Sofortimplantate - Schneller Zahnersatz bei intaktem Kieferknochen

ZahnimplantatBei Sofortimplantaten (immediate placement) handelt es sich um ein besonderes Verfahren des Zahnersatzes. Bei einem Implantat setzt der Arzt einen Stift als künstliche Zahnwurzel in den Kiefer. Für den nötigen Halt muss jedoch in ausreichendem Masse Knochenmaterial vorhanden sein. Deswegen geht einem Implantat in vielen Fällen eine Phase des Knochenaufbaus voraus.

Das ist bei einem Sofortimplantat anders. Der Zahnarzt entfernt in einem Arbeitsgang den natürlichen Zahn und setzt direkt im Anschluss die künstliche Wurzel ein. Das ist allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Für ein Sofortimplantat ist ein stabiler Kieferknochen am wichtigsten.

Themenübersicht dieses Artikels

Wann kommt ein Sofortimplantat in Frage?

Eine typische Massnahme sind Sofortimplantate zum Beispiel, wenn ein Zahn durch einen Unfall verlorengegangen ist oder stark beschädigt wurde. In diesen Fällen ist der Kieferknochen meistens intakt und somit für ein Sofortimplantat gut geeignet. Wenn Karies dazu führt, dass ein Zahn gezogen werden muss, ist ein Sofortimplantat nur möglich, falls keine Entzündung vorliegt.

Durch Sofortimplantate spart der Patient Sitzungen beim Zahnarzt, und der Körper wird nicht durch wiederholte Operationen belastet. Auch in psychischer Hinsicht sind Sofortimplantate weniger belastend, weil der Patient mit dem Gefühl die Praxis verlässt, mit dem Sofortimplantat zumindest den Grundstock für einen vollwertigen Zahnersatz bereits im Mund zu haben.

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Voraussetzungen für den Einsatz von Sofortimplantaten

So attraktiv Sofortimplantate im ersten Moment für den Patienten klingen, sie sind nur eine sinnvolle Massnahme, wenn ideale Voraussetzungen vorliegen. Sonst wächst das Sofortimplantat nicht korrekt ein und weitere, teils aufwändige Eingriffe müssen folgen – etwa der Einsatz eines normalen Implantats mit Knochenaufbau.

Bevor der Zahnarzt ein Sofortimplantat empfiehlt, wird er daher überprüfen, ob alle Bedingungen erfüllt sind:

  • Es darf keine akute Entzündung vorliegen. Das heisst, ein Sofortimplantat ist zum Beispiel nicht möglich, wenn ein Zahn wegen einer entzündeten Wurzel entfernt werden muss.
  • Das Zahnfleisch darf sich für ein Sofortimplantat beim Ziehen des Zahnes nicht vom darunterliegenden Knochen gelöst haben. Experten benutzen daher spezielle Instrumente (Periotome), um einen Zahn aus seiner Verankerung zu lösen. Sie sind sehr dünn und scharf und schonen so das umliegende Gewebe, um ein Sofortimplantat zu ermöglichen. Teilweise transplantieren die Ärzte bei einem Sofortimplantat auch zusätzlich Bindegewebe, das sie zum Beispiel am Gaumen entnehmen.
  • Der Kieferknochen muss für ein Sofortimplantat in ausreichendem Masse vorhanden sein und zudem stabil genug.

Der Zustand des Kieferknochens ist ein zentraler Faktor, wenn entschieden wird, ob die Möglichkeit zu einem Sofortimplantat besteht. Die genaue Knochenstruktur ist zwar auf einem Röntgenbild erkennbar, jedoch lässt sich ein abschliessendes Urteil über ein eventuelles Sofortimplantat erst fällen, nachdem der Zahn gezogen wurde. Denn die Lücke, die ein Zahn und seine Wurzeln im Kieferknochen hinterlassen, ist individuell unterschiedlich. Die nächste Frage, die für ein Sofortimplantat geklärt werden muss, ist die Qualität des Knochens, also seine Dichte. Ob er fest genug ist, um den Stift eines Sofortimplantates zu halten, zeigt sich beim Eindrehen des Stiftes. Der Arzt verwendet dafür ein Gerät, das nach dem gleichen Prinzip arbeitet wie ein Drehmomentschlüssel, mit der Felgenschrauben beim Auto angezogen werden. Er misst die notwendige Kraft beim Drehen. Angegeben wird sie in Newtonzentimeter (Ncm). Für ein Sofortimplantat müssen mindestens 30 Ncm auf der Uhr stehen. Je höher der Wert ist, desto besser für das Sofortimplantat. Falls 30 Ncm nicht erreicht werden, wird der Arzt entscheiden, ob er umplanen muss und beispielsweise zunächst einen Knochenaufbau durchführt.

