Diabetische Retinopathie - Medizinische Experten

Bei der diabetischen Retinopathie (von griechisch „retina“=Netzhaut) handelt es sich um eine Folgeerkrankung der Stoffwechselkrankheit Diabetes mellitus. Hierbei rufen Blutzuckerschwankungen eine Schädigung der Netzhaut hervor. Auf der Netzhaut befinden sich die Sinneszellen, die visuelle Wahrnehmungen über den Sehsinn an das Gehirn weiterleiten und Abbildungen der Aussenwelt transportieren.

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Diabetische Retinopathie - Weitere Informationen

Im Rahmen der diabetischen Retinopathie besteht das Risiko einer Erblindung. Hohe Blutzuckerwerte begünstigen den Ausbruch und beeinflussen die Schwere der Krankheit. Der durchschnittliche Zeitraum bis zum ersten Auftreten der Symptome einer Retinopathie beträgt bei Typ-1-Diabetikern fünf bis zehn Jahre nach dem Ausbruch der Diabetes. Typ-2-Diabetiker sind bereits bei der Diagnose der Stoffwechselerkrankung gefährdet, da durch die jahrelange Latenz der Diabetes-Erkrankung bereits strukturelle Schäden vorhanden sein können. Nach 20 Jahren liegt die Gefahr einer diabetischen Retinopathie bei Zuckerkranken bei etwa 90 Prozent.

Symptome einer diabetischen Retinopathie

In der Entstehung verläuft die diabetische Retinopathie symptomfrei, sodass der Erkrankte die Existenz der Krankheit zunächst nicht bemerkt. Erst nachdem die Retinopathie den gelben Fleck (die Stelle der Netzhaut mit der grössten Dichte an Sinneszellen) angegriffen hat, macht sich eine Sichtverschlechterung bemerkbar. In manchen Fällen hängt die Sichtverschlechterung auch mit einer Gefässblutung zusammen.

Die verschiedenen Formen der diabetischen Retinopathie

Bei der diabetischen Retinopathie unterscheidet man mehrere Erscheinungsformen. Grundlegend wird zwischen einer nichtproliferativen und einer proliferativen Retinopathie differenziert. Die Übergänge zwischen den verschiedenen Erscheinungsformen sind fliessend und verlaufen zumeist nach einem linearen Muster. Gemeinsam ist allen Phasen in der Regel eine Schwellung im Bereich der Sinneszellen, ein sogenanntes Makulaödem. Die nichtproliferative Form wird in vier Untergruppen eingeteilt.

Milde nichtproliferative diabetische Retinopathie

Bei einer diabetischen Retinopathie tritt mindestens ein Mikroaneurysma im Auge auf. Unter Mikroaneurysmen versteht man kleine Ausbeulungen der Kapillaren in deren geschädigter Gefässwand. In der milden Ausformung der Krankheit besteht lediglich ein einziges Mikroaneurysma.

Mässige nichtproliferative diabetische Retinopathie

In diesem Stadium existieren bereits mehrere Mikroaneurysmen, welche von Blutungen und Fettablagerungen in den Gefässen begleitet werden. Zudem kommt es schon zu vereinzelten Nervenfaserinfarkten.

Schwere nichtproliferative diabetische Retinopathie

Zusätzlich zu den oben genannten Veränderungen in der Netzhaut ist hier eine Wandlung der Gefässstruktur zu erkennen, sie erhält ein perlschnurartiges Aussehen. Es kommt zu einer Blutunterversorgung. Die Zahl an Nervenfaserinfarkten ist wesentlich höher.

Proliferative diabetische Retinopathie

Das schwerste Stadium der diabetischen Retinopathie wird durch eine Gefässneubildung in der Netzhaut eingeleitet. Im folgenden Verlauf findet eine Neubildung von jedoch sehr dünnwandigen Gefässen in der Netzhaut statt. Nun spricht man von einer schweren proliferativen diabetischen Retinopathie.

