Das Immunsystem - Funktionsweise und Erkrankungen

Das menschliche Immunsystem schützt den Körper vor Infektionen und Parasitenbefall. Es kann über 99% aller Erreger und Eindringlinge abtöten, bevor diese dem Körper Schaden zufügen. Dazu nutzt der Körper mehrere Verteidigungslinien.

Themenübersicht dieses Artikels

Was ist das Immunsystem?

Das Immunsystem ist ein wichtigster Abwehrmechanismus des menschlichen Körpers. Jedes höhere Lebewesen verfügt über ein eigenes biologisches Abwehrsystem, das es vor Gewebeschädigungen, Bakterien und Viren schützt. Es ist dabei hauptsächlich für die Entfernung von Mikroorganismen verantwortlich, die in den Körper eingedrungen sind. Darüber hinaus transportiert es ebenfalls schädliche sowie fremde Substanzen aus dem Körper heraus, um dauerhafte Schäden zu vermeiden. Letztlich ist das Immunsystem auch in der Lage, körpereigene Zellen zu zerstören. Diese Fähigkeit nutzt es ausschliesslich, um fehlerhafte Zellen zu eliminieren.

Grundsätzlich handelt es sich beim Immunsystem nicht um ein eigenständiges Organ, sondern vielmehr um ein komplexes Netzwerk aus diversen Organen, Zellen und Molekülen. Dabei hat es eine grosse Bedeutung für die Gesundheit des Menschen. Der menschliche Körper ist ununterbrochen vielen gefährlichen Umwelteinflüssen ausgesetzt, sodass jederzeit feindliche Mikroorganismen in ihn eindringen können. Werden diese nicht bekämpft, rufen sie funktionsstörende und teilweise sogar lebensbedrohliche Krankheiten hervor. Neben Bakterien und Viren stellen dabei insbesondere viele Pilze und Parasiten eine ernste Bedrohung für den Menschen dar.

Immunsystem

Wie ist das Immunsystem aufgebaut?

Am menschlichen Immunsystem sind zahlreiche unterschiedliche Strukturen beteiligt. Der Körper hat mehrere Verteidigungslinien eingerichtet, um auch nach der Durchbrechung einer Linie noch weitere Massnahmen einleiten zu können. Diese teilt die Medizin hauptsächlich in die folgenden Kategorien ein:

  • mechanische und biochemische Barrieren
  • Zellen
  • Proteine

Mechanische und biochemische Barrieren

Bei diesen Schutzmechanismen handelt es sich um die erste Verteidigungslinie des menschlichen Körpers. Sie ist hauptsächlich dafür verantwortlich, dass die Krankheitserreger nicht in den Körper eindringen können. Darüber hinaus sorgen einige Barrieren ebenfalls für einen schnellen Abtransport der Erreger, wenn diese abgefangen wurden.

Insbesondere im Gesicht befinden sich viele dieser Systeme. Sowohl die Augen als auch die Mundhöhle und die Atemwege verfügen über wirkungsvolle mechanische Barrieren. Dabei handelt es sich um die Augenlider, die Lippen und die Nase. Die Mundhöhle verfügt ausserdem ebenfalls über biochemische Abwehrmechanismen. Unter anderem befindet sich im Speichel das Enzym Lysozym, das für die Bekämpfung von Krankheitserregern verantwortlich ist. Viele andere Eingänge des Körpers werden zusätzlich durch eine Schleimhaut geschützt.

Zelluläre Strukturen des Immunsystems

Darüber hinaus verfügt das Immunsystem über vielfältige Zellen, die Krankheitserreger auch nach dem Überwinden der Barrieren bekämpfen. Hauptsächlich handelt es sich dabei um die Granulozyten, die natürlichen Killerzellen und die T-Lymphozyten. Diese Zellen setzen sich dabei teilweise sogar zu spezialisierten Organen zusammen. Hierzu gehört unter anderem das lymphatische System.

Meist zirkulieren die zellulären Bestandteile jedoch in den Lymphbahnen und Blutgefässen des Körpers und gelangen dadurch in die unterschiedlichen Gewebestrukturen. Hauptsächlich werden sie im Knochenmark des Menschen gebildet. Dabei ist jede Abwehrzelle auf eine konkrete Bedrohung für den Körper spezialisiert. Unter anderem sind die zytotoxischen T-Zellen in der Lage, eine krankhaft veränderte Zelle zu zerstören.

Die Proteine des Immunsystems

Weiterhin setzt der Körper ebenfalls Proteine als Botenstoffe im Zuge einer Abwehrreaktion ein. Die Medizin bezeichnet diese als humorale Bestandteile. Diese Bezeichnung leitet sich aus dem Wort "Humor" ab, das im medizinischen Kontext gleichbedeutend mit der Bezeichnung "Flüssigkeit" verwendet wird.

