Tabuthema Analekzem – das sollten Sie darüber wissen

Über gesundheitliche Probleme in der Analregion spricht man nicht – dieses Tabu gilt für viele Menschen immer noch. Es ist den meisten Menschen peinlich, weil diese Region häufig mit Unsauberkeit verbunden wird. Doch viele Erkrankungen im Analbereich haben absolut nichts mit mangelnder Hygiene und dergleichen zu tun – oft ist sogar das Gegenteil der Fall, wenn übermässiges Säubern zu Allergien und anderen Hautreaktionen führt.

Das Analekzem (oder auch perianales Ekzem) ist Ausdruck einer Hautirritation, die verschiedene Ursachen haben kann und dementsprechend vielfältig behandelt werden muss.

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Es ist fast immer harmlos

Das Analekzem ist keine eigentliche Erkrankung, sondern fast immer ein Resultat einer gesundheitlichen Störung. Es ist also wichtig, die eigentliche Ursache zu identifizieren, um das Analekzem wirksam zu bekämpfen. Die gute Nachricht zuerst: So unangenehm und nervig diese Problematik auch ist, ein Analekzem ist fast immer harmlos. Das ändert jedoch nichts am vergleichsweise hohen Leidensdruck, dem der Patient ausgesetzt ist.

Wie sieht ein Analekzem aus?

Meist herrscht beim Patienten zunächst Unklarheit darüber, was das Problem ist. Häufig wird das Analekzem in eine Reihe mit Hämorrhoidenleiden gestellt, denn auch hier kommt es oft zur Begleiterscheinung des perianalen Ekzems. Aber die meisten Patienten mit Analekzemen haben überhaupt kein Problem mit ihren Hämorrhoiden, weswegen die (oft in Eigenregie) eingeleitete Behandlung nicht unbedingt zielführend ist.

Analekzem

 

Die folgende Liste von typischen Eigenschaften eines Analekzems kann eine erste Eingrenzung der Beschwerden unterstützen. Diese Kennzeichen müssen nicht bei jedem Patienten auftreten und können sowohl einzeln als auch in Kombination vorkommen.

  • leichte bis starke Rötung, in der Regel ohne scharfe Begrenzung
  • rote Flecken, die manchmal auch hellrosa bis weiss erscheinen können
  • nässende und offene Stellen
  • Flechtenbildung (gröbere Hautstruktur)
  • Bläschen, manchmal mit Flüssigkeit gefüllt
Aufgrund der Lage des Analekzems ist es für den Patienten in der Regel schwierig, den genauen Zustand seines Afters selbst zu beurteilen. Spiegel oder eine Handykamera können hier sicherlich helfen, wenn man keine weitere Person um Hilfe bitten möchte oder kann. Im Zweifel sollte aber selbstverständlich immer ein Arzt aufgesucht werden.

Symptome können sehr belastend werden

Neben den optischen und haptischen Veränderungen der vom Analekzem betroffenen Haut sind vor allem die typischen Symptome für den Patienten sehr belastend. In der Regel treten sie auf, bevor der Patient eine Veränderung der Haut bemerkt. Das Ekzem macht sich durch einen teilweise sehr intensiven Juckreiz bemerkbar, der kaum zu stillen ist.

Weiterhin typisch ist das sehr unangenehme Brennen, das entweder von Beginn an oder im Laufe der Zeit hinzukommt. Insbesondere das häufige Kratzen und Reiben an den juckenden Stellen verschlimmert die Situation. Die meisten Patienten empfinden ein Analekzem aber als derart unangenehm, dass sie beim besten Willen kaum verhindern können, diesem Juckreiