Tinnitus - Medizinische Experten

Unter dem Begriff Tinnitus aurium, aus dem lateinischen mit „Klingeln der Ohren“ übersetzt, werden alle Ohr- und Kopfgeräusche zusammengefasst, die nicht einer äusseren Schallquelle zugeordnet werden können. Es handelt sich dabei um eine akustische Wahrnehmung, die in der Regel nur vom Betroffenen wahrgenommen werden kann. Das Geräusch wird zumeist als klingend, piepsend, brummend oder zischend beschrieben und besitzt keinen Informationsgehalt.

Weitere Informationen zum Tinnitus finden Sie im Text weiter unten.

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Tinnitus - Weitere Informationen

Was ist Tinnitus?

Mediziner unterscheiden zwischen dem seltenen objektiven Tinnitus und dem häufigen subjektiven Tinnitus. Bei Ersterem verursacht eine körpereigene Schallquelle Geräusche. Die Töne gehen von der Muskulatur oder den Blutgefässen aus und können häufig mittels Stethoskop wahrgenommen werden. In den allermeisten Fällen sind Betroffene aber vom subjektiven Tinnitus geplagt. Nur der Betroffene selbst kann das Geräusch wahrnehmen. Besteht das Ohrengeräusch seit weniger als sechs Monaten, sprechen Ärzte vom akuten Tinnitus, länger andauernde Beschwerden werden als chronischer Tinnitus bezeichnet.

Der Tinnitus ist keine Krankheit, sondern lediglich ein Symptom. Dennoch wird er von einigen Betroffenen als lebensbeeinträchtigend wahrgenommen und verursacht psychischen Stress. In manchen Fällen kann das Ohrgeräusch schwerwiegende Auswirkungen auf das Berufs- und/oder das Privatleben haben. In der Regel leiden mehr Frauen als Männer unter den Ohrengeräuschen, auch immer mehr junge Menschen unter 30 Jahren sind betroffen. Der akute Tinnitus vergeht in 80 Prozent der Fälle wieder, zum Teil sogar ohne Behandlung. Beim chronischen Tinnitus ist die Heilungschance deutlich niedriger, allerdings verliert das Ohrgeräusch in der Regel mit der Zeit an Bedeutung.

Wie erkennt man einen Tinnitus?

Fast jeder Mensch hat ein von innen kommendes Geräusch schon einmal erlebt. So spontan es kommt, geht es auch wieder. Passiert dies allerdings nicht, sprechen Ärzte von einem Tinnitus. Betroffene berichten von verschiedensten Tönen wie Klingeln, Pfeifen, Rauschen, Sägen oder Brummen. Die Geräusche sind permanent da oder tauchen mit Pausen auf, sind laut oder leise. Durch die andauernde akustische Belastung können gesundheitliche Probleme auftreten:

  • Gereiztheit
  • Konzentrationsstörungen
  • Schlafstörungen
  • Muskelverspannungen der Kiefermuskulatur oder der Halswirbelsäule
  • Kopfschmerzen
  • Ohrenschmerzen
  • Schwindel
  • Zähneknirschen
  • Angstzustände
  • Depressionen

Wie entsteht ein objektiver Tinnitus?

Körpereigene Schallquellen, die im Innenohr oder im umliegenden Gewebe liegen, verursachen einen objektiven Tinnitus. Die Ursachen dafür sind organischer Natur:

  • Verengte Blutgefässe (das Geräusch wird in der Regel pulssynchron wahrgenommen)
  • Verkrampfungen der Ohr- oder Gaumenmuskulatur
  • Ohrtumor
  • Beschwerden im Kiefergelenk
  • Verschlussdefekt der Eustachischen Röhre (Verbindung zwischen Mittelohr und Nasen-Rachen-Bereich)

Wie entsteht ein subjektiver Tinnitus?

Für subjektive Ohrgeräusche gibt es viele mögliche Ursachen. Sehr häufig ist der Tinnitus eine Folge einer Hörstörung. Mediziner gehen davon aus, dass der Tinnitus ähnlich entsteht wie Phantomschmerzen, die nach einer Amputation auftreten. Durch die Hörstörung bleiben entsprechende Signale aus oder werden nur schwach wahrgenommen. Dies versucht das Gehirn zu kompensieren, indem es die Aktivität im entsprechenden Bereich erhöht und eigene Töne produziert. Entsteht der Tinnitus aus nichtorganischen Gründen, so ist zumeist Stress der Auslöser.

