Borreliose (Lyme-Disease, Lyme-Borreliose)

Borreliose ist die häufigste durch Zeckenbisse übertragene Krankheit. Jährlich erkranken in Deutschland etwa 30 bis 50 (regional über 100) von 100.000 Einwohnern neu an der Borreliose. Bei etwa dreissig Prozent der an Borreliose Erkrankten zeigt sich als Symptom eine kreisförmige, sich langsam ausdehnende Hautentzündung rund um die Einstichstelle ein bis vier Wochen nach dem Zeckenbiss. Noch Monate nach dem Zeckenstich können schwere organische Schäden auftreten.

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Hintergrundinformationen zur Borreliose

Mitte der siebziger Jahre erkrankten im US-amerikanischen Städtchen Lyme (sprich: Laim) gehäuft Kinder an einer Gelenkentzündung. Wenig später stellte sich heraus, dass die Gelenkentzündung nur ein Symptom einer komplexen Erkrankung darstellt, die auch die Haut, das Nervensystem, das Herz-Kreislaufsystem oder die Augen betreffen kann. Wodurch diese Lyme-Disease genannte Krankheit hervorgerufen wurde und wie sie behandelt werden konnte, wusste man damals noch nicht.

Erst einige Jahre später gelang es, den Auslöser dieser Erkrankung ausfindig zu machen: eine Bakterienart, so genannte Borrelien, die nach ihrem Entdecker, dem Mediziner Willy Burgdorfer, Borrelia burgdorferi benannt wurde. Übertragen werden Borrelien in erster Linie durch Zecken. Ob auch Insekten wie Fliegen und Mücken als seltene Überträger fungieren, ist derzeit noch unklar.

Wie häufig und in welchen Gebieten tritt Borreliose auf?

Borreliose, auch Lyme-Krankheit oder Lyme-Borreliose genannt, ist die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit. Jährlich erkranken in Deutschland etwa 30 bis 50 (regional über 100!) von 100.000 Einwohnern neu. Etwa 50 bis 100 pro 100.000 Einwohner sind an einer Lyme-Borreliose erkrankt. Zeckenstiche und Erkrankungsbeginn sind in der warmen Jahreszeit viel häufiger als in der kalten.

Der Anteil der Zecken, die den Borreliose-Erreger tragen, schwankt je nach geographischer Region. In Waldgebieten, in denen die Borreliose häufig vorkommt, trägt etwa jede zehnte bis dritte Zecke den Borreliose-Erreger (Zum Vergleich: Die Erreger der ebenfalls gefürchteten Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) sind nur in jeder hundertsten bis zehnten Zecke zu finden.). Trotzdem kommt es nur bei etwa zwei bis vier Prozent der Zeckenstiche wirklich zu einer Borrelieninfektion, da die Übertragung der Borrelien von der Zecke zum Menschen mehrere Stunden dauert. Bemerkt und entfernt man also die Zecke gleich nach einem Spaziergang, so ist das Risiko einer Infektion nicht sehr gross.

Symptome der Borreliose

Frühes Stadium der Borreliose: Ein typisches Symptom für die Borreliose ist eine kreisförmige, sich langsam ausdehnende Hautentzündung rund um die Einstichstelle. Diese „Wanderröte“ (Erythema migrans) bildet sich innerhalb einer bis vier Wochen nach dem Zeckenstich aus. Allerdings zeigt sich bei Lyme-Borreliose dieses Symptom nur bei etwa dreissig Prozent der Erkrankten. Weitere Symptome in diesem frühen Stadium der Borreliose können Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen, geschwollene Lymphknoten und Schweissausbrüche, ganz ähnlich wie bei einer Grippe sein.

Einige Wochen bis Monate nach dem Zeckenstich: Einige Wochen bis Monate nach dem Zeckenstich können dann schwere organische Schäden auftreten. Charakteristisch in diesem Stadium ist das Bannwarth-Syndrom (Bannwarth-Meningopolyradikulitis), eine nicht eitrige Hirnhaut- und Nervenwurzelentzündung. Hierbei treten Kopf- und Nackenschmerzen auf, insbesondere nachts, Gefühlsstörungen und Lähmungserscheinungen. Auch die Herzmuskulatur kann betroffen sein (Lyme-Karditis), was sich in Herzrhythmusstörungen äussern kann. Ausserdem können in diesem Stadium z.T. heftige Gelenk- und Muskelschmerzen auftreten, die typischerweise von einem Gelenk zum anderen wandern. Ausgeprägte und anhaltende Gelenkentzündungen werden in diesem Stadium nur selten beobachtet. Ebenfalls eher selten sind Hautveränderungen, wie das Lymphozytom, ein rötlicher oder blassbläulicher Knoten, der z.B. am Ohrläppchen, den Brustwarzen oder an der Nase auftreten kann.

Spätstadium der Borreliose: Typisch für das Spätstadium der Lyme-Borreliose, welches sich Monate bis Jahre nach dem Zeckenstich entwickeln kann, ist die Lyme-Arthritis, eine Gelenkentzündung, die man an Schmerzen, Schwellung, Bewegungseinschränkung und Überwärmung des betroffenen Gelenks erkennt. Meist ist das Kniegelenk betroffen. Auch in diesem Stadium können Hautveränderungen vorkommen, so die Acrodermatitis chronicaatrophica, eine rötlich-bläuliche Verfärbung und zigarettenpapierartige Verdünnung und Fältelung der Haut, insbesondere an den Händen und Füssen. Des Weiteren sind Augenentzündungen möglich.

