Lippen-Kiefer-Gaumenspalte - Medizinische Experten

Lippen-Kiefer-Gaumenspalten sind eine der am häufigsten vorkommenden angeborenen Fehlbildungen. Eines von insgesamt 500 Babys kommt mit dieser Deformation des Mund-Nasen-Gaumen-Bereichs zur Welt. Man nennt die Fehlentwicklung im Volksmund auch Wolfsrachen oder Hasenscharte. Sie ist durch eine gestörte embryonale Entwicklung bedingt.

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Lippen-Kiefer-Gaumenspalte - Weitere Informationen

Lippen-Kiefer-Gaumenspalte - seelisch belastende Fehlbildung

Die deutlich sichtbare Deformation ist nicht das einzige Problem, das die betroffenen kindlichen Patienten haben. In vielen Fällen haben die Kinder noch Schwierigkeiten zu atmen und Nahrung aufzunehmen. Die LKG-Spalte kann ein- oder beidseitig sein. Einseitige Spaltbildungen befinden sich meist auf der linken Seite. Zirka jede siebte Deformation ist beidseitig.

Um den kleinen Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte-Patienten medizinisch zu versorgen, arbeiten Spezialisten verschiedener Fachgebiete zusammen. Das sind beispielsweise Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen, HNO-Ärzte, Kieferorthopäden, Zahnärzte und Sprachtherapeuten (Logopäden).

Welche Ursachen hat die Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte?

Die Fehlbildung entsteht im Mutterleib, wenn bestimmte Gesichtspartien während der kindlichen Entwicklung nicht vollständig oder überhaupt nicht zusammenwachsen. Ausserdem kann es passieren, dass das bereits zusammengewachsene Gewebe wieder aufreisst.

Die entstandenen Fehlbildungen unterscheiden sich stark voneinander, je nachdem, wann sie in der Embryonalentwicklung auftreten: Bei einer einfachen Lippenspalte beispielsweise ist nur die Oberlippe in Mitleidenschaft gezogen. Der Spalt befindet sich zwischen den roten Lippen und dem Nasenloch.

Kinder mit einer Lippen-Kiefer-Spalte haben eine Spalte, die entlang des Philtrums (Rinne zwischen Nase und Oberlippen-Mitte) und des seitlichen Oberkiefer-Schneidezahns verläuft. Bei Gaumenspalten sind im schlimmsten Fall Mund und Nasenraum nicht voneinander getrennt. Hat das Kind beide Fehlbildungen, hat es eine Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte.

Was genau die Fehlentwicklung während der Schwangerschaft auslöst, ist nach dem gegenwärtigen medizinischen Kenntnisstand unklar. Die Medizin vermutet eine genetische Ursache: Hat ein Elternteil eine Spalte, ist die Wahrscheinlichkeit einer Spaltenbildung bei den Kindern leicht erhöht. Sind beide Eltern davon betroffen, liegt das Risiko für das Kind bereits bei etwa 35%. Die Weitergabe der LKG-Spalte scheint über mehrere Gene zustande zu kommen.

Andere Faktoren, die man für die gestörte Entwicklung des Babys verantwortlich macht, sind:

  • eine Sauerstoff-Unterversorgung der werdenden Mutter (Hypoxämie)
  • übermässiger Alkohol-Missbrauch
  • starker Tabakkonsum
  • ionisierende Strahlung (Krebs-Strahlentherapie)
  • Umweltgifte (Dioxin)
  • ein Übermass an Vitamin A und E
  • ein Mangel an Folsäure
  • eine Röteln-Erkrankung der Schwangeren
  • Fieber
  • Gebärmutter-Blutungen
  • die Einnahme von anti-epileptischen Medikamenten (Hydantoin)

Kommen mehrere dieser Faktoren zusammen, ist das Risiko, dass das Kind später mit einer LKG-Spalte geboren wird, deutlich erhöht.

Woran erkennt man eine Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte?

Die Fehlbildung lässt sich schon in der 20. Schwangerschaftswoche auf dem Ultraschallbild deutlich erkennen. Nach der Geburt sieht man ausserdem noch, dass das Kind eine gekrümmte Nasenscheidewand hat und der eine Nasenflügel flacher als der andere ist. Dadurch ist seine Atmung behindert.

