Darmpolypen – entfernen obligatorisch

Darmpolypen sind Wucherungen der Darmschleimhaut, die überwiegend im Dickdarm und im Rektum auftreten. Darmpolypen sind zunächst harmlose Fehlentwicklungen, die aus unterschiedlichen Geweben in der Darmwand hervorgehen können.

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Darmpolypen - Weitere Informationen

Mediziner unterscheiden hyperplastische Polypen von neoplastischen. Hyperplastische Polypen bestehen aus Gewebe, das alle Eigenschaften seines Ursprungsgewebes behalten hat; sie sind in aller Regel harmlos. Neoplastische Polypen bestehen dagegen aus Gewebe, das die differenzierten Eigenschaften seines Ursprungsgewebes teilweise oder ganz verloren hat, also bei einer mikroskopischen Untersuchung nicht mehr das normale Bild von Muskel-, Lymph-, Binde- oder Drüsengewebe bietet.

Darmpolypen

Neoplastische Polypen sind problematischer. Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen entstehen nach langjährigen Krankheitsverläufen oft sogenannte Pseudopolypen. Hierbei handelt es sich um Narbengewebe, das infolge der wiederholten schweren Entzündungen der Darmschleimhaut gebildet wurde. Pseudopolypen sind harmlos; ihr verstärktes Auftreten kann allerdings die Diagnose echter Darmpolypen behindern. Die meisten Darmpolypen sind neoplastische Adenome. Nach ihrem Erscheinungsbild unterscheidet man zwischen:

  • tubulären Adenomen (häufig gestielte Pilzform)
  • villösen Adenomen (eher breitbasige Blumenkohlform)
  • tubulo-villösen Adenomen (Mischform)
  • sessilen Adenomen (wachsen flach und breit auf der Darmschleimhaut)

Darmpolypen zeigen in der Regel ein langsames Wachstum. Jedoch ändern sie beim Wachstum ihren Charakter und können zu bösartigen Tumoren mit der Fähigkeit zur Metastasenbildung entarten. Da insbesondere Adenome Vorstufen von malignen (bösartigen) Adenokarzinomen sein können, werden die meisten aufgefundenen Darmpolypen sicherheitshalber entfernt.

Was sind die Ursachen von Darmpolypen?

Eine Neigung zur Ausbildung von Darmpolypen kann teilweise angeboren sein. Aber diese erblichen Polyposen machen nur wenige Prozent der Gesamtheit der diagnostizierten Fälle von Darmpolypen aus. Die meisten Darmpolypen treten eher in der zweiten Lebenshälfte auf und sind wohl das Resultat von Zufallsmutationen in den Geweben der Darmwand. Die Fachwelt ist sich einig darüber, dass Ernährung und Lebensgewohnheiten bei ihrer Entstehung eine bedeutende Rolle spielen.

Als Risikofaktoren für die Entstehung beziehungsweise Entartung von Darmpolypen werden gewöhnlich eine ballaststoffarme, fettreiche Ernährung genannt, weiterhin Bewegungsarmut, Übergewicht, Rauchen und Alkohol, auch wenn der Nachweis eines deutlichen kausalen Zusammenhangs (im Gegensatz zu einer reinen Assoziation dieser Faktoren mit dem Auftreten von Darmpolypen) kompliziert ist.

Zusammenhänge zwischen Übergewicht, Bewegungsarmut sowie langjährigem Rauchen einerseits und dem Risiko von Adenomen andererseits sind jedoch überzeugend belegt. Weiterhin existiert ein Zusammenhang des Darmpolypen-Risikos mit anderen Erkrankungen, insbesondere Diabetes und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.

Symptome von Darmpolypen

Kleine Darmpolypen bleiben fast immer völlig symptomfrei. Grössere Polypen können zumeist unauffällig bleibenden Blutbeimengungen und/oder zu auffälligen Schleimbeimengungen im Stuhl führen. Mit zunehmender Grösse der Polypen können Unregelmässigkeiten im Stuhlgang (Durchfall oder Verstopfung) sowie Unterleibsschmerzen auftreten.

Diagnose von Darmpolypen

Darmpolypen lassen sich zuverlässig durch eine Koloskopie (Darmspiegelung) diagnostizieren. Eine präventive Koloskopie zur Darmkrebsfrüherkennung wird in Deutschland von den Krankenkassen ab dem 55. Lebensjahr alle zehn Jahre empfohlen und auch ohne besondere Indikation finanziert. Eine Stuhluntersuchung auf nicht sichtbares Blut wird ab dem 50. Lebensjahr in jährlichen Abständen empfohlen und kassenfinanziert. Ein positiver Befund zieht eine Koloskopie zur weiteren Befundabklärung nach sich.

Treten Beschwerden auf (sichtbares Blut im Stuhl, unklare Bauchschmerzen, auffällige Stuhlgangsveränderungen), oder liegt ein familiär erhöhtes Risiko vor, ist die Darmspiegelung in jedem Lebensalter eine Kassenleistung. Bei der Koloskopie wird ein flexibler Koloskop-Schlauch vom After aus in den zuvor durch ein hochwirksames Abführmittel und eine bis zu 24-stündige Nahrungskarenz (Verzicht auf Nahrung) möglichst vollständig entleerten Darm eingeführt.

Der Schlauch enthält eine Lichtquelle und eine Kamera, die kontinuierlich Aufnahmen der Darmwand auf einen Monitor überträgt. Die Inspektion der gesamten Darmschleimhaut vom Rektum bis zum Übergang zwischen Dickdarm und Dünndarm nimmt etwa 25 Minuten in Anspruch.

Behandlung von Dickdarmpolypen

Wird während der Koloskopie ein Darmpolyp bemerkt, wird er, soweit möglich, sofort entfernt. Dafür stehen, abhängig von Grösse und Form des Polyps, unterschiedliche Techniken zur Verfügung. Grundsätzlich werden die benötigten Instrumente durch den Schlauch des Koloskops zur Darmwand vorgeschoben.

Gestielte Polypen werden gewöhnlich entfernt, indem eine Drahtschlinge um den Stiel gelegt und zusammengezogen wird (Schlingen-Polypektomie). Ein elektrischer Strom durch den Draht schneidet den Polypen von der Darmwand los und kauterisiert (verschliesst) gleichzeitig die Wunde. Sessile (ungestielte, flach und breit wachsende Polypen) können ebenfalls mit der Drahtschlinge entfernt werden. Oft muss dies jedoch in mehreren Stücken geschehen. Das Risiko, einerseits den Polypen nicht vollständig zu entfernen oder andererseits die Darmwand erheblich zu verletzen, ist dabei relativ hoch.

Ortenau Klinikum Darmspiegelung

Seit einigen Jahren gibt es verbesserte Methoden zur Entfernung sessiler Darmpolypen: die endoskopische Mukosaresektion(EMR) und die endoskopische Submukosadissektion (ESD). Bei EMR wie ESD wird der sessile Darmpolyp durch Unterspritzen mit Kochsalzlösung oder einer speziell formulierten anderen Injektionslösung von der Darmwand abgehoben.

Bei der EMR wird das veränderte Gewebe nun wieder mit einer Schlinge erfasst und abgetragen. Bei der ESD wird der Polyp mit einer durch den Endoskopschlauch eingeführten Spezialklinge umschnitten und herausgelöst. Die Alternative zur ESD ist bei grossen Polypen die operative Entfernung durch einen laparoskopischen (Schlüssellochchirurgie) oder klassischen chirurgischen Eingriff von aussen.

Prognose und Heilungsaussichten

Nach Entfernung des oder der Darmpolypen erfolgt eine gründliche mikroskopische Untersuchung des Gewebes. Erweist sich ein Polyp als neoplastisch (also mit dem Potential zur malignen Entartung) mit bereits mehr oder weniger ausgeprägten Veränderungen gegenüber den Eigenschaften normalen Gewebes, werden in regelmässigen Abständen Kontroll-Koloskopien angesetzt. Damit sind die Voraussetzungen, auch weitere Polypen rechtzeitig zu diagnostizieren und zu entfernen, hervorragend, und das Darmkrebsrisiko bleibt gering.

Das Risiko des Wiederauftretens von Darmpolypen vom Adenom-Typ wird, abhängig von Art, Grösse und Zahl der im ersten Eingriff entfernten Polypen, vom Grad der in der Biopsie festgestellten Entartungsneigung und der Entfernungstechnik (stückweise oder im Ganzen) mit 10 bis 20 Prozent beziffert. Erneut auftretende Adenome können in über 90 Prozent der Fälle ebenfalls komplikationslos entfernt werden.

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