Herzkatheter zur Diagnostik und Therapie bei Herzerkrankungen

Das Herz ist streng genommen ein Muskel und muss aufgrund seiner ständigen Arbeit sehr gut mit Blut und Sauerstoff versorgt werden. Obgleich das Herz aber ständig von Blut durchspült wird, braucht es ein Adergeflecht, welches dem Herzmuskel von aussen Blut und Sauerstoff zuführt. Mit Hilfe eines Herzkatheters kann dieses Gefässsystem - beispielsweise nach einem Herzinfarkt - untersucht und auch während der Untersuchung therapiert werden.

Themenübersicht dieses Artikels

Herzkatheter und Herzkranzgefässe

Dieses Adergeflecht (Koronararterien) entspringt zwei Arterienästen. Diese Herzkranzgefässe sind so klein, dass sie nur mittels spezieller Röntgentechniken und über Herzkatheter untersucht werden können. Über dünne Kunststoffschläuche wird ein Röntgenkontrastmittel in die Herzarterien gespritzt, während über Röntgenaufnahmen die Verteilung des Kontrastmittels überprüft wird. Dadurch lassen sich nicht nur die feinen Verästelungen der Herzkranzgefässe darstellen, sondern auch Engstellen und Verschlüsse entdecken. Dies ist vor allem bei Patienten nach einem Herzinfarkt möglich und notwendig, sofern diese frühzeitig in eine Klinik gebracht wurden. Anhand dieser Befunde entscheidet der Arzt schliesslich, ob eine Erweiterung der Arterien mittels Ballonkatheter, eine medikamentöse Gerinnselauflösung oder gar eine Herzoperation notwendig ist. Zugang zum Gefässsystem erhält der Chirurg unter örtlicher Betäubung in der rechten Leiste oder über das Gefässnetz im Handgelenksbereich. Hier startet die Herzkatheteruntersuchung, der Herzkatheter dringt von hier bis in die Herzkranzgefässe vor.

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Vor dem Herzkatheter

Im Vorfeld jeder Untersuchung und so auch vor dem Einsatz der Herzkatheter findet das Aufklärungsgespräch statt. Darin erklärt der Arzt Ablauf und Risiken der Herzkatheteruntersuchung genau. Der körperlichen Untersuchung folgt die Bestimmung der aktuellen Blutwerte.

Die Entwicklung des Herzkatheter

Der Herzkatheter wurde in den 1860er Jahren von Etienne-Jules Marey und Auguste Chauveau entwickelt. Zuerst diente das Verfahren der Messung der Druckverhältnisse am schlagenden Herzen. Am Menschen wurde der Herzkatheter zur Darstellung der rechten Herzkranzgefässe erstmals im Jahr 1929 von Werner Forssmann im Selbstversuch vorgenommen. Forssmann erhielt für seine „Erfindung des Herzkatheters“ 1956 einen der drei begehrten Nobelpreise für Medizin.

Ablauf der Herzkatheteruntersuchung

Für die notwendige Hygiene wird die Leiste vor der Operation rasiert, lokal desinfiziert und örtlich betäubt. Anschliessend legt der Arzt die Infusionskanüle, durch welche wenig später der Herzkatheter eingeführt wird. Die eigentliche Katheteruntersuchung ist schmerzfrei, weshalb keine vollständige Narkose vonnöten ist. In Fällen, bei denen der Patient sehr beunruhigt ist, kann ein Herzkatheter zusammen mit einem Beruhigungsmittel eingesetzt werden. Sofern sich während der Herzkatheter Untersuchung ein Eingriff an den Herzkranzgefässen ergibt, kann der Chirurg diesen sofort durchführen. Am Schluss der Sitzung entfernt der Arzt den Herzkatheter und auch den Zugang und legt bis zum folgenden Tag einen leichten Druckverband an, um Nachblutungen zu verhindern.

Der Herzkatheter: Therapiewerkzeug

Finden sich in den untersuchten Gefässen Engstellen oder Ablagerungen, so kann der Arzt gleich während der Herzkatheter Untersuchung einen Ballonkatheter bei einer Engstelle einführen oder eine Gefässstütze (Stent) installieren. Beide Methoden dienen dazu, das verengte Gefäss zu weiten und offen zu halten. Auch das Einsetzen eines Stents sowie der Ballonkatheter sind schmerzlose Eingriffe. Stents bestehen aus einer speziellen Metalllegierung, sind nur wenige Zentimeter lang und haben einen kleinen Durchmesser von lediglich zwei bis vier Millimetern. Einige Stents können sogar Medikamente freisetzen, um die spätere Einengung des Stents ganz aktiv zu verhindern.

