Brustkrebs

Brustkrebs die weltweit häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Frauen in Industriestaaten sind vergleichweise häufiger betroffen als Frauen in Afrika oder Asien. Während in den westlichen Industriestaaten die Heilungschancen von Brustkrebs dank innovativer Behandlungsmethoden immer weiter steigen, ist die Sterberate in den ärmeren Ländern hoch.

Im Folgenden erfahren Sie mehr über die Ursachen und Heilungschancen von Brustkrebs sowie die chirurgischen und medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten.

Themenübersicht dieses Artikels

Was ist Brustkrebs und wie entsteht er?

Unter Brustkrebs, auch Mammakarzinom genannt, versteht man einen bösartigen Tumor der Brust.

Die weibliche Brustdrüse (Mamma) besteht aus Drüsengewebe, Fett und Bindegewebe. Das Drüsengewebe ist aus Drüsenläppchen (Lobuli) aufgebaut. Sie produzieren die Muttermilch und münden in die Milchgänge (Ductus). Je nachdem, wo er entstanden ist, unterteilt man den Brustkrebs in Formen, die von den Milchgängen (invasiv-duktal) oder von den Drüsenläppchen (invasiv-lobulär) ausgehen. Daneben gibt es noch einige seltene Sonderformen. Ausserdem unterteilt man Brusttumoren nach dem Grad der Bösartigkeit, der Hormonempfindlichkeit und der Empfindlichkeit für bestimmte Antikörper.

Die genaue Ursache für Brustkrebs ist leider immer noch unbekannt. Es konnten aber eine Reihe von Riskofaktoren aufgedeckt werden:

  • Die Gefahr, zu erkranken, erhöht sich mit dem Alter.
  • Fälle von Brustkrebs bei Verwandten können erhöhen das Risiko erhöhen, wenn in der Familie eine Mutation der Brustkrebsgene BRCA1 oder BRCA2 vorliegt.
  • Hat der Brustkrebs eine Seite befallen, erhöht sich das Risiko, dass später auch die andere Brust befallen wird.
  • Früher Beginn der Menstruation und späte Wechseljahre erhöhen das Brustkrebsrisiko.
  • Frauen, die keine Kinder haben oder die bei der Geburt ihres ersten Kindes älter als 30 Jahre alt waren, sind häufiger betroffen.
  • Frauen, die stillen, haben ein geringeres Risiko, an einem Brustkrebs zu erkranken.
  • Rauchen und Alkohol erhöhen das Brustkrebsrisiko
  • Bestimmte Hormonersatztherapien erhöhen offensichtlich das Brustkrebsrisiko, wobei dies nur für Kombinationspräparate zuzutreffen scheint.

Wie wird Brustkrebs erkannt?

Alle Veränderungen an der Brust müssen untersucht werden, wobei es sich hierbei um Knoten, Einziehungen, Schmerzen, Hautveränderungen oder Ausfluss aus der Brustwarze handeln kann. Solche Symptome werden meistens von der Patientin selbst bemerkt. Leider macht Brustkrebs nicht immer Symptome, so dass ein Teil der Mammakarzinome nur in der Mammographie oder im Ultraschall auffällt.

Wichtig ist es, Brustkrebs so früh wie möglich zu erkennen, da die Heilungschancen schlechter werden, wenn die Tumoren grösser sind oder wenn die Lymphknoten befallen sind. Daher ist die Teilnahme an Früherkennungsmassnahmen wie der monatlichen Selbstuntersuchung, der Vorsorge beim Frauenarzt und der Mammographie wichtig für jede Frau, wobei die Mammographie von den Krankenkassen nur zwischen dem 50. und dem 69. Lebensjahr angeboten wird (Mammographie-Screening).

Woman receives mammogram

Was geschieht in einer Brustsprechstunde?

In den meisten Frauenkliniken finden Brustsprechstunden statt, bei denen jede Patientin von einem Spezialisten untersucht und beraten wird. In diese Sprechstunde überweisen in der Regel die niedergelassenen Frauenärzte Patientinnen mit Befunden in der Brust. Neben einer ausführlichen Besprechung der persönlichen Vorgeschichte finden eine Tastuntersuchung und immer auch eine Ultraschalluntersuchung der Brust mit einem hochauflösenden Ultraschallgerät statt. Die mitgebrachten Mammographieaufnahmen werden zweitbefundet oder eine Mammographie veranlasst.

Häufig wird im Rahmen der Ultraschalluntersuchung gleich eine Entnahme von Gewebezylindern in örtlicher Betäubung mit einer sogenannten Hochgeschwindigkeitsstanzbiopsie durchgeführt.

