Hüftprothese - Medizinische Experten

Die Hüftprothese ist der teilweise oder komplette künstliche Ersatz des natürlichen Hüftgelenks. Sie kommt meist zum Einsatz, wenn ein Verschleiss des Hüftgelenks und die dadurch resultierenden Schmerzen mit konventionellen Methoden nicht mehr ausreichend behandelt werden können. Mit einem künstlichen Hüftgelenk kann heutzutage schnell und schonend geholfen werden, die Gelenkbeweglichkeit wieder zu erlangen und die Schmerzfreiheit zurückzugewinnen.

Weitere Informationen zur Hüftprothese finden Sie im Text weiter unten.

Übersicht

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Hüftprothese - Weitere Informationen

Die Hüftprothese ist eine sogenannte Endoprothese. Dieses Wort beschreibt, dass die Prothese implantiert wird, also von aussen unsichtbar im Körper liegt. Im Gegensatz dazu wird eine Exoprothese, zum Beispiel nach einer Amputation, nur äusserlich getragen. In Deutschland werden jährlich ungefähr 200.000 Endoprothesen implantiert. Das beste Ergebnis, das durch eine Hüftprothese erzielt werden kann, ist die Schmerzfreiheit des Patienten. Die Hüftprothese führt dazu, dass der Patient seinen Alltag wieder normal bewältigen kann und sich schmerzfrei bewegen.

Indikationen für ein künstliches Hüftgelenk

Es kommt zum Einsatz einer Hüftprothese, wenn das natürliche Gelenk in seiner Funktion eingeschränkt ist, zum Beispiel durch eine Hüftarthrose. Da die natürliche Funktion des Gelenks nicht mehr erfüllt werden und der Gelenkkopf nicht flüssig in der Pfanne gleiten kann, kommt es zu Schmerzen beim alltäglichen Bewegungsablauf. Wenn diese Schmerzen nicht mehr durch konventionelle Therapien gelindert werden können, muss das Hüftgelenk durch eine Hüftprothese ersetzt werden. Wenn der Betroffene mehr als die Hälfte der folgenden Fragen mit Ja beantwortet, dann besteht die Indikation zur Implantation eines künstlichen Hüftgelenks. Die Operation wird ihm helfen, Schmerzen zu mindern und durch die neugewonnene Bewegungsfreiheit Lebensqualität zurück zu gewinnen:

  1. Bereitet dem Patienten jeder Schritt auf ebenem Untergrund Schmerzen?
  2. Bereitet dem Patienten das Treppensteigen Schmerzen?
  3. Liegt die schmerzfreie Gehstrecke unter 30 Minuten?
  4. Hat er nachts Schmerzen?
  5. Bereitet ihm das Hinsetzen und Aufstehen Probleme?
  6. Benötigt er mehrmals am Tag Schmerzmedikamente?
  7. Denkt er auch bei der alltäglichen Tätigkeit sehr häufig an das erkrankte Gelenk?
  8. Freizeitaktivitäten und Einkaufen werden nur mit vorheriger, geplanter Schmerzmitteleinnahme toleriert?

Die Bestandteile der Hüftprothese

Der künstliche Ersatz des Hüftgelenks ahmt alle natürlichen Bestandteile eines echten Gelenks nach. Dazu gehören sowohl der Gelenkkopf, als auch die Gelenkpfanne. Die Bandstrukturen, die eine Haltefunktion des Gelenks ermöglichen, werden bestenfalls von dem natürlichen Gelenk erhalten. Das künstliche Hüftgelenk kann sowohl eine totale Endprothese sein, also der komplette Ersatz, als auch nur eine Teilprothese, bei der nur eine Komponente des Hüftgelenks während einer Operation ersetzt wird. Bei einer sogenannten Teilprothese des Hüftgelenks bleibt die natürliche Gelenkpfanne erhalten.

Das künstliche Hüftgelenk besteht aus zwei Bestandteilen. Das sind der kugelförmige Gelenkkopf und der Schaft, auf dem dieser befestigt ist. Der Schaft kann im Oberschenkelhalsknochen verankert werden. Eine künstliche Gelenkpfanne besteht in der Regel aus einer Schale in welcher der künstliche Gelenkkopf gleiten kann. Die Hüftprothese ist den meisten Fällen aus Titan gefertigt und kann zementiert oder unzementiert im Oberschenkelknochen befestigt werden. Die unzementierte Endoprothese kann leichter wieder entfernt werden. Die durchschnittliche Lebensdauer einer Hüft-TEP liegt zurzeit bei zehn bis fünfzehn Jahren, danach muss sie in einer Wechseloperation gegen eine neue Hüftprothese ausgetauscht werden.