Der Herzkatheter: minimal-invasiv

Die Katheteruntersuchung gehört zu den minimalinvasiven medizinischen Untersuchungen des Herzens. Der Herzkatheter kann über die venösen oder arteriellen Adern der Leiste, der Ellenbeuge oder des Handgelenks eingeführt werden. Je nach Untersuchungsziel gibt es verschiedene Möglichkeiten des Zugangs. Sollen die Gefässe des rechten Herzens untersucht werden, so spricht man vom Rechtsherzkatheter, entsprechend vom Linksherzkatheter, wenn das linke Herz untersucht werden soll. Dabei ist die Herzkatheter der linken Herzkammer sind häufiger als Rechtsherzkatheter. Die Herzkatheter Untersuchung des linken Herzens ist hauptsächlich dazu da, die Herzkranzgefässe sichtbar zu machen und mittels Ballondilatation aufzudehnen.

Der Herzkatheter: Wechsel des Herzkatheters

Da bei der Untersuchung gelegentlich ein Wechsel der Herzkatheter notwendig sein kann, wird das Blutgefäss, über welches der Zugang gelegt wurde, zuerst mit einer Schleuse ausgestattet. Die Schleuse fungiert als flexible Führungsschiene, durch die hindurch der Herzkatheter in das Blutgefäss gleiten kann. Gleichzeitig wird die Einstichstelle abgedichtet und der Blutfluss aus dem Gefäss heraus gestoppt. Dem Herzkatheter voran läuft der sogenannte Führungsdraht. Er ist weich und flexibel gestaltet, um eine Verletzung im Inneren der Blutgefässe zu vermeiden. Da der Führungsdraht in der Regel aus Metall besteht, ist er auf dem Röntgenfilm sehr gut darzustellen. Der Kardiologe kann somit den Draht und seinen Weg durch die Herzkranzgefässe sehr gut verfolgen. Dennoch kann es notwendig sein, die Gefässe selbst darstellen zu müssen, um auch kleinste Engstellen zu erkennen. Deshalb setzt der Arzt ein Röntgenkontrastmittel ein welches die Blutgefässe selbst sichtbar macht. Das Kontrastmittel wird über den Herzkatheter direkt in die Blutgefässe eingespritzt.

Der Herzkatheter: Führungsdraht

Der Führungsdraht läuft im Inneren des Katheters und hilft dem Herzkatheter, seinen Weg zu finden. Die Spitze der Herzkatheter ist normalerweise gebogen und wird über den Führungsdraht langsam zum Herzen geführt. Der Draht hält dabei die gebogene Spitze der Herzkatheter gerade. Hat der Herzkatheter sein Ziel erreicht, zieht der Arzt den Führungsdraht zurück und die Spitze der Herzkatheter klappt ein. Um im „Gewirr“ der Herzkranzgefässe abbiegen zu können, muss der Arzt abwechselnd Herzkatheter und Führungsdraht vor- und zurückziehen. Durch das gezielte Begradigen und Knicken der Herzkatheter biegt dieser dann in ein abzweigendes Gefäss ab. Da Herzkatheter unterschiedliche Spitzen und Biegungen haben, kann es notwendig sein, den Herzkatheter auf halber Strecke zum Ziel wechseln zu müssen. So lässt sich dann auch das verwinkeltste Zielgebiet erreichen. Hier wird letztlich die eigentliche Untersuchung durchgeführt. Nach der Untersuchung zieht der Arzt den Führungsdraht und den Herzkatheter heraus. Die Einstichstelle wird dann durch einen Druckverband verschlossen.

Katheterablation – Mit Herzkatheter gegen Rhythmusstörungen

Die Katheterablation ist eine Sonderform der Herzkatheter Operation, die mithilfe von Strom auch schnelle Herzrhythmusstörungen (Tachykardien) behandeln kann. Für einige Formen von Tachykardien ist die Katheterablation bereits heute die Standardtherapie. Während Medikamente das Herzrasen lediglich unterdrücken, kann die Katheterablation diese Erkrankung heilen. Die Erfolgsquoten liegen recht hoch und betragen beispielsweise für das Vorhofflattern, AV-Knoten Reentry-Tachykardien oder WPW-Syndrom weit über 90 %.

