Acetabulumfraktur: komplizierte Form des Beckenbruchs

Unter einer Acetabulumfraktur (auch Azetabulumfraktur) ist ein Knochenbruch im Bereich der Hüftgelenkspfanne zu verstehen. Sie zählt zu den besonders schwerwiegenden Frakturen, wenn es um einen Bruch im Beckenbereich geht. Eine Acetabulumfraktur ist oftmals die Folge eines schweren Unfalls und wird daher von Unfallärzten oder Orthopäden behandelt. Als Behandlungsoption kommt in der Regel – neben der Gabe von starken Schmerzmitteln – nur ein operativer Eingriff in Frage.

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Azetabulumfraktur - Weitere Informationen

Was ist das Acetabulum?

Das Acetabulum ist die Becken- oder Hüftpfanne. In knöcherner Form bildet sie wie ein Halbmond einen Teil des Hüftgelenks. Das Acetabulum ist der Treffpunkt von Sitzbein, Schambein und Darmbein. 

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Wie kommt es zu einer Acetabulumfraktur?

Bei einer Acetabulumfraktur handelt es sich um eine Gelenkfraktur, die eine Sonderstellung bei einem Beckenbruch einnimmt. Eine Acetabulumfraktur kann die Folge schwerer direkter oder indirekter Gewalteinwirkung sein. Dies geschieht beispielsweise, wenn der Kopf des Oberschenkels schlagartig gegen die Hüftgelenkspfanne gedrückt wird.

Eine indirekte Gewalteinwirkung liegt vor, wenn es zu einer Ableitung der Kraft über den Oberschenkelknochen kommt. Dies kann zum Beispiel bei einem Auffahrunfall auftreten, wenn das Knie am Armaturenbrett aufprallt. Häufig tritt eine Acetabulumfraktur gemeinsam mit einer Verrenkung des Hüftgelenks auf. In rund 15 Prozent der Fälle kommt es zusätzlich zu einer Verletzung des Ischiasnervs.

Die Symptome bei einer Acetabulumfraktur

Die Beschwerden bei einer Acetabulumfraktur sind den allgemeinen Symptomen bei einem Beckenbruch sehr ähnlich und beinhalten starke Schmerzen, Schwellungen sowie unter Umständen einen instabilen Beckenknochen. Zudem können Blutergüsse an den betroffenen Partien auftreten. In manchen Fällen können die Beine aufgrund des Beckenbruchs unterschiedlich lang sein.

Diagnose und Untersuchungen bei einer Acetabulumfraktur

Der geeignete Facharzt für eine Acetabulumfraktur ist in aller Regel ein Arzt für Unfallchirurgie und Orthopädie. Es ist für die Diagnose wichtig, den Unfallhergang und die Krankengeschichte möglichst genau zu erfassen. Daher wird der Arzt den Angehörigen oder dem Patienten folgende Fragen stellen:

  • Wie ist es zu dem Unfall gekommen?
  • Wie lassen sich die Schmerzen beschreiben?
  • Gab es bereits zuvor Beschwerden?
  • Sind Vorschäden oder frühere Verletzungen bekannt?

An die Befragung des Patienten schliessen sich verschiedene Untersuchungen an. Körperliche Untersuchung Der Arzt wird den Patienten gründlich auf äussere Verletzungen untersuchen. Auch eine Abtastung des Beckens ist sinnvoll, um mögliche Unregelmässigkeiten festzustellen. Der Arzt kann die Stabilität des Beckens einschätzen, wenn er die Beckenschaufel mit sanftem Druck untersucht.

Um innere Blutungen auszuschliessen, ist auch eine rektale Untersuchung mit dem Finger nicht unüblich. Zudem wird der Mediziner die Sensibilität, Motorik sowie Durchblutung der Beine und Füsse prüfen, um auf mögliche Nervenschäden zu prüfen.

Bildgebende Verfahren

Röntgen: Um eine Acetabulumfraktur eindeutig diagnostizieren zu können, ist eine Röntgenaufnahme des Beckens wichtig. Hierdurch lässt sich die genaue Stelle des Bruchs lokalisieren und einschätzen, ob es sich um einen instabilen oder stabilen Bruch handelt.

Ultraschall: Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung lässt sich der Bauchraum auf mögliche Verletzungen der inneren Organe untersuchen. Zusätzlich lässt sich bei einer Sonografie erkennen, ob freie Flüssigkeit – beispielsweise Blut – im Bauchraum vorhanden ist.

CT: Insbesondere beim Verdacht auf eine Acetabulumfraktur stellt die Computertomographie eine zuverlässige Untersuchungsmethode dar. Auf diese Weise können genaue Aussagen über das Ausmass der Verletzung getroffen werden. Zusätzlich lässt sich mithilfe einer CT-Untersuchung auch der Zustand der Weichteile besser beurteilen. Bei dieser Untersuchung ist gut erkennbar, in welchem Ausmass sich ein Bluterguss ausgebreitet hat.

Weitere spezielle Untersuchungen Bei einem Beckenbruch bzw. einer Acetabulumfraktur können zusätzlich Verletzungen an den harnableitenden Wegen – also Blase, Harnröhre oder Harnleiter – auftreten. Aus diesem Grund ordnet der behandelnde Arzt bei einer Acetabulumfraktur meisten auch eine Ausscheidungsurographie an. Hierbei lassen sich die ableitenden Harnwege und Nieren untersuchen.

Zu diesem Zweck bekommt der Patient ein Kontrastmittel verabreicht, das in eine Vene gespritzt wird. Dieses Kontrastmittel scheidet der Körper über die Nieren aus und ist auf dem Röntgenbild sichtbar.

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Die Behandlung einer Acetabulumfraktur

Bei einer Acetabulumfraktur handelt es sich um eine schwere Verletzung, die nahezu in allen Fällen operiert werden muss. Dies geschieht auch mit dem Ziel, einen vorzeitigen Gelenkverschleiss zu vermeiden. Nach erfolgter Operation müssen die Patienten einige Wochen lang Bettruhe einhalten. Sollte neben der Acetabulumfraktur ein mehrfacher Beckenbruch vorliegen, kann es möglicherweise einige Monate dauern, ehe der Patient wieder seine Beine belasten darf.

Bei einer Operation der Hüftpfanne im Zuge einer Acetabulumfraktur handelt es sich um einen anspruchsvollen Eingriff. Aus diesem Grund sollte die Operation in spezialisierten Zentren erfolgen. Im Rahmen der Operation werden die Bruchteile mit Platten und Schrauben bzw. einem äusseren Stabilisator fixiert. Während der akuten Phase kommen hauptsächlich Narkosemittel zum Einsatz.

Zudem werden durch die schmerzlindernden Medikamente physiotherapeutische Übungen für den Patienten möglich. Viele Schmerzmittel verfügen über beruhigende Eigenschaften, was bei Patienten mit einer Acetabulumfraktur positive Wirkung zeigt.

Reha nach einer Acetabulumfraktur

Eine Acetabulumfraktur stellt einen vergleichsweise komplizierten Bruch dar, bei dem eine lange Regenerationsphase wichtig ist. So dauert es Wochen oder Monate, ehe der Patient seine Beine wie gewohnt belasten darf. Grundsätzlich ist es bei einem Beckenbruch wichtig, früh mit der Mobilisation zu beginnen, um das Risiko für Thrombose zu verringern und einen Abbau der Muskulatur zu verhindern.

Am Anfang der Physiotherapie ist Bewegungstherapie im Wasser ideal geeignet, um die Muskulatur zu stärken und einen normalen Bewegungsumfang wiederzuerlangen, selbst wenn eine volle Belastung des Beins in dieser Phase noch nicht realistisch ist. Das Programm besteht vorwiegend aus passiver sowie assistierter aktiver Mobilisation.

So führt der Patient mithilfe des Physiotherapeuten isometrische Übungen durch. Diese Übungen beinhalten zunächst ein Anspannen der Muskulatur ohne aktive Bewegung. Später werden konzentrische Übungen durchgeführt – also Übungen, bei denen der Patient die Muskulatur bei Bewegung anspannt. Mit Voranschreiten der Therapie wird dann mit einer Rehabilitation auf einem Ergometer sowie speziellen Übungen für den Lenden- und Kreuzbereich sowie das Hüftgelenk begonnen. Erst nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt sollte der Patient nach Abschluss der Reha-Massnahmen mit leichten Sportarten starten.

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