Astrozytom - Medizinische Experten

Ein Astrozytom ist ein Hirntumor, der zu den Gliomen gehört. Die Weltgesundheitsorganisation WHO unterscheidet bei dieser Art Gehirntumor im Wesentlichen drei Schweregrade: das pilozytische Astrozytom (Grad 1), das diffuse Astrozytom (Grad 2) und das anaplastische Astrozytom (Grad 3). Die beiden letzten Grade können jederzeit bösartig werden und dann in das Glioblastom (Astrozytom Grad 4) übergehen.

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Was ist ein Astrozytom und welche Schweregrade gibt es?

Das pilozytische Astrozytom kommt meist bei Kindern und jungen Erwachsenen vor. Betroffen sind der Hypothalamus, die vordere Sehbahn und - weniger häufig - das Kleinhirn. Der Hirntumor Grad 1 wird nur langsam grösser und ist deutlich vom umliegenden Hirngewebe abgegrenzt. Er verläuft in 99% der Fälle gutartig und ist mit entsprechender Behandlung heilbar.

Vom diffusen Hirntumor sind meist Personen zwischen 30 und 40 Jahren betroffen. Er befindet sich im Grosshirn-Mark. Das Astrozytom wächst meist langsam, aber beeinträchtigt dabei auch gesundes Gewebe in seinem Umfeld (diffuses Wachstum). Häufig entwickelt es sich zu einem anaplastischen Astrozytom und geht dann in ein Glioblastom über.

Ein anaplastisches Astrozytom kommt bei Menschen vor, die zwischen 35 und 45 Jahre alt sind. Seine Tumorzellen vergrössern sich schnell. Der Krebs ist im Grosshirn lokalisiert und wird meist zu einem Glioblastom.

Das Glioblastom (Grad 4) kommt in der Regel bei Menschen zwischen 50 und 60 Jahren vor und ist das bösartigste und mit 3 Neuerkrankungen auf 100.000 Personen das am häufigsten auftretende Astrozytom.

Wie entsteht ein Astrozytom?

Die Tumorart bildet sich aus den Astrozyten. Dieser Zelltyp gehört zur Gruppe der Stützzellen (Gliazellen) im Gehirn. Stützzellen sind für die Abgrenzung der Nervenzellen von den Blutgefässen und der Oberfläche des Gehirns zuständig. Astrozytome entstehen, wenn es bei der Bildung der Astrozyten zu Fehlern (ungehemmtes Wachstum der Zellen) kommt.

Die genaue Ursache ihrer Entstehung ist noch nicht geklärt. Die Medizin geht jedoch davon aus, dass das Astrozytom meist nicht erblich bedingt ist. Manche dieser Hirntumore entwickeln sich während einer Strahlentherapie. Ausserdem scheinen chemische Substanzen wie Unkrautvernichtungsmittel und Stoffe auf Erdölbasis (Benzin, Diesel) als Verursacher infrage zu kommen.

In manchen Fällen kommt das Astrozytom auch in Verbindung mit bestimmten genetisch bedingten Erkrankungen wie der Neurofibromatose des Typs 1 und 2 (einer seltenen Hauterkrankung) vor.

Welche Symptome sind typisch für Astrozytome und wie werden sie diagnostiziert?

Grundsätzlich entwickelt das Astrozytom ähnliche Symptome wie andere Hirntumore. Welche von ihnen bei dem jeweiligen Patienten auftreten, hängt davon ab, an welcher Stelle im Gehirn sich das Astrozytom befindet und wie gross es ist.

In der Nähe der Sehbahn befindliche Astrozytome beeinträchtigen das Sehvermögen des Kranken. Wächst der Tumor im Kleinhirn, leidet der Patient an Zittern der Hände, gestörtem Koordinationsvermögen der Gliedmassen und anderen von dieser Gehirnregion gesteuerten Funktionen. Weitere Gehirntumor-Anzeichen sind:

  • Schwindelgefühle
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • Lähmungserscheinungen
  • Gangunsicherheit
  • Krampfanfälle

Nach der Verabreichung eines Kontrastmittels erkennt der Neurologe das Astrozytom auf dem Kernspin-Tomogramm (MRT). Das ist ein bildgebendes Verfahren, bei dem das Körperinnere in Schnittbildern angezeigt wird.

Bei einem Astrozytom Grad 1 leuchtet die betroffene Hirnregion deutlich auf, da der Tumor scharf begrenzt ist. Tumore der Grade 2 und 3 sind nur als mehr oder weniger dunkle Areale zu erkennen. Das Glioblastom ist als ringförmiges Gebilde zu sehen. Statt des MRT macht der Neurologe mitunter auch ein Computer-Tomogramm (CT).

Zur Sicherung der Diagnose dient eine Biopsie. Dabei entnimmt der Neurochirurg operativ eine Gewebeprobe aus der betroffenen Hirnregion und lässt sie im Labor auf bösartige Zellen untersuchen. Eine weitere Untersuchungsmethode ist die Liquor-Diagnostik (Entnahme und Untersuchung von Flüssigkeit aus dem Rückenmark).

Wie werden Astrozytome behandelt?

Beim pilozytischen Astrozytom reicht meist der operative Eingriff aus. Der Tumor lässt sich vollständig entfernen. Beim diffusen und anaplastischen Astrozytom ist zwar die operative Beseitigung möglich, allerdings bleiben oft noch bösartige Zellen zurück, die in der Folgezeit zu einem weiteren Tumor heranwachsen.

Daher beginnt man sofort nach der Hirntumor-Operation mit der Bestrahlung. Manche Mediziner behandeln ausserdem noch mit einer Chemotherapie, um das Tumor-Wachstum zu verhindern.

Wächst der Hirntumor trotz Strahlenbehandlung weiter, muss der Neurologe den Patienten noch zusätzlich mit Zytostatika (Chemotherapie) behandeln. Bei Astrozytomen der Grade 2 und 3 sind meist noch weitere Gehirnoperationen notwendig.

Die Hirntumor-Anzeichen therapiert man entsprechend. Gegen Krampfanfälle verordnet der Mediziner Anti-Epileptika, Gewebe-Schwellungen nahe dem Tumor gehen durch Kortison-Präparate wie Dexamethason zurück.

Prognose bei Astrozytomen

Astrozytome des Grades 1 haben eine günstige Prognose. 5 Jahre nach der Entdeckung des Tumors leben immerhin noch 9 von 10 Patienten. Die meisten Patienten gelten nach dem operativen Eingriff als geheilt.

Bei den Grad 2 und Grad 3 Tumoren müssen innerhalb von 5 Jahren nach der Operation weitere chirurgische Eingriffe erfolgen.

Die Astrozytom Grad 3 Lebenserwartung ist sehr viel geringer als die des Astrozytoms Grad 1. Die ungünstigste Prognose hat das Astrozytom Grad 4: 5 Jahre nach der Diagnose leben nur noch 5 von 100 Patienten.

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