Krankenhauskeime und nosokomiale Infektionen

Menschen, die mit eigentlich harmlosen Erkrankungen oder Verletzungen ins Krankenhaus eingewiesen werden und dann mit schweren Wundinfektionen, Lungenentzündungen, Blutvergiftungen oder Harnwegsinfektionen auf der Intensivstation landen, sind keine Seltenheit. Jedes Jahr infizieren sich in Deutschlands Krankenhäusern hunderttausende Patienten mit gefährlichen, multiresistenten Erregern, gegen die kaum noch Antibiotika helfen, und erkranken daraufhin an einer sogenannten nosokomialen Infektion, also einer Infektion, die sie erst im Krankenhaus erworben haben.

Die Folgen einer solchen Infektion mit Krankenhauskeimen sind nicht selten schwerwiegend. Denn während die behandelnden Ärzte noch nach dem ursächlichen Erreger und einem Antibiotikum, gegen das dieser nicht resistent ist, suchen, breitet sich die Entzündung oft dramatisch schnell im gesamten Körper des betroffenen Patienten aus. So können mitunter schwere Krankheitsverläufe oder Amputationen der infizierten Gliedmassen die Folge sein. Und tausende der betroffenen Patienten sterben sogar an den Auswirkungen einer solchen nosokomialen Infektion.

Erfahren Sie im Folgenden mehr darüber, was man unter Krankenhausinfektionen versteht, was die häufigsten Krankenhauskeime sind und wie sie übertragen und verbreitet werden, wieviele Krankenhausinfektionen jedes Jahr in Deutschland auftreten und welche Kosten sie verursachen und vor allem mit welchen Hygienemassnahmen sich Krankenhauskeime bekämpfen lassen.

Themenübersicht dieses Artikels

Definition und Häufigkeit von Krankenhausinfektionen

Was versteht man unter Krankenhausinfektionen und Krankenhauskeimen?

Bei einer Krankenhausinfektion – in der Medizin nosokomiale Infektion genannt – handelt es sich um eine Infektion, die sich ein Patient durch den Aufenthalt oder die Behandlung in einem Krankenhaus, einer Pflegeeinrichtung oder einer Reha-Klinik zugezogen hat. Verursacht werden solche Krankenhausinfektionen in den meisten Fällen (71 Prozent) durch Bakterien, von denen viele multiresistent sind, so dass die gängigen Antibiotika nichts mehr gegen sie ausrichten können. Aber auch Viren (21 Prozent) sowie in seltenen Fällen Pilze und Parasiten können nosokomiale Infektionen auslösen. Da diese Krankheitserreger vor allem in Krankenhäusern vorkommen, werden sie auch als Krankenhauskeime bezeichnet.

Um eindeutig festlegen zu können, dass es sich bei einer Infektion um eine im Krankenhaus erworbene, nosokomiale Infektion handelt, muss nachgewiesen sein, dass der betroffene Patient nicht bereits bei der Aufnahme in das Krankenhaus mit dem Erreger infiziert war. Laut Definition wird eine Infektion daher erst dann als nosokomiale Infektion eingestuft, wenn sie mindestens 72 Stunden nach der Aufnahme des Patienten festgestellt wird und entsprechende Symptome zur Folge hat.

Was sind die häufigsten Krankenhausinfektionen?

Zu den mit Abstand häufigsten Krankenhausinfektionen in deutschen Kliniken gehören laut einer im Jahr 2012 veröffentlichten Studie des Robert Koch Instituts (RKI)

  • postoperative Wundinfektionen,
  • Harnwegsinfektionen,
  • Atemwegsinfektionen und
  • Blutvergiftungen (Sepsis).

So handelt es sich in fast einem Viertel (24,7 Prozent) der Fälle von nosokomialen Infektionen um Infektionen von Wunden nach Operationen.

Infektionen der Harnwege, meist verursacht durch einen Blasenkatheter, stehen mit einem Anteil von 22,4 Prozent an zweiter Stelle der häufigsten Krankenhausinfektionen, während Infektionen der unteren Atemwege mit einem Anteil von 21,5 Prozent den dritten Platz belegen. Die häufigste und aufgrund ihrer hohen Sterblichkeit gefürchtetste Atemwegsinfektion ist dabei die Lungenentzündung (Pneumonie).

Lungenentzündung

Blutvergiftungen (Sepsis) machen 6 Prozent der Fälle von Krankenhausinfektionen aus und belegen damit den vierten Platz.

Was sind die häufigsten und gefährlichsten Krankenhauskeime?

