Radikale Prostatektomie bei Prostatakrebs

Die radikale Prostatektomie, also die vollständige Entfernung der Prostata, ist eine häufige Behandlungsmethode bei Prostatakrebs. Die totale Prostatektomie kann vor allem bei lokal begrenztem Prostatakarzinom zur Heilung führen. Lesen Sie mehr über die Indikationen für eine radikale Prostatektomie, die verschiedenen Möglichkeiten ihrer Durchführung sowie Folgen bzw. Nebenwirkungen.

Themenübersicht dieses Artikels

Welcher Facharzt führt eine radikale Prostatektomie durch?

Für die radikale Prostatektomie ist ein Facharzt für Urologie zuständig.

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Wann sollte bei einem Prostatakarzinom eine radikale Prostatektomie durchgeführt werden?

Das Prostatakarzinom ist ein bösartiger Tumor, der aber zumeist langsam wächst. Man unterscheidet nach der Ausbreitung das lokal begrenzte Prostatakarzinom (auf die Prostata begrenzt), das lokal fortgeschrittene Prostatakarzinom (über die Prostata hinaus gewachsen, aber ohne Metastasen) und das metastasierte Prostatakarzinom (mit Tochtergeschwülsten).

Beim lokal begrenzten Prostatakarzinom ist die radikale Prostatektomie die primäre Behandlungsmethode. Bei Prostatakrebs in diesem frühen Stadium besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit auf Heilung durch die totale Prostatektomie, da oftmals alle Krebszellen entfernt werden können. Je weiter das Prostatakarzinom fortgeschritten ist, desto unwahrscheinlicher wird die vollständige Entfernung des Tumorgewebes und damit eine Heilung durch die radikale Prostatektomie. Die radikale Entfernung der Prostata wird oftmals auch nur in Erwägung gezogen, wenn der Patient eine voraussichtliche Lebenserwartung von mindestens zehn Jahren hat.

Ablauf einer radikalen Prostatektomie

Die radikale Prostatektomie beinhaltet die Entferung der Prostata inklusive Kapsel, der Samenblasen (Bläschendrüsen) und der Endstücke der Samenleiter. Beim lokal begrenzten Prostatakarzinom stehen drei verschiedene Wege zur Verfügung, die Prostata zu erreichen. In Bezug auf das Behandlungsergebnis sind diese drei Methoden gleichwertig. Bei den meisten Patienten ist es wenig bedeutsam, welches Verfahren angewandt wird. Das lokal fortgeschrittene Prostatakarzinom erlaubt keinen minimal-invasiven Eingriff.

  • Am häufigsten wird ein offener retropubischer Zugang gewählt, d.h. ein Weg von oben durch einen Schnitt am Unterbauch (retropubische radikale Prostatektomie). Dieser Zugangsweg bietet sich gerade auch bei stark vergrösserter Prostata an.
  • Von einer perinealen radikalen Prostatektomie spricht man bei einem Zugangsweg von unten, d.h. über einen Hautschnitt am Damm. Dieses Vorgehen wird angewandt, wenn ein Patient z.B. sehr adipös ist oder im Unterbauch bereits operiert wurde.
  • Die laparoskopische radikale Prostatektomie ist ein minimal-invasives Verfahren („Schlüsselloch-Chirurgie“), das immer verbreiteter ist. Dabei müssen lediglich mehrere kleine Schnitte im Bauchraum vorgenommen werden, durch die dann ein Endoskop und Operationsinstrumente eingeführt werden. Dieser minimal-invasive Eingriff eignet sich vor allem, wenn eine unkomplizierte Entfernung des Tumors erwartet wird. Die laparoskopische Prostatektomie kann inzwischen auch unter Einsatz eines Roboters, der vom Operateur gesteuert wird, durchgeführt werden (Da-Vinci-Robotersystem). Der Einsatz des Da-Vinci-Systems ist mit hohen Kosten verbunden und wird nur in wenigen grossen Zentren durchgeführt. Um die Gefahr für eine häufige Nebenwirkung der radikalen Prostatektomie, die erektile Dysfunktion, zu reduzieren, wird nervenschonend operiert, sofern es die Grösse des Tumors zulässt. Im Zweifelsfall hat die totale Entfernung des Tumorgewebes Vorrang vor der Nervenschonung.

Folgen / Nebenwirkungen der radikalen Prostatektomie

Zu den häufigsten Nebenwirkungen einer radikalen Prostatektomie zählen die erektile Dysfunktion und die Harninkontinenz. Lässt die Ausdehnung des Tumors es zu, wird eine potenzerhaltende radikale Prostatektomie vorgenommen. Aber auch in diesem Fall haben einige Männer Erektionsstörungen.

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Zu unfreiwilligem Urinverlust kommt es bei den meisten Männern nach dem Ziehen des Blasenkatheters, was aber nicht unbedingt eine dauerhafte Harninkontinenz bedeuten muss: Hierbei stellt sich nach einigen Wochen oder Monaten zumeist eine Besserung ein. Zu weiteren möglichen Nebenwirkungen der radikalen Prostatektomie zählen eine Harnröhrenverengung (Urethrastriktur), die Verkürzung des Penis, bei perinealem Zugang Stuhlinkontinenz oder Verletzungen im Enddarm, bei retropubischem Zugangsweg eine Neuropraxie.

Da die radikale Prostatektomie (wie auch die Bestrahlung des Prostatakarzinoms) körperliche Beschwerden nach sich ziehen kann, kann eine ambulante oder unter gewissen Umständen auch stationäre Rehabilitation in Anspruch genommen werden.

Quellen:

Prostatakrebs I. Lokal begrenztes Prostatakarzinom. Ein evidenzbasierter Patientenratgeber zur S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. AWMF-Register Nr. 043-022OL. Downloadbar unter: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/043-022-OL-p1_S3_Prostatakrebs_lokal_begrenzt.pdf [Zugriff 20.2.2012]

Die Radikaloperation. Prostatakrebs II. Lokal fortgeschrittenes und metastasiertes Prostatakarzinom. Ein evidenzbasierter Patientenratgeber zur S3-Leitlinie „Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms“. AWMF-Register Nr. 043-022OL. Downloadbar unter: http://www.awmf.org/fileadmin/user_upload/Leitlinien/043_D_Ges_fuer_Urologie/043-022-OL-p2_S3_Prostatakrebs%20lokal%20fortgeschritten.pdf [Zugriff: 20.2.2012]

Rübben, Herbert (2007): Uroonkologie. 4. Auflage. Heidelberg: Springer Medizin Verlag.

Gasser, Thomas C. et al (2004): Radikale Prostatektomie: Welcher Zugang für welchen Patienten? In: Deutsches Ärzteblatt 2004; 101(28-29): A-2055. URL: http://www.aerzteblatt.de/archiv/42672 Die Radikaloperation der Prostata beim Prostatakarzinom. Ein Leitfaden für Patienten. 5. Auflage. Qualitätsinitiative Prostatakarzinom. Prostatazentrum am UKM. Download unter: http://www.prostata.de/fileadmin/MDB/Pdf/bro_radikaloperation.pdf