So werden Sofortimplantate eingesetzt

Aufbau von Sofortimplantaten

Der prinzipielle Aufbau von Sofortimplantaten ist der gleiche wie bei einem normalen Implantat. Die Verbindung des Sofortimplantats zum Kieferknochen erfolgt über einen Stift, der auch Körper genannt wird. Er besteht in den meisten Fällen aus reinem Titan oder einer Titan-Legierungen. Dieses Material hat sich in der Zahnchirurgie gut etabliert, weil daraus auch Prothesen im Körperinnern gemacht sind und die Patienten es normalerweise gut vertragen. Alternativen sind Sofortimplantate aus Zirkonoxidkeramik. Sie werden zunehmend eingesetzt und gelten ebenfalls als unproblematisch, Langzeitergebnisse zur Haltbarkeit dieser Sofortimplantate liegen jedoch noch nicht vor.

Einsatz des Implantats

Wie genau der Stift bei einem Sofortimplantat verpflanzt wird, hängt von den Voraussetzungen des Kieferknochens, insbesondere der Grösse des Lochs ab. Denn in der Regel entspricht der Platz, den die gezogene Wurzel hinterlassen hat, nicht exakt der Form des Stiftes, der für das Sofortimplantat benötigt wird. Falls das Loch vergrössert werden muss, geschieht das bei Sofortimplantaten zum Beispiel mit einem Verdichter und nicht mit einem Bohrer. Dieses Gerät drückt beim Rotieren das Knochenmaterial zur Seite, sodass es nicht verlorengeht, sondern weiterhin für einen guten Halt des Sofortimplantates zur Verfügung steht. Möglich ist zudem eine simultane Augmentation. Damit ist ein Auffüllen des Loches gemeint. Der Arzt verwendet dafür bei Sofortimplantaten ein sogenanntes Knochenersatzmaterial, das sich im Laufe der Zeit langsam zurückbildet und auf diese Weise dafür sorgt, dass das Sofortimplantat gut einwächst.

Zwei unterschiedliche Stiftformen

Für ein Sofortimplantat können zwei unterschiedliche Stiftformen verwendet werden. Der apikale Stift ist eher schmal, hat aber ein tiefes Gewinde. Es schneidet sich daher beim Verpflanzen des Sofortimplantates regelrecht in den Knochen ein und sorgt für guten Halt, vergleichbar mit einer Schraube, die in ein Holzbrett gedreht wird. Die Alternative für ein Sofortimplantat ist ein koronaler Implantatkörper. Er ist insgesamt breiter und hat ein flacheres Gewinde, das zunehmend enger wird. Bei einem Sofortimplantat ist es dort am engsten, wo der Stift am breitesten ist. Beim Eindrehen des Sofortimplantates sorgt es daher für eine leichte Verdichtung des Knochens. Dieses Verfahren führt dazu, dass die Kraft beim Kauen von diesem verdichteten Bereich aufgefangen wird – und das Sofortimplantat den Knochen nicht überlastet.

Bei einem Sofortimplantat kann es eventuell zusätzlich notwendig sein, auch Weichgewebe zu transplantieren, um einen lückenlosen Abschluss zu ermöglichen.

Verschiedene Kronen beim Sofortimplantat

Bei einem Sofortimplantat wird der tragende Stift direkt nach dem Entfernen des Zahnes eingepflanzt. Das heisst jedoch nicht, dass auch die endgültige Krone aufgeschraubt wird. Der behandelnde Arzt muss entscheiden, ob das Sofortimplantat direkt belastet werden darf. Grundsätzlich sind zwei Arten der Kronen zu unterscheiden. Bei der Sofortversorgung (immediate restoration) wird eine provisorische Krone auf das Sofortimplantat gesetzt. Sie schliesst die Lücke optisch in gleicher Weise wie später der endgültige Zahnersatz, sie ist jedoch etwas flacher. Das führt dazu, dass sie keinen Kontakt zum Gegenspieler hat. Die Zähne beissen also nicht aufeinander. Bei dieser Form des Sofortimplantats wird der Stift zunächst geschont, um eine gute Einheilung zu gewährleisten. Das heisst auch, dass der Patient vermeiden sollte, auf dieser Seite des Kiefers zu kauen. Nach einer Zeit von etwa acht Wochen tauscht der Arzt das Provisorium gegen die endgültige Krone aus, und das Sofortimplantat übernimmt in vollem Masse die Funktion des entfernten Zahns.