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Von Science Museum London / Science and Society Picture Library - Stainless steel and ultra high molecular weight polythene hip replacement Uploaded by Mrjohncummings, CC BY-SA 2.0, Link

Welche Prothesenformen gibt es beim künstlichen Hüftgelenk?

Im Bereich der Hüfte wird besonders bei jungen Patienten der Oberflächenersatz in Form der McMinn Kappenprothese (Abb. 1) favorisiert. Hier ist bei ausgezeichneter Wiederherstellung der Gelenkfunktion nur ein minimaler Knochenverlust zu verzeichnen, was spätere Revisionsoperationen erleichtert. Bei Verwendung einer normalen zementfreien Pfannenprothese wird der Oberschenkelkopf lediglich überkront. Es resultiert eine nahezu anatomische Rekonstruktion der Gelenkarchitektur mit Erhaltung der ursprünglichen Kopfgrösse. Somit wird eine ausgezeichnete Gelenkbeweglichkeit erzielt.

Die ansonsten im Hüftgelenkbereich am meisten verwendete Prothesenform ist eine Kombination aus einer metallischen Pfannenschale, einer pfannenseitigen Gleitpaarung aus Polyethylen, Metall oder Keramik und einer Oberschenkelschaftkomponente mit standardisiertem Aufnahmekonus für einen Prothesenkopf aus Metall oder Keramik, welcher unterschiedliche Durchmesser haben kann. Je nach Auswahl verschiedene Gleitpaarungen (Metall/Metall, PE/Keramik, PE/Metall, Keramik/Keramik, Metall/Keramik). Die Verwendung der unterschiedlichen Materialien richtet sich im Einzelfall nach den individuellen Anforderungen (z. B. Alter, Allergie auf bestimmte Metalle, mechanische Beanspruchung, Gewicht).

Als weitere Option zwischen McMinn-Kappenprothese und der Oberschenkelschaftprothese (Abb. 3) hat in den letzten Jahren die Verbesserung der schon lange bekannten Kurzschaftprothese (Abb. 2) eine zunehmende Beliebtheit mit steigenden Implantationszahlen erfahren. Heutzutage sind verschiedene Prothesenformen verfügbar.

Hüftprothesen

Wie wird das künstliche Hüftgelenk verankert?

Ein weiterer Unterschied besteht in der Verankerungsart des künstlichen Hüftgelenks. Wurden die ersten Kunstgelenke generell mit einem speziellen Kunststoffgemisch (umgangssprachlich auch „Knochenzement“ genannt) auf oder in den zurechtgesägten Knochen eingebracht, gibt es heute auch die Möglichkeit der zementfreien Kunstgelenkfixation. Dies wurde möglich durch eine spezielle Oberflächenbehandlung der Implantate. Die Oberfläche wird zum Beispiel mit Laserstrahlen so verändert, dass sie eine poröse Feinstruktur erhält. Diese verankert das Implantat sehr fest im Knochen, so dass der gesunde Knochen einwachsen kann.

Auch eine Kombination von beiden Verankerungsformen ist möglich. Man spricht dann vom sogenannten „Hybridgelenk“. Wann welche Verankerungsform gewählt wird, ist abhängig vom zu operierendem Gelenk, dem Alter des Patienten und seiner Knochenqualität. Im Bereich des Hüftgelenkes sollten junge, aktive Patienten unter 60 Jahren möglichst eine zementfreie Verankerung erhalten, da bei durchschnittlicher Lebenserwartung mit einer Wechseloperation zu rechnen ist. Bei Patienten bis zum 75. Lebensjahr wird eine so genannte Hybridversorgung, also eine zementfreie Pfanne und ein zementierter Schaft, favorisiert. Betagtere Patienten profitieren meist von einer vollzementierten Variante, da ihr Knochen häufig nicht mehr sehr tragfähig ist und eine zusätzliche Zementstabilisierung benötigt.

Das Klinik-Team wird anhand der im Vorgespräch erhobenen und anhand der im Röntgenbild zu sehenden Besonderheiten für den Patienten die passende Prothesenart, das am besten verträgliche Prothesenmaterial und die individuell am besten sitzende Prothesenform auswählen. Die Verankerung entscheidet sich anhand der Knochenqualität: zementiert, zementfrei oder hybrid.

Hüftprothese Verankerung

Vorbereitung auf eine Hüftprothese

Das Einsetzen einer Hüftprothese ist eine endgültige Operation, die nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Für die Hüft-TEP muss das komplette natürliche Gelenk entfernt werden. Zur Vorbereitung auf diese Operation muss mindestens ein Facharzt für Orthopädie und Experte für Endoprothetik zu Rate gezogen werden, bevor die Operation zum Einsetzen einer Hüftprothese tatsächlich durchgeführt werden kann. Nur dadurch kann sichergestellt werden, dass der künstliche Ersatz tatsächlich notwendig ist und zum bestmöglichen Ergebnis für den Patienten führt.

Der Patient durchläuft vor der OP einige Voruntersuchungen. Diese gewährleisten einen sicheren und reibungslosen Ablauf während der OP Hüftprothese. Zu diesen Voruntersuchungen kann eine Blutentnahme gehören und ein EKG zur Kontrolle des Herzkreislauf-Systems. Ausserdem ein Vorgespräch mit dem Facharzt für Anästhesie. In diesem Gespräch werden die Einnahme von Medikamenten festgehalten, um Neben- und Wechselwirkungen auszuschliessen und mögliche Allergien des Patienten zu kennen.

Zu den weiteren Massnahmen vor der OP zum Einsetzen der Hüftprothese gehören alle, die bei anderen OPs unter Vollnarkose üblich sind. Dazu gehört zum Beispiel, dass der Patient mindestens einen Tag vorher im Krankenhaus aufgenommen wird. Dort kann das Pflegepersonal alle nötigen Vorkehrungen überwachen. Dazu gehört zum Beispiel, dass der Patient vor und während der OP nüchtern ist. Ausserdem möglicherweise die Rasur des OP-Feldes. Wichtig bei einer invasiven Operation unter Vollnarkose ist besonders das Tragen spezieller OP-Kleidung, wie Thrombose-Strümpfe, einem Kittel und möglicherweise einer Haube. Diese verhindert, dass Haare das sterile OP-Feld verunreinigen.

Was kann der Patient vor der Implantation des künstlichen Hüftgelenks tun?

Wenn dem Patienten von seinem behandelnden Arzt ein künstliches Hüftgelenk empfohlen wurde, dann liegt ein wesentlicher Beitrag zum Erfolg der Operation in seinen Händen. Dabei möchten wir dem Patienten mit den folgenden Punkten helfen.

  • Mentale Vorbereitung auf das künstliche Hüftgelenk: Auch wenn die Schmerzen den Patienten erheblich beeinträchtigen: Das künstliche Hüftgelenk ist keine Notfalloperation. Neben allen operativen Verbesserungen, neuen Medikamenten und modernen Narkoseverfahren ist jeder Eingriff mit einem geringen Risiko behaftet. Andererseits ist der Patient durch die Beschwerden, welche seine Krankheit ihm bereitet, deutlich in Lebensqualität und Lebensfreude eingeschränkt. Somit ist zwischen Pro und Contra abzuwägen.
  • Ernährung vor der Implantation des künstlichen Hüftgelenks: Schon im täglichen Leben sollte die gesunde Ernährung einen wichtigen Stellenwert einnehmen. Umso wichtiger ist sie jedoch im Vorfeld einer Operation. Manchmal haben Patienten – bedingt durch die Bewegungseinschränkung in letzter Zeit – „einige Pfunde zugelegt“. Diese sollten sie jetzt bewusst, aber nicht gewaltsam reduzieren. Der Hausarzt oder Internist wird ihnen helfen, eine sanfte Diät auszuarbeiten, bei der sie jedoch nicht mehr als 1 kg pro Woche Gewicht verlieren sollten. Für eine gute Konstitution bei der Operation und für eine gute Wundheilung ist folgende Faustregel empfehlenswert: Grundsätzlich sollten alle Nahrungsbestandteile enthalten sein – Kohlenhydrate in Form von Vollkornprodukten, viel Früchte und Gemüse, mageres Fleisch, proteinangereicherte Lebensmittel und calciumreiche Milchprodukte.
  • Bewegungsübungen vor der Implantation des künstlichen Hüftgelenks: Bedingt durch die Gelenkerkrankung sind die das Gelenk umspannenden Muskeln geschwächt, verkürzt und teilweise schon verkümmert. Jetzt sollte der Patient jedoch beginnen, in Eigenregie diese Muskeln zu trainieren. Sollten ihm dabei die Bewegungen zu starke Schmerzen verursachen, so sollte er diese Bewegungen meiden und verstärkt Anspannungsübungen durchführen. Durch diese täglich mehrmaligen Übungsanwendungen in Eigenregie wird der Heilungsverlauf verbessert.
  • Medikamente vor der Implantation des künstlichen Hüftgelenks: Die meisten Patienten haben neben der Gelenkerkrankung noch eine oder mehrere Begleiterkrankungen wie zum Beispiel Bluthochdruck oder Diabetes. Häufig sind sie daher auch zur regelmässigen Einnahme von Medikamenten gezwungen. Leider sind einige auch relativ verbreitete Medikamente (wie zum Beispiel ASS) kritisch im Zusammenhang mit einer Operation zu sehen, da diese das Operationsrisiko erhöhen oder ganz neue Risiken – besonders in Kombination mit Narkosemitteln – auftreten können. Daher erhält der Patient bei der Terminierung seiner Implantation des künstlichen Hüftgelenks i.d.R. eine Liste mit kritischen Medikamenten. Der Patient sollte sich diesbezüglich mit seinem Hausarzt zusammensetzen, seine persönlichen Medikamente überprüfen und, wenn notwendig, rechtzeitig vor dem Eingriff ab- oder umsetzen.

Die Operation für den Einsatz der Hüftprothese

Die Operation zum Einsetzen einer Hüftprothese ist in den meisten Fällen ein invasiver Eingriff und muss unter Vollnarkose stattfinden. Es handelt sich um eine grosse OP bei der sowohl das natürliche Gelenk, mit Kopf und gegebenenfalls Oberschenkelhals, entfernt werden muss und das künstliche Gelenk eingesetzt. Zusätzlich wird bei der OP für den Einsatz einer Hüftprothese ein offenes OP-Feld benötigt, um alle Strukturen korrekt platzieren und befestigen zu können.

Bei der OP selbst wird das betroffene Gebiet mit einem Hautschnitt eröffnet. Ausserdem die Muskulatur zur Seite geklappt, damit das Gelenk und der beteiligte Knochen erreicht werden können. Die beteiligten und kranken Komponenten des Gelenks werden entfernt und durch das künstliche ersetzt. Dieses wird sicher verankert und gegebenenfalls mittels Knochenzement befestigt. Im Anschluss wird der korrekte Sitz innerhalb des Beins mittels Röntgen kontrolliert. Anschliessend das eröffnete Gebiet wieder zu genäht oder geklammert.

Welche Vorteile bietet die minimal-invasive Implantation einer Hüftprothese?

In den Medien hört man in letzter Zeit immer öfter Begriffe wie „Schlüssellochchirurgie“, Gelenkspiegelung oder minimalinvasive Chirurgie. Es handelt sich dabei um die Erfolge in der operativen Chirurgie, die durch den Eingriff gesetzten Begleitverletzungen des Umgebungsgewebes so gering wie möglich zu halten. Auf dem Weg zum zerstörten Gelenk müssen die Haut und das umgebende Gewebe eröffnet werden, um an das OP-Gebiet heranzukommen. Dieser begleitende Gewebsschaden ist oft dafür verantwortlich, dass die postoperative Heilung deutlich länger dauert als es vom reinen Gelenkeingriff her notwendig wäre. Daher wurden in den letzten Jahren operative Techniken entwickelt, die diesen begleitenden Gewebsschaden, der für den Zugang zum OP-Gebiet zwingend notwendig ist, so gering wie möglich zu halten.

Dies beginnt beim Hautschnitt, der nicht wie früher 20 cm lang ist, sondern oftmals deutlich kürzer als 10 cm sein kann. Es sei jedoch darauf verwiesen, dass der rein kosmetische Aspekt der kürzeren Narbe nicht der Grund für ein minimal-invasives Vorgehen ist. Vielmehr wird beim weiteren Zugangsweg auf das Gelenk bewusst auf die Beeinträchtigung von Weichteilen wie Muskeln verzichtet. Es werden Zugangswege gewählt, bei denen natürliche, anatomisch vorhandene Gewebslücken, zum Beispiel zwischen einzelnen Muskeln, genutzt werden. Muskeln werden nicht mehr abgelöst, sondern nur im Faserverlauf schonend auseinander gedrängt. Zusätzlich wird durch die Verwendung spezieller, miniaturisierter Instrumente die umfangreiche Freilegung des zu operierenden Gelenkes stark reduziert. Dies alles führt zu einem deutlich geringeren Gewebeschaden mit entsprechend geringem Blutverlust.

Durch die Erhaltung der das Gelenk stützenden Muskeln, sind Patienten schon am Tag nach der Operation in der Lage, wichtige Gelenkfunktionen selbstständig auszuführen und zu trainieren. Abgesehen von der Tatsache, dass hierdurch die durchschnittliche Verweildauer im Krankenhaus minimal-invasiv operierter Patienten reduziert wurde, ist die Notwendigkeit einer Blutübertragung allein verschwindend gering geworden. Ein kurzer Hautschnitt bedeutet nicht automatisch „minimal-invasiv“. Abhängig von den individuellen Besonderheiten (Grösse, Gewicht, notwendige Implantatgrösse) kann die Länge des Hautschnittes deutlich variieren. Er wird jedoch möglichst kurzgehalten.

Wie geschieht die Implantation des künstlichen Hüftgelenkes?

Wie muss man sich das vorstellen? Nach Öffnen der Haut und der gelenkumgebenden Weichteile wird das Gelenk eröffnet und die entzündlich veränderte Gelenkinnenhaut entfernt. Sogenannte Gelenksporne werden im zweiten Schritt abgetragen, um dem Gelenk seine ursprüngliche Form und Grösse wiederzugeben. Als wichtigster Schritt werden nun die zerstörten Knorpelbeläge der knöchernen Gelenkpartner bis in den gesunden Knochen mit speziellen Lehren zurechtgesägt oder -gefräst. Auf diesen gesunden und damit lasttragefähigen Knochen werden der individuellen Knochengrösse des Patienten entsprechende Kunstgelenkteile aufgebracht. Da diese Teile präzise zueinander passen, wie zum Beispiel die Kugeln in einem Motorkugellager, ist nunmehr wieder ein reibungsfreies Bewegen der knöchernen Gelenkpartner möglich. Minimal-invasiv bedeutet mehr als ein verkürzter Hautschnitt. Entscheidend ist die Gewebeschonung unter der Haut.

Am OP-Tag darf der Patient weder trinken, essen oder rauchen. Eventuell notwendige Medikamenteneinnahmen werden mit einem kleinen Schluck Wasser getätigt. Der Patient sollte sich am Morgen vor der Operation ausgiebig duschen, da hierdurch eine intensive und gute Reinigung der Haut erfolgt. So wird das Infektionsrisiko der Wunde und des Kunstgelenkes weiter reduziert. Bei Schwierigkeiten hierbei sollte sich der Patient vom Pflegepersonal helfen lassen. Gleichzeitig wird das Operationsgebiet an der Hüfte vom Pflegepersonal rasiert. Kurz vor der Operation erhält der Patient noch ein Narkosevorbereitungsmedikament und ein OP-Hemd. Er sollte losen Zahnersatz in seinem Nachtschrank lassen. Mit seinem Bett wird er in die OP-Abteilung gefahren und dort auf einen Operationstisch umgebettet. Die für ihn zuständige Narkoseschwester holt ihn ab und er wird auf dem OP-Tisch liegend in den OP-Saal gefahren. Im Vorbereitungsraum wird der Narkosearzt das von ihm gewählte Narkoseverfahren einleiten. Erst nach vollständig eingeleiteter Narkose wird dem Patienten bei Bedarf ein Urinkatheter gelegt und er wird in die für die Operation notwendige Lage gebracht. Bei einem künstlichen Hüftgelenk liegt er in Seitenlage auf der nicht zu operierenden Seite, wobei das Becken durch vordere und hintere Beckenstützen gehalten wird und sein zu operierendes Bein in einer Beinlagerschale liegt.

Die Nachsorge nach einer Hüftprothese-Operation

Die Nachsorge nach einer Teilprothese oder Hüft-TEP ist aufwendig und langwierig. Das künstliche Hüftgelenk muss langsam an seine neuen Aufgaben gewöhnt und angepasst werden. Eine profesionelle orthopädische Reha ist ratsam.

Die Bewegung ist nach dem Einsatz einer Hüftprothese sehr wichtig, um die Funktionsfähigkeit der Prothese selbst zu erhalten und die Muskulatur in die sie eingebettet ist nach der Operation wieder aufzubauen. Gleichzeitig bietet eine gestärkte Muskulatur allen Gelenken Schutz vor Überlastung und damit auch vor Verschleisserscheinungen. Der Aufbau der Muskulatur kann nach einer OP und dem Einsetzen einer Hüftprothese mittels Physiotherapie am gezieltesten gestartet werden. Dabei ist das Therapiekonzept genau auf den Patienten und seine Bedürfnisse zugeschnitten.

Autoren: Prof. Dr. med. Norbert Lindner, Dr. med. Dirk Baumann

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