Gallensteine - Ursachen, Symptome, Therapie

Entfernte GallensteineDas allgemeine Steinleiden des Gallensystems wird als Cholelithiasis bezeichnet. Gallensteine sind kleine, steinartige Gebilde, die sich aus der Gallenflüssigkeit verfestigt haben. Der Arzt differenziert die Lage der Gallensteine.

Befinden sie sich in der Gallenblase, spricht er von Cholezystolithiasis (also von Gallenblasensteinen). Sind die Gallensteine bereits in den Gallengang gewandert, so spricht der Arzt von Choledocholithiasis (von Gallengangssteinen).

Erst wenn Gallensteine Probleme bereiten und zu einer Entzündung der Gallenblase oder des Gallengangs geführt haben, wird eine Therapie notwendig. Häufig wird die Gallenblase operativ entfernt, da wiederkehrende Entzündungen ein erhötes Risiko für Gallenblasenkrebs darstellen.

Themenübersicht dieses Artikels

Ursachen: Warum bilden sich Gallensteine?

Gallensteine entstehen, wenn die verschiedenen Bestandteile der Gallenflüssigkeit nicht mehr im richtigen Verhältnis zueinander stehen und sich ein Ungleichgewicht gebildet hat. In seltenen Fällen können auch Bewegungsstörungen der Gallenblasenband oder eine Fehlbildung entweder der Gallenblase oder des Gallengangs zu einer gestörten Entleerung der Galle führen, was wiederum die Bildung von Gallensteinen begünstigt.

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Je nach ihren Inhaltsstoffen können verschiedene Arten von Gallensteinen unterschieden werden:

  • Cholesterinsteine
  • Bilirubinsteine
  • Gallensteine, die sowohl Cholesterin und Bilirubin (Gallenfarbstoff) enthalten. Hierbei spricht man dann von gemischten oder Kombinationssteinen.

Cholesterinsteine treten vor allem in den westlichen Industriestaaten und damit auch in Deutschland auf. Damit das Cholesterin in der Gallenflüssigkeit gelöst bleibt, muss sie eine ausreichende Menge an Gallensäure enthalten. Ist in der Gallenflüssigkeit also entweder zu wenig Gallensäure oder umgekehrt zu viel Cholesterin vorhanden, können sich kleine Cholesterinkristalle ausbilden, aus denen sich mit der Zeit dann Gallensteine bilden.

Bilirubinsteine entstehen dementsprechend, wenn die Gallenflüssigkeit vermehrt Bilirubin enthält. Bilirubin fällt als Abbauprodukt von roten Blutkörperchen während der Hämolyse an. Werden vom Körper vermehrt rote Blutkörperchen abgebaut, kann in der Galle schnell ein Überangebot an Bilirubin entstehen und es kommt zu einer Bildung von Gallensteinen. Darüber hinaus begünstigen zusätzliche Entzündungen der Gallenblase oder Gallengänge die Entstehung von Bilirubinsteinen.

Wer ist von Gallensteinen betroffen?

Warum es zu einem Ungleichgewicht an Inhaltsstoffen der Gallenflüssigkeit kommen kann, ist bis heute wissenschaftlich noch nicht eindeutig geklärt. Bisher konnte man lediglich sechs der häufigsten Risikofaktoren für cholesterinhaltige Gallensteine identifizieren, die in der 6-F-Regel zusammengefasst sind:

  • fair (Menschen mit heller Haut und blonden Haaren)
  • family (gehäuftes Auftreten in der Familie)
  • fat (Menschen, die übergewichtig sind)
  • female (Frauen)
  • fertile (Frauen, die bereits mehrere Schwangerschaften hinter sich haben)
  • forty (Menschen, die älter als 40 sind)

Generell leiden in den westlichen Industriestaaten etwa 7 Prozent der Männer und 15 Prozent der Frauen an Gallensteinen. Es wird angenommen, dass die Ursache dafür, dass Frauen doppelt so häufig betroffen sind wie Männer, im weiblichen Sexualhormon Östrogen zu suchen ist, denn wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass höhere Östrogenlevel und die zusätzliche Einnahme dieses Hormons (z.B. über die Antibaby-Pille oder während einer Hormontherapie) vermehrt zu einer Entwicklung von Gallensteinen führen kann.

Symptome bei Gallensteinen

Frau mit Bauchschmerzen bei GallensteinenNur etwa ein Viertel aller an Gallensteinen leidenden Personen haben tatsächlich Beschwerden, weshalb die meisten Gallensteinträger erst gar nichts von ihrer Existenz wissen. Dies ist auch nicht weiter schlimm, denn Gallensteine werden erst dann behandelt, wenn sie tatsächliche Probleme bereiten.

