Knieprothesenwechsel - Medizinische Experten

Der Wechsel einer Knieprothese kann aus verschiedenen Gründen erforderlich sein. Die häufigsten Gründe für einen Knieprothesenwechsel sind Protheseninfektionen, eine aseptische Lockerung der Knieprothese, eine schmerzhafte ligamentäre Instabilität der Prothese und periprothetische Frakturen.

Weitere Informationen zum Knieprothesenwechsel finden Sie im Text weiter unten.

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Knieprothesenwechsel - Weitere Informationen

Knieprothesenwechsel bei Protheseninfektionen

Die Häufigkeit und die Symptome einer Protheseninfektion der Knieprothese sind denen einer Protheseninfektion des Hüftgelenkes ähnlich. Auch hier erfolgt die Kontrolle der Entzündungsparameter (Leukozytose, C-reaktive Protein, Blutsenkung), die aber zu Patienten mit entzündlichen Systemkrankheiten abgegrenzt werden müssen. Eine weitere diagnostische Abklärung erfolgt in Form von erweiterter Bildgebung (Röntgen, CT, MRT oder Szintigraphie) und Gelenkpunktion oder Biopsie mit anschliessender mikrobiologischer Untersuchung.

In weit über 50 Prozent der Fälle sind grampositive Keime (Staphylococcus aureus und epidermidis) die Ursache für die Protheseninfektion, aber auch Keime aus dem gramnegativen Spektrum (E. coli und Pseudomonas aeruginosa) können in seltenen Fällen ursächlich sein. Ein erhöhtes Risiko eine Infektion zu entwickeln haben vor allem Patienten, die einen Diabetes mellitus, rheumatoide Arthritis, Psoriasis, Adipositas oder vorangegangene gleichseitige Hüftoperationen in ihrer Krankengeschichte aufweisen.

Die Therapiestrategie beim Knieprothesenwechsel richtet sich nach Art, Dauer und Ausprägungsgrad der Protheseninfektion sowie der körperlichen Konstitution des Patienten. Sie kann von einer Lavagierung des Gelenks mit Kopf- und Inlaywechsel (bei Frühinfekten < 6 Wochen) über einen einzeitigen Prothesenwechsel (Monoinfektionen, grampositives Keimspektrum, gutes knöchernes Lager) bis hin zum zweizeitigen Wechsel (temporäres Einbringen eines antibiotikahaltigen Platzhalters aus Knochenzement) ausgehen.

Knieprothesenwechsel bei aseptischer Lockerung

Unabhängig vom Impantationsverfahren (zementiert/ unzementiert) erfolgt der Knieprothesenwechsel bei einer aseptischen Lockerung der Prothese meist einzeitig.

Knieprothesenwechsel bei Instabilität der Prothese

Eine bereits seit der Operation bestehende Instabilität mit Schmerzen ist zumeist auf ein unzureichendes Weichteilbalancing, in einer Vielzahl der Fälle kombiniert mit einer Fehlrotation der Knieprothese, zurückzuführen. Generelle Risikofaktoren für Instabilitäten und Luxationen sind Wechseloperationen, Alkoholabusus und neurologische Krankheiten.

Treten Schmerzen aufgrund einer Instabilität im Kniegelenk auf, kann zuerst eine konservative Therapie (Krankengymnastik, Phonophorese, Infiltrationen) begonnen werden. Eine Vielzahl der Schmerzpatienten mit leichten Instabilitäten kann durchaus konservativ erfolgreich therapiert werden.

Bei Patienten bei denen sich die Beschwerden nicht lindern, ist meist eine operative Intervention erforderlich. Das Ziel der Operation ist es, die Weichteilbalance wiederherzustellen. Dies kann durch verschiedene Releasetechniken oder durch einen Wechsel auf Prothesensysteme erfolgen, die entweder teilweise (teilgekoppelte) oder die vollständige (gekoppelte) Funktion der Seitenbänder übernehmen.

Knieprothesenwechsel bei periprothetischen Frakturen

Periprothetische Frakturen können durch äussere Gewalteinwirkungen, bei aseptischen Lockerungen aber auch unmittelbar bei der Operation auftreten. Hier ist das Ziel die Wiederherstellung der anatomischen Verhältnisse und der knöchernen Kontinuität. Teilweise kann dies mit dem Erhalt der Prothese durch Osteosyntheseverfahren (winkelstabile Platte, Fixateur extern) erreicht werden. Zumeist ist aber der Knieprothesenwechsel auf ein gestemtes System erforderlich, welches die Fraktur überbrückt und die Krafteinleitung distal (tibial) oder proximal (femoral) des Frakturspaltes ermöglicht.

Vorgehen beim Knieprothesenwechsel

Das Nutzen vorhandener Zugänge und die Wiederherstellung der einzelnen Schichten sind auch beim Knieprothesenwechsel entscheidende Massnahmen. Nach dem Entfernen der Prothesenanteile sind meist ausgedehnte Knochendefekte tibial und femoral zu verzeichnen. Diese werden in nicht zirkumferentiell (kleine-mittlere) und zirkumferentiell (grosse) Defekte unterschieden. Daher ist es bei den meisten Revisionsprothesen möglich, zusätzliche Augmentationsblöcke individuell defektabhängig zu montieren.

Grössere Defekte können auch mit allogenen Knochentransplantaten aufgefüllt werden. Aufgrund grösserer Knochendefekte mit fehlenden Verankerungsmöglichkeiten für die Prothese, kann eine gestemte (gestiehlte) Prothese zum Einsatz kommen. Diese Stem sorgt für eine Verteilung der Belastung zur femoralen oder tibialen Knochendiaphyse.

Bei ausgeprägten Defekten mit massiven Substanzverlusten im Bereich der distalen Femur oder der proximalen Tibia, kommen auch sogenannte Tumorprothesen zum Einsatz, welche die defizitären Knochenanteile prothetisch ersetzen.

Bei der Rekonstruktion von Kniegelenken mittels Revisionsprothese sollte auf folgendes geachtet werden:

  • Wiederherstellung der ursprünglichen Gelenklinie
  • Ausgewogenes Verhältnis zwischen Beuge- und Streckspalt
  • Vermeiden von Fehlrotationen femoral und tibial
  • Weichteilbalancing/Alignment

Autoren: Dr. med. Alexander Hagel, Prof. Dr. med. Werner Hein

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