Analkarzinom - Medizinische Experten

Das Analkarzinom ist eine bösartige Krebserkrankung des Analbereichs. Dabei wird je nach der Lage im Körper zwischen einem Analkanalkarzinom und einem Analrandkarzinom unterschieden. Mehr als 80 Prozent aller Analkarzinome befinden sich im Analkanal, also dem Übergang des Enddarms in den Anus. Die Analrandkarzinome sind hingegen Tumore der Haut. Sie treten als Hautveränderungen des Afters in Erscheinung und werden meist als ekzemartig beschrieben.

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Analkarzinom – bösartiger Tumor im Bereich des Anus

Der Analkrebs wird den Darmkrebserkrankungen zugeordnet. Allerdings sind nur ein bis zwei Prozent aller Krebserkrankungen des Dickdarms auch tatsächlich Analkarzinome. Somit gehört dieses Karzinom zu den selteneren bösartigen Tumoren. Jährlich erkranken von 100.000 Menschen rund 0,2 an einem Analkanal- oder einem Analrandkarzinom.

Der Krebsbefall der Analgegend betrifft überwiegend Frauen, während Männer eher Analrandkarzinome aufweisen. Die meisten Analkarzinome treten nach dem 60. Lebensjahr auf.

Wie entsteht ein Analkarzinom?

Die genauen Ursachen von Analkrebs sind nicht ganz klar. Es gibt jedoch verschiedene Risikofaktoren, die die Entartung der Zellen dort begünstigen können. Dazu gehören insbesondere Schädigungen der Haut im Analbereich. Diese können zum Beispiel durch chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa hervorgerufen werden.

Auch eine Infektion mit Humanen Papillomaviren (HPV) ist mit der Entstehung des Analkarzinoms assoziiert. Die Erreger zählen zu den am häufigsten sexuell übertragenen Viren. Bis zu 85 Prozent aller Patienten mit Analkrebs sind mit den Papillomaviren infiziert. Insbesondere „High-risk“-Typen wie HPV 16, 18, 31 und 33 führen über verschiedene Zwischenstufen, den sogenannten Präkanzerosen, zu Karzinomen. Da die Papillomaviren vor allem bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr übertragen werden, gilt vor allem passiver Analverkehr als weiterer wichtiger Risikofaktor. Das Risiko einer Ansteckung steigt bei Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Sexualpartnern.

Ein geschwächtes Immunsystem kann ebenfalls die Entstehung einer Krebserkrankung wahrscheinlicher machen. Der Körper kann sich nicht ausreichend gegen Krankheitserreger oder entstehende Tumorzellen wehren. HIV- und AIDS-Patienten sowie Menschen, deren Immunsystem aus verschiedenen Gründen medikamentös unterdrückt werden muss, haben somit ein erhöhtes Risiko, an einem Analkarzinom zu erkranken. Auch das Rauchen zählt zu den Risikofaktoren für Analkrebs.

Wie äussert sich ein Analkarzinom?

Der Analkrebs kann verschiedene Beschwerden verursachen. Bei vielen Patienten zeigen sich Blutauflagerungen auf dem Stuhl. Auch Schmerzen beim Stuhlgang sowie ein quälender Juckreiz im Analbereich können auf einen Tumor hinweisen. Je nach Grösse der Geschwulst verspüren die Betroffenen zudem ein Fremdkörpergefühl.

Wenn der Tumor den Analkanal einengt, kann sich der Kot verformen. Typisch sind hier Einkerbungen oder ein sehr dünner Stuhl. Dieser wird aufgrund seiner charakteristischen Form auch als Bleistiftstuhl bezeichnet. Ferner können Stuhlunregelmässigkeiten auftreten. Dazu gehören Durchfall, Verstopfung oder Wechselstühle. Die Patienten können den Stuhlgang nicht immer kontrollieren und leiden daher unter Stuhlinkontinenz.

Zusätzlich zeigen sich oftmals unspezifische Allgemeinsymptome. Dazu gehören:

  • Abgeschlagenheit und Müdigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Nachtschweiss
  • vergrösserte Lymphknoten

Wie wird das Analkarzinom behandelt?

Bei der Behandlung muss zwischen Analrandtumoren und Analkanalkarzinomen unterschieden werden. Analrandtumore haben insgesamt eine günstigere Prognose. Methode der Wahl und zugleich Standardtherapie ist die vollständige chirurgische Entfernung des Tumors. Damit keine Krebszellen im Analbereich verbleiben, wird dabei meist ein Sicherheitsabstand von einem Zentimeter eingehalten. Um den Patienten auch nach der Operation ein möglichst beschwerdefreies Leben zu ermöglichen, ist ein Ziel der Operation der Erhalt der Stuhlkontinenz. Falls durch die Operation die Gefahr einer Stuhlinkontinenz besteht, kann alternativ eine Strahlentherapie durchgeführt werden.

Ferner kann der Tumor vor der Operation mit einer Radiochemotherapie behandelt werden. Ziel dieser sogenannten neoadjuvanten Therapie ist es, den Tumor zu verkleinern. Vielen Patienten bleibt durch die vorgelagerte Radiochemotherapie ein künstlicher Darmausgang (Anus praeter) erspart. Strahlentherapeutische Massnahmen kommen auch dann zum Einsatz, wenn die regionären Lymphknoten befallen sind. Diese werden jedoch in den meisten Fällen zuvor in einer radikalen Lymphadenektomie operativ entfernt.

Karzinome des Analkanals werden überwiegend mit einer kombinierten Radiochemotherapie behandelt. Dabei erfolgt eine Bestrahlung des Tumorareals und der Lymphknoten im Becken- und Leistenbereich. Diese Strahlentherapie dauert in der Regel zwischen fünf und sieben Wochen. Gleichzeitig erhalten die Patienten eine Chemotherapie. In den meisten Fällen kommen die Zytostatika 5-FU (5-Fluoruracil) und Mitomycin C zum Einsatz. Diese Arzneistoffe sollen das Zellwachstum hemmen und so die schnell wachsenden Zellen des Analkanalkarzinoms abtöten. Die Chemotherapeutika werden über einen Port, der unter die Haut gesetzt wird, verabreicht.

Chemotherapeutika werden ferner zur palliativen Behandlung bei inoperablen metastasierten Analkarzinomen eingesetzt. Bei einem inoperablen Tumor kann die Verengung des Analkanals in einigen Fällen auch mit Kältechirurgie (Kryochirurgie) oder Laser behandelt werden. Die Palliativtherapie soll die Lebensqualität der Patienten verbessern und zugleich die Lebenszeit verlängern.

Fünf Jahre nach der Erstdiagnose leben zwischen 70 und 90 Prozent der Patienten noch. Nach erfolgreicher Therapie müssen in den ersten zwei Jahren alle drei Monate klinische Untersuchungen zum Ausschluss eines Rezidivs, also eines Rückfalls, durchgeführt werden. Eine stationäre Rehabilitation kann bei Stuhlinkontinenz, Folgeschäden durch die Bestrahlung oder bei Patienten mit einem künstlichen Darmausgang sinnvoll sein.

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