Diese Bestandteile sind im Gegensatz zu den Abwehrzellen nicht in der Lage, sich selbstständig an einen anderen Ort zu begeben. Sie zirkulieren lediglich passiv im Blutkreislauf und im Lymphsystem, um die Abwehrzellen bei der Bekämpfung eines Krankheitserregers zu unterstützen. Unter anderem produzieren die Plasmazellen des Körpers dabei massgeschneiderte Antikörper, die sich an den Eindringling heften und diesen dadurch deaktivieren.

Wie funktioniert das Immunsystem?

Die mechanischen und biochemischen Barrieren bieten dem Körper den effektivsten Schutz vor zahlreichen Krankheitserregern. Insgesamt halten diese über 99 Prozent aller Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten vom Eindringen in den Körper ab und verhindern dadurch eine Infektion. Nur wenige Erreger sind in der Lage, die Barrieren des Immunsystems aus eigener Kraft zu überwinden. Die meisten Krankheitserreger gelangen lediglich durch eine beschädigte oder geschwächte Barriere in den Menschen.

Nachdem sie diese überwunden haben, leitet der Körper eine Immunreaktion ein. Dabei unterscheidet er vorrangig zwischen einer Erstinfektion und einer Zweitinfektion. Sofern es sich um eine Erstinfektion handelt, reagiert das Immunsystem vorerst nur mit antigenpräsentierenden Zellen. Diese können die typischen Merkmale eines Erregers erkennen und diesen in sich selbst einschliessen. Daher bezeichnet die Medizin sie häufig auch als Fresszellen. Nachdem die Fresszellen den Krankheitserreger vollständig zerstört haben, präsentieren sie deren Einzelteile an ihrer Oberfläche den Lymphozyten und aktivieren diese dadurch.

Die aktivierten Lymphozyten bekämpfen den Erreger schliesslich mit aggressiven Substanzen und beginnen mit der Produktion von Antikörpern. Nachdem sämtliche Eindringlinge erfolgreich bekämpft wurden, verbleiben sogenannte Gedächtniszellen im Immunsystem. Diese enthalten sämtliche gesammelten Daten über den Erreger und ermöglichen dadurch eine deutlich schnellere Reaktion bei einer Zweiterkrankung.

Wie unterstützen Impfungen das Immunsystem?

Bei einer Impfung injiziert der Arzt entweder einen abgetöteten oder zumindest stark geschwächten Krankheitserreger in den Körper eines Menschen. Auf diese Weise gewährleistet er, dass der Krankheitserreger sämtliche Barrieren des Immunsystems problemlos überwindet. Für den Körper handelt es sich dabei um einen direkten Angriff, gegen den er umgehend vorgehen muss.

Tatsächlich stellt die Impfung jedoch sogar eine Unterstützung für das Immunsystem dar. Die meist in den Blutkreislauf injizierten Krankheitserreger sind entweder bereits abgestorben oder zumindest geschwächt. Dabei stellen sie noch immer eine Bedrohung für den Körper dar und lösen deshalb in einigen Fällen sogar eine leichte Erkrankung aus. Das Immunsystem hat jedoch in den meisten Fällen keine Probleme, die eingedrungenen Krankheitserreger zu bekämpfen.

Obwohl die verwendeten Erreger stark geschwächt sind, enthalten sie dennoch sämtliche Informationen, die das Immunsystem benötigt, um einen gesunden Krankheitserreger effektiv zu bekämpfen. Dadurch kommt es in vielen Fällen nach einer Impfung selbst bei einer Infektion nicht mehr zum Ausbruch der Krankheit. Selbst bei einem Krankheitsausbruch verläuft die Erkrankung wesentlich schwächer als bei einer Erstinfektion.

Was sind Autoimmunerkrankungen?

Bei einer Autoimmunerkrankung richtet sich die zerstörerische Kraft des Immunsystems gegen den Körper selbst. Ein gesundes Immunsystem ist in der Lage, zwischen harmlosen und gefährlichen Zellen zu unterscheiden. Sowohl bei Allergien als auch bei Autoimmunerkrankungen versagt jedoch die Toleranz des Immunsystems, sodass es sich fortan auch gegen harmlose Organismen richtet.

Aus diesem Grund werden körpereigene Zellen als Krankheitserreger betrachtet und vom Immunsystem bekämpft. Dadurch kommt es zu Entzündungen und einer reaktiven Gewebeneubildung. Darüber hinaus treten in vielen Fällen auch dauerhafte Schäden des betroffenen Organs auf. In Deutschland leiden durchschnittlich fünf Prozent der Menschen an einer Autoimmunerkrankung. Die am weitesten verbreiteten Krankheiten sind dabei: