Knie-TEP - Medizinische Experten

Bei einer Knie-TEP (Knietotalendoprothese) handelt es sich um den vollständigen Ersatz eines verschlissenen oder verletzen Kniegelenks durch eine Endoprothese. Je nach Ausmass des Verschleisses im Kniegelenk stehen verschiedene Arten von Knie-TEPs zur Verfügung. Dabei lassen sich grundsätzlich ungekoppelte, teilgekoppelte und gekoppelte Knietotalendoprothesen unterscheiden.

Weitere Informationen zur Knie-TEP finden Sie im Text weiter unten.

Übersicht

Empfohlene Spezialisten

Knie-TEP - Weitere Informationen

Welche Prothesenformen und Materialien kommen bei der Knie-TEP zum Einsatz?

Die einzelnen Knie-TEP-Modelle unterscheiden sich in einer Vielzahl von Parametern, wie beispielsweise:

  • Material (Titan und dessen Legierungen, Kobaltbasislegierungen, Stahl)
  • Beschichtung (Titan/Aluminium- und Keramikoxid)
  • Oberflächenstruktur (Mikro-/Makrostrukturierung)
  • Zementiert vs. zementfrei
  • Geschaftet vs. nicht geschaftet
  • ungekoppelte (unconstrained), teilgekoppelte (semiconstrained) und gekoppelte (constrained) Systeme

Welche Knieprothesensysteme gibt es?

Je nach Grad der Kniearthrose und Beteiligung der einzelnen Bereiche (Kompartimente) des Kniegelenks, kommen bei einer Knieprothese die folgenden Prothesensysteme zum Einsatz:

  • Knieteilprothese (Hemischlitten): Bei einem sogenannten Hemischlitten wird das Kniegelenk, anders als bei einer Knie-TEP, nur teilweise ersetzt. Diese Knieteilprothese findet bei einer Kniearthrose Anwendung, die sich auf den medialen oder lateralen Bereich des Kniegelenks beschränkt. Dementsprechend muss bei der Indikationsstellung die Beteiligung eines anderen Bereichs des Kniegelenks sicher ausgeschlossen sein, da sonst die Beschwerden weiterbestehen.
  • Ungekoppelte Knie-TEP (Oberflächenersatz): Sind bei einem intakten Bandapparat mehrere Bereiche des Kniegelenks betroffen, ist ein Oberflächenersatz indiziert. Hierbei handelt es sich um eine Knietotalendoprothese, bei der alle Gelenkanteile ersetzt werden.
  • Teilgekoppelte Knie-TEP: Wenn eine Kniearthrose mit mässigem Ungleichgewicht des Bandapparates vorliegt, besteht die Möglichkeit, einen Teil der Bandfunktion durch eine teilgekoppelte Knie-TEP sicherzustellen. Diese Art von Knie-TEP kann das Gelenk nur bis zu einem gewissen Grad stabilisieren und lediglich eine Unterstützung der bestehenden Kollateralbandstrukturen darstellen.
  • Gekoppelte Knie-TEP: Bei einer Arthrose des Kniegelenkes mit massiven Bandinstabilitäten und erheblichen Achsfehlstellungen kommen gekoppelte Knieprothesensysteme zum Einsatz. Bei dieser Prothesenart sind Tibiaplateau (Schienbein) und Femurteil (Oberschenkelknochen) fest über ein Gelenk miteinander verbunden.

Die Gleitpaarungen dieser Prothesenarten werden zumeist aus einem Polyethylen und dem dementsprechenden oben genannten Material der Femurprothese (d.h. der Prothesenschaft im Oberschenkelknochen) gebildet.

Unterscheidung zwischen zementfreier und zementierter Implantationstechnik

Die Implantation einer Knie-TEP kann entweder in zementfreier oder zementierter Technik erfolgen:

Zementfreie Knie-TEP:

Bei dieser Implantationstechnik wird durch eine entsprechende Vorbereitung des kortikospongiösen Prothesenlagers durch Sägeblöcke beim anschliessenden Einbringen der Knie-TEP ein Press- oder Formfit erreicht. Durch diese „Verklemmung“ der Knie-TEP wird eine Primärstabilität erreicht, welche ein sekundäres Einwachsen von spongiösen Knochenstrukturen ermöglicht. Eine sofortige Belastung der Knie-TEP ist möglich.

