Krampfadern - Ursachen, Symptome, Diagnose & Therapie

Bei einem Krampfaderleiden (Varikosis) handelt es sich um die häufigste aller Venenerkrankungen. Jede zweite Frau ist von Krampfadern (Varizen, variköse Venen) betroffen. Bei den Männern trifft es nur jeden Vierten. Da es sich bei dieser Form des Venenleidens nicht nur um einen ästhetischen Makel handelt, sondern damit zum Teil auch starke Beschwerden einhergehen, welche zu einer Verminderung der Lebensqualität beim Betroffenen führen, sollten Krampfadern von qualifizierten Experten behandelt werden.

Themenübersicht dieses Artikels

Ursachen von Krampfadern

Die Venen transportieren das Blut aus den Gefässen zurück zum Herzen. Dieser Vorgang verlangt gerade den Venen in den Beinen sehr viel Kraft ab, da sie das Blut gegen die Schwerkraft befördern müssen. Atmung sowie Fuss- und Beinmuskulatur dienen dabei als natürliche Pumpen. Die Muskeln drücken die Venen bei Bewegung zusammen, sodass das Blut zum Herzen gelangt. Jede Vene hat zudem dutzende Venenklappen, die das Blut bei Muskelentspannung daran hindern, wieder zurück in die Vene zu fliessen. Die Venenklappen dienen somit als Ventile.

Ein Venenleiden entsteht, wenn die Venen überlastet sind und die Venenklappen nicht mehr richtig funktionieren. Dadurch staut sich das Blut in den Gefässen. Der Blutstau dehnt die Venen in der Folge auf und macht sie unter der Haut sichtbar - Sie leiden unter Krampfadern (Fachbegriff: Varizen).

Die Ursachen für die Entwicklung von Krampfadern sind vielfältig:

  • erbliche Veranlagung zur Venenschwäche
  • mangelnde Bewegung und allgemein überwiegend stehende oder sitzende Tätigkeit ohne Abwechslung
  • Übergewicht
  • Rauchen
  • Schwangerschaft (höheres Gewicht und hormonelle Umstellung)

Östrogen wird generell mit Venenleiden in Verbindung gebracht. Deshalb ist von der Einnahme der Anti-Baby-Pille ab dem 30. Lebensjahr eher abzuraten. 

Krampfadern
Krampfadern © zlikovec / Fotolia

Symptome von Krampfadern

Die überlasteten Gefässe werden nicht nur in Form von Krampfadern sichtbar, sondern gehen in der Regel auch mit Beschwerden einher. Folgende Symptome sind typisch:

  • Schmerzen in den Beinen
  • Beine können sich schwer anfühlen, spannen und jucken
  • vor allem nachts Wadenkrämpfe
  • bräunliche Verfärbungen und Verhärtungen der Haut, insbesondere am Schienbein

Die Beschwerden verstärken sich häufig bei warmen Temperaturen und abends sowie bei Frauen vor der Menstruation.

Frauenbeine

Diagnose von Krampfadern

Sollten die genannten Anzeichen für Krampfadern auftreten, sollten Sie einen Venenexperten (Phlebologe) oder Gefässexperten (Angiologe) aufsuchen, um sich Klarheit über die Beschwerden zu verschaffen. Je früher die Varizenbehandlung beginnt, desto besser kann sie eine eventuelle Verschlimmerung der Krankheit vermeiden.

Zur Diagnose von Krampfadern führt der Arzt zunächst eine körperliche Untersuchung durch. Da Krampfadern in der Regel an den Beinen, vor allem den Unterschenkeln, auftreten, schaut sich der Experte zunächst die Beine an und tastet sie nach Auffälligkeiten ab. Diese Untersuchung erfolgt sowohl im Stehen als auch im Sitzen und Liegen.

Für eine genauere Untersuchung der Venen stehen verschiedene Methoden zur Verfüung. Zu diesen gehört der Farb-Ultraschall (Farbkodierte Duplexsonografie), mit dessen Hilfe der Experte einen Einblick in die Venen erhält. So kann er erkennen, ob und wo sich das Blut tatsächlich staut.

Sind die tieferen Beinvenen betroffen, zieht der Arzt zusätzlich noch eine Röntgenuntersuchung, die sogenannte Phlebografie, zur Diagnosestellung heran. Hierbei wird dem Patienten unter lokaler Betäubung ein Kontrastmittel in die Fussrückenvene gespritzt, sodass alle Beinvenen sichtbar werden und auf Varizen untersucht werden können. Die Phlebografie wird als Methode zur Diagnose von Krampfadern in der Regel nur bei schwierig verlaufenden oder tiefer liegenden Beinvenen angewandt.

Mithilfe der Licht-Reflexions-Rheografie ist es möglich, die Pumpfunktion der Beinvenen zu überprüfen. Ein Messgerät sendet Infrarotstrahlen an die betroffenen Stellen und der rote Blutfarbstoff in der Vene reflektiert das Infrarotlicht durch die Haut. Führt der Patient einfache Bewegungen des Beines durch, dann entleeren sich die Venen durch die Muskelanspannung und befüllen sich anschliessend bei Muskelentspannung wieder. Die Schwankungen des Venenvolumens führen zu Veränderungen in der Reflexion des Infrarotlichtes, welche dann ausgewertet werden. Dadurch kann der Experte Rückschlüsse zur Wiederauffüllungszeit der Vene ziehen. Je kürzer die Wiederauffüllungszeit ist, desto geschädigter ist das Gefäss. Die Wiederauffüllungszeit beträgt normalerweise 25 Sekunden.

Auch die Plethysmografie misst das Fassungsvermögen sowie den Blutfluss der Beingefässe.

Therapiemöglichkeiten bei Krampfadern

Obwohl Varizen selbst nicht heilbar sind, kann die richtige Therapie einer Verschlimmerung des Krampfaderleidens entgegengewirken und eine Linderung herbeiführen.

Bleiben Krampfadern unbehandelt, können dauerhaft bestehende Beschwerden auftreten. Dazu gehören:

  • starke Beinschwellungen
  • gerötete und schmerzende Venen, die sich warm anfühlen
  • Blutungen
  • Geschwüre
  • offenen Wunden („offenes Bein“)
  • Thrombose

Die Medizin bietet Betroffenen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Behandlung von Krampfadern an. Dazu zählen die Therapie mit Kompressionsstrümpfen (Kompressionstherapie), Verödung und Lasertherapie sowie operative Methoden.

Spezialisten für Krampfadern finden

Kompressionstherapie

Die Kompressionstherapie erfolgt mithilfe von Kompressionsstrümpfen, die gezielt Druck auf die Venen ausüben und vom Knöchel über die Kniegelenke bis auf die Oberschenkel reichen.

Es erfolgt eine Kompression (Zusammenpressung) der geschädigten, erweiterten Venen, die eine Verringerung des Venendurchmessers bewirken kann. Dadurch schliessen auch die Venenklappen besser. In der Folge verbessert sich der Blutfluss in den Beinen.

Der Druck durch Kompressionsstrümpfe ist am Knöchel am grössten und nimmt zum Oberschenkel immer weiter ab. Aus diesem Grund sind Kompressionstrümpfe nicht mit Stützstrümpfen zu verwechseln, welche einen deutlich geringeren Druck gleichmässig auf das Bein verteilen. Kompressionsstrümpfe werden an die Bedürfnisse des Patienten angepasst und auf Mass angefertigt. Es gibt verschiedene Kompressionsklassen beziehungsweise Stärken, je nach Schwere des Krampfaderleidens. Die Strümpfe müssen spätestens nach sechs Monaten ausgetauscht werden.

Kompressionstrümofe lindern das Krampfaderleiden jedoch lediglich, das eigentliche Problem besteht weiter. 

Wirkungsweise von Kompressionsstrümpfen bei Varizen
Wirkungsweise von Kompressionsstrümpfen an den Venen © antaya / Fotolia

Verödung (Sklerosierung)

Die Sklerosierung kommt bei leichteren Varizen zur Anwendung. Der Arzt spritzt dabei dem Patienten eine Flüssigkeit oder Schaum in die Venen, die künstlich eine Entzündung der Venen herbeiführt. Die Venenwände verkleben und bauen sich in der Folge langsam ab, sodass ein operativer Eingriff nicht nötig ist.

Im Anschluss sind Kompressionsstrümpfe zu tragen, um den Abbau der verödeten Venen zu fördern. Ausserdem ist viel Bewegung notwendig, um den Blutfluss in den restlichen Venen anzuregen. Der Eingriff erfolgt ambulant und unter örtlicher Betäubung. Er kann beliebige Male wiederholt werden, was in der Regel auch notwendig ist, um längerfristig solide Ergebnisse zu erzielen.

Lasertherapie

Auch die Lasertherapie als Varizenbehandlung führt zur Verödung der Gefässe. Der Arzt führt über einen kleinen Einschnitt eine Lasersonde in das Gefäss ein und erzeugt mit dessen Hilfe gezielt Hitze. Diese erwärmt das Blut und überträgt sich somit auf die Gefässwand, sodass diese verklebt. In einem langsamen Prozess baut sich die Vene dann ab und muss wie bei der Sklerosierung nicht entfernt werden.

Eine Lasertherapie erfolgt in der Regel ambulant und unter örtlicher Betäubung. Nach dem Eingriff muss der Patient für etwa vier Wochen Kompressionsstrümpfe tragen. Damit wird auch hier zusätzlicher Druck auf die verödeten Venen ausgeübt, um deren Abbau schneller herbeizuführen.

Krampfadern-Operation

Im Gegensatz zur Sklerosierung und Lasertherapie werden die Krampfadern in einem operativen Eingriff komplett entfernt. Krampfader-Operationen kommen in der Regel bei der Behandlung von Varizen der grossen Venen (Stammvenen) zum Einsatz. Insbesondere bei Komplikationen wie einem "offenen Bein", starken Schmerzen oder Entzündungen ist diese Varizentherapie zu empfehlen.

Zu den häufig angewendeten Krampfaderoperationen zählen

  • das Stripping
  • die Crossektomie
  • die Phlebektomie

Beim Stripping werden die Krampfadern mithilfe einer in die Venen eingeführten Sonde aus dem Bein gezogen. Der Arzt bringt die kleine, biegsame Sonde über einen Schnitt in der Leiste in das Gefäss ein, wo sie sich einknotet. Der Arzt zieht nun die Vene aus dem Bein. Bei einem Teilstripping entimmt er nur den krankhaft veränderten Teil des Gefässes, während der gesunde Teil erhalten bleibt. Verschiedene Arten von Sonden können dabei zum Einsatz kommen, wie etwa eine Babcocksonde (Babock Operation) oder eine Kryosonde (Kryostripping).

Im Rahmen einer Crossektomie werden die Verbindungen zwischen dem oberflächlichen und dem tiefer liegenden Venensystem getrennt. Dieser Eingriff findet oft vor einem Stripping oder Teilstripping statt, sodass im Anschluss mithilfe eines Teilstrippings nur der krankhaft veränderte Teil der Vene aus dem Bein gezogen werden kann.

Eine Phlebektomie wird vor allem zur Entfernung kleinerer Seitenäste der grösseren Gefässe eingesetzt. Entlang der betroffenen Venen setzt der Arzt Mikroschnitte (1 - 2 mm) und führt ein kleines Häkchen in das Unterhautfettgewebe ein. Damit zieht der Experte die kranke Vene hervor und entfernt sie Stück für Stück. Anschliessend verschliesst er den Schnitt mit einer feinen Naht, einem Pflasterstreifen oder einem Hautkleber.

Weitere Informationen zur Krampfaderbehandlung finden Sie im Fachartikel Varizentherapie – mit Schaum, Licht oder Stahl?

Krampfadern vorbeugen

Obgleich Krampfadern teilweise durch Veranlagung zur Venenschwäche entstehen oder die Ursache woanders liegt, können Sie ihrer Entstehung vorbeugen Folgende Tipps sind dabei nützlich:

  • Sport treiben: vor allem Ausdauersport wie Joggen, Radfahren, Schwimmen
  • auf das Rauchen verzichten
  • Übergewicht reduzieren
  • wiederkehrendes zu langes Stehen oder Sitzen vermeiden
  • Wechselduschen zur Verbesserung der Durchblutung in den Beinen
  • auf hohe Schuhe eher verzichten
  • auf ballaststoffreiche Ernährung mit reduziertem Zucker- und Fettgehalt achten


Dieser Text wurde überprüft von unserem Experten Prof. Dr. Nicolas Diehm.