Folgende Faktoren können einen Tinnitus auslösen oder begünstigen:

  • Altersbedingte oder vererbte Schwerhörigkeit
  • Hörsturz
  • Lärm- und Knalltrauma
  • Morbus Menière (Erkrankung des Innenohres)
  • Mittelohrentzündung
  • Trommelfelddefekt
  • Funktionsstörungen der Eustachischen Röhre
  • Verschlüsse oder Verengungen im äusseren Gehörgang (auch Ohrenschmalz!)
  • Fremdkörper im Ohr
  • Tumore
  • Otosklerose (Erkrankung des Innenohrknochens)
  • Drogen
  • Bestimmte Medikamente wie manche Schmerzmittel, Antibiotika, Antidepressiva oder Chemotherapeutika
  • Kiefergelenksprobleme, Zähneknirschen und Verspannung der Nackenmuskulatur
  • Stress
  • Psychische Belastungen
  • Seelische Kränkungen
  • Chronische Lärmbelästigung
  • Burnout

In welche Schweregrade wird der Tinnitus eingeteilt?

Je nachdem, wie stark die Belastung des Betroffenen ist, sprechen Ärzte von vier Schweregraden.

  • Grad 1: der Betroffene ist nicht gestört, der Tinnitus ist gut kompensiert
  • Grad 2: das Ohrgeräusch ist zwar weitgehend kompensiert, insbesondere in Stresssituationen oder unter psychisch-physischer Anstrengung wirkt er aber belastend
  • Grad 3: das Ohrgeräusch stört erheblich. Die Symptome ziehen Folgen im Berufs- und im Privatleben nach sich. Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Muskelverspannungen sowie Kopfschmerzen beeinträchtigen den Alltag ebenso wie Gefühle der Hilflosigkeit.
  • Grad 4: Der Tinnitus ist eine enorme Belastung für den Patienten. Das andauernde Ohrengeräusch ist oft für eine Berufsunfähigkeit verantwortlich und bringt massive psychische Störungen mit sich. Aufgrund von starken Ängsten und/oder Depressionen wird ein normales soziales Leben unmöglich.

Wer diagnostiziert einen Tinnitus?

Die Ansprechperson, wenn ein Ohrgeräusch über mehrere Tage anhält, ist der HNO-Arzt. Zuerst wird der Mediziner die Krankengeschichte erheben. Genaue Informationen über die Art und die Häufigkeit, mögliche Auslöser oder Veränderungen im Tagesverlauf sowie die Belastung im Alltag veranlassen den Arzt zu weiterführenden Untersuchungen. So kann etwa eine Ohrmikroskopie Auskunft darüber geben, ob das Trommelfell verletzt ist oder ob lediglich Ohrenschmalz die Ursache für das störende Geräusch ist. Ein Hörtest klärt die Hörleistung des Innenohres, schliesslich ist Schwerhörigkeit häufig die Ursache für einen Tinnitus. Weiterführende Untersuchungen sind eine Hirnstammaudiometrie zur Überprüfung des Hörnervs oder das Tympanogramm, bei dem die Beweglichkeit des Trommelfells getestet wird. Bei den bildgebenden Diagnostikmethoden werden insbesondere die Doppelsonografie zur Feststellung von Gefässverengungen sowie die Magnetresonanztomografie zur Darstellung von Tumoren veranlasst.

Da ein Tinnitus nicht nur eine Folge von Störungen im Hörsystem, sondern auch des Kauapparats oder der Halswirbelsäule sein kann, folgen zumeist noch weitere Untersuchungen. So kann eine Blutdruckmessung einen erhöhten Blutdruck anzeigen, der möglicherweise zu Gefässveränderungen in der Nähe vom Ohr geführt hat. Ein Bluttest und die Untersuchung des Kauapparates können ebenso weiteren Aufschluss für die Ursachen des Tinnitus geben wie eine orthopädische Untersuchung der Halswirbelsäule.

Behandlung des objektiven Tinnitus

Beim objektiven Tinnitus liegt immer eine Grunderkrankung vor, die für die Schallquelle im Körper verantwortlich ist. Die Therapie umfasst deshalb in erster Linie die Beseitigung dieser Erkrankung. Im Falle eines Tumors oder einer Arteriosklerose kann eine Operation notwendig werden. Bei Verkrampfungen im Mittelohr bringen Magnesiumpräparate eine erste Entlastung. Medikamente werden ebenfalls eingesetzt, etwa zur Senkung des Blutdrucks oder zur Gefässerweiterung. Ein wichtiger Pfeiler der Behandlung ist zudem die mentale Unterstützung des Patienten, etwa durch Aufklärung und Bewältigungstraining.

Therapie bei subjektivem Tinnitus

Die grösstmöglichen Heilungschancen gibt es beim akuten Tinnitus. Wird sofort mit der Behandlung begonnen, ist die Prognose für die vollständige Beseitigung der Ohrgeräusche am grössten. Der chronische Tinnitus hingegen kann nur selten geheilt werden. Die Senkung der Beschwerden sowie der bestmögliche Umgang mit dem Ohrgeräusch stehen im Vordergrund der Therapie.

Wird das subjektive Ohrengeräusch von anderen Erkrankungen verursacht, wird wie beim objektiven Tinnitus die Heilung der Grunderkrankung versucht. Häufig liegen aber andere Gründe vor, die eine umfangreichere Behandlung notwendig machen. Folgende Therapiewege werden einzeln oder in Kombination begonnen:

  • Tinnitus-Counseling (Bewältigungstraining und Aufklärung)
  • Tinnitus-Retraining-Therapie
  • Physiotherapie
  • Gehirnstimulationsverfahren (magnetisch und/oder elektrisch)
  • Hörgeräteakustik (bei Schwerhörigkeit)
  • Körpertherapien wie Hydrotherapie, Biofeedback oder Tai Chi
  • Medikamente

Tinnitus-Counseling

Egal ob es sich um die akute oder chronische Form handelt – das Tinnitus-Counseling ist ein unbedingter Bestandteil der Therapie. Die Kernpunkte des Counselings sind die Aufklärung und die individuelle Beratung des Betroffenen. Besprochen werden Lebenssituationen, in denen der Tinnitus besonders gut ertragen oder aber als besonders störend empfunden wird. So haben manche Patienten tagsüber kaum Probleme mit dem Tinnitus, beim Einschlafen dagegen schon. Das Erlernen einer Entspannungstechnik oder eine künstliche Geräuschkulisse im Schlafzimmer kann vielleicht einfach und effizient Erleichterung schaffen. Erklärtes Ziel des Counseling ist es, dem Patienten Mut zu machen und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie man am besten mit den Ohrgeräuschen umgeht.

Tinnitus-Retraining-Therapie

Eine wichtige Behandlungsmethode beim chronischen Tinnitus ist die Gewöhnungstherapie. Die bekannteste Form ist die Tinnitus-Retraining-Therapie. Die TRT umfasst neben dem Counseling eine Geräuschtherapie. Die Behandlung zielt darauf ab, die Aufmerksamkeit des Betroffenen vom Ohrgeräusch wegzulenken und den Tinnitus damit in den Hintergrund zu drängen. Dazu wird ein Tinnitus-Masker eingesetzt. Dank des kleinen Gerätes soll das Ohrgeräusch übertönt und im Laufe der Behandlung komplett ausgelöscht werden. Im Gegensatz dazu steht der Tinnitus-Noiser, der das Geräusch nicht überdeckt, sondern mittels Hintergrundrauschen vom Tinnitus ablenkt. Beide Varianten werden über einen längeren Zeitraum angewendet, ein Erfolg ist freilich nicht garantiert.

Medikamente beim Tinnitus

Nur bei der akuten Form macht eine medikamentöse Behandlung Sinn. Mittels Arzneimittel soll die Verbesserung der Innenohrdurchblutung, die Wiederherstellung der normalen Nervenaktivität im Gehirn und die Normalisierung der Signalverarbeitung im Innenohr erreicht werden. Verschrieben werden Kortisonpräparate, durchblutungsfördernde und muskelentspannende Substanzen, Entwässerungsmittel oder Calcium-Antagonisten zur Beruhigung der Nervenzellen.

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