Bei dieser Verankerungsart ist eine gesunde Knochenmatrix eine Voraussetzung für gute Langzeitergebnisse deshalb sind Osteoporose und Knochenstoffwechselstörungen jeglicher Art eine Kontraindikation. Als vorteilig wird erachtet, dass bei einem erforderlichen Wechsel des Prothesensystems bei der Entfernung der alten Knieprothese weniger Knochensubstanz verloren geht. Dennoch kann es aufgrund der veränderten Belastungsverhältnisse zum Abbau von Knochenmatrix (Lysen) kommen. Dies wird besonders im Bereich des distalen Femurs interkondylär beschrieben.

Zementierte Knie-TEP:

Hier dient ein Kunststoff (Polymethylmetacrylat) als Verbindung (Interface) zwischen der Knochenmatrix und der Knieprothese. Nach der Implantation kann die Knietotalendoprothese voll belastet werden. Diese Implantationstechnik ist weit verbreitet und kann auch bei Patienten, bei denen aufgrund einer verminderten Knochenqualität/-dichte eine zementfreie Endoprothese nicht indiziert ist, verwendet werden.

Hybrid-Endoprothetik

Hier werden die Vorteile beider Implantationstechniken miteinander verbunden. Zumeist wird das Tibiateil (Schienbeinknochen) zementiert und das Femurteil (Oberschenkelknochen) zementfrei implantiert. Eine postoperative Vollbelastung ist auch hier möglich.

Vorgehen bei der Implantation einer Knie-TEP

Standardmässig kann der Zugang zum Kniegelenk über mehrere Wege erfolgen, welche eine Lagerung des Patienten in Rückenlage erfordern. Der Hautschnitt erfolgt dabei zumeist anteriomedial (d.h. von vorn in Richtung der Innenseite des Beins) über der Kniescheibe (Patella). Die Eröffnung der Kniegelenkskapsel kann standardmässig auf verschiedene Weise erfolgen.

Der parapatellare (neben der Kniescheibe gelegene) Zugang bietet einen exzellenten operativen Überblick über alle drei Kompartimente, kann aber aufgrund einer schnittbedingten Störung der Innervation des Musculus vastus medialis mit einer Schwächung desselben bis zu 60 Prozent einhergehen. Der sogenannte midvastus-Zugang verfügt über die nahezu gleichgute Übersichtlichkeit, allerdings kann es aufgrund des Einschnittes im Bereich des Vastus medialis zu Blutungen mit Hämatomen kommen. Beim subvastus-Zugang wird der Vastus medialis nicht oder nur gering traumatisiert, was der intraoperativen Übersichtlichkeit des Operationsgebietes abträglich ist.

Minimal-invasive Implantationsverfahren sind, ähnlich der Hüftendoprothetik, auch am Kniegelenk möglich und schonen hauptsächlich weichteilige Strukturen wie den Musculus vastus medialis und die Sehne des Musculus quadrizeps femoris. Damit tragen sie entscheidend dazu bei, die Patienten postoperativ schneller zu mobilisieren und muskuläre Insuffizienzen zu verhindern.

Prothesenwechsel bei einer Knie-TEP

Rund 7 Prozent aller Patienten werden in den ersten zehn Jahren nach dem Einsatz ihres Kunstgelenkes erneut operiert. Die Ursachen für Revisionsoperationen bei einer Knie-TEP sind vielfältig. Zum einen machen sich Infekte und auch Fehlfunktionen des Kunstgelenkes in den ersten zwei Jahren nach der Operation typischerweise bemerkbar. Schmerzt das Gelenk dauerhaft weiter nach der Implantation einer Knie-TEP, muss sorgfältig nach den Ursachen gefahndet werden.

