Beckenbruch - Medizinische Experten

Das Becken besteht aus mehreren miteinander fest verbundenen Knochen und stellt die Verbindung zwischen der Wirbelsäule und den Beinen her. Es bietet den Eingeweiden Halt. Ein Beckenbruch (Beckenfraktur) ist ein feiner Riss, der einen der Beckenknochen durchzieht. Er tritt meist als Folge von Stürzen oder Verkehrsunfällen auf.

Weitere Informationen zu den Ursachen, den Symptomen und der Behandlung eines Beckenbruchs finden Sie weiter unten.

Übersicht

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Beckenbruch - Weitere Informationen

Bei Beckenfrakturen unterscheidet man Verletzungen des Beckenringes und solche der Hüftpfanne (Acetabulum). Je nachdem, wie stabil der Beckenring ist, liegt dann ein stabiler oder ein instabiler Beckenbruch vor.

Ist der Verunfallte noch zusätzlich an anderen Körperstellen verletzt, spricht man von einem Polytrauma. So erleiden 4 von 10 Verletzten noch zusätzlich ein Schädel-Hirn-Trauma. Zu Verletzungen der Unterleibsorgane kommt es bei jedem vierten Unfallopfer mit Beckenfraktur.

Welche Arten von Beckenbrüchen gibt es?

Ist der Beckenknochen nicht durchgebrochen, handelt es sich um eine unvollständige Beckenfraktur. Nur in seltenen Fällen bricht er vollständig durch. Dann spricht der Mediziner von einem vollständigen Beckenbruch. Bei einem vollständigen Beckenbruch besteht oft Lebensgefahr, da sich im Unterleib eine Vielzahl grosser Blutgefässe befinden. Sie können schon bei geringen Beckenbewegungen reissen, sodass der Patient an inneren Blutungen stirbt.

Stabiler Beckenbruch

Beim Beckenbruch des Typs A ist der Beckenring nicht geschädigt. Es besteht keine Lebensgefahr für den Patienten, da es sich nur um Kreuzbein- und Steissbein-Brüche handelt. Sie verlaufen quer und heilen oft von selbst.

Instabiler Beckenbruch

Beim Beckenbruch des Typs B sind der vordere und der hintere Beckenring gebrochen. Das Becken ist nur noch vertikal stabil, nicht jedoch rotatorisch (rundum). Das ist beispielsweise bei einem Schambein-Bruch der Fall. Die beiden Hälften des Schambeins - es befindet sich ganz unten am Becken - sind dann wie ein Buch aufgeklappt. Wer dieses "open book" hat, ist nicht mehr imstande zu laufen.

Komplett instabiler Beckenbruch

Beim Beckenbruch Typ C sind die Beckenknochen vertikal und auch rundum instabil.

Hüftpfannenfraktur

Bei der Hüftpfannenfraktur, auch Azetabulumfraktur genannt, ist die Hüftpfanne gebrochen. Als Hüftpfanne (Acetabulum) bezeichnet man die knöcherne Rundung, in der der obere Teil des Oberschenkelknochens sitzt. Die Hüftpfannen befinden sich rechts und links an der Beckenaussenseite.

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Welche Ursachen für einen Beckenbruch gibt es?

Die Beckenfraktur kommt durch Gewalteinwirkung auf die Beckenknochen zustande (Unfall, Sturz). Auf welche Weise und wie stark der Unterbauch dabei geschädigt wird, hängt davon ab, aus welcher Richtung die Gewalt kommt und wie intensiv diese Kräfte sind.

Seitlich auf das Becken einwirkende Kräfte sorgen für eine Krümmung des Beckenrings. Kommt die Kraft von vorn, bewegen sich die Beckenschaufeln nach hinten. Von oben nach unten gerichtete Gewalt verschiebt die Becken-Hälften senkrecht gegeneinander.

Ein erhöhtes Risiko, einen Beckenbruch zu erleiden, haben alte Menschen mit Osteoporose. Die Erkrankung betrifft meist Frauen ab 60 und ist Folge von langjährigem Kalziummangel. Dadurch wird die Knochensubstanz brüchig. Bei Patienten mit Osteoporose kann schon ein harmloser Sturz eine komplizierte Beckenfraktur verursachen.

Symptome und Diagnose eines Beckenbruchs

Eine stabile Beckenfraktur verursacht in der Regel weniger starke Beschwerden als ein instabiler Knochenbruch. Zu den häufigsten Beckenbruch-Symptomen gehören:

  • starke Schmerzen im Bereich des Beckens
  • Schwellungen in der Hüftregion
  • eingeschränkte Mobilität eines Beines
  • Blutergüsse am Verletzungsort
  • unterschiedliche Beinlängen
  • Gefühl der Instabilität im Beckenbereich
  • Fehlstellung der Beckenknochen
  • blutiger Urin durch Blasenverletzung
  • stark erhöhter Puls
  • blasses Gesicht
  • Unruhezustände
  • Verwirrtheit

Die Diagnose des Beckenbruchs erfolgt durch einen Facharzt für Unfallchirurgie und Orthopädie. Liefert man den Verunglückten in die Notaufnahme einer Klinik ein, nimmt man zuerst den Unfallhergang auf.