Wichtig ist es zu wissen, dass nicht jeder Patient alle Stadien der Borreliose durchmachen muss, dass manchmal Symptome verschiedener Stadien gleichzeitig vorhanden sind, und dass manchmal Stadien übersprungen werden können.

Diagnose der Borreliose

Um eine Lyme-Borreliose feststellen zu können, wird der Arzt seinen Patienten nach einem Zeckenstich, nach dem Auftreten der „Wanderröte“ und nach den zuvor beschriebenen möglichen Symptomen einer Borreliose befragen und ihn gründlich untersuchen. Manchmal ist die Diagnose nicht einfach zu stellen, da viele der Beschwerden auch bei anderen Krankheiten auftreten können und nicht jede Lyme-Borreliose typisch verläuft. Wie bereits erwähnt, können einige der sonst charakteristischen Anzeichen fehlen oder ein Stadium wird ganz übersprungen.

Das macht es unter Umständen schwer, eine Borreliose nur anhand der Symptome sicher festzustellen. Bei einem Verdacht auf Lyme-Borreliose wird der Arzt deshalb zusätzlich Labortests veranlassen. Bei einer Infektion mit Borrelien bildet der Organismus Abwehrstoffe (Antikörper), die dann im Blut nachweisbar sind. Allerdings weist ein positiver Antikörperbefund nur darauf hin, dass der Patient sich in letzter Zeit mit Borrelien auseinandergesetzt hat.

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Behandlung und Heilungsaussichten bei Borreliose

Da die Lyme-Borreliose eine bakterielle Erkrankung ist, werden zur Therapie Antibiotika eingesetzt. Allerdings gibt es kein universell wirksames Antibiotikum, das bei jedem Patienten und in jedem Fall greift. Die Wahl des Antibiotikums und die Dauer der Behandlung hängt vom Stadium und von der Schwere der Erkrankung ab.

Unter einer solchen individuell abgestimmten Therapie sind die Heilungsaussichten sehr gut. Fast alle bereits im Frühstadium behandelten Patienten werden geheilt. Bei späteren Stadien bilden sich die Symptome oft nur langsam zurück (über Wochen bis Monate nach Therapieende). Manchmal ist auch eine Wiederholung der antibiotischen Behandlung notwendig. Etwa 90 Prozent der Patienten mit Lyme-Arthritis können durch eine entsprechende Therapie geheilt werden. Bei den restlichen zehn Prozent der Betroffenen mit chronischer Erkrankung dauern die Beschwerden wie, z.B. Gelenkentzündungen, trotz Therapie ein Jahr oder länger an.

Meist heilt aber bei diesen Patienten die Borreliose im Verlauf mehrerer Jahre aus. Es ist wichtig zu wissen, dass die Beschwerden in diesen chronischen Fällen aufgrund von Abwehrvorgängen im Körper auch anhalten können, ohne dass noch lebende Erreger im Körper vorhanden sind. Vor einer unkritischen, langanhaltenden oder dauernd wiederholten antibiotischen Behandlung ist daher zu warnen.

In ganz seltenen Fällen kann es bei Patienten mit Lyme-Arthritis erforderlich sein, die entzündete Gelenkinnenhaut operativ zu entfernen. Linderung können zusätzlich physikalische Therapien schaffen und die vorübergehende Einnahme von Schmerzmedikamenten oder kortisonfreien Antirheumatika wie z.B. Diclofenac, Indometacin oder Ibuprofen, die neben ihrer schmerzstillenden Wirkung auch einen entzündungshemmenden Effekt haben.

Wie kann man sich vor Borreliose schützen?

Der beste Schutz vor einer Lyme-Borreliose ist, Zeckenstiche zu vermeiden. Am zuverlässigsten hilft es, den Zecken ab dem Frühsommer bis zum Herbst aus dem Weg zu gehen. Wer auf Spaziergänge in Wiesen- und Waldgebieten nicht verzichten will, sollte schützende Kleidung tragen, d.h.: geschlossene Schuhe, lange Hosen, Hosenbeine in die Strümpfe stecken. Die Zecken halten sich in Bodennähe bis maximal 80 cm Höhe auf und werden von Gräsern oder niedrigen Büschen abgestreift; ein Hut bringt daher nichts.

Sollte es Sie doch erwischt haben, gilt: Je früher die Zecke entfernt wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion. Deshalb sollten Sie nach dem Spaziergang den ganzen Körper nach Zecken absuchen (insbesondere bei Kindern, kann die Zecke auch mal am Kopf sitzen). Schon festgesaugte Zecken werden mit einer Pinzette oder einer eigens hierfür entwickelten Zeckenzange (Apotheke) am Kopf gefasst und langsam aus der Haut gezogen. Die Zecke sollte dabei möglichst nicht gequetscht und auch nicht mit Öl oder Ähnlichem beträufelt werden. Sonst kann es geschehen, dass sie vermehrt ihren erregerhaltigen Speichel abgibt. Anschliessend sollte eine desinfizierende Salbe auf die Stichstelle aufgetragen werden. Der eventuell in der Haut verbleibende Kopfteil der Zecke ist nicht infektiös und fällt nach wenigen Tagen von allein ab.

Fachliche Beratung: Dr. Juliane Franz, Prof. Dr. Andreas Krause, Universitätsklinikum Charité, Berlin.

Autor: Dagmar Wolf