Der häufigste und gefährlichste Verursacher von Krankenhausinfektionen in Deutschland ist ein Bakterium namens Staphylococcus aureus. Da dieses Bakterium gegen das Antibiotikum Methicillin und auch andere gängige Antibiotika resistent ist, wird es meist als Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus – kurz MRSA – bezeichnet. MRSA kann schwere bis tödliche Wundinfektionen, Atemwegsentzündungen, Harnwegsinfektionen und Blutvergiftungen hervorrufen und ist aufgrund seiner Resistenz gegen die meisten Antibiotika schwer behandelbar.

Weitere wichtige Krankenhauskeime sind unter anderem die Enterobakterien, die Enterokokken, das Bakterium Pseudomonas aeruginosa und die Acinetobacter-Bakterien. Bei den sogenannten Enterobakterien handelt es sich um Bakterien, die zwar zur normalen menschlichen Darmflora gehören, für Menschen mit schwachem Immunsystem aber eine grosse Gefahr darstellen. So können sie bei Krankenhauspatienten unter anderem Darm- und Harnwegsinfektionen, Blutvergiftungen und Entzündungen des Lungengewebes hervorrufen. Der wichtigste Vertreter der Enterobakterien ist das Bakterium Escherichia coli.

E. coli (elektronenmikroskopische Aufnahme)

E. coli; von Credit: Rocky Mountain Laboratories, NIAID, NIH - NIAID, Link

Die sogenannten Enterokokken besiedeln bei vielen gesunden Menschen die Darmflora und kommen zudem wegen ihres positiven Einflusses auf die menschliche Darmflora in vielen Lebensmitteln vor. Bei immungeschwächten Menschen können Enterokokken, zu denen beispielsweise das Bakterium Enterococcus faecium gehört, allerdings gefährliche Darminfektion, Harnwegsinfekte, Blutvergiftungen oder Endokarditis auslösen. Da bei vielen Enterokokken eine Resistenz gegen das Antibiotikum Vancomycin vorliegt, spricht man auch von Vancomycin-resistenten Enterokokken – kurz VRE.

Das Bakterium Pseudomonas aeruginosa, das vor allen in feuchten Milieus wie Leitungswasser, Waschbecken, Duschen oder Toiletten vorkommt, ist für etwa zehn Prozent der nosokomialen Infektionen in Deutschland verantwortlich und gehört damit zu den am häufigsten auftretenden Krankenhauskeimen. Es löst unter anderem eitrige Lungenentzündungen, Harnwegsinfektionen, Wundinfektionen, Blutvergiftungen, Hirnhautentzündungen und Darmentzündungen aus.

Bakterien der Gattung Acinetobacter wie das Bakterium Acinetobacter baumannii entwickeln zunehmend eine Resistenz gegen gängige Antibiotika und führen deshalb immer häufiger zu Krankenhausinfektionen bei immungeschwächten Patienten. Betroffen sind vor allem Beatmungspatienten auf Intensivstationen; bei ihnen löst das Bakterium häufig Lungenentzündungen aus. Weitere mögliche Folgen einer Infektion mit Acinetobacter-Bakterien sind Blutvergiftungen, Hirnhautentzündungen und Wundinfektionen.

Wie werden Krankenhauskeime übertragen?

Die Übertragung von Krankenhauskeimen kann grundsätzlich auf drei verschiedenen Wegen erfolgen, und zwar über direkten Hautkontakt, über den Kontakt mit kontaminierten Gegenständen oder Oberflächen und über den Luftweg:

  1. Der häufigste und wichtigste Übertragungsweg ist der direkte Kontakt mit vorrübergehend oder dauerhaft kontaminierter Haut. Auf diese Weise gelangen die multiresistenten Erreger entweder direkt von einem Patienten auf den nächsten. Oder sie werden von einem Patienten zunächst auf das Pflegepersonal oder einen Arzt übertragen und anschliessend etwa beim Austauschen von Verbänden oder beim Legen eines Katheters an einen anderen Patienten weitergegeben. In den meisten Fällen erfolgt die Übertragung dabei über die Hände, weshalb eine konsequente Händedesinfektion die wichtigste Präventionsmassnahme im Kampf gegen Krankenhauskeime ist.
  2. Eine Übertragung über den Kontakt mit kontaminierten Gegenständen, Oberflächen oder Stoffe, wie beispielsweise Türklinken, Tische oder Kleidung, wird als Umgebungs- oder Kreuzkontamination bezeichnet. Um eine Verbreitung von Krankenhauskeimen auf diesem Wege zu verhindern, ist eine konsequente Reinigung mit Desinfektionsmitteln sowie Entsorgung kontaminierter Gegenstände und Oberflächen notwendig.
  3. Bei der Übertragung über den Luftweg gelangen die Krankenhauskeime über eine sogenannte Tröpfcheninfektion auf Oberflächen, Gegenstände oder Stoffe sowie direkt auf andere Personen. Die wichtigste Präventionsmassnahme gegen eine solche Übertragung von Krankenhauskeimen auf dem Luftweg ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes.

