Adipositaschirurgie bei Übergewicht und Fettsucht (Adipositas) - ein Überblick

Unter Adipositaschirurgie versteht man chirurgische Eingriffe zur Unterstützung der Gewichtsabnahme bei sehr starkem Übergewicht (Fettsucht). Erst wenn herkömmliche Massnahmen zur Gewichtsreduktion nicht erfolgreich sind oder schwere gewichtsbedingte Folgeerkrankungen vorliegen, sollte über eine chirurgische Therapie nachgedacht werden. Häufige adipositaschirurgische Eingriffe sind das Magenband, der Magenballon, der Schlauchmagen, die Biliopankreatische Teilung und der Magenbypass. Diese Eingriffe werden meist in einem Adipositaszentrum durchgeführt.

Themenübersicht dieses Artikels

Definition und Häufigkeit der Adipositas

Spezialisten für Adipositaschirurgie finden

Von Fettsucht (Adipositas) spricht man, wenn das Körperfett so stark vermehrt ist, dass dies zu gesundheitlichen Konsequenzen führen kann. Die Berechnungsgrundlage für das Gewicht ist der Körpermassenindex, auch Body-Mass-Index (BMI) genannt. Der normale BMI liegt bei Erwachsenen zwischen 18,5 und 24,9 kg/m2, bei einem BMI zwischen 25 bis 29,9 kg/m2 spricht man von Übergewicht, ab einem BMI von 30 kg/m2 von Fettsucht (Adipositas).

Die Häufigkeit von Übergewicht und Fettsucht (Adipositas) nimmt in Deutschland seit vielen Jahren kontinuierlich zu. Sowohl Übergewicht als auch insbesondere Fettsucht (Adipositas) sind mit einem erhöhten Risiko für Krankheiten wie beispielsweise Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden - vor allem ab einem BMI von 25. Eine Behandlung sollte immer dann erfolgen, wenn der BMI über 30 kg/m2 liegt oder wenn er zwischen 25 und 29.9 kg/m2 liegt und gleichzeitig gewichtsbedingte Gesundheitsstörungen vorliegen, wie etwa Kurzatmigkeit, Leistungseinschränkungen, Gelenkprobleme oder Stoffwechselstörungen (z.B. Zuckerkrankheit, metabolisches Syndrom).

Was ist bei der Behandlung des Übergewichts (Adipositas) zu bedenken?

Wichtig ist es, über die reine Gewichtsabnahme hinaus eine langfristige Gewichtsstabilisierung zu erreichen. Grundlage jeder Behandlung sollte ein sogenanntes Basisprogramm sein, bestehend aus einer Kombination von Ernährungsumstellung, Bewegungs- und Verhaltenstherapie. Bei schweren Formen der Fettsucht (Adipositas), die grosse gesundheitliche Risiken durch Folgekrankheiten in sich bergen und bei denen durch Ernährungsumstellung, Bewegungs- und Verhaltenstherapie keine ausreichende Gewichtsreduktion erreicht werden kann, ist über zusätzliche medikamentöse oder chirurgische Therapien (Adipositaschirurgie) nachzudenken. Eine chirurgische Therapie sollte allerdings nur erfolgen, wenn zuvor eine sechs bis zwölf Monate dauernde konservative (nicht operative) Therapie keinen ausreichenden Erfolg gebracht hat, ein BMI über 40 kg/m2 vorliegt oder ein BMI über 35 kg/m2 mit schweren gewichtsbedingten Folgekrankheiten (Zuckerkrankheit, Gelenkverschleiss, Herz-Kreislauf-Erkrankungen).

Was ist vor Beginn einer Adipositaschirurgie zu klären?

Eine Operation ist immer ein Eingriff, der mit bestimmten Risiken verbunden ist, so dass die Entscheidung sorgfältig abgewogen werden muss. Die Entscheidung treffen stets der Arzt und der Betroffene gemeinsam. Sollten mehrere Ärzte involviert sein, wie etwa der Hausarzt und ein chirurgischer Kollege, sollte eine enge Absprache zwischen den Ärzten erfolgen, so dass für den Betroffenen alles klar und transparent verläuft. In der Regel ist der erste Ansprechpartner der Hausarzt, der im optimalen Fall einen chirurgischen und auf die Adipositaschirurgie spezialisierten Kollegen - meist in einem Adipositaszentrum - kennt und vorschlägt.

