Tiefe Hirnstimulation (THS) bei Parkinson und Tremor

Die tiefe Hirnstimulation (THS, Tiefenhirnstimulation) hat sich bisher besonders bei fortgeschrittenem Parkinson und Tremor bewährt. Der Eingriff in tiefe Gebiete des Grosshirns ist allerdings auch mit einigen Risiken verbunden. Der „Hirnschrittmacher“ wird daher erst eingesetzt, wenn Medikamente trotz optimaler Einstellung nicht ausreichend helfen oder starke Nebenwirkungen verursachen. Dieser Artikel behandelt Einsatzgebiete und Anwendung der tiefen Hirnstimulation sowie die sich ergebende Prognose.

Themenübersicht dieses Artikels

Welcher Facharzt ist für das Implantieren des Hirnschrittmachers bei Parkinson und Tremor zuständig?

Der Hirnschrittmacher wird von einem Facharzt für Neurochirurgie in enger Zusammenarbeit mit einem Facharzt für Neurologie eingesetzt. Der Neurologe hat während der Operation am wachen Patienten zu beurteilen, ob die Implantation optimalen Erfolg zeigt oder Veränderungen vorgenommen werden müssen.

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Was versteht man unter tiefer Hirnstimulation (THS)?

Die tiefe Hirnstimulation ist ein Verfahren innerhalb der funktionellen Neurochirurgie, bei welcher verändernd in die Funktion des Nervensystems eingegriffen wird. Zur Tiefenhirnstimulation werden Elektroden ins Gehirn und ein Generator unter das Schlüsselbein eingebracht. Über die Elektroden sendet der Generator elektrische Impulse an relevante Gehirngebiete. Für das Einbringen der feinen Elektroden ins Gehirn sind zwei Bohrlöcher nötig. Um das Zielgebiet exakt zu erreichen, wird sich der Stereotaxie bedient.

Die tiefe Hirnstimulation wird angewendet bei:

Die tiefe Hirnstimulation wirkt sich positiv auf drei Hauptsymptome der Parkinson-Krankheit aus: Rigor (Starre), Tremor (Zittern in Ruhe) und Akinese (Bewegungsarmut). Allerdings zeigt sie nur beim idiopathischen Parkinson-Syndrom (siehe unten) Wirkung. Auch beim essentiellen Tremor führt die Tiefenhirnstimulation zu Erfolgen.

Prognose nach tiefer Hirnstimulation bei Morbus Parkinson

Zwischenzeitlich konnten mehrere Studien belegen, dass die tiefe Hirnstimulation bei Patienten mit fortgeschrittenem Parkinson hilfreicher ist als die optimale Therapie mit Medikamenten – allerdings fielen auch stärkere Risiken auf. Diese Risiken umfassen Infektionen, Verschlechterung der Gedächtnisleistung und der visuell-motorischen Fähigkeiten, Stürze, Dyskinesien und sogar den Tod auf Grund von Hirnblutung. Die Erfolgsraten reichen von 20 bis 80 Prozent. Begleitend zur tiefen Hirnstimulation müssen die Medikamente in reduzierter Dosis weiterhin eingenommen werden.

Einsatzgebiete der tiefen Hirnstimulation (THS): Parkinson

Parkinson (Parkinson-Erkrankung, Morbus Parkinson) zählt zu den degenerativen neurologischen Erkrankungen. Parkinson-Symptome zeigen sich, wenn mehr als 80 Prozent der Zellen in einer bestimmten Gehirnregion abgestorben sind. Denn dann kommt es zu einem Mangel des Botenstoffes Dopamin, wodurch die Feinabstimmung von Muskelbewegungen gestört wird. Eine fortgeschrittene Parkinson-Krankheit zeichnet sich durch vier Hauptsymptome (Kardinalsymptome) aus: Bewegungsarmut (Akinese), Muskelsteife (Rigor), Zittern in Ruhe (Ruhetremor) und Störungen der Körperhaltung.

Parkinson-Symptome

Diese Symptome müssen aber nicht immer gleichzeitig auftreten. Liegt keine erkennbare Ursache von Morbus Parkinson vor, handelt es sich um das idiopathische Parkinson-Syndrom (IPS). Seltener sind die nicht-idiopathischen Parkinson-Syndrome mit einer bestimmten Ursache, beispielsweise einer Erkrankung oder Vergiftung. Tremor (Zittern) ist eines der Hauptsymptome bei Parkinson, er kann aber auch isoliert auftreten (essentieller Tremor). Sowohl die Parkinson-Erkrankung als auch der essentielle Tremor können nicht geheilt werden, möglich ist lediglich das Lindern der Symptome. Dies kann oftmals mit Medikamenten wie L-Dopa (Levo-Dopa) oder Dopamin-Agonisten erreicht werden. Wenn Medikamente keine zufrieden stellenden Ergebnisse erzielen, kann das Einsetzen eines Hirnschrittmachers in Erwägung gezogen werden. Die tiefe Hirnstimulation bietet sich auch bei Patienten an, die wegen der Gefahr einer Psychose nicht befriedigend mit Dopamin behandelt werden können. Die Tiefenhirnstimulation macht allerdings nur Sinn, wenn die Symptome auf L-Dopa ansprechen.

Grenzen der tiefen Hirnstimulation bei Morbus Parkinson

Die tiefe Hirnstimulation kann die motorischen Symptome der Parkinson-Erkrankung lindern. Parkinson betrifft allerdings das ganze Nervensystem und zeichnet sich auch durch andere Symptome wie beispielsweise Demenz aus. Diese Beschwerden bleiben durch die tiefe Hirnstimulation unberührt, sie treten im Krankheitsverlauf dennoch auf. Die tiefe Hirnstimulation (THS) stellt einen grossen Fortschritt in der Behandlung des fortgeschrittenen Parkinson und Tremor dar – ihr Einsatz sollte aber im Einzelfall unter genauer Kosten-Nutzen-Kalkulation überdacht werden.

Quellen

Dützmann, Stephan (2009): Basics Neurochirurgie. München: Urban & Fischer Verlag.

Die Parkinson-Erkrankung. Patienten-Leitlinie des Berufsverbandes Deutscher Neurologen (BDN) und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Stand: Mai 2008. Downloadbar unter: http://www.kompetenznetz-parkinson.de/Parkinson/patientenllparkinson_2008-05.pdf

Parkinson: Tiefenhirnstimulation wirksamer, aber riskanter als Medikamente. Artikel auf aerzteblatt.de. URL: http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=34956 [Zugriff: 4.1.2012]

Deuschl, G. et al. (2006): German Parkinson Study Group, Neurostimulation Section. A Randomized Trial of Deep-Brain Stimulation for Parkinsons´s Disease. In: New England Journal of Medicine, 355, 9, S. 896–908.

Parkinson-Syndrome. Diagnostik und Therapie. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. AWMF-Leitlinien-Register: Nr. 030/010. Entwicklungsstufe: 2k. Downloadbar unter: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-010l_S2k_Parkinson-Syndrome.pdf