Die zweite Möglichkeit beim Sofortimplantat besteht in einem Verfahren, das als Sofortbelastung (immediate loading) bezeichnet wird. In diesem Fall verwendet der Arzt direkt eine normale Krone, sodass die Kaufkraft auf den Stift einwirkt. Diese Methode ist beim Sofortimplantat lange Zeit skeptisch betrachtet worden. Viele Ärzte hatten die Befürchtung, dass eine sichere Einheilung nicht gewährleistet sei und es häufiger zu einem Verlust des Sofortimplantats kommen könnte. Dem gegenüber stand ein anderes Phänomen: Der Körper setzt seine Ressourcen möglichst effizient ein – Muskeln, die lange kaum benötigt werden, bilden sich zurück. Das Gleiche passiert mit dem Kieferknochen, wenn ein Zahn entfernt wurde. Er muss an dieser Stelle keine Wurzel mehr halten und nimmt im Laufe der Zeit ab. Selbst wenn ein Sofortimplantat nicht möglich sein sollte, dürfen Patienten aus diesem Grund auch mit normalen Implantaten nicht zu lange warten. Sonst ist weniger Knochenmaterial vorhanden. Dieser Effekt bezieht sich nicht nur auf das blosse Vorhandensein einer Wurzel oder des Stiftes vom Sofortimplantat. Eine Belastung ist für den Körper das Signal, den Knochen gegebenenfalls zu stärken und das Wachstum zu fördern. Daher hat eine Sofortbelastung beim Sofortimplantat positive Effekte, die über den Komfort des Patienten hinausgehen.

Nach wie vor gibt es strikte Gegner und ebenso leidenschaftliche Verfechter der Sofortbelastung beim Sofortimplantat. Verschiedene Studien haben in der Zwischenzeit gezeigt, dass es bei einer Sofortbelastung keine signifikanten Unterschiede gibt, was die Erfolgsaussichten des Sofortimplantats betrifft. Das gilt jedoch nur, wenn alle Voraussetzungen für einen positiven Verlauf gegeben sind. Der Arzt beurteilt also nicht nur, ob ein Sofortimplantat grundsätzlich möglich ist, sondern er entscheidet auch über eine mögliche Sofortbelastung. Indikatoren, die dagegen sprechen, müssen dabei nicht unbedingt in der Beschaffenheit des Kiefers liegen. Eine Sofortbelastung beim Sofortimplantat ist auch kritisch zu sehen, wenn der Patient beispielsweise unter Diabetes leidet oder starker Raucher ist. Solche Faktoren können die Prognose des Sofortimplantats verschlechtern.

Die dritte Variante ist ein Sofortimplantat, auf das im ersten Schritt noch keine Krone gesetzt wird. In diesem Fall wird der Stift des Sofortimplantats zwar direkt nach Entfernen des natürlichen Zahns eingepflanzt, es soll aber zunächst einwachsen und keinerlei Belastung ausgesetzt sein. Das Sofortimplantat ähnelt hier dem Verfahren des normalen Implantats, bei dem eine solche Einheilzeit ebenfalls vorgesehen ist. Das heisst natürlich nicht, dass der Patient die Praxis trotz Sofortimplantat mit einer sichtbaren Lücke verlässt. Eine Möglichkeit ist hier eine Klebebrücke (Marylandbrücke). Sie wird provisorisch an die Nachbarzähne geklebt, also ohne nebenstehende Zähne abzuschleifen. Die Brücke stellt sicher, dass das Sofortimplantat nicht belastet wird, schliesst die Lücke aber optisch. Dieses Provisorium sitzt fest und wird nach etwa zehn Wochen wieder entfernt. Erst dann ergänzt der Arzt das Sofortimplantat um die dauerhafte Krone.