Bestätigt sich die Diagnose Brustkrebs, wird im persönlichen Gespräch das weitere Vorgehen besprochen, das im Folgenden dargestellt ist. Dazu gehört bei erhöhtem Risiko auch eine Reihe von Untersuchungen, mit denen ausgeschlossen werden soll, dass der Brustkrebs andere Organe befallen hat.

Brustkrebsoperation

Das Prinzip der operativen Therapie ist die vollständige Entfernung des Tumors aus der Brust. Dazu ist heute bei dem überwiegenden Teil der Patientinnen nicht mehr die Abnahme der gesamten Brust erforderlich, sondern der Krebs kann brusterhaltend operiert werden. Dabei wird der Tumor mit einem Sicherheitssaum aus gesundem Gewebe entfernt.

Breast reconstruction 07

Leider ist dies nicht immer möglich. Bei Hautbefall oder entzündlicher Komponente muss die Entfernung der gesamten Brust erfolgen. Dieser Eingriff heisst Mastektomie oder Ablatio mammae.

Bei jeder Brustkrebsoperation wird auch ein Teil der Lymphknoten in der Achselhöhle der betroffenen Seite entfernt. Dies geschieht, um zu überprüfen, ob sich die Krankheit in den Lymphknoten ausgebreitet hat. Das heutzutage zu diesem Zwecke durchgeführte Operationsverfahren ist die so genannte Sentinel-Lymphknoten-Biopsie. Dabei genügt die Entfernung von häufig nur ein oder zwei Lymphknoten. Der erste Lymphknoten im Abflussgebiet eines Tumors wird Sentinel-Lymphknoten genannt (Sentinel=Wächter), weil er die Achselhöhle „bewacht“. Bei der Sentinel-Lymphknoten-Biopsie wird dieser Lymphknoten durch Farbstoff oder radioaktive Substanzen markiert, die in die Umgebung des Knotens oder im Bereich der Brustwarze unter die Haut eingespritzt werden. Ist der Sentinel-Lymphknoten nicht befallen, kann auf die Entfernung der restlichen Achsellymphknoten verzichtet werden.

Bei allen Operationsverfahren werden heute sogenannte onkoplastische Techniken angewendet, das heisst, dass Techniken der Krebsoperation mit Prinzipien der plastischen Chirurgie kombiniert werden. Dadurch können oft schöne kosmetische Ergebnisse auch nach ausgedehnten Eingriffen an der Brust erreicht werden. Zum Einsatz kommen dabei auch Techniken, bei denen die Gegenseite angeglichen wird, zum Beispiel bei der tumorangepassten Reduktionsplastik.

Selbstverständlich ist die Entfernung einer Brust auch kein Schicksal, mit dem man sich abfinden muss. Ein Wiederaufbau kann sowohl mit Eigengewebe als auch mit einer Prothese erfolgen, auch die Brustwarze kann wieder aufgebaut werden.

Welche Form der Rekonstruktion für welche Patientin in Frage kommt, hängt neben körperlichen Voraussetzungen und der geplanten Behandlung vor allem vom Wunsch der Patientin ab, so dass diese Fragestellungen individuell mit jeder Patientin besprochen und ein für jede Patientin massgeschneidertes Konzept erarbeitet wird.

Medikamentöse Behandlung

Chemotherapie

Brustkrebs ist eine heilbare Erkrankung, solange er keine anderen Organe befallen hat. Um diese Heilung zu erreichen, ist allerdings oft eine Chemotherapie nötig. Dabei werden Medikamente intravenös verabreicht, die Tumorzellen daran hindern, sich zu teilen und zu wachsen. Natürlich wirken diese Medikamente auch auf den restlichen Körper, weshalb die Therapie auch Nebenwirkungen hat, z.B. Haarausfall, Übelkeit, Abfall der weissen Blutkörperchen. Viele Nebenwirkungen können heute aber so gut verhindert werden, dass sie eigentlich kaum noch auftreten. Die Therapie wird in der Regel ambulant in Brustzentren, bei Onkologen oder spezialisierten Frauenärzten durchgeführt.

Vorher wird in der Regel ein kleines Ventil eingelegt, über das die Therapie gegeben werden kann, ein sogenannter Port. Dadurch gehen die Venen bei der Chemotherapie nicht kaputt und die Anwendungen sind nicht so unangenehm. Lässt sich bereits nach der Stanzbiopsie aufgrund der Tumorbiologie oder der Ausbreitung des Tumors erkennen, dass eine Chemotherapie notwendig ist, wird in der Regel die Durchführung der Chemotherapie vor der Operation empfohlen, man nennt dies neoadjuvante Chemotherapie. Dadurch verkleinert sich der Tumor und der Brustkrebs lässt sich besser operieren. Mindestens genauso wichtig ist allerdings, dass bei der Chemotherapie vor der Operation durch regelmässige Kontrollen gesehen werden kann, wie der Tumor kleiner wird und damit ein Beweis dafür geführt werden kann, dass die Therapie auch wirkt.

