Akustikusneurinom - Medizinische Experten

Das Akustikusneurinom oder Vestibularis-Schwannom ist eine gutartige Gewebewucherung, die nur selten vorkommt. Sie wird oft fälschlicherweise als Tumor bezeichnet, obwohl es sich bei ihr um kein Krebsgeschehen handelt.

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Akustikusneurinom - Weitere Informationen

Die Wucherung befindet sich innerhalb des Gehirns auf dem Hör- und Gleichgewichtsnerv und wird von den Gehirnnerven verursacht. Das Akustikusneurinom wird wie andere Geschwülste dieses Typs nur sehr langsam grösser. Es tritt in der Regel nur einseitig auf.

In seltenen Fällen ist die überflüssige Gewebebildung Symptom der vererbbaren Neurofibromatose des Typs 2 und kommt dann sogar auf beiden Seiten vor. Die Neurofibromatose ist eine Erkrankung, in deren Verlauf gutartige Tumoren auf der Hautoberfläche, im Gehirn und in den Nervenfasern entstehen.

Akustikusneurinome befinden sich meist im inneren Gehörgang. Der Kleinhirnbrückenwinkel ist eher selten betroffen. Als Kleinhirnbrückenwinkel bezeichnet man die Nische zwischen Kleinhirn und Hirnstamm.

Ein erhöhtes Risiko, an dem Hirntumor zu erkranken, haben Personen zwischen 30 und 50. Am häufigsten kommt die Wucherung jedoch bei Patienten vor, die 50 bis 60 Jahre alt sind.

Wie entsteht das Akustikusneurinom?

Der gutartige Hirntumor bildet sich aus den Schwann'schen Zellen. Dieser Zelltyp isoliert im Gehirn die Hirnnerven nach aussen hin und beschleunigt so die Übermittlung von Informationen zwischen den Nervenzellen.

Bei Patienten mit einem Akustikusneurinom wachsen die Schwann'schen Zellen schnell und unkontrolliert und umhüllen sich selbst mit einer Kapsel aus Bindegewebe. Auf diese Weise grenzen sie sich von den umliegenden Geweben ab.

Da das Neurinom in der Mehrzahl der Fälle auf dem Hör- und Gleichgewichtsnerv (Nervus vestibularis) lokalisiert ist, bezeichnen die Mediziner es auch als Vestibularis-Schwannom. Dieser Nerv leitet Informationen vom Gleichgewichtsorgan und der Hörschnecke im Innenohr weiter. Die genaue Ursache der Gewebewucherung ist bislang noch unklar.

Akustikusneurinom Mrt

Welche Symptome treten bei der Gewebewucherung auf?

Das Akustikusneurinom bereitet erst dann Probleme, wenn es wächst und auf die umliegenden Gewebe drückt. Da es jedoch nur langsam grösser wird, treten die Symptome meist erst nach vielen Jahren auf. Einige der Symptome treten nur auf der Körperseite auf, wo sich der Tumor befindet.

Der gutartige Tumor ist an folgenden Symptomen zu erkennen:

  • Schallempfindungsschwerhörigkeit
  • Hörsturz
  • Tinnitus
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Kopfschmerzen
  • Lähmung des Gesichtsnervs (Nervus facialis)
  • Empfindungsstörungen im Gesicht
  • steifer Nacken
  • gestörtes Sehvermögen (Doppelbilder)

Zuerst kommt es zur Beeinträchtigung der Hörleistung und des Gleichgewichtssinns. Die Patienten stellen fest, dass sie auf einem Ohr schlechter hören. Im Hörtest zeigt sich die Hörminderung in Form einer Schallempfindungsstörung. Von ihr sind besonders die hohen Frequenzen über 1.000 Herz betroffen. Hohe Töne sind überhaupt nicht mehr hörbar oder kommen verändert an.

Ausserdem kann das Akustikusneurinom einen Hörsturz auslösen: Der Kranke hört plötzlich auf einem Ohr überhaupt nichts mehr oder kaum noch etwas. Mitunter tritt auch ein Tinnitus auf. Diese Ohrgeräusche bestehen aus hohen Tönen (Klingeln, Zischen) und sind seelisch sehr belastend. Der äussere Gehörgang fühlt sich taub an, da sein Empfindungsvermögen herabgesetzt ist.

Ist noch zusätzlich der Gleichgewichtsnerv betroffen, wird dem Patienten übel. Es kommt zu Schwindelanfällen. Er fängt plötzlich an zu schwanken (Schwankschwindel) oder hat das Gefühl, alles würde sich um ihn herum drehen (Drehschwindel). Sein Gang wird unsicher.