Nach der Adipositaschirurgie und der unmittelbaren Nachbehandlung geht die weiterführende Behandlung in die Hände des Hausarztes zurück, insbesondere, wenn es darum geht, die durch die Operation erreichte Gewichtsreduktion auf lange Sicht beizubehalten. Entscheidend ist, dass auch bei einer Adipositaschirurgie stets der Betroffene den Hauptteil zum Erfolg der Behandlung beizutragen hat. Wie etwa das Anstreben einer veränderten Lebensweise, die eine ausgewogene Ernährung durch eine radikale Ernährungsumstellung, ein geändertes Essverhalten und ausreichend Bewegung beinhaltet. Wichtig ist es also, dass die Betroffenen motiviert sind und vollständig über die Adipositaschirurgie, ihre Chancen, aber auch ihre Risiken und mögliche langfristigen Konsequenzen aufgeklärt sind, wozu in der Regel eine mehrfache Beratung erforderlich ist, die genügend Zeit lässt, um eine ausgewogene Entscheidung zu treffen.

Die Adipositaschirurgie sollte immer in dafür spezialisierten Kliniken - z. B. in einem Adipositaszentrum - erfolgen, in denen möglichst das ganze Spektrum der Adipositaschirurgie angeboten wird, damit der Betroffene für sich ganz persönlich eine gute Wahl treffen kann. Die Entscheidung, welches Verfahren im Rahmen der Adipositaschirurgie im Einzelfall geeignet ist, ist unter anderem abhängig vom BMI, dem persönlichen Risiko des Betroffenen, zusätzlichen Krankheiten und dem Wunsch des Betroffenen. Optimal wäre eine bereits vor der Adipositaschirurgie stattfindende Ernährungsberatung, am besten durch eine Ernährungsfachkraft. Inhalt ist hier unter anderem das Essverhalten zu analysieren verbunden mit dem Ziel einer Ernährungsumstellung herbeizuführen.

Welche Untersuchungen sollten vor einer Adipositaschirurgie durchgeführt werden?

Vor einer Adipositaschirurgie sollte in jedem Fall, neben einem ausführlichen Beratungs- und Aufklärungsgespräch, eine detaillierte Erhebung der Krankengeschichte erfolgen. Ebenfalls unabdingbar ist eine gründliche körperliche Untersuchung. In der Regel wird zusätzlich eine Magenspiegelung durchgeführt, bei der auch Speiseröhre und Zwölffingerdarm untersucht werden können (Ösoephago-Gastro-Duodenoskopie). Andere körperliche Ursachen für das Übergewicht, beziehungsweise die Fettsucht (Adipositas) sollten vor einer Adipositaschirurgie unbedingt ausgeschlossen werden, wie etwa eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose). Zudem sollten der BMI und die Körperfettverteilung genau dokumentiert werden.

Es hat sich als vorteilhaft erwiesen, das Gewicht vor einer Adipositaschirurgie so weit wie möglich durch eine Ernährungsumstellung und regelmässige Bewegung zu reduzieren, weil das mit besseren und nachhaltigeren Operationsergebnissen einhergeht. Auch sollte eine eingehende Untersuchung des Herzkreislaufsystems erfolgen, da eine Operation immer eine Belastung für das Herzkreislaufsystem darstellt und eine bereits länger bestehende Fettsucht (Adipositas) mit Erkrankungen im Herzkreislaufsystem einhergehen kann.

Auch Laboruntersuchungen gehören zur Routine vor einer Adipositaschirurgie. Unter Umständen ist im Vorfeld einer Adipositaschirurgie ein Gespräch mit einem Psychologen bis hin zu einer eingehenden Untersuchung durch einen Psychiater in Erwägung zu ziehen, da mit dem Übergewicht, beziehungsweise der Fettsucht (Adipositas), einige psychische Leiden oder Krankheiten einhergehen können. Ausserdem ist etwa jeder vierte Betroffene, der sich zu einer Adipositaschirurgie entscheidet, von einer sogenannten Binge-Eating-Störung betroffen, die zur übermässigen unkontrollierten und anfallsartigen Nahrungsaufnahme führt.

Welche Möglichkeiten bietet die Adipositaschirurgie?