Antihormontherapie

Viele Tumoren sind empfindlich für Hormone, sie besitzen sogenannte Hormonrezeptoren. Ob dies so ist, stellen die Pathologen bei der feingeweblichen Untersuchung fest. Hormonempfindliche Mammakarzinome kann man zusätzlich mit Antihormonen behandeln. Bei Frauen vor den Wechseljahren kommt dazu vor allem das Tamoxifen zur Anwendung, manchmal auch kombiniert mit Medikamenten, die künstliche Wechseljahre verursachen. Frauen nach den Wechseljahren werden oft auch mit Tamoxifen behandelt, dies sollte aber in einem festen Wechsel mit einem anderen Medikament, einem Aromatasehemmer geschehen. Viele Patientinnen werden auch nur mit Aromatasehemmern behandelt.

Antihormontherapien haben zwar auch Nebenwirkungen, die man im Einzelnen je nach Kombination und Substanz besprechen muss, aber natürlich sind diese Nebenwirkungen nicht mit denen einer Chemotherapie vergleichbar. Die Antihormontherapie dauert in der Regel fünf Jahre und beginnt nach der Chemotherapie. Die Antihormontherapie wird von den niedergelassenen Frauenärzten verordnet, die ja auch die Nachsorge durchführen.

Antikörpertherapie

Von den Pathologen wird nicht nur die Hormonempfindlichkeit der Tumoren untersucht, sondern auch bestimmte Angriffsstellen für einen Antikörper, der HER2-neu-Rezeptor. Ist der Tumor empfindlich für die entsprechenden Antikörper, wird begleitend zur Chemotherapie auch noch eine Therapie mit Antikörpern durchgeführt. Es handelt sich dabei ebenfalls um ambulante Infusionen.

Strahlentherapie

Wenn bei einer Brustkrebsoperation die Brust belassen wird, muss man zur Reduktion des Rückfallrisikos eine Bestrahlung der Restbrust durchführen. Nach der Entfernung der Brust ist dies nur selten nötig. Bestimmte Orte des Lymphabflusses müssen bestrahlt werden, wenn viele Lymphknoten befallen sind. Bei der intraoperativen Strahlentherapie (IORT) wird bereits während der Operation bestrahlt, dies kommt nur bei der brusterhaltenden Therapie in Frage. Ob nach der Operation noch die restliche Brust bestrahlt werden muss oder ob in Einzelfällen die intraoperative Bestrahlung ausreicht, wird interdisziplinär in der Tumorkonferenz entschieden.

Die Bestrahlung wird ambulant durchgeführt, in der Regel dauert sie drei bis sechs Wochen werktäglich. Beginn der Bestrahlung ist nach dem Ende der Chemotherapie, Nebenwirkungen sind vor allem lokale Haut- und Gewebereaktionen und eine von manchen Patientinnen beschriebene Einschränkung der Leistungsfähigkeit.

Nachsorge

Die Nachsorge wird durchgeführt von den niedergelassenen Frauenärzten, die sich dabei an feste Schemata halten. Die Nachsorge besteht aus der Tastuntersuchung der Brüste, Ultraschall der Brust und Mammographie und einer körperlichen Untersuchung und Fragen nach Beschwerden. Weitergehende Apparateuntersuchungen und Tumormarkerbestimmungen sind nicht sinnvoll und nicht Bestandteil der Nachsorge.

Psychoonkologie

Wichtig in der Behandlung des Brustkrebs ist die Betreuung der Erkrankten auch durch besonders geschulte Psychologen, die sogenannten Psychoonkologen. Diese Betreuung hilft häufig, in dieser schwierigen Situation den positiven Blick in die Zukunft zurückzugewinnen. Es gibt auch Kliniken, die bereits speziell für die Betreuung von Brustkrebspatientinnen ausgebildete Krankenschwestern haben. Diese sogenannten breast nurses helfen nicht nur bei organisatorischen Fragen sondern sind auch besonders für die psychoonkologische Betreuung qualifiziert.

Brustzentren

In vielen Regionen haben sich Netzwerke zur Behandlung von Brustkrebs gebildet, die alle an der Therapie Beteiligten zusammenschliessen. Alle Therapieentscheidungen werden gemeinsam in den regelmässig stattfindenden Tumorkonferenzen getroffen. Diese Netze, man spricht von „Brustzentren“, unterziehen sich in der Regel einer Zertifizierung durch Fachgremien, um die bei ihnen angebotene Qualität auch transparent und überprüfbar zu machen.


Dieser Text wurde überprüft von unserem Experten Dr. med. Hans-Christian Kolberg.