Seine Augen bewegen sich - wie es beim Schwindel üblich ist - zitternd hin und her (Nystagmus). Das ist meist dann der Fall, wenn der Neurinom-Patient eine schnelle Kopfbewegung macht oder es dunkel ist.

Grössere gutartige Tumore dieses Typs beeinträchtigen ausserdem noch den Gesichtsnerv. Die Mimik des Patienten ist eingeschränkt. Drückt das Neurinom auch noch auf den Trigeminusnerv, ist auch noch die Empfindungsfähigkeit der Gesichtshaut reduziert (Taubheitsgefühle).

Schlimmstenfalls sorgt der wachsende Gehirntumor dafür, dass die Gehirnflüssigkeit (Liquor) nicht mehr in angemessenem Umfang über den Hirnstamm abfliesst. Das angestaute Wasser und der dadurch erhöhte Gehirndruck verursachen dann oft Übelkeit und Erbrechen.

Der Patient klagt über Kopfschmerzen und hat das Gefühl, seinen Hals nicht mehr richtig bewegen zu können (Nackensteifigkeit). Ausserdem ist sein Sehvermögen verändert: Er sieht beispielsweise Doppelbilder.

Wer bei sich diese Symptome feststellt, sollte sich so bald wie möglich an einen Spezialisten (HNO-Arzt oder Neurologen) wenden.

Diagnose des Akustikusneurinoms

Der Hals-Nasen-Ohrenarzt schaut sich den äusseren Gehörgang und das Trommelfell des Patienten an. Hat der Kranke lediglich unspezifische Symptome wie Schwindel und Kopfschmerzen, folgen weitere Untersuchungen. Sie dienen dazu, das Krankheitsgeschehen differentialdiagnostisch von Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik abzugrenzen.

Das Akustikusneurinom diagnostiziert man mithilfe

  • eines Hörtests (Ton-, Sprach- und Hirnstamm-Audiometrie)
  • einer Temperaturmessung des Gleichgewichtsorgans (Kalorimetrie) und
  • einer Magnetresonanztomografie (Kernspintomografie)

Bei einer Verdachtsdiagnose hört der Kranke beim HNO-Arzt über Kopfhörer bestimmte Wörter und Töne, die er wiederholen muss. Mithilfe der Hirnstamm-Audiometrie (BERA) überprüft man die Funktionsfähigkeit der Hörnerven. Der Patient bekommt Klick-Geräusche zu hören. Eine hinter dem Ohr angebrachte Elektrode zeichnet auf, in welchem Umfang das Gehör akustische Reize ungehindert ans Gehirn weiterleitet.

Um festzustellen, ob der Patient an einem Neurinom leidet, führt der Facharzt ausserdem noch eine Temperaturmessung im Innenohr durch. Er leitet warmes Wasser in den äusseren Gehörgang ein und wartet auf die Reaktion des Patienten. Bewegt er seine Augen nicht zuckend hin und her, leidet er tatsächlich an einem derartigen Hirntumor.

Endgültige Gewissheit über seinen Zustand hat er allerdings erst dann, wenn man mit ihm eine Kernspintomografie (MRT) macht. Das hochsensible Gerät fertigt präzise Schnittbilder an, auf denen die gutartige Gewebewucherung deutlich zu erkennen ist.

Behandlung des Akustikusneurinoms

Tumore, die grösser als 3 Zentimeter sind, entfernt man operativ. Dabei geht der Neurochirurg so behutsam wie möglich vor, damit es nicht zu Schäden an Nerven, Blutgefässen und intaktem Gewebe kommt. Das Neurinom tritt dann meist nicht mehr wieder auf.

Kleinere Wucherungen behandelt man mit der Strahlentherapie. Andere Mediziner wiederum überwachen das Wachstum der Tumoren regelmässig mithilfe der Kernspintomografie.

Hat der Patient überhaupt keine Beschwerden, wächst der Tumor nicht weiter oder bildet er sich gar zurück - das ist oft bei älteren Menschen der Fall - verzichtet der Arzt auf Strahlentherapie und operative Eingriffe.

Bei nicht behandelbaren Kranken zerstört er das Neurinom mithilfe der Strahlenchirurgie. Bei dieser Methode bestrahlt man den Hirntumor mit einer extrem hohen Strahlen-Dosis.

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