Torticollis - Medizinische Experten

Der medizinische Fachausdruck Torticollis kommt aus dem Lateinischen und heisst übersetzt "verdrehter Hals". Im Deutschen nennt man die Fehlstellung Schiefhals, da die betroffenen Patienten eine Seitwärts-Neigung des Kopfes haben. Sie kann dauerhaft oder nur vorübergehend sein.

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Torticollis - Weitere Informationen

Der schiefe Hals schränkt die Bewegungsfähigkeit der Kranken stark ein. Ausserdem leiden die Betroffenen an erschwertem Sehen. Ihre Kommunikation mit anderen Menschen ist stark behindert. Die Fehlhaltung geschieht in der Mehrzahl der Fälle unwillkürlich. Der Hals kann dann überhaupt nicht mehr oder nur unter starken Schmerzen kurzzeitig gerade gestellt werden. Patienten mit dieser Fehlstellung unterscheiden sich in Bezug auf das Ausmass ihrer Beeinträchtigung und darin, auf welche Weise ihr Hals schief steht. Ausserdem gibt es verschiedene Formen des Torticollis - je nachdem, welche Ursache der Schiefhals hat.

Der Mediziner unterscheidet bei der Seitwärtsneigung des Kopfes

  • Laterocollis: Der Kopf ist zur Schulter geneigt.
  • rotatorischer Torticollis: Der Patient dreht seinen Kopf dauernd, als würde er ihn schütteln wollen.
  • Anterocollis: Kopf und Hals sind nach vorn geneigt.
  • Retrocollis: Kopf und Hals sind nach hinten gelegt.
  • Mischformen des Schiefhalses: Der Kopf ist beispielsweise seitwärts geneigt und noch zusätzlich gedreht.

Entscheidend für die Diagnose eines Torticollis ist, dass nur die Muskeln beeinträchtigt sind, die mit der Halswirbelsäule in Verbindung stehen. Sind jedoch die Halsmuskeln betroffen, die vom Kopf des Patienten ausgehen, handelt es sich nicht um einen Schiefhals.

Obwohl es diverse Formen der Schiefstellung von Kopf und Hals gibt, tritt die Fehlhaltung nur äusserst selten auf. Sie ist entweder angeboren oder erworben. Das kann beispielsweise durch einen Unfall, einen chirurgischen Eingriff, der starke Narbenbildung zur Folge hat, Verletzungen, Infektionen und verschiedene Arten von rheumatischen Erkrankungen geschehen.

Formen und Ursachen von Torticollis

Der Schiefhals kann diverse Ursachen haben.

Der muskuläre Schiefhals ist angeboren oder entsteht während des Geburtsvorgangs. Er ist bei Neugeborenen meist nach 7 bis 10 Tagen deutlich erkennbar. Das Kind hat seinen Kopf zur gesunden Seite hingedreht. Ursache für die frühkindliche Fehlstellung ist ein verkürzter Kopfnickermuskel (Muskulus sternocleidomastoideus).

Er gehört zu den grossen Halsmuskeln und befindet sich an jeder Seite des Kopfes. Beim angeborenen muskulären Schiefhals ist in den meisten Fällen der rechte Kopfnickermuskel betroffen. Seine Muskelfasern sind am unteren Ende zu stark von Bindegewebe umhüllt. Das führt dazu, dass der derart verkürzte Halsmuskel seine Funktion nicht mehr richtig erfüllen kann.

Der angeborene muskuläre Torticollis tritt oft zusammen mit anderen Fehlbildungen wie beispielsweise Klumpfüssen und Hüftgelenksfehlstellungen wie der Hüftdysplasie auf. Bei ihr ist die Hüftgelenkpfanne fehlgebildet. Mediziner machen eine ungünstige Lage des Kindes in der Gebärmutter für die Deformationen verantwortlich.

Auch während der Geburt kann einer der Kopfnickermuskeln geschädigt werden. Die zusammen mit dem muskulären Torticollis auftretende Schwellung im Bereich des Halsmuskels verschwindet meist später wieder, wenn der durch eine Verletzung während der Geburt verursachte Bluterguss ausgeheilt ist und beide Halsmuskeln wieder mit derselben Kraft arbeiten. Die Schädigung kommt beispielsweise durch einen erschwerten Geburtsvorgang zustande, bei dem der kindliche Hals zu starkem Druck ausgesetzt ist.

Der ossäre Torticollis ist durch eine Knochen-Fehlbildung bedingt. Einige Wirbel der Halswirbelsäule sind fehlgebildet oder sie stehen falsch zueinander. Der ossäre Schiefhals ist angeboren (Klippel-Feil-Syndrom) oder erworben. Das ist beispielsweise bei einem nicht richtig verheilten Bruch im Halswirbelsäulenbereich der Fall.

Der Torticollis spasticus (Torticollis spasmodicus) ist durch eine neurologische Schädigung im Gehirn bedingt. Man nennt ihn auch zervikale Dystonie. Er kommt durch eine Fehlsteuerung in dem Gehirnbereich zustande, der für die Bewegung der Kopfnickermuskeln zuständig ist. Der spastische Schiefhals verursacht noch zusätzlich Schmerzen.

Patienten mit dieser Form der Kopf-Seitwärtsneigung sind meist Kinder. Die meisten von ihnen legen auch noch ihren Körper zur Seite, um die Kopf-Fehlstellung auszugleichen. Das kann zum Auftreten weiterer Beschwerden führen.

