Ellenbogenprothese - Medizinische Experten

Obwohl das künstliche Ellenbogengelenk bereits seit vielen Jahren weltweit im Einsatz ist, wird es nicht so häufig eingesetzt wie z.B. ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk. Bei der Ellenbogenprothese stehen genau wie beim Einsatz anderer Endoprothesen eine Vielzahl an verschiedenen Typen von künstlichen Ellenbogengelenken zur Verfügung, die je nach Art und Schwere der Vorerkrankung zum Einsatz kommen.

Weitere Informationen zur Ellenbogenprothese finden Sie im Text weiter unten.

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Ellenbogenprothese - Weitere Informationen

Wann braucht man ein künstliches Ellenbogengelenk?

Erst einmal muss man sich den Aufbau und die Funktion des Ellenbogens anschauen, um zu verstehen, wieso dieses Gelenk so wichtig für den Menschen ist. Aufgebaut ist das Ellenbogengelenk aus drei Teilen: dem Oberarmknochen (lat. Humerus) und den beiden Unterarmknochen Elle (lat. Ulna) und Speiche (lat. Radius). Es kann zwei verschieden Arten von Bewegungen durchführen. Der Oberarm und die Elle bilden zusammen ein sogenanntes Scharniergelenk, das für das Beugen und Strecken des Armes zuständig ist. Oberarm und Speiche führen zusammen eine ganz andere Bewegung durch, nämlich die Drehbewegung des Unterarms. Die Gelenkflächen zwischen Elle und Speiche am Unterarm und dem Oberarm sind von Knorpel geschützt, der sowohl als Stossdämpfer der einzelnen Knochen dient, als auch als Schutz vor Abrieb und Verschleiss.

Wird die Knorpelschicht des Gelenks beschädigt, kommt es zu Schmerzen. Für Knorpelschäden am Ellenbogen gibt es verschiedene Ursachen. Die Arthrose und die rheumatische Arthritis sind die häufigsten Gründe für den Einsatz eines künstlichen Ellenbogengelenkes, aber auch ein Knochenbruch oder eine Knochenentzündung können zu Verletzungen an der Knorpelschicht führen. Ist der Knorpel beschädigt, reibt Knochen auf Knochen. Dies verursacht zuerst nur Schmerzen bei der Bewegung, führt später aber auch zu Bewegungseinschränkungen und Schmerzen im Ruhezustand. Beschädigungen des Knorpels können nicht rückgängig gemacht oder chirurgisch repariert werden. Die einzige Behandlung eines solches Verschleisses ist der Einsatz eines künstlichen Ellenbogengelenks.

Was ist eine Ellenbogenprothese?

Eine Endoprothese ist von aussen nicht sichtbar. Sie liegt verborgen im Körper als ein dauerhaftes Implantat, welches nicht einfach abgelegt werden kann. Im Gegensatz zu einer kompletten Prothese eines Gliedmasses nach der Amputation werden beim Einsatz einer Endoprothese nur das betroffene Gelenk und eventuell auch die betroffenen Knochenteile im Inneren der Gliedmassen ersetzt. Im Falle einer Ellenbogenprothese bleibt so der komplette Arm, als auch die funktionale Tätigkeit sowohl des Ellenbogens, als auch der am unteren Ende des Armes befindlichen Hand und Finger gewährleistet.

Eine Ellenbogenprothese besteht in erster Linie aus einer Metalllegierung. In den meisten Fällen ist dies wegen seiner Bruchsicherheit, seiner Stabilität und seiner geringen Allergieanfälligkeit das Metall Titan. Einzelne Teile der Ellenbogenprothese, vor allem in der Region des tatsächlichen Ellenbogengelenks, sind aus einem Polyethylen, einem hochwertigen und resistenten Kunststoff, hergestellt.

Die Lebensdauer einer solchen eingesetzten Ellenbogenprothese variiert stark und liegt je nach Benutzung des künstlichen Ellenbogengelenkes und Alter des Patienten zwischen zehn und fünfzehn Jahren. In recht seltenen Fällen kann es aber auch schon vorzeitig zu einer Lockerung kommen. Bei altersbedingtem Verschleiss oder vorzeitiger Lockerung muss eine Ellenbogenprothese durch eine neue ersetzt werden.

Operativer Einsatz der Ellenbogenprothese

Beim Ersatz des Ellenbogengelenkes durch ein künstliches Gelenk werden die Prothesenteile in den Oberarmknochen und auch die Elle eingesetzt. Oftmals entsteht der Irrglaube, dass komplette Knochen von künstlichen Knochen ersetzt werden. Da jedoch nur das betroffene Gelenk ersetzt wird und der gesunde Knochen so weit wie möglich erhalten werden soll, werden Ellenbogenprothesen im Inneren des Knochens (dem Knochenmark) mit einem speziellen Zementkleber verankert. Dies hat den Vorteil, dass die Stabilität des Armes durch den eigenen Knochen erhalten bleibt. Die in den Oberarm und die Elle eingeführten Prothesenschäfte sind über ein künstliches Ellenbogengelenk verbunden, welches wie das zuvor vorhandene körpereigene Scharniergelenk funktioniert. Beim Einsatz einer solchen Ellenbogenprothese spricht man von einer Totalprothese, da das komplette Ellenbogengelenk ersetzt wird. In leichten Fällen von Verschleiss am Ellenbogengelenk kann auch nur eine sogenannte Teilprothese eingesetzt werden, die, wie der Name schon sagt, nicht das komplette Gelenk, sondern nur einen kleinen Teil davon ersetzt.

Eine Operation zum Einsatz einer Ellenbogenprothese kann sowohl unter Voll-, als auch unter Teilnarkose durchgeführt werden. Bei einer Teilnarkose wird eine lokale Betäubung an der Schulter im Halsbereich gesetzt. Danach ist der komplette Arm gefühllos, der Patient jedoch bei vollem Bewusstsein. Bei einer Vollnarkose wird der Patient in einen Schlafzustand versetzt und schläft während der kompletten Operation.

In der Regel dauert der Eingriff etwa ein bis zwei Stunden. Am Anfang wird auf der Rückseite des Oberarms längs zum Ellenbogengelenk verlaufend ein Schnitt gesetzt. Die hier verlaufende Muskulatur wir behutsam zur Seite geschoben, um sie nicht zu verletzen, bevor das zerstörte Knorpelgewebe des Gelenkes entfernt wird. Eventuell können auch kleine Teile der Knochen entfernt werden, wenn sie durch Abrieb und Verschleiss bereits zu angegriffen sind und keinen ausreichenden Halt für die Ellenbogenprothese mehr bieten würden. Danach werden Oberarm und Elle für den Einsatz der Titanschäfte in das Knochenmark vorbereit, bevor die Ellenbogenprothese schliesslich komplett eingesetzt und im Knochen zementiert wird.

Je nach Operationsmethode und persönlichem Befinden nach der Operation, dauert ein Aufenthalt im Krankenhaus zwischen fünf und sieben Tagen. In seltenen Fällen, vor allem bei höherem Alter des Patienten, kann jedoch auch ein Krankenhausaufenthalt von bis zu zwei Wochen angebracht sein.

Risiken einer Ellenbogenprothese

Wie bei jeder eingesetzten Endoprothese gibt es natürlich auch bei einem künstlichen Ellenbogengelenk einige Risiken. Diese fangen schon bei der Operation mit den üblichen Nebenwirkungen wie Thrombose, Embolie, Herz-, Lungen- und Kreislaufproblemen oder Medikamentenunverträglichkeit an. Da diese Risiken bei jedem operativen Eingriff auftreten können, werden sie im Vorfeld durch ein intensives Gespräch bereits abgeklärt.

