Skoliose - Medizinische Experten

Bei einer Skoliose liegt eine seitliche Verbiegung der Wirbelsäule und eine Rotation der einzelnen Wirbelkörper mit Ausbildung des kosmetisch störenden und psychisch belastenden Rippenbuckels und Lendenwulstes vor. Die Ursache der Skoliose ist in 80 Prozent der Fälle nicht bekannt. Man spricht hier von einer idiopathischen Skoliose.

Weitere Informationen zur Skoliose finden Sie im Text weiter unten.

Übersicht

Empfohlene Spezialisten

Skoliose - Weitere Informationen

Häufigkeit der Skoliose

Vor allem im Wachstumsalter besteht oft eine erhebliche Progredienz der Skoliose, die jedoch auch im Erwachsenenalter fortbesteht. Betroffen ist vorzugsweise das weibliche Geschlecht mit einem Verhältnis von 4:1. Das Erkrankungsalter liegt in den meisten Fällen zwischen dem 10. und 12. Lebensjahr. Skoliosen werden zudem häufig vererbt.

Symptome und Folgen der Skoliose

Die Erkrankung führt neben einer seitlichen Verbiegung der Wirbelsäule zu einer Rotation der einzelnen Wirbelkörper mit Ausbildung des kosmetisch störenden und psychisch belastenden Rippenbuckels und Lendenwulstes. Im Laufe der Erkrankung kommt es dann als Folge der Thoraxdeformierung zu einer Einschränkung der kardiopulmonalen Funktionen. Es treten ausserdem sehr häufig Schmerzen auf.

Nicht ausser Acht gelassen werden dürfen auch die psychischen Belastungen der Skoliosepatienten, die sich unter anderem in einer Unsicherheit im Kontakt mit anderen Menschen ausdrücken. Dadurch können soziale Kompetenzen gemindert sein. Es bestehen ausserdem häufige Einschränkungen bei der Ausübung des Berufes. Neben der physiotherapeutischen Therapie gilt es, die Patienten auf diesen Gebieten intensiv zu schulen.

Längeres Bestehen der Skoliose führt nach und nach zu strukturellen Veränderungen der Wirbelkörper mit Verlust der physiologischen Beweglichkeit. Ausserdem können Störungen der inneren Thoraxorgane, vor allem des Herzens und der Lunge auftreten. Durch die Minderbelüftung der Lunge kommt es zu einer Reduktion der Atemkapazität sowie einer Rechtsherzüberlastung. Die Folgen davon sind eine deutlich eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit und eine Einschränkung der Lebensqualität. Auch die häufig aufgetretenen Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule beeinträchtigen die allgemeine Leistungsfähigkeit.

Diagnosestellung bei Skoliose

Erfahrungsgemäss handelt es sich bei der Behandlung der Wirbelsäulenfehlformen um einen langfristigen Prozess. Einer gewissenhaften und umfassenden Basisuntersuchung müssen in regelmässigen Abständen Kontrolluntersuchungen mit korrekter Dokumentation folgen. Neben dem Aufzeigen der Formfehler kommt der Erfassung der funktionellen Einbussen mit Limitierung der allgemeinen Leistungsfähigkeit sowie dem Erkennen von Sekundärschäden eine wesentliche Bedeutung zu. Zur Diagnose der Skoliose werden die folgenden diagnostische Massnahmen und allgemeinen klinischen Untersuchungen eingesetzt:

  • Bestimmung des Körperlots und der Abweichung der Dornfortsätze
  • Messung von Körperlänge und Sitzgrösse sowie Armspannweite
  • Beurteilung von Rippenbuckel, Lendenwulst, Hyperkyphose und -lordose
  • Beurteilung des Beckenstandes, der Beinlänge, der Gesässgrübchen und des Taillendreiecks
  • Untersuchung durch einen in der Skoliosetherapie erfahrenen Arzt sowie durch einen in der Skoliosetherapie ausgebildeten Physiotherapeuten
  • Röntgeneinrichtung mit der Möglichkeit von Wirbelsäulenganzaufnahmen
  • 3D-Wirbelsäulenvermessung: Bestimmung der Seitabweichung und Oberflächenrotation ohne Strahlenbelastung zur Diagnostik und Kontrolle der Therapie
  • Ganganalyse
  • Oberflächen-EMG zur Diagnostik des muskulären Zustandes und der muskulären Aktivitäten
  • Isokinetische Diagnostik (CYBEX)
  • Lungenfunktionsprüfung, Bodyplethysmografie
  • Atemmuskelkraftmessung
  • EKG, Belastungs-EKG
  • Zur Verlaufsbeurteilung und als Vorlage für die Übungsbehandlungen Fotodokumentation
  • Skoliometeruntersuchung nach Bunnel

Behandlung der Skoliose

Eine frühzeitige Behandlung der Skoliose ist wichtig. Entscheidend ist die Information von Ärzten und Patienten, da sehr häufig Skoliosen übersehen und zu spät behandelt werden. Bei bestehendem Verdacht auf eine Skoliose sollte die Diagnostik und Behandlung in einem Skoliosezentrum durchgeführt werden um unnötigen Zeitverlust in der Therapie zu vermeiden. Patienten und Ärzte können sich im Internet über die Behandlungsmöglichkeiten informieren.

Eine optimale Therapie lässt sich nur von einem geschulten interdisziplinären Behandler-Team (Arzt, Psychologe, Physiotherapeut, Sporttherapeut, Ergotherapeut, und Sozialarbeiter) realisieren. Zu Beginn der Therapie sollte immer eine Rehabilitationsmassnahme stehen, um die Therapie und das Behandlungskonzept zu erlernen.