Daran schliesst sich die Untersuchung des Verletzten auf körperliche Schäden an. Der Unfallchirurg tastet die Beckenknochen vorsichtig auf fühlbare Fehlstellungen ab. Ein leichter Druck auf die Beckenschaufel lässt erkennen, ob die Beckenknochen stabil oder instabil sind.

Ein Abtasten der Schambeinfuge - sie befindet sich zwischen den beiden halbrunden Schambeinknochen - und eine Untersuchung des Enddarms dient dazu festzustellen, ob der Patient Unterleibsblutungen hat. Ausserdem kontrolliert der untersuchende Facharzt die Bewegungs- und Empfindungsfähigkeit beider Beine. So findet er heraus, ob er ausserdem noch Nervenschäden hat.

Die Überprüfung des Pulses gibt Auskunft darüber, ob die Extremitäten ausreichend durchblutet sind. Anhand des Becken-Röntgen-Bildes lässt sich feststellen, ob die Beckenfraktur stabil oder instabil ist.

Befürchtet der Untersucher, dass auch noch der hintere Beckenring gebrochen ist, lässt er noch zusätzlich Schrägbilder machen. So lassen sich zum Beispiel verschobene Beckenknochen-Teile genau lokalisieren.

Auch die Computertomografie (CT), ein weiteres bildgebendes Verfahren, ist in diesem Fall eine grosse Hilfe: Sie lässt Aussagen über die Schwere der Beckenfraktur zu. Auf dem Computertomogramm lassen sich ausserdem noch Weichteil-Verletzungen und Blutergüsse gut erkennen.

In den Bauchraum ausgetretenes Blut kann man auch auf dem Ultraschallbild deutlich sehen. Je nachdem, welche anderen Verletzungen der Beckenbruch-Patient noch hat, folgen weitere Untersuchungen: Urethrografie zur Diagnose von Harnröhrenabrissen, Ausscheidungsurografie zur Feststellung von Verletzungen an den Harnwegen, Angiografie zur Lokalisierung der Blutung.

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Von Benutzer:OrthoPat - eigenes Archiv (mit freundlicher Genehmigung Dr. W. Cordier, Wuppertal), CC BY-SA 3.0, Link

Wie wird ein Beckenbruch behandelt?

Die Behandlung eines Beckenbruchs ist davon abhängig, wie stark die Verletzungen des Patienten sind und in welchem körperlichen Allgemeinzustand er sich befindet.

Die Beckenfraktur des Typs A behandelt man konservativ: mehrere Tage Bettruhe, Verabreichung von schmerzlindernden Medikamenten und Physiotherapie (Bewegungsübungen).

Der Beckenbruch Typ B und Typ C erfordert eine notfallmedizinische Versorgung und einen operativen Eingriff. Da der Patient an starkem Blutverlust leidet, muss man ihn zuerst stabilisieren, das heisst, die Blutung stoppen. Ausserdem verabreicht man ihm intravenös viel Flüssigkeit, damit er nicht kollabiert.

Dann stabilisiert man das beeinträchtigte Becken mit einem vorderen Fixateur externe. Das ist ein aus Metallteilen bestehendes Haltesystem, das von aussen über die Haut am Knochen festgemacht wird und den Knochenbruch ruhigstellen soll.

Alternativ kann man auch eine Beckenzwinge einsetzen. Das chirurgische Notfallinstrument hat Stangen und Platten und kommt immer dann zum Einsatz, wenn der Patient verbluten könnte. Beckenzwingen verwendet man meist nur in Schwerpunktkliniken.

Hüftpfannenbrüche behandelt man grundsätzlich immer operativ, um einem vorzeitigen Verschleiss des Gelenks vorzubeugen. Da der Eingriff sehr schwierig ist, führt man ihn vorzugsweise in einer Spezialklinik durch. Dabei fixiert der Unfallchirurg den gebrochenen Gelenkteil mit metallenen Platten und Schrauben oder dem Fixateur externe.

Wie lange dauert der Heilungsprozess bei einem Beckenbruch?

Wie schnell der Beckenbruch verheilt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem davon, um welchen Typ Knochenbruch es sich handelt. Stabile Beckenfrakturen wie beispielsweise ein Steissbeinbruch heilen in der Regel schnell und komplikationslos innerhalb von 4 bis 8 Wochen ab, ohne Spätschäden zu hinterlassen.

Ist die Behandlung des instabilen Bruchs (Typ B und C) erfolgreich verlaufen und treten keine Komplikationen auf, liegt die Heilungsdauer bei mehreren Monaten. Die meisten Patienten können danach wieder ein normales Leben führen. Mitunter kommt es jedoch zu bleibenden Schäden wie Inkontinenz (unwillkürlichem Abgang von Urin oder Stuhl) und männlicher Impotenz (Beeinträchtigung der Sexualfunktion).

Die Dauer der Heilung hängt natürlich auch von individuellen Faktoren wie Lebensalter und Gesundheitszustand des Verunfallten ab.

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