Mögliche Adipositaschirurgieverfahren basieren auf zwei grundlegenden Prinzipien. Das eine Prinzip ist die Begrenzung der möglichen Nahrungsaufnahme, weswegen die Verfahren, die diesem Prinzip folgen auch als Restriktionsverfahren bezeichnet werden. Das zweite Prinzip beruht auf der Idee, die Aufnahme dadurch zu begrenzen, dass weniger Nahrung in den Körper gelangt. Diese Verfahren sind bekannt unter dem Schlagwort Malabsorption (Mangelaufnahme).

Ziel des ersten Prinzips, der Restriktion, ist eine deutliche Einschränkung der Aufnahme fester Nahrungsmittel, unabhängig von deren Qualität und Art. Bei der Malabsorption sind folgende Mechanismen wirksam: Verminderung der Darmoberfläche, über die Nahrung aufgenommen werden kann; Beschleunigung der Magen-Darm-Passage, ebenfalls mit dem Ziel, dass weniger Nahrung während der Passage des Speisebreis aufgenommen werden kann und Mangelverdauung durch Ausschaltung von Verdauungssäften.

Zu den am häufigsten angewendeten restriktiven Adipositaschirurgieverfahren zählen das Magenband (Gastric Banding), der Magenballon und der Schlauchmagen. Zu den malabsorptiven Verfahren zählen die Biliopankreatische Diversion (BPD), bei der ein verkleinerter Restmagen mit einer kurzen Dünndarmschlinge, die keine Verdauungssäfte abgibt, verbunden wird und der Magenbypass.

Ist die Fettabsaugung (Liposuktion) auch ein Verfahren im Rahmen der Adipositaschirurgie?

Fettabsaugung

Das Fettabsaugen ist ein Verfahren aus der plastischen Chirurgie, das zur Entfernung überschüssiger Fettdepots an bestimmten, begrenzten Stellen (lokal) eingesetzt werden kann. Zur Behandlung von Übergewicht oder Fettsucht, die beide den ganzen Körper betreffen, ist die Fettabsaugung nicht geeignet. Plastisch chirurgische Verfahren können höchstens nach erfolgreicher Gewichtsreduktion erforderlich sein, um überschüssige Haut zu entfernen, zum einen aus ästhetischen Gesichtspunkten, aber noch viel wichtiger, um damit das Risiko für Hautinfektionen zu beseitigen.

Wie ist das Risiko einer Adipositaschirurgie einzuschätzen?

Unter Einhaltung von Sicherheitsempfehlungen weist die Adipositaschirurgie ein verhältnismässig geringes Risiko auf. Mitunter weist eine unbehandelte Fettsucht (Adipositas) eine deutlich höhere Sterblichkeit auf. Dennoch sollte die Adipositaschirurgie in darauf spezialisierten Kliniken oder Zentren durchgeführt werden, in denen mit der Adipositaschirurgie vertraute und erfahrene Chirurgen arbeiten.

Werden die Kosten der Adipositaschirurgie von den Kassen übernommen?

Damit die Kasse die Kosten für die Adipositaschirurgie übernimmt, bedarf es folgender Voraussetzungen:

  1. Es besteht seit mehr als 5 Jahren eine Adipositas Grad III, das heisst ein krankhaftes Übergewicht mit einem BMI über als 40 oder eine Adipositas Grad II, das heisst krankhaftes Übergewicht mit einem BMI über 35 in Kombination mit anderen schweren Erkrankungen, die mit dem Übergewicht in Zusammenhang stehen (z.B. Bluthochdruck, Diabetes II, Atemaussetzer im Schlaf).

  2. Es wurde vor der Adipositaschirurgie eine sechs bis zwölf Monate dauernde konservative (nicht operative) Therapie bestehend aus Ernährungs-, Bewegung- und Verhaltenstherapie (ggf. auch aus einer zusätzlichen medikamentösen Therapie) unter ärztlicher Betreuung durchgeführt und eine weitere konservative Therapie als nicht erfolgsversprechend gewertet.

  3. Es besteht Klarheit darüber, dass die Adipositaschirurgie immer auch ein Risiko darstellt und dass nach einer Adipositaschirurgie eventuell eine lebenslange Nachsorge (z.B. Einnahme von Vitaminen und Spurenelemen-ten) erforderlich werden kann.

  4. Betroffene sind bereit und motiviert, ihren Lebensstil (insbesondere Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten) nach der Adipositaschirurgie nachhaltig zu ändern.

Chirurgie-Bilder: Aus www.Chirurgie-im-Bild.de mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. Thomas W. Kraus