Kernstück ist die dreidimensionale Therapie nach Katharina Schroth, die auf sensomotorisch, muskel- und bewegungsempfindlicher Grundlage basiert. Die Patienten werden unter Ausnutzung dieser sensomotorischen Rückkopplungsmechanismen in die Lage gebracht, ihr Haltungs- und Bewegungsempfinden zu erfassen, zu trainieren und nachfolgend ständig in ihr Alltagsverhalten einzubeziehen. Nur so kann ein Fortschreiten der Skoliose aufgehalten bzw. ihm vorgebeugt werden.

Bei einer Zunahme der Skoliose im Wachstumsalter wird eine Korsettbehandlung erforderlich. Diese muss in Zusammenarbeit mit einer autorisierten orthopädischen Werkstatt vorgenommen und von ärztlicher Seite überwacht werden. Die Tragezeiten für ein Korsett liegen bei Krümmungswinkeln unter 15° bei etwa 10 Stunden pro Tag, bei Krümmungswinkeln von 20° und mehr, bei 23 Stunden pro Tag.

Eine medikamentöse Therapie der Skoliose ist nicht bekannt, lediglich die im Erwachsenenalter häufig auftretenden Schmerzen lassen sich medikamentös behandeln. Sollten alle konservativen therapeutischen Massnahmen ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung nicht aufhalten können, muss der Patient zum notwendigen operativen Vorgehen im Rahmen der Skoliosechirurgie beraten werden.

Heilungschancen bei Skoliose

Die Therapie der Skoliose muss aufgrund der drohenden Progredienz im Wachstum so früh wie möglich beginnen und konsequent mit hoher Intensität durchgeführt werden, um die verbleibende Zeit des Restwachstums bei Kindern zu nutzen. Auch im Erwachsenenalter ist diese Therapie fortzusetzen, um damit die positive Einflussnahme auf die Skoliose in jedem Alter optimal zu sichern und Sekundärschäden an den Thoraxorganen zu vermeiden.

Bei intensiver Skoliosetherapie, d.h. Kombination von krankengymnastischer Behandlung und Korsettversorgung, kann im Wachstumsalter eine Skoliose aufgehalten oder sogar deutlich verbessert werden. Vor allem können die zuvor beschriebenen Einschränkungen der kardiopulmonalen Leistungsfähigkeit und die Schmerzen reduziert werden, wodurch die Patienten sowohl in ihrer physischen als auch psychischen Leistungsfähigkeit stabilisiert werden.

Rehabilitation bei Skoliose

Die Ausprägung der Wirbelsäulenfehlform, eventuell bestehende Sekundärschäden, die resultierende Fähigkeitsstörung und die psychischen Belastungen der Patienten bestimmen die Therapie. Wichtig ist die Kenntnis, dass die Wirbelsäulenfehlform besonders bis zum Abschluss des Körperwachstums aber auch nach Abschluss des Wachstums häufig zur Progredienz neigt. Längeres Bestehen führt an den Wirbelkörpern zu strukturellen Veränderungen und zu Störungen an den inneren Thoraxorganen.

In Abhängigkeit von der Schwere der Wirbelsäulenfehlform und der notwendigen Therapie entwickelt sich häufig ein psychisches Fehlverhalten. Aufgrund des chronischen Verlaufs der Erkrankung und der zu erwartenden körperlichen Einschränkungen ist eine stationäre Wirbelsäulen-Intensiv-Rehabilitation (WIR) dringend notwendig. Kernstück der Wirbelsäulen-Intensiv-Rehabilitation (WIR) ist die dreidimensionale Therapie nach Katharina Schroth. Auf der Grundlage der Vorbefunde sowie einer gründlichen Aufnahmeuntersuchung durch einen erfahrenen Stationsarzt und einen in der Therapie nach Katharina Schroth ausgebildeten Physiotherapeuten, wird ein individuelles Therapiekonzept erarbeitet, was allgemeine und spezielle Therapieziele enthält. Die dreidimensionale Therapie muss aus oben genannten Gründen früh in der Wachstumsphase und bei einem Skoliose-Winkel ab 10° nach COBB beginnen, um noch eine messbare Korrektur zu erreichen und drohende Operationen an der Wirbelsäule zu vermeiden.

Da bei Kindern bis etwa zum 12. Lebensjahr die erkrankungsspezifische Lernfähigkeit noch eingeschränkt und die Eigenverantwortung für Inhalte und konsequente Durchführung der Therapie noch nicht ausgeprägt sein können, ist die vorübergehende Anwesenheit eines Elternteiles zu empfehlen. Die Eltern werden damit in die Lage versetzt, das Übungsprogramm unter häuslichen Bedingungen zu überwachen und die notwendige Regelmässigkeit zu sichern.

Zudem sind umfangreiche Schulungen der Patienten zur Gestaltung und zum Verhalten am Arbeitsplatz und in der Schule, zum Training der Selbstsicherheit, zum Sozialrecht sowie allgemeine Schulung zu Entspannungsverfahren sinnvoll und notwendig.

Fragen zur Skoliose-Behandlung

  • Wie kann die Skoliose behandelt werden? So früh wie möglich mit KG nach Katharina Schroth und eventuell einer Korsettversorgung. Zu Beginn der Therapie sollte immer eine Rehabilitationsmassnahme stehen.
  • Wie lange muss ich das Korsett tragen? Nach Abschluss des Wachstums noch mindestens 2 Jahre. Also etwa bis zum 18. Lebensjahr.
  • Ab wann muss eine Skoliose operiert werden? Bei Versagen der konservativen Therapie ab einem Krümmungswinkel von etwa 50°.

Autor: Dr. Kay Steffan

Standorte der Spezialisten

Klinikstandorte
Flughäfen