Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) - Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie

Bei Eierstockkrebs handelt es sich um eine bösartige Tumorerkrankung der Eierstöcke. Da diese in der medizinischen Fachsprache auch als Ovarien bezeichnet werden, sprechen Mediziner bei Eierstockkrebs auch von einem Ovarialkarzinom.

Themenübersicht dieses Artikels

Definition und Häufigkeit von Eierstockkrebs

Definition: Was ist Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom)?

Je nach Ursprungsort des Tumors lassen sich bei Eierstockkrebs mit den epithelialen Tumoren, den Keimzelltumoren und den Keimstrang-Stromatumoren verschiedene Formen von Eierstockkrebs unterscheiden. Die epithelialen Tumoren, die etwa 60 Prozent aller bösartigen Eierstocktumoren ausmachen, gehen vom sogenannten Oberflächenepithel, sprich der oberflächlichsten Gewebeschicht, des Eierstocks oder des Eileiters aus. Die Keimzelltumoren entstehen aus den Keimzellen der Embryonalentwicklung und machen etwa 20 Prozent aller Eierstocktumoren aus. Die mit einem Anteil von etwa 5 Prozent eher selten vorkommenden Keimstrang-Stromatumoren haben ihren Ursprung im Eierstocksbindegewebe.

Daneben kann ein Ovarialkarzinom auch durch Absiedelungen von Zellen anderer Krebserkrankungen hervorgerufen werden. Diese auch als Metastasen bezeichneten Eierstocktumoren sind in etwa 10 bis 30 Prozent der Fälle auf Gebärmutterkrebs, in rund 10 bis 30 Prozent der Fälle auf Brustkrebs und in etwa 30 bis 70 Prozent der Fälle auf gastrointestinale Tumorerkrankungen wie Magen- oder Darmkrebs zurückzuführen.

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Anatomie und Funktion der Eierstöcke

Die beiden paarig angelegten Eierstöcke (Ovarien) liegen links und rechts neben der Gebärmutter sowie zwischen Harnblase und Enddarm im kleinen Becken der Frau, wo sie mit Bändern befestigt sind und so in Position gehalten werden. In rund 50 Prozent der Fälle von Eierstockkrebs sind beide Eierstöcke von bösartigen Tumoren befallen.

Wie die Gebärmutter, die Eileiter und die Scheide gehören die Eierstöcke zu den inneren weiblichen Geschlechtsorganen, auch Genitale genannt. Zu den wesentlichen Funktionen der Eierstöcke gehören die Produktion der weiblichen Geschlechtshormone (Östrogene, Gestagene und Androgene), die für die Aufrechterhaltung des Monatszyklus verantwortlich sind, sowie die Produktion der Eizellen, die während des Eisprungs an die Eileiter abgeben werden und von dort in die Gebärmutter wandern.

Die Eierstöcke verändern während des Monatszyklus ihre Lage und Grösse. Da sie aber in der Bauchhöhle verhältnismässig viel Platz haben, beeinträchtigt ihre Grössenzunahme und Lagenveränderung während des Zyklus keine anderen Organe. Allerdings bleiben deshalb wachsende Tumoren der Eierstöcke auch oftmals lange unbemerkt, da sie meist erst im fortgeschrittenen Stadium Symptome verursachen.

Häufigkeit von Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom)

Das Ovarialkarzinom stellt nach Brustkrebs die zweithäufigste Krebserkrankung der weiblichen Geschlechtsorgane dar. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts erkranken in Deutschland jedes Jahr zwischen 7000 und 8000 Frauen neu an Eierstockkrebs. Dies entspricht einer Inzidenzrate von jährlich 11 Neuerkrankungen pro 100.000 weibliche Einwohner. Insgesamt beträgt das Risiko für Frauen, irgendwann im Laufe ihres Lebens an einem Ovarialkarzinom zu erkranken, 1,5 Prozent. Betroffen sind meist ältere Frauen nach den Wechseljahren.

Ursachen von Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom)

Wodurch ein Ovarialkarzinom genau verursacht wird, ist bislang nicht geklärt. Es sind aber einige Risikofaktoren bekannt, die die Entstehung von Eierstockkrebs begünstigen können. Hierzu gehören unter anderem ein höheres Lebensalter, schädliche Umwelteinflüsse, ungesunde Ernährungsgewohnheiten, Übergewicht, Kinderlosigkeit und Infertilität sowie die Einnahme von Hormonpräparaten nach den Wechseljahren.

Darüber hinaus scheinen in etwa 10 Prozent aller Fälle von Eierstockkrebs genetische Ursachen verantwortlich zu sein. In diesen Fällen liegen Mutationen der sogenannten Brustkrebsgene BRCA1 (auf dem 17. Chromosom) und BRCA2 (auf dem 13. Chromosom) vor, die auch dafür bekannt sind, dass sie das Risiko an Brustkrebs zu erkranken erhöhen. Liegen Mutationen dieser Gene vor, treten Fälle von Eierstockkrebs und Brustkrebs innerhalb einer Familie gehäuft auf.

Symptome und Stadien eines Ovarialkarzinoms

Symptome eines Ovarialkarzinoms (Eierstockkrebs)

In etwa 70 Prozent der Fälle wird Eierstockkrebs erst dann entdeckt, wenn die Tumorerkrankung schon weit fortgeschritten ist. Dies liegt zum einen daran, dass ein Ovarialkarzinom zu Beginn in der Regel keine Frühsymptome verursacht. Zum anderen sind die Symptome, die zumeist erst im fortgeschrittenen Stadium auftreten, eher unspezifischer Natur, sprich: sie können auch bei vielen anderen, harmlosen Erkrankungen vorkommen. Darüber hinaus gibt es bislang für das Ovarialkarzinom keine zuverlässigen Früherkennungsuntersuchungen.

Zu den unspezifischen Symptomen, die im fortgeschrittenen Stadium von Eierstockkrebs auftreten können, gehören unter anderem Schmerzen im Unterbauch, häufiges Wasserlassen und häufiger Harndrang sowie gastrointestinale Beschwerden wie Verdauungsstörungen, Blähungen und Verstopfung. Zudem fühlen sich betroffene Frauen oftmals müde, erschöpft und leistungsschwach. Weitere mögliche Symptome sind Blutungen ausserhalb der Menstruation oder nach den Wechseljahren, eine unklare Gewichtsabnahme sowie eine Zunahme des Bauchumfangs ohne Gewichtszunahme, die durch eine vermehrte Ansammlung von Flüssigkeit im Bauchraum, auch Bauchwassersucht bzw. Aszites genannt, verursacht wird.

Stadien des Ovarialkarzinoms

Bei Eierstockkrebs werden gemäss der sogenannten FIGO-Klassifikation der Fédération Internationale de Gynécologie et d'Obstétrique (französisch für: Internationale Vereinigung für Gynäkologie und Geburtskunde) vier verschiedene Tumorstadion unterschieden:

  • FIGO I: Der Eierstockkrebs hat nur das Eierstockgewebe befallen. Dabei können nur ein Eierstock oder auch beide Eierstöcke betroffen sein.
  • FIGO II: Das Ovarialkarzinom hat sich bereits im Becken ausgebreitet.
  • FIGO III: Der Eierstocktumor hat bereits Metastasen ins Bauchfell oder in die Lymphknoten gestreut.
  • FIGO IV: Das Tumorgewebe befindet sich bereits ausserhalb der Bauchhöhle, beispielsweise in Form von Fernmetastasen in der Lunge.

Diagnose von Eierstockkrebs

Die Verdachtsdiagnose „Eierstockkrebs“ wird meist im Rahmen einer körperlichen gynäkologischen Untersuchung, bei der der Arzt die Bauchdecke und die weiblichen Geschlechtsorgane sorgfältig nach möglichen Tumoren abtastet, gestellt. Besteht danach der Verdacht auf ein Ovarialkarzinom, führt der Arzt weitere Untersuchungen durch, um die Grösse, Ausdehnung, Lage und Beschaffenheit des Eierstocktumors beurteilen zu können. Hierzu gehören unter anderem eine Ultraschalluntersuchung der Bauchregion (Abdominal-Ultraschall) und der Scheide (Vaginal-Ultraschall), eine Computertomographie und eine Magnetresonanztomographie. Die endgültige Diagnose „Eierstockkrebs“ kann allerdings erst im Rahmen einer Operation gestellt werden, bei der Tumorgewebe entnommen wird, das anschliessend von einem Pathologen unter dem Mikroskop auf bösartige Krebszellen hin untersucht wird.

Behandlung des Ovarialkarzinoms (Eierstockkrebs)

Die Behandlung des Ovarialkarzionoms erfolgt meist durch Experten für gynäkologische Onkologie. Diesen stehen für die Behandlung von Eierstockkrebs mit der Operation und der Chemotherapie im Wesentlichen zwei Therapieverfahren zur Verfügung. Welches Therapieverfahren zum Einsatz kommt, hängt dabei vom Stadium der Erkrankung ab. In den meisten Fällen besteht die Behandlung aber aus einer Kombination beider Verfahren. So wird der Tumor im Rahmen einer Operation zunächst möglichst komplett entfernt. Dabei werden in der Regel beide Eierstöcke, die Gebärmutter, die Eileiter, ein Teil des Bauchfells, der Blinddarm sowie nahegelegene Lymphknoten im Bereich des Beckens entfernt.

Um zu verhindern, dass sich Tumorherde, die während der Operation möglicherweise nicht vollständig entfernt wurden, weiterentwickeln, erfolgt im Anschluss an die Operation meist eine Chemotherapie mit sogenannten Zytostatika. Dabei handelt es sich um Medikamente, die eventuell verbleibende Krebszellen abtöten sollen. Bei einem fortgeschrittenen Ovarialkarzinom wird die Chemotherapie inzwischen oftmals durch eine sogenannte Antikörpertherapie mit dem Wirkstoff Bevacizumab ergänzt. Die Antikörpertherapie soll verhindern, dass verbleibende Krebszellen neue Blutgefässe bilden, die sie zum Wachstum und für die Blutzufuhr zum Tumor benötigen.

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Nachsorge bei Eierstockkrebs

Im Anschluss an die Eierstockkrebs-Behandlung sind regelmässige Nachsorgeuntersuchungen wichtig, um ein mögliches Rezidiv, sprich ein erneutes Auftreten eines Ovarialkarzinoms, möglichst frühzeitig erkennen zu können. Diese Nachsorgeuntersuchungen sollten in den ersten drei Jahren nach der abgeschlossenen Therapie vierteljährlich, in den darauffolgenden zwei Jahren halbjährlich und danach jährlich erfolgen. Die Nachsorgeuntersuchung beinhaltet in der Regel ein Abtasten des Bauches und der Geschlechtsorgane und eine Ultraschalluntersuchung der Bauch- und Beckenorgane. Darüber hinaus stellt der Arzt Fragen zu möglichen Symptomen.