Man spricht in solchen Fällen von einer asymptomatischen Cholelithiasis, umgangssprachlich auch einfach ein stummes Gallensteinleiden genannt. In der Regel ist nur der Steinbefall der Gallenblase beschwerdefrei, während bei etwa 80% der Patienten, die an Steinen im Gallengang leiden, Schmerzen auftreten.

Machen sich Gallensteine dann doch bemerkbar, treten typische Beschwerden wie Völlegefühl, Übelkeit und Schmerzen im Oberbauch auf. Besonders nach fettreichen Mahlzeiten, aber auch vereinzelt oder unabhängig von der Nahrungsaufnahme können sich die Symptome äussern.

Richtig unangenehm und schmerzhaft ist eine Gallenkolik. Schmerzen treten dabei aus heiterem Himmel auf. Sie steigern sich mit der Zeit kontinuierlich und können in die rechte Schulter oder in den Rücken ausstrahlen. Meistens ist dann ein Stein aus der Gallenblase in den Gallengang gewandert und verstopft diesen. Der Körper versucht nun aus eigener Kraft, das Hindernis zu beseitigen, indem sich die Muskulatur des Gallengangs immer wieder krampfartig zusammen zieht. Darum verlaufen die Schmerzen während einer Gallenkolik in krampfhaften Wellen.

Hat der Gallenstein den Gallengang fest verschlossen, kann die Gallenflüssigkeit aus der Galle nicht mehr ungehindert abfliessen. Staut sie sich in der Gallenblase, führt dies oft zur sogenannten Gelbsucht (Ikterus). Die Haut und die Lederhaut der Augen (der weisse Bereich der Augen) färben sich gelblich, der Urin wird regelrecht braun. Ein Rückstau der Gallenflüssigkeit kann zusätzlich auch eine Entzündung der Gallenwege auslösen, für die heftige Schmerzen im rechten Oberbauch, Fieber und Schüttelfrost Anzeichen sind. Der Arzt spricht in diesem Fall nun von einer Cholezystitis oder einer Cholangitis, je nachdem ob die Gallenblase oder der Gallengang entzündet sind.

Wissenschaftlich ist heute bewiesen, dass häufig wiederkehrende Entzündungen der Gallenblase (eine chronische Cholezystitis) die Entstehung von Gallenblasenkrebs begünstigen können. Aus diesem Grund wird bei nicht beschwerdefreien Gallensteinen die komplette Gallenblase operativ entfernt. Darüber hinaus besteht bei einer Entzündung der Gallenwege eine gewisse Gefahr, dass es zu einem Durchbruch eines Gallensteines durch die entzündete Wand der Gallenblase oder des Gallengangs in die Bauchhöhle kommt. Dies muss unverzüglich behandelt werden, damit die nun in den Bauchraum austretende Gallenflüssigkeit keine lebensbedrohliche Entzündung des Bauchfells auslösen und der Gallenstein irreversible Schäden anrichten kann. Solche Komplikationen sind zwar gefährlich, kommen jedoch nur sehr selten vor.

Diagnose: Wie werden Gallensteine festgestellt?

Wie bei jeder ärztlichen Untersuchung steht am Anfang immer das Gespräch, indem der Patient dem Arzt seine Symptome genauestens schildert. Erst danach wird der Arzt eine körperliche Untersuchung vornehmen, in dem er den Bauch vorsichtig abtastet. Bei Gallensteinen zeigt sich oft ein Druckschmerz im rechten Oberbauch, vor allem dann, wenn während der Abtastung tief eingeatmet wird. Um das tatsächliche Vorhandensein von Gallensteinen zu bestätigen, benötigt es allerdings noch weitere, genauere Untersuchungen des Unterbauches um abzuklären, ob die vorhandenen Symptome auch tatsächlich durch eine Cholelithiasis ausgelöst werden. Hierfür werden in der Praxis verschiedene Laboruntersuchungen, bildgebende und endoskopische Untersuchungen angewendet:

  • Blutuntersuchung im Labor: eine Erhöhung der sogenannten Leberenzyme (hierunter fallen die GOT, GPT und Gamma-GT Werte) und der Gallensekretstoffe wie Bilirubin im Blut weisen auf eine Stauung der Gallenflüssigkeit hin. Erhöhte Lipase Werte (Enzyme der Bauchspeicheldrüse) können ebenfalls ein Hinweis auf Gallensteine sein, da sich bei Steinen, die nahe der Mündung des Gallengangs in den Dünndarm liegen, auch Bauchspeicheldrüsenflüssigkeit stauen kann.
  • Ultraschalluntersuchung (Sonografie) des Oberbauchs: Eine Ultraschalluntersuchung festigt in den meisten Fällen die anfängliche Diagnose, denn in etwa 95 Prozent aller Fälle lassen sich hierdurch Gallensteine erkennen. Zusätzlich gibt der Ultraschall Aufschluss über die Grösse und Form der Gallenblase und des Gallengangs, die Beschaffenheit der Wand der beiden und ob bereits ein Rückstau der Gallenflüssigkeit in der Gallenblase vorliegt.
  • ERCP (endoskopisch-retrograde Cholangio-Pankreatikografie): Besteht ein Verdacht auf Gallensteine im Gallengang, kann der Arzt die Gallengänge mit Hilfe einer endoskopische Untersuchung untersuchen und auch darstellen. Dazu führt er das Endoskop durch über den Mund, Magen und Dünndarm in den Gallengang ein. Der Vorteil der ERCP ist, dass während der Diagnostik auch gleich behandelt werden kann. Findet der Arzt tatsächlich Gallensteine, kann er sie über das Endoskop mit einer Zange sofort entfernen.
  • MRCP (Magnetresonanzcholecystopankreatikografie): Durch die Darstellung der Gallengänge in einem MRT lassen sich vorhandene Engstellen schnell schmerzfrei diagnostizieren. Die MRCP hat heutzutage wegen ihrer unkomplizierten Anwendung beim Patienten die ERCP im Bereich der Diagnostik fast völlig abgelöst.

Konventionelles Röntgen oder die Erstellung eines CT sind bei Verdacht auf Gallensteine nicht sinnvoll, denn Gallensteine können aufgrund ihrer Beschaffenheit mit diesen Verfahren nur dargestellt werden, wenn sie bereits verkalkt sind. Verkalken können allerdings nur die weitaus geringer vorkommenden Bilirubinsteine, weshalb nur etwa ein Viertel aller Gallensteine tatsächlich per Röntgen dargestellt werden können.

Wie werden Gallensteine behandelt?

Gallensteine in Gallblase und GallengangGallensteine müsen nur dann behandelt werden, wenn sie Probleme bereiten. Bleiben Beschwerden aus, sind auch keine medizinischen Massnahmen notwendig. Grundsätzlich richtet sich eine Therapie danach, ob der Gallenstein in der Gallenblase oder dem Gallengang sitzt und ob eine Entzündung der Gallenwege vorliegt.

Eine Gallenkolik sollte immer sofort von einem Arzt diagnostiziert und behandelt werden. Hierzu werden in der Regel sogenannte Spasmolytika (krampflösende Medikamente) verschrieben, welche die Verkrampfungen der Gallenwege lösen sollen. Zusätzlich kann der Arzt noch ein Schmerzmittel verschreiben, um die meistens sehr heftigen Schmerzen während der Krämpfe zu lindern. Zu Hause kann man sich ebenfalls ein wenig Linderung verschaffen, in dem man die altbewährte Wärmflasche auf die betroffene Stelle des Oberbauchs legt.

Haben Gallensteine eine Entzündung in der Gallenblase oder des Gallengangs verursacht, wird der Arzt ein Antibiotikum verschreiben, welches die Entzündung direkt unterbinden soll. Ebenfalls können auch hier schmerzstillende Medikamente verabreicht werden, um auftretende Schmerzen zu lindern.

Sind durch Gallensteine verursachte Beschwerden aufgetreten, genügt es auf lange Sicht nicht, nur die Symptome wie Gallenkoliken und Entzündungen zu behandeln. Deshalb sollte nach Linderung der akuten Schmerzen die Gallenblase komplett entfernt werden, damit dieselbe Symptomatik nicht wiederkehrt und das Risiko, an Gallenblasenkrebs zu erkranken gemindert wird.

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Methoden zur Entfernung von Gallensteinen

  • Cholezystektomie - Die operative Entfernung der Gallenblase wird heute meistens mittels Schlüssellochmethode durchgeführt. Die Methode ist sehr schonend für den Patienten.
  • ERCP Methode -  Endoskopische Entfernung von Gallensteinen aus dem Gallengang
  • (ESWL) extrakorporale Stosswellenlithotripsie - Zertrümmerung von kleinen Gallensteinen in der Gallenblase per Ultraschall-Stosswellentherapie

Kann ich ohne Gallenblase leben?

Die Gallenblase ist kein lebenswichtiges Organ. Deshalb kann sie bei behandlungsbedürftigen Gallensteinen auch ohne weiteres entfernt werden. Eine spezielle Diät muss nach der Operation nicht eingehalten werden. Eine ausgewogene, fettarme Ernährung mit vielen Vitaminen und Ballaststoffen ist in der Regel am verträglichsten.