Kronenmaterial beim Sofortimplantat

Die Krone ist beim Sofortimplantat der sichtbare Teil, der also dem natürlichen Zahn möglichst gut nachempfunden sein sollte. Es stehen verschiedene Materialien zur Verfügung, um die Krone für das Sofortimplantat zu formen. In jeden Fall nimmt der Arzt vorher einen Abdruck des Gebisses. Auf diese Weise stellt er sicher, dass der künstliche Zahn perfekt in die Lücke passt und die Kaufunktion durch das Sofortimplantat erfüllt wird.

Die optischen Ansprüche an Sofortimplantate haben sich verändert und damit auch die verwendeten Materialien. Zwar ist es nach wie vor möglich, die Krone für ein Sofortimplantat aus Gold zu fertigen. Von dieser sogenannten Vollguss-Krone machen jedoch aus ästhetischen Gründen nur die wenigsten Patienten Gebrauch, obwohl das Edelmetall gut verträglich und lange haltbar ist. Keramik hat Gold als das beliebteste Material für Kronen bei Sofortimplantaten abgelöst. Es zeigt ein sehr angenehmes Verhalten, unter anderem setzt sich Plaque nicht so leicht daran ab. Ausserdem ist das Sofortimplantat von aussen praktisch nicht erkennbar.

Ärzte empfehlen für Sofortimplantate dementsprechend meistens eine Krone aus Vollkeramik. Sie ist besonders gut geeignet für Menschen, die zu Allergien neigen, da sie keine allergierelevanten Bestandteile enthält. Gleichzeitig reflektiert Keramik das Licht ähnlich wie ein echter Zahn, sodass diese Form des Sofortimplantats besonders natürlich aussieht. In den vergangenen Jahren hat eine spezielle Keramik namens Zirkonoxid bei Sofortimplantaten an Beliebtheit gewonnen. Sie gilt als besonders beständig, zeigt gegenüber Licht aber ein anderes Verhalten als normale Keramiken. Damit das Sofortimplantat wie ein natürlicher Zahn aussieht, muss es daher zusätzlich verblendet werden.

Grundsätzlich sind Sofortimplantate mit Kronen aus Vollkeramik die teuerste Variante. Dabei variieren die Preise stark. Für Betroffene lohnt es sich daher, gegebenenfalls für ihr Sofortimplantat Angebote verschiedener Zahnärzte einzuholen. Gesetzliche Krankenkassen zahlen für Zahnersatz nur einen festen Zuschuss, der unter anderem von der Art des zu ersetzenden Zahns abhängt, also Backenzahn, Schneidezahn und so weiter. Das gilt auch für ein Sofortimplantat. Die Differenz muss der Patient selbst tragen oder über eine Zahnersatzzusatzversicherung abdecken.

Eine gute Alternative für das Sofortimplantat kann eine Keramikverblendkrone sein. Dabei wird ein Metallgerüst mit einer Keramikschicht überzogen. Genau genommen wird die Keramik für das Sofortimplantat in einem aufwändigen Verfahren Schicht für Schicht auf das Gerüst gebrannt. Das Sofortimplantat erhält also optisch den Keramik-Effekt, der natürliche Zähne imitiert, die Verblendkrone ist bei einem Sofortimplantat aber günstiger als eine Vollkeramikkrone. Sie hat jedoch einen Nachteil. Bei einem Rückgang des Zahnfleisches wird eventuell ein feiner Metallrand beim Sofortimplantat sichtbar. Das lässt sich durch spezielle Verfahren verhindern, etwa dem Anbringen einer sogenannten Keramikschulter beim Sofortimplantat, die genau diesen Bereich abdeckt.

Die günstigste Möglichkeit für ein Sofortimplantat ist eine kunstoffverblendete Krone. Wie bei der Keramikverblendung bildet auch hier ein Metallkäppchen die Grundlage für das Sofortimplantat. Überzogen wird es mit einem gut verträglichen Kunststoff.

Die Kronen für Sofortimplantate haben eines gemeinsam: Der Zahnersatz wird im Dentallabor angefertigt und in Farbe und Form den natürlichen Zähnen so gut angepasst, dass das Sofortimplantat nicht auffällt. Die Zahntechniker tragen Farbe heutzutage zum Beispiel in mehreren Schichten auf, um einen gewachsenen Zahn nachzuahmen. Sollte die Krone des Sofortimplantats nicht den Ansprüchen des Patienten entsprechen, kann sie sowohl in Bezug auf die Form als auch auf die Farbe nachgebessert werden. Die einzige Ausnahme beim Sofortimplantat bilden natürlich Goldkronen, die der eigenen Zahnreihe farblich nicht angepasst sind.