den Venen, die das Blut ableiten

Obwohl es sich bei Gefässproblemen um ein relativ häufiges Problem handelt, wird diese Ursache - selbst durch erfahrenen Ärzte - aktuell nur selten abgeklärt.

Aber auch Medikamente können zu Erektionsstörungen führen, beispielsweise Betablocker oder sogenannte Antiandrogene. Diese haben zur Folge, dass männliche Sexualhormone in ihrer Wirkung gehemmt werden.

Wer diagnostiziert die Erektionsstörung?

Grundsätzlich sollten Sie bei Erektionsstörungen einen Urologen aufsuchen. Dieser kann bei Bedarf Neurologen und Psychotherapeuten hinzuziehen, da häufig eine interdisziplinäre Zusammenarbeit erforderlich ist. Im sogenannten Anamnesegespräch klärt der Urologe ab, wie die sexuellen Probleme aussehen und seit wann sie bestehen.

Im günstigsten Fall zeigt sich schon jetzt, ob psychische Faktoren die erektile Dysfunktion verursachen. Der Arzt prüft auch die Medikamente, die der Betroffene ggf. einnimmt. Manche Wirkstoffe können Erektionsstörungen begünstigen.

Weitere Möglichkeiten zur Untersuchung bestehen im Ultraschall sowie einer Blutprobe. Ersteres gibt möglicherweise Hinweise auf Verletzungen, während aus der Blutprobe hormonelle Störungen, die zu einer Erektionsstörung führen können, ersichtlich werden. Sofern der Urologe organische Schäden feststellt, wählt er üblicherweise massivere Methoden, um die Ursache der erektilen Dysfunktion herauszufinden.

Dazu gehört etwa die sogenannte NPTR-Messung, die ggf. vorhandene nächtliche Erektionen aufzeichnet. Diese treten bei einem organisch gesunden Mann zwischen drei- und sechsmal pro Nacht auf und dauern bis zu zehn Minuten an. Treten sie auch bei einem Patienten auf, der unter Erektionsstörungen leidet, ist das ein deutlicher Hinweis auf psychische Ursachen.

Um eine Störung der Gefässe auszuschliessen, empfiehlt der Arzt häufig eine Schwellkörperinjektionstherapie. Dabei wird durch Medikamenten eine Erektion hervorgerufen. Sofern diese über einen Zeitraum von mehr als 15 Minuten anhält, ist eine Beschädigung der Gefässe sehr unwahrscheinlich.

Mit einer Duplexsonographie hingegen lassen sich Gefässprobleme ausschliessen. Mit dieser Methode werden verschiedenste Daten über den Blutfluss im Körper des Mannes gewonnen.

So wird die Erektionsstörung behandelt

Eine medizinische Leitlinie empfiehlt seit September 2012 Therapiemöglichkeiten für eine erektile Dysfunktion. Diese Leitlinien sind allerdings nicht bindend und müssen an den jeweiligen Einzelfall angepasst werden. Zudem gibt es für die Behandlung einer Erektionsstörung mehrere Ansätze.

Bei psychischen Ursachen stellen eine Psychotherapie oder eine beratende Sexualtherapie die besten Behandlungsformen dar. Gegebenenfalls sollte auch der Partner mit einbezogen werden. Sofern tatsächlich eine Erkrankung vorliegt, werden die Behandlungskosten von der Krankenkasse übernommen.

Medikamentöse Behandlungsformen

Die Erektionsstörung lässt sich darüber hinaus vielfach mit der Gabe von potenzsteigernden Medikamenten lindern. Allerdings sollten die betroffenen Patienten auf eine Selbstmedikation verzichten. Nur unter ärztlicher Anleitung ist eine optimale Einstellung des Patienten auf die Medikamente möglich.

Als wirkungsvoll haben sich ausserdem Gewebshormone, die sogenannten Prostaglandine, erwiesen, die entweder injiziert oder in die Harnröhre eingeführt werden. Die Einführung erfolgt mithilfe eines Stäbchens, das mit dem Wirkstoff getränkt ist und diese so an die Schleimhäute in der Harnröhre abgibt.

Ballonkatheter-Therapie

Durch Atherosklerose verengte Penis-versorgende Arterien lassen sich heute sehr sicher mit einer Ballonkatheter-Dilatation, ggf. gefolgt von einer Stent-Implantation, behandeln. Der angiologische Eingriff erfolgt ähnlich wie eine Erweiterung von Herzkranzgefässen in örtlicher Betäubung. So kann die für eine Erektion wichtige Durchblutung oftmals auf sehr schonende Weise minimal-invasiv wieder hergestellt werden. Weitere Informationen zu diesem Verfahren finden Sie im Fachartikel "Erektile Dysfunktion und kardiovaskuläre Medizin".

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Eine Erektionsstörung lässt sich unter Umständen auch operativ behandeln. Das ist dann nötig, wenn Gefässverletzungen vorliegen oder die Betroffenen einen Leistenbruch hatten. Insgesamt zeigen sich bei der operativen Methode etwa 80 % der Patienten mit der Behandlung zufrieden.

Weitere Therapiemassnahmen

Die Stosswellentherapie ist eine weitere Behandlungsmöglichkeit von Erektionsstörungen. Hier ist die Datenlage allerdings noch zu dünn für ein eindeutiges Bild. Mit dieser Behandlung soll die Durchblutung lokal an den Schwellkörpern gefördert werden. Etwa zwei Drittel der Patienten, die sich dieser Behandlung unterzogen haben, berichten von positiven Auswirkungen.

Darüber hinaus gibt es auch verschiedene Hilfsmittel, die sich gegen Erektionsstörungen einsetzen lassen. Dazu gehört beispielsweise eine Penispumpe, die bei einer sachgemässen Anwendung keine Nebenwirkungen zur Folge hat. Der Mann stülpt diese Pumpe über den Penis und erzeugt damit einen Unterdruck. Dadurch füllen sich die Schwellkörper im Penis und erzeugen so eine Erektion.

Die Erektionsstörung und die Gesellschaft

Nach wie vor ist der Leidensdruck für die Betroffenen, die unter einer Erektionsstörung leiden, enorm gross. Im deutschsprachigen Raum werden die Beeinträchtigungen, unter welchen die Betroffenen leiden, nach wie vor nicht richtig wahrgenommen. Hinzu kommt, dass weder private noch gesetzliche Krankenkassen dazu verpflichtet sind, die Kosten für Potenzmittel zu übernehmen.

Was übrigens die wenigsten wissen: Patienten, die unter einer erektilen Dysfunktion leiden, können sehr wohl Ejakulationen haben und auch auf natürlichem Weg Kinder zeugen. Mit allgemeiner Zeugungsunfähigkeit hat die Erektionsstörung also nichts zu tun, wenngleich dies in der Öffentlichkeit oft gleichgesetzt wird. Allerdings laufen gerade intensive Bestrebungen, um das Thema zu enttabuisieren.


Dieser Text wurde überprüft von unserem Experten Prof. Dr. Nicolas Diehm.

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