Die Kopf-Schiefstellung kann auch bakterielle Ursachen haben. Ein solcher infektiöser Schiefhals ist Folge einer nicht richtig antibiotisch behandelten Hals-, Mandel- oder Kehlkopfentzündung, eines Abszesses im Halsbereich oder von entzündeten Hals-Lymphknoten. Da der Patient dabei starke Schmerzen hat, nimmt er automatisch eine Schonhaltung ein. Dabei neigt er den Kopf zur entzündeten Seite.

Ein akuter Torticollis ist meist Folge eines Halswirbelsäulensyndroms. Darunter fasst der Mediziner sämtliche Beschwerden zusammen, die mit einer Schädigung der Halswirbelsäule verbunden sind. Als Ursachen kommen ein Unfall (Schleudertrauma) oder Verschleisserscheinungen infrage.

Der durch Narbenbildung hervorgerufene Schiefhals kommt durch Hals-Operationen und Verletzungen am Hals zustande. Eine grössere Narbe kann zur Verkürzung des Halsmuskels führen.

Ausserdem gibt es noch den okulären Schiefhals und den oterogenen Torticollis. Bei ihnen ist die Hals-Seitwärtsneigung durch ein einseitig geschädigtes Sehvermögen oder durch eine Hörschwäche auf einem Ohr bedingt. Die Patienten führen die Kopf-Schieflage jedoch willkürlich herbei, um besser sehen oder hören zu können.

Der Torticollis rheumaticus kommt durch verschiedene Arten von Rheuma im Bereich der Halswirbelsäule zustande. Der Betroffene neigt seinen Hals seitwärts, um mit dieser Schonhaltung seine Schmerzen zu verringern.

Manche der Schiefhals-Formen verschwinden bereits nach einiger Zeit wieder, andere bleiben lebenslang bestehen.

Symptome und Diagnose von Torticollis

Der Schiefhals ist schon mit blossem Auge zu erkennen. Der Kopf ist dauerhaft oder vorübergehend zur Seite geneigt und mitunter sogar noch gedreht. Manche Patienten haben noch zusätzlich Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule. Der betroffene Muskel ist ausserdem noch geschwollen.

Personen, die bei sich plötzlich eine derartige Fehlhaltung feststellen, sollten sich unbedingt baldmöglichst in fachärztliche Behandlung begeben. Ansonsten drohen schwerwiegende Folgeschäden.

Um den Torticollis-Patienten richtig behandeln zu können, muss der Facharzt für Orthopädie zuerst herausfinden, wodurch die Fehlhaltung beim Kranken zustande kommt. Dazu stehen ihm die bildgebenden Verfahren Röntgen, Magnetresonanz-Tomografie (MRT) und Computertomografie (CT) zur Verfügung. Die Elektromyografie dient dazu, die elektrische Aktivität seiner Muskeln zu messen.

Mitunter ist auch eine Überprüfung des Seh- oder Hörvermögens bei einem Augenarzt oder Hals-Nasen-Ohrenarzt erforderlich.

Therapie des Torticollis

Die Therapie des Schiefhalses hängt vor allem davon ab, welche Ursache die Kopf Fehlstellung hat.

Der angeborene muskuläre Schiefhals sollte schnellstmöglich behandelt werden, um eine dauerhafte Kopf-Fehlhaltung zu verhindern: Therapiert man die Fehlstellung nicht, kann es zu einer chronischen Wirbelsäulenverkrümmung (Skoliose) kommen. Ausserdem kann die seitwärts geneigte Gesichtshälfte in ihrem Wachstum eingeschränkt sein.

Die betroffenen Kinder dürfen nur noch auf dem Rücken oder der Seite liegen. Physiotherapeutische Übungen dehnen den verkürzten Kopfmuskel und bewegen den Hals in die Gegenrichtung, um die natürliche Kopfhaltung einzuüben.

Sind diese therapeutischen Massnahmen nicht erfolgreich, operiert man den kindlichen Patienten. Dabei durchtrennt man den Kopfnickermuskel im Bereich des Brustbeinansatzes. Danach fixiert man seinen Kopf mithilfe einer Halskrawatte oder einem Gipsverband und stellt ihn so bis zu vier Wochen ruhig.

Den spastischen Torticollis behandelt man mit Botox-Spritzen. Botulinum-Toxin ist ein aus bestimmten Bakterien hergestelltes Nervengift, das normalerweise zum Unterspritzen von Falten in der Schönheitsmedizin eingesetzt wird. In diesem Fall soll es die Muskeln der betroffenen Region in ihrer Bewegungsfähigkeit einschränken. Alternativ kann man den Patienten operieren oder bei ihm eine Hirnstimulation vornehmen.

Leidet der Kranke an einem infektiösen Torticollis, verabreicht man ihm Antibiotika. Der durch eine Knochenfehlbildung hervorgerufene schiefe Hals lässt sich zwar operativ behandeln. Allerdings kann man damit die Ursache nicht immer vollständig beheben.

Patienten mit einem akuten Schiefhals erhalten vom behandelnden Mediziner eine Halskrawatte angepasst, die die Neigung korrigiert. Zur Linderung seiner Schmerzen erhält der Kranke beispielsweise Ibuprofen.

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