Patellaspitzensyndrom - Medizinische Experten

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Patellaspitzensyndrom - Weitere Informationen

Das Patellaspitzensyndrom – auch „Springerknie“ genannt - verursacht Schmerzen am unteren Ende der Kniescheibe. Diese bemerkt der Betroffene beim Laufen und anderen sportlichen Aktivitäten.

Das Kniegelenk ist das Gelenk im menschlichen Körper, das den grössten Belastungen unterliegt. Die Kniescheibe, also die Patella, bildet gemeinsam mit dem Oberschenkelknochen und dem Schienbein den sogenannten knöchernen Gelenkkörper. Die Patellasehne verbindet das Schienbein mit dem unteren Ende der Kniescheibe. Die Hauptaufgabe der Patellasehne ist die Kraftübertragung vom Unter- auf den Oberschenkel. Vor allem bei sportlichen Aktivitäten ist sie somit einer dauerhaften Belastung ausgesetzt. Sie regelt die Druckverteilung im Kniegelenk. Sollte diese beim Laufen fehlerhaft oder zu stark sein, kann dies zu starken Schmerzen bei Betroffenen führen.

Patellaspitzensyndrom
© westfotos.de / Fotolia

Verschiedene Ausprägungsgrade

Gemäss einer medizinischen Definition aus dem Jahr 1978 wird der Schweregrad eines Patellaspitzensyndroms in vier verschiedene Stufen klassifiziert:

  • Bei Grad I hat der Betroffene direkt nach dem Laufen Schmerzen an der Patellasehne.
  • Bei Grad II läuft er schon mit Schmerzen los. Die Schmerzen lassen während der Laufeinheit allmählich nach, machen sich aber nach dem Laufen in der vorherigen Intensität wieder bemerkbar.
  • Bei Grad III hat der Betroffene dauerhafte Schmerzen, die sich sowohl im Sitzen als auch beim Laufen oder Gehen bemerkbar machen.
  • Bei Grad IV ist die Patellasehne gerissen, sodass es dem Betroffenen nicht mehr möglich ist, das Kniegelenk ohne Hilfe zu strecken.

Welche Symptome verursacht das Patellaspitzensyndrom?

Bei starken Belastungen des Kniegelenks, wie etwa einem Marathonlauf oder Sprüngen, kann es zu druckähnlichen Schmerzen unterhalb der Kniescheibe kommen. Abhängig vom jeweiligen Ausprägungsgrad machen sich die Beschwerden nur beim Aufwärmen bemerkbar und verschwinden bei steigender Belastung vorübergehend, bis sie nach der Trainingseinheit wieder zu spüren sind.

Bei ausgeprägten Schweregraden machen sich die Beschwerden während der gesamten Belastungssituationen bemerkbar. Bei besonders schweren Ausprägungsgraden können die Schmerzen an der Patellasehne auch dauerhaft bestehen. Bei einem Patellaspitzensyndrom verursacht das Strecken des Kniegelenks gegen einen Widerstand häufig Schmerzen.

Welche Ursachen kommen für das Auftreten des Patellaspitzensyndroms infrage?

Verursacht wird das Patellaspitzensyndrom durch eine Überlastung der Kniescheibensehne aufgrund von ungewohnten, wiederholten oder heftigen Zugbeanspruchungen. Es existieren sowohl innere als auch äussere Einflussfaktoren, die ein Springerknie auslösen können.

Äussere Einflussfaktoren

Hierzu zählt die jeweilige Tätigkeit, die zum Auslösen der Beschwerden geführt hat. Vor allem bei Sprungsportarten kommt es zu einer maximalen Zugbeanspruchung der Kniescheibensehne, weshalb insbesondere Sportarten wie Basketball, Weit- oder Hochsprung sowie Volleyball als Auslöser für ein Patellaspitzensyndrom infrage kommen. Aus diesem Grund wird dieses Syndrom auch als Springerknie bezeichnet.

In der Ausbildung des Patellaspitzensyndroms spielt es eine grosse Rolle, wie heftig oder ungewohnt die Belastung für das Knie gewesen ist. So kann ein Patellaspitzensyndrom auch beim

  • Gewichtheben,
  • Tennisspielen,
  • Fahrradfahren oder
  • Joggen auf hartem Untergrund

auftreten.

Innere Einflussfaktoren

Ein Kniescheibenhochstand kann das Auftreten eines Patellaspitzensyndroms ebenso begünstigen wie eine angeborene Bandschwäche oder eine reduzierte Dehnbarkeit der Beinmuskulatur.

Wie lässt sich ein Patellaspitzensyndrom diagnostizieren?

Der Arzt wird sich zunächst nach den Sportgewohnheiten des Patienten erkundigen. So legen Sprungsportarten, Bodybuilding oder Joggen auf hartem Untergrund den Verdacht nahe, dass entsprechende Beschwerden auf ein Patellaspitzensyndrom zurückzuführen sind.

Die körperliche Untersuchung zeigt dann vor allem einen Druckschmerz über der Kniescheibenspitze. Ebenso charakteristisch ist es auch, wenn die Streckbewegung des Unterschenkels gegen einen Widerstand zu Schmerzen beim Patienten führt. Eher seltene Anzeichen für ein Patellaspitzensyndrom sind sichtbare Schwellungen oder Rötungen. Manche Betroffene berichten auch über Schmerzen nach längerem Sitzen, wie etwa nach längeren Autofahrten.

In manchen Fällen kann das Kniegelenk jedoch auch komplett unauffällig sein. In diesem Fall lässt sich nur über die Krankengeschichte des Patienten eine Verdachtsdiagnose stellen.

Bildgebende Verfahren zur Diagnose

Bei der Sonografie (Ultraschall) handelt es sich um ein einfaches und für den Patienten komfortables Verfahren, um ein Springerknie zu diagnostizieren. Damit mögliche Veränderungen vom Arzt richtig eingeschätzt werden können, wird er stets die gesunde Gegenseite mit untersuchen. Typische Veränderungen bei einem Springerknie, die beim Ultraschall auffallen, sind 

  • uneinheitliche Sehnenstrukturen
  • Verdickung der Sehnen
  • unregelmässig begrenztes Sehnengleitgewebe

Röntgenaufnahmen können beim Springerknie nicht weiterhelfen und dienen lediglich dazu, andere Erkrankungen auszuschliessen.

Bei einer Magnetresonanztomografie (MRT) kann der Arzt die degenerierte Region sehr genau lokalisieren. Darüber hinaus kann es für den Ausschluss von Differenzialdiagnosen hilfreich sein. So kann der Arzt mithilfe der MRT-Untersuchung ausschliessen, ob die Beschwerden beim Patienten von einer Kniearthrose ausgelöst werden.

Wie erfolgt die Behandlung beim Patellaspitzensyndrom?

Sollte der Patient beim Laufen Beschwerden bemerken, ist es sinnvoll, die Sporteinheit zu unterbrechen bzw. abzubrechen und sich in ärztliche Behandlung zu begeben. Sollte es beim Laufen immer wieder zu Beschwerden kommen, ist es ratsam, den Trainingsumfang vorübergehend zu reduzieren.

Dehnen

Durch regelmässiges Dehnen der Oberschenkelmuskulatur lässt sich die Spannung an der Kniescheibe heruntersetzen. Mit einer heissen Rolle oder Kälteanwendungen kann die Durchblutung im Sehnenansatzbereich verbessert werden, wodurch die Ernährung der Sehne über der Kniescheibe optimiert wird.

Physiotherapie

Eventuell verschreibt der Arzt dem betroffenen Patienten eine physiotherapeutische Behandlung. Hierbei ist eine Therapie mit Stosswellen und Ultraschall sowie eine Elektrotherapie oder eine manuelle Therapie sinnvoll. Der Physiotherapeut wird sich hierbei zunächst nach den Beschwerden des Patienten erkundigen und gemäss des Ausprägungsgrades der Erkrankung die geeigneten Therapieoptionen auswählen und einen individuellen Therapieplan erstellen.

Aquajogging

Sollte der Patient bereits bei leichten körperlichen Tätigkeiten Beschwerden bemerken, können Aquajogging-Kurse eine gute Option darstellen. Im Wasser wird die Schwere der Gliedmassen reduziert und es lassen sich oftmals sogar Sprünge schmerzfrei durchführen.

Medikamentöse Behandlung

Um die Schmerzen während einer akuten Episode zu lindern, können handelsübliche Schmerzmittel Abhilfe verschaffen. Auf jeden Fall sollte zuvor aber der Arzt aufgesucht werden, allein um den Grund für das Auftreten der Schmerzen genau zu diagnostizieren.

Individuelle Therapie

Da die Erkrankung bei allen Betroffenen individuell ausfällt, gilt es, die Therapiemassnahmen ebenso individuell zusammenzustellen. Wenn dies gelingt, kann die Laufpause verkürzt und der Wiedereinstieg in den Laufsport möglichst schnell gewährleistet werden. Sollte der Patient zusätzlich unter Haltungsproblemen leiden, ist unter Umständen auch der Besuch bei einem Osteopathen ratsam.

Chirurgische Eingriffe als Behandlungsoption

Chirurgische Eingriffe zählen beim Patellaspitzensyndrom als letzte Möglichkeit, um dem Patienten ein beschwerdefreies Leben zu ermöglichen bzw. seine sportliche Leistungsfähigkeit wiederherzustellen. Bei einem solchen operativen Eingriff entfernt der Arzt die entzündete Fettschicht um die Patellasehne. Er schneidet die entsprechenden Bereiche der Sehne heraus und verätzt abnorme Blutgefässe. Ebenso entfernt der Arzt abnormes Gewebe, das sich am Ansatzpunkt der Sehne an der Kniescheibe befindet. Dies kann entweder im Rahmen einer offenen Operation oder mithilfe der minimal-invasiven Chirurgie erfolgen.

Beide Eingriffe können entweder unter lokaler Betäubung oder Vollnarkose durchgeführt werden, wobei eine Vollnarkose häufiger zum Einsatz kommt und die Regel ist.

Wie lässt sich ein Patellaspitzensyndrom vorbeugen?

Die beste Vorbeugung bei einem Patellaspitzensyndrom ist ein regelmässiges Dehnen der Muskulatur nach dem Laufen. Hierdurch reduziert sich die Muskelspannung im Oberschenkel. Ausserdem sind ausführliches Aufwärmen vor dem Laufen sowie eine moderate Steigerung der Trainingsintensität im Trainingsverlauf elementar wichtig. Ebenso ist es von grosser Bedeutung, dem Körper zwischen den verschiedenen Trainingseinheiten ausreichend Zeit zur Regeneration zu erlauben - unabhängig davon, welche Sportart ausgeführt wird. Zu vermeiden ist es generell, die Kniegelenke übermässig und in ungewohntem Ausmass zu belasten.

Übergewichtige Personen sollten eine Gewichtsreduktion in Betracht ziehen. Die Belastung für die Patellasehne sowie die Kniegelenke reduziert sich in diesem Fall deutlich, sodass Beschwerden in diesem Bereich seltener – oder zumindest weniger ausgeprägt - auftreten.

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