Was begünstigt die Verbreitung von Krankenhauskeimen?

Die in den letzten Jahren zunehmende Verbreitung von multiresistenten Krankenhauskeimen lässt sich zum einen auf den zu häufigen und unsachgemässen Einsatz von Antibiotika in der Behandlung von bakteriellen Infektionskrankheiten zurückführen. Denn Krankenhauskeime wie MRSA oder VRE werden durch den hohen Antibiotikaverbrauch in Krankenhäusern allmählich resistent, d.h. sie entwickeln Abwehrstrategien gegen eines oder mehrere Antibiotika, so dass sie mit den gängigen Antibiotika nicht mehr behandelbar sind.

Ein weiterer wichtiger Faktor, der die Verbreitung von Krankenhauskeimen begünstigt, ist eine mangelnde Hygiene in Krankenhäusern. So desinfizieren sich Ärzte und Pflegekräfte beispielsweise zu selten die Hände, so dass sie unabsichtlich Keime von einem auf den anderen Patienten übertragen – etwa wenn sie Verbände austauschen, einen Katheter legen oder einfach zur Begrüssung die Hände schütteln. Und auch Nachlässigkeiten bei der Reinigung und Desinfektion von möglicherweise kontaminierten Gegenständen und Oberflächen begünstigen die Übertragung von Krankenhauskeimen.

Darüber hinaus gibt es auch bestimmte Patientengruppen, sogenannte Risikopatienten, die besonders anfällig für Krankenhauskeime sind und deshalb ein erhöhtes Risiko haben, in einem Krankenhaus an einer nosokomialen Infektion zu erkranken. Zu diesen Risikopatienten gehören unter anderem Patienten, die auf einer Intensivstation liegen, künstlich beatmet werden oder Antibiotika oder das Immunsystem unterdrückende Medikamente erhalten sowie Krebskranke, Diabetiker, Dialysepatienten und Menschen mit chronischen Wunden oder Hauterkrankungen. Auch ein fortgeschrittenes Alter begünstigt die Ansteckung eines Patienten mit Krankenhauskeimen.

Häufigkeit und Kosten von Krankenhausinfektionen

Wie viele Krankenhausinfektionen treten pro Jahr in Deutschland auf?

Genaue Zahlen zur Häufigkeit von Krankenhausinfektionen in Deutschland liegen nicht vor, da es keine Meldepflicht gibt. Eine im August 2012 veröffentlichte Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI), die auf einer repräsentativen Stichprobe basiert, besagt jedoch, dass sich insgesamt 3,33 Prozent aller in deutschen Kliniken behandelten Patienten während ihres Aufenthaltes mit Krankenhauskeimen infizieren.

In absoluten Zahlen erkranken in deutschen Krankenhäusern nach Schätzungen des Bundesgesundheitsministeriums jedes Jahr 400.000 bis 600.000 Menschen an einer nosokomialen Infektion. Etwa 15.000 dieser Menschen verlieren den Kampf gegen die aggressiven, multiresistenten Krankenhauskeime und sterben an den Folgen der Infektion. Viele der Krankenhausinfektionen mit schweren Krankheitsverläufen liessen sich laut Hygieneexperten durch eine konsequente Durchführung von Hygienemassnahmen zur Bekämpfung von multiresistenten Krankenhauskeimen vermeiden.

Welche Kosten werden durch Krankenhausinfektionen verursacht?

Im Krankenhaus erworbene Infektionen verursachen in Deutschland jedes Jahr Kosten in Höhe von 2,5 Milliarden Euro. Sie stellen damit für das deutsche Gesundheitswesen einen erheblichen Kostenfaktor dar und sind zudem für deutsche Krankenhäuser mit deutlichen betriebswirtschaftlichen Einbussen verbunden. Denn für deutsche Krankenhäuser entstehen laut Studien pro Fall einer nosokomialen Infektion Zusatzkosten in Höhe von 4.000 bis 20.000 Euro, die die jeweilige Einrichtung selbst tragen muss.