Herzkatheter gegen Rhythmusstörungen: Lokalisation

Grundlage für eine spätere Katheterablation ist die elektrophysiologische Untersuchung des Herzens und der Erregungsleitung im Herzmuskel. Mithilfe dieser Untersuchung wird zunächst einmal genau festgestellt, an welcher Stelle im Herzen die Rhythmusstörung ihren Anfang nimmt. Anschliessend kann die Herzrhythmusstörung mittels Katheterablation angegangen werden. Dafür ist ein spezieller Herzkatheter notwendig. Der übliche Zugang liegt in der Leiste. Der Arzt kann den Herzkatheter aber ebenso gut an der Arm- oder Halsvene einsetzen. Um den linken Vorhof zu erreichen, punktiert der Arzt ausserdem das Septum (Herzscheidewand). Der Arzt schiebt für die Punktion eine lange Nadel in den rechten Vorhof und durchstösst an der dünnsten Stelle die Herzscheidewand. Über die Öffnung im Septum kann der Herzkatheter dann vorgeschoben werden.

Katheterablation: Hochfrequenzstrom

Dieser kann hier für eine kurze Zeit Hochfrequenzstrom abgeben. Mithilfe des Hochfrequenzstroms wird der erkrankte Bereich im Herzen „verödet“ und so das Herzrasen gestoppt. Im Falle von sogenannten kreisenden Tachykardien muss der Kreis durch ein oder mehrere Stromabgaben unterbrochen werden. In allen Fällen vernarbt das verödete Gewebe allmählich und wird im Sinne der Erregungsleitung funktionslos. Nach der Katheterablation kontrolliert der Arzt den Erfolg der Operation dadurch, dass er versucht, die Tachykardie erneut auszulösen. Dabei bedient er sich der direkten Stimulation durch den Herzkatheter oder aber durch bestimmte Medikamenten, die intravenös gegeben werden. Die Ablation ist beendet, sobald sich die Rhythmusstörung nicht mehr auslösen lässt.

Nach der Katheterablation

Nach der Katheterablation werden die Herzkatheter herausgezogen und Zugangsstellen an der Leiste oder in der Armbeuge mit einem Druckverband verschlossen. Eine strenge Bettruhe von 6 bis 24 Stunden ist notwendig, damit der Zugang nicht wieder eröffnet wird und Nachblutungen vermieden werden.

Kryo-Ablation

Seit einiger Zeit wird neben der Katheterablation mit Hochfrequenzstrom noch eine zweite Form angeboten, die Kryo-Ablation. Bei der Kryo-Ablation wird flüssiges Gas durch eine Metallelektrode an die Spitze der Herzkatheter geführt. Dadurch friert die Metallelektrode am Muskelgewebe fest. Zum einen kann der Herzkatheter dann während der Ablation nicht verrutschen, zum anderen führen die Temperaturen von - 80° C zur Kälteverödung von wenigen Millimetern Durchmesser. Auch die Anwendung der Kryo-Ablation ist schmerzfrei. Darüber hinaus hat diese Methode einen grossen Vorteil gegenüber der konventionellen Katheterablation: Gewebeschrumpfungen, die ebenfalls zur Blutgefässeinengung führen können, treten praktisch nicht auf.

Katheterablation: Nachsorge

Im Nachgang der Operation mittels Herzkatheter wird ein Druckverband angelegt und die Herztätigkeit durch EKG, Blutdruckmessung oder Ultraschalluntersuchung fortlaufend dokumentiert. Nach etwa 24 Stunden verlassen die Patienten im Normalfall die Klinik wieder. Dennoch gibt es einige Risiken des Herzkatheter Eingriffs. Bei schweren Herzerkrankungen ist das Risiko für Komplikationen am grössten. Das Einführen der Herzkatheter kann zu kleineren Gefässverletzungen führen, die im Bereich des Herzens durchaus gefährlich werden könnten. Selten treten Blutgerinnsel, die einen Herzinfarkt verursachen können, und Infektionen auf.

Katheterablation: Erfolgsquote

Heute werden sowohl Vorhofarrhythmien als auch Kammertachykardien mit der Katheterablation behandelt. Die Erfolgsquoten hängen sehr stark mit dem Allgemeinzustand der Patienten zusammen. Während die Katheterablation bei den meisten Menschen zu 90 % erfolgreich gegen Gefässverengungen eingesetzt werden kann, sinken die Erfolgsaussichten bei Herzvorerkrankungen auf unter 50 % ab. Patienten mit Kammertachykardien werden zusätzlich häufig einen Defibrillator (ähnlich einem Herzschrittmacher) implantiert bekommen.