Wenige Fälle bleiben ungeklärt wie beispielsweise eine „Arthrofibrose“ - eine schmerzhafte Verdickung und Schrumpfung der Gelenkkapsel, welche zu einer dauerhaften Funktionsbehinderung des Gelenkes führt. Aufbraucherscheinungen am Kunstgelenk und Prothesenlockerungen treten dagegen erst sehr viel später nach der Erst-Operation auf und sind leichter zu diagnostizieren.

Planung einer Prothesenwechsel-Operation am Knie

Zunächst erfolgt eine genaue klinische Untersuchung: Beurteilt werden hier Gelenkfunktion, Bandstabilität, Muskelfunktion, Narbensituation, Schwellneigung. Röntgenkontrollen prüfen den Sitz der Knie-TEP. Die Stellung der Prothese kann durch Spezialaufnahmen zusätzlich kontrolliert werden. Von grosser Bedeutung ist es, eine Infektion im Knie auszuschliessen. Neben Blutabnahmen sind hier Punktionen des Gelenkes zur Diagnosefindung unabdingbar, manchmal sind auch Gewebeprobenentnahmen notwendig.

Die Revisionsoperation erfolgt erst dann, wenn die Ursachen geklärt sind, mit einer klaren Revisionstrategie. Hier drei Beispiele für den Wechsel einer Knie-TEP:

  • Austausch des Polyethylen-Inlays (Lauffläche des Gelenkes) wegen Verschleiss/Abrieb oder leichter Instabilität
  • Ersatz der Kniescheibenrückfläche als Zweiteingriff wegen dauerhafter vorderer Knieschmerzen
  • Wechsel des Kunstgelenkes wegen einer Infektion oder nicht beherrschbarer Fehlfunktion/Bandinstabilität, Lockerung oder Fehlpositionierung (ein- oder zweizeitig)

Prothesenmodelle bei einer Revisionsoperation am Knie

Revisionsendoprothesen sind modular aufgebaut, um auf diese Weise sehr gut der individuellen Situation des Patienten angepasst werden zu können. Sie bestehen aus einer grossen Anzahl einzelner Teile, die auf verschiedenste Art kombiniert werden können. Die Erfahrung der Klinik und des Operateurs ist von grosser Bedeutung für eine gelungene Revision. Die präoperative Planung ist unabdingbar, auch Komplikationsmöglichkeiten müssen bedacht werden. Die notwendigen Spezialinstrumentarien und Implantate werden in Orthopädischen Fachkliniken oder Endoprothesen-Zentren vorgehalten.

Nachbehandlung nach einer Prothesenwechsel-Operation am Knie

Das Ziel einer Revisionsoperation ist es, dass der Patient sein Gelenk schnell wieder voll belasten und bewegen kann. Nur in Ausnahmesituationen müssen hier Einschränkungen für eine bestimmte Zeit eingehalten werden. Eine individuell abgestimmte Schmerztherapie ermöglicht die schonende und zügige Mobilisation; die enge, fachübergreifende Zusammenarbeit von Physiotherapeuten, Anästhesisten und Operateur ist massgeblich für den Operationserfolg. Insgesamt wird ein ähnliches Nachbehandlungsregime wie bei der Erstoperation eingehalten. Nach ca. 3 Monaten können die Patienten dann mit Sportarten wie Nordic Walking, Wandern, Skilanglauf, aber auch Schwimmen beginnen.

Ergebnisse bei einer Revisionsoperation am Knie

Die Erfahrung zeigt, auch statistisch, dass die meisten Revisionsoperationen erfolgreich sind, dauerhaft und vergleichbar mit Erstoperationen. Selbstverständlich hängt dies im Einzelfall immer von der Ausgangssituation und dem Grund für die Revision ab. Vor einer Operation muss mit jedem Patienten das spezifische Problem genau besprochen werden.

Autoren: PD Dr. med. Bettina Westhoff, Prof. Dr. med. Rüdiger Krauspe, Dr. med. Robert Krause

Standorte der Spezialisten

Klinikstandorte
Flughäfen