Verursacht werden diese Mehrkosten zum einen durch die längeren Liege- und Pflegezeiten – ein mit Krankenhauskeimen infizierter Patient verweilt je nach Art der Infektion durchschnittlich vier Tage länger im Krankenhaus. Zum anderen resultieren die Mehrkosten aus den zusätzlich notwendigen Ausgaben für diagnostische und therapeutische Massnahmen.

Hygienemassnahmen gegen Krankenhauskeime

Wie lassen sich Infektionen mit Krankenhauskeimen verhindern bzw. verringern?

Die Verbesserung der Hygiene in deutschen Krankenhäusern stellt die wichtigste Massnahme zur Prävention von Krankenhausinfektionen dar. Im Jahr 2011 wurde deshalb ein neues Infektionsschutzgesetz erlassen, das den Erlass und das Einhalten verbindlicher Hygienevorschriften in deutschen Krankenhäusern fordert. Zu diesen Hygienevorschriften gehört insbesondere die konsequente Durchführung hygienischer Standardmassnahmen durch das Krankenhauspersonal.

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Von IdS - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

So sollten Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern etwa regelmässig und nach jedem Patientenkontakt ihre Hände mit Desinfektionsmitteln waschen und beim Kontakt mit Körperflüssigkeiten Handschuhe und einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Zudem sollten Oberflächen und Gegenstände konsequent und regelmässig mit Desinfektionsmittel gereinigt und desinfiziert werden.

Weitere Massnahmen zur Verbesserung der Hygiene in Krankenhäusern sind regelmässige Fortbildungen des kompletten Krankenhauspersonals zum Thema Hygiene und Infektionsprävention und die Beschäftigung von mindestens einem Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin bzw. einer Hygienefachkraft in Kliniken ab 300 Betten.

Neben strikteren Hygienevorschriften zur Verbesserung der hygienischen Situation in deutschen Krankenhäusern gehört auch ein massvoller und zurückhaltender Einsatz von Antibiotika zu den Massnahmen, mit denen sich die Zahl der Krankenhausinfektionen verringern liesse. Einer der Hauptgründe für die Zunahme von Infektionen mit multiresistenten Keimen in den letzten Jahren ist nämlich der unsachgemässe Einsatz von Antibiotika in der Behandlung von Infektionskrankheiten, durch den viele Krankenhauskeime resistent gegen die gängigen Antibiotika geworden sind.

Zu guter Letzt stellt das Screening von Risikopatienten vor der Aufnahme ins Krankenhaus eine wirksame Massnahme zur Prävention von Krankenhausinfektionen dar. Dabei werden Menschen, die ein erhöhtes Risiko haben, bereits Träger eines Krankenhauskeims zu sein, vorab durch einen Abstrich der Nasenvorhofschleimhäute oder des Rachens auf bestehende Infektionen untersucht und bei positiven Testergebnis isoliert. Zu diesen Risikopatienten gehören unter anderem Menschen, die offene Wunden haben, in einer Pflegeeinrichtung wohnen oder im vergangenen Jahr bereits mehr als drei Tage stationär in einem Krankenhaus verbracht haben.

Welche Geräte zur Vermeidung bzw. Reduzierung von Krankenhauskeimen gibt es?

Mithilfe neuartiger Verfahren der Raumluftdesinfektion ist es inzwischen möglich, Krankenhauskeime effektiv zu reduzieren bzw. zu eliminieren und so nosokomialen Infektionen vorzubeugen. Bei diesen Verfahren handelt es sich um spezielle Hygiene-Systeme, die der Luft in Krankenhäusern über die Lüftungsanlagen desinfizierende Substanzen beifügen, die zum einen die vorhandenen Keime und Krankheitserreger abtöten und zum anderen einen dauerhaften Schutz vor der Neuansiedlung von Erregern bieten. Hierzu wird an die Lüftungsanlage des Krankenhauses eine spezielle Desinfektions- und Raumlufterfrischungsanlage angeschlossen.

Ein solches Hygiene-System ermöglicht zum einen eine automatische, kontinuierliche und grossflächige Desinfektion der Raumluft und Innenraumoberflächen in sämtlichen Zimmern und Gängen des Krankenhauses, so dass die Anzahl der Krankenhauskeime im Umfeld der Patienten und des Krankenhauspersonals dauerhaft reduziert wird. Zum anderen sorgt sie für eine andauernde Desinfektion und Entkeimung in den Lüftungsschächten der Lüftungsanlage selbst. Darüber hinaus ist es auch möglich, der Luft über das Hygiene-System Düfte beizufügen, die zur Lufterfrischung und einem angenehmen Raumklima beitragen.