Die Gaumenspalte verursacht Probleme beim Saugen: Die aufgenommene Nahrung gelangt immer wieder in den Nasenraum. Auch das Stillen gestaltet sich schwieriger als bei Kindern ohne diese Fehlbildung. Es ist ohne spezielle Hilfsmittel wie einen Haberman Feeder oder den Einsatz einer Gaumenplatte kaum möglich.

Fängt das betroffene Kind an zu sprechen, bewirkt die LKG-Spalte

  • Näseln
  • "kehliges" Aussprechen bestimmter Laute

Es kommt zu Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen wie

  • Mittelohrentzündung
  • Hörminderung mit der Folge einer gestörten Sprachentwicklung

Weitere Symptome sind:

Wie behandelt man die Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte?

Die Behandlung der kindlichen Fehlbildung erfolgt im Regelfall schon in den ersten Lebenstagen des Kindes und sollte zum Zeitpunkt seiner Einschulung so weit fortgeschritten sein, dass es sich in der Folgezeit normal entwickelt. Auch später im frühen Erwachsenenalter können weitere Behandlungen erforderlich sein.

Gleich nach der Geburt erhalten die von einer einseitigen LKG-Spalte betroffenen Babys eine herausnehmbare Gaumenplatte eingesetzt. Sie trennt den Mund vom Nasenraum und fördert das Zusammenwachsen des Kiefers. Ausserdem sorgt sie dafür, dass sich die kindliche Zunge an die anatomisch korrekte Lage gewöhnt.

Die Gaumenplatte ermöglicht es dem Neugeborenen, die Nasenatmung zu erlernen und erleichtert das Stillen und die Nahrungsaufnahme aus der Flasche. Befürchten die HNO-Ärzte, dass es zur Mittelohrentzündung kommen könnte, setzen sie Paukenröhrchen ein, die das Ohr ausreichend belüften.

Nach 3 Tagen, spätestens aber 6 Monaten schliesst man den Spalt in der Gesichtschirurgie entweder in mehreren Operationen oder mit einem einzigen chirurgischen Eingriff. Diese sogenannten Primär-Operationen führt man am besten durch, bevor das Kind beginnt, die ersten Laute zu sprechen und spätestens dann, wenn man sich sicher sein kann, dass die Operation das Kiefer-Wachstum nicht sonderlich hemmt.

Bei Babys, die eine doppelseitige LKG-Spalte haben, muss man noch zusätzlich die Nase operativ verlängern (Columellaplastik). Beeinträchtigt die Spaltbildung die Stabilität des Kieferknochens, führt man die Sekundär-Operationen durch. Für die Kieferspalt-Osteoplastik setzt man aus den Beckenknochen entnommenes Knochengewebe in den Kieferknochen ein, damit das Erwachsenen-Gebiss dann später langlebiger ist.

Ist der Wachstumsprozess der Nase beendet, begradigt man in der Chirurgie den aus Knochen bestehenden Teil der Nase. Man formt die Lippen und korrigiert die Nase, um das Aussehen des kindlichen Patienten zu verbessern.

Um dem Kind normales Sprechen zu ermöglichen, formt man das Gaumensegel mit einer Velopharyngoplastik. Anschliessend ist noch eine Behandlung durch den Sprachtherapeuten notwendig, der mit ihm die richtige Bildung bestimmter, zuvor falsch ausgesprochener Laute einübt.

Der Kieferorthopäde beseitigt in der Folgezeit die durch die Spalte und mitunter die Kiefer-Operation entstandenen Zahnfehlstellungen. Regelmässig durchgeführte Hörtests sollen verhindern, dass es zu einer Hörminderung kommt.

Da Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte oft den Hänseleien Gleichaltriger ausgesetzt sind, kann es bei ihnen zum Auftreten psychischer Problemen kommen. Daher empfiehlt es sich, die entsprechenden niedrigschwelligen psychologischen Hilfe-Angebote wahrzunehmen. Alternativ dazu bietet sich eine Selbsthilfegruppe an. Sie kann den betroffenen Eltern mit Rat und Tat zur Seite stehen.

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