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Risikofaktoren

Die Risikofaktoren umspannen grundsätzlich alle Charakteristika einer Diabetes-Erkrankung. Hohe Blutzuckerwerte und Bluthochdruck ermöglichen die Einlagerung von Blutklumpen in den Gefässen und verhindern den ungestörten Transfer von Sauerstoff in die Netzhaut. Durch eine Störung im Fettstoffwechsel (Hyperlipidämie) haben Patienten mit Typ-2-Diabetes eine erhöhte Neigung zu Sichtverlust. Folgende Besonderheiten erhöhen die Gefahr einer diabetischen Retinopathie:
  • Hoher Blutdruck
  • Hohe Blutzuckerwerte
  • Nikotinkonsum
  • schnelle Einbrüche des Blutzuckerspiegels
  • hoher Cholesterinspiegel
  • hormonelle Schwankungen (vor allem in der Pubertät)
  • Hyperlipidämie

Wie wird eine diabetische Retinopathie diagnostiziert?

Eine Diagnose erfolgt im Rahmen einer augenärztlichen Untersuchung. Augenärzte können gefährliche Veränderungen an der Netzhaut in einem routinemässigen Verfahren feststellen. Bei einer Augenspiegelung werden zunächst die Pupillen getropft, damit sie sich weiten, bevor der Arzt die Augen mit einem Augenspiegel beleuchtet und den Hintergrund des Auges mit einer Lupe um ein Vielfaches vergrössert. Um grössere Areale zu erfassen, kommt die indirekte Augenspiegelung zum Einsatz. Hierbei hält der Augenarzt den Spiegel in grösserer Entfernung und kann bei geringerer Vergrösserung weite Bereiche des Augenhintergrundes untersuchen.

Vorsorge

Diabetespatienten sind unbedingt zu einer regelmässigen Kontrolle ihres Augenhintergrundes angehalten. Die erforderlichen Messgeräte haben ausschliesslich Spezialisten. Der Augenarzt ist in der Lage, eine Neigung zur diabetischen Retinopathie frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, selbst wenn der Patient noch keine Symptome bemerkt. Des Weiteren kann die Netzhaut durch einen gewissenhaften Umgang mit der Diabetes-Erkrankung geschützt werden. Diabetologen entwickeln mit Hilfe von Blutzuckeraufzeichnungen langfristige Therapiemassnahmen, um den Werteverlauf zu normalisieren. Patienten wird daher empfohlen, über die Entwicklung ihrer Blutzuckerwerte Buch zu führen und diese regelmässig durch einen Spezialisten analysieren zu lassen. Durch eine gründliche Vorsorge können Schwankungen im Blutzucker minimiert werden. Dies kann die Schädigung der Netzhaut verzögern.

Behandlung einer diabetischen Retinopathie

Die Behandlung einer manifesten diabetischen Retinopathie gestaltet sich schwierig. Eine sorgfältige Prävention der Krankheit wird daher dringend empfohlen. Trotzdem gibt es Therapiemöglichkeiten. Augenärzte führen bei einer schweren nichtproliferativen sowie bei einer proliferativen diabetischen Retinopathie eine Laserbehandlung (Argonlaserkoagulation) an der Netzhaut durch. Durch diese Behandlungsmethode wird eine Verbesserung der Sauerstoffversorgung der betroffenen Areale herbeigeführt. Die Krankheit kann nicht weiter fortschreiten, sodass eine Erblindung verhindert wird. Es ist jedoch nicht in allen Fällen möglich, die Krankheit aufzuhalten. Insbesondere wenn die Veränderungen an der Netzhaut zu spät entdeckt werden, ist das Gelingen einer Laserbehandlung unwahrscheinlich. Deshalb ist es notwendig, im Falle einer Diabetes-Erkrankung rechtzeitig einen Augenarzt aufzusuchen und mindestens einmal pro Jahr den Augenhintergrund kontrollieren zu lassen.

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