Forschung und Herzkatheter

Der Einsatz der Katheterablation bei Vorhofflimmern ist momentan ein boomender Zweig in der Herzforschung. Bei dieser Tachykardieform gehört die Verödung mittels Hochfrequenzstrom noch nicht zu den anerkannten Standardtherapieformen. Bisher findet die Katheterablation mithilfe von Herzkathetern nur dann Einsatz, wenn alle anderen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind oder der Patient sehr stark leidet. Da sich beim Vorhofflimmern kein klarer Entstehungsort finden lässt, ist die Therapie mittels Herzkatheter umso schwieriger. Meist müssen viele unterschiedliche Orte verödet werden, um das Vorhofflimmern zu beenden.

Forschung Herzkatheter: Pulmonalvene

Durch Studien wissen Ärzte nun, dass das Vorhofflimmern sehr oft auf Störungen in den vier Lungenvenen zurückgeht. Kleine Herzmuskelzungen verbinden dort das Herzmuskelgewebe des linken Vorhofs mit den Venen. Diese Herzmuskelzungen zu veröden ist eine der Behandlungsstrategien bei Vorhofflimmern. Die Kardiologen sprechen bei dieser Art der Herzkatheter Untersuchung auch von der „Pulmonalvenen-Isolation“. Die Pulmonalvenenisolation ist nur für Patienten möglich, die an anfallsartigem Vorhofflimmern leiden. Die Erfolgschancen für diese Herzkatheter Operation liegen derzeit zwischen 50 % und 70 %. Manchmal ist eine zweite Behandlung nötig, in anderen kann das Vorhofflimmern nicht gänzlich gestoppt werden, doch sprechen die Patienten nach der Katheterablation besser auf antiarrhythmische Medikamente an, die vorher oft wirkungslos geworden waren.

Die AV-Knoten-Ablation

Auch die AV-Knoten-Ablation ist eine häufig durchgeführte Ablationsmethode. Das bestehende Vorhofflimmern wird vom AV-Knoten nur unregelmässig weitergeleitet und führt zu erheblichen Arrhythmien der Herzkammern. Wird der AV-Knoten verödet, bricht die unregelmässige Weiterleitung der Signale aus dem Vorhof ab. Nachteil ist dabei jedoch, dass der fehlende AV-Knoten als Taktgeber durch einen Herzschrittmacher ersetzt werden muss. Dieser Herzschrittmacher ist bei einer AV-Knoten-Ablation immer notwendig, um die Herzfunktion aufrechtzuerhalten. Der betroffene Patient ist zukünftig hundertprozentig auf den Schrittmacher angewiesen. Ohne seine Hilfe würden keine Impulse mehr von den Vorhöfen auf die Herzkammern übertragen. Sollte der Herzschrittmacher ausfallen, muss der Patient dennoch nicht gleich sterben, denn dann springt ein weiterer natürlicher Schrittmacher-Knoten innerhalb der Kammermuskulatur an. Dieser erzeugt einen Ersatzrhythmus von etwa 20 bis 40 Schlägen in der Minute und lässt die Herzkammern weiter „schlagen“.

AV-Knoten-Ablation Zunahme der Lebensqualität

Die Ablation des AV-Knotens und die Implantation des Herzschrittmachers führen in der Mehrzahl der Fälle zu einer deutlichen Zunahme der Lebensqualität. Grösster Nachteil der Operation mittels Herzkatheter bei der AV-Knoten-Ablation ist, dass der Herzschrittmacher, sobald die Batterien erschöpft sind, mehrfach im Leben ersetzt werden muss. Dadurch sind mehrere Folgeeingriffe vonnöten.

Quellen

http://www.herzstiftung.de/Herzkatheter-Untersuchung-Kontrolle.html
http://www.medtronic.de/erkrankungen/vorhofarrhythmien/eingriff/katheterablation/index.htm
http://www.onmeda.de/g-medizin/herzkatheter-1744.html
http://www.schuechtermann-klinik.de/servicecenter_fuer_patienten/medizinische_informationen/behandlungen_von_herzrhythmusstoerungen/index_ger.html
http://www.tachycardie.de/index.php?id=60
http://www.umm.de/3268.0.html?PHPSESSID=ami7vs5snue6emq3e0e3bft5guv4n72i
http://de.wikipedia.org/wiki/Herzkatheteruntersuchung