Eine Materialunverträglichkeit gegenüber der Ellenbogenprothese gibt es nur in sehr seltenen Fällen. Das künstliche Ellenbogengelenk ist in der Regel aus Titan gefertigt, um allergische Reaktionen gegenüber Metallen so gering wie möglich zu halten. Titan ist weltweit das am geringsten allergene Metall überhaupt.

Häufiger möglich auftretende Komplikationen sind unter anderem Blutergüsse, Wundheilungsstörungen, Nervenschädigungen (die meist nur vorrübergehend sind) und eingeschränkte Beweglichkeit des Ellenbogengelenks, die aber auf das Endresultat in der Regel keinen Einfluss nehmen.

In sehr seltenen Fällen kann es zu einer sogenannten Protheseninfektion kommen, die nur operativ behandelt werden kann. Ebenfalls nur operativ behandelt werden kann eine Prothesenlockerung, die in der Regel nach etwa zehn bis fünfzehn Jahren durch die tägliche Belastung der Ellenbogenprothese eintritt. In diesem Fall muss die Prothese verschleissbedingt ausgetauscht werden.

Direkt nach der Operation

Nach dem Einsatz des künstlichen Ellenbogengelenkes und des Vernähens der Öffnungsstelle auf der hinteren Seite des Oberarms wird das komplette Ellenbogengelenk erst einmal durch eine Schiene in gestreckter Haltung ruhiggestellt. Um einen Bluterguss im Gelenk und ein Nachbluten zu vermeiden, sind zuvor Drainagen gelegt worden, die den Blutabfluss aus dem Inneren des Ellenbogens gewährleisten. Eventuell kann auch ein sogenannter Schmerzkatheter gelegt werden, der eine kontinuierliche Gabe an Schmerzmittel ermöglicht und so eine relative Schmerzfreiheit für den Patienten garantiert.

Innerhalb relativ kurzer Zeit wird die Schiene wieder entfernt und das Ellenbogengelenk mobilisiert. Der Patient wird unter ärztlicher Aufsicht zu einer ersten Bewegung des neuen Gelenkes aufgefordert. Durch einen vorhandenen Schmerzkatheter oder die Gabe von Schmerzmitteln sollte dieser Vorgang bereits relativ schmerzfrei sein. Noch während des Krankenhausaufenthalts wird die Bewegung des künstlichen Ellenbogengelenkes durch überwachte Physiotherapie immer wieder angeregt und auch trainiert.

Nach der Entlassung

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus ist weiterhin eine gezielte Physiotherapie notwendig, die ambulant durchgeführt werden. Eine stationäre Reha wie es bei vielen anderen Prothesen, wie z.B. einer Hüftprothese oder Knieprothese, notwendig ist, ist bei einem künstlichen Ellenbogengelenk in der Regel nicht notwendig. In der Physiotherapie wird das Ellenbogengelenk langsam wieder an seine tatsächliche Funktion gewöhnt und die neue Bewegungsart durch das künstliche Gelenk trainiert. Der Umgang mit einem künstlichen Ellenbogengelenk wird in der Therapie genauso erlernt wie Hinweise gegeben, welche Aktivitäten weiterhin ausgeführt werden dürfen und welche nicht. Mit einer Ellenbogenprothese sollten sämtliche Tätigkeiten, die den Ellenbogen stark belasten (z.B. Tennis oder Golf) nicht mehr durchgeführt, als auch dauerhaft keine schweren Lasten von mehr als einem Kilogramm gehoben werden. Da gerade das letztere im Alltag nicht immer ganz einfach ist, wird in der Physiotherapie gezielt eine alltagsschonende Bewegung für den Ellenbogen erlernt.

In den meisten Fällen ist der Ellenbogen nach ca. sechs Wochen wieder komplett funktionsfähig und es treten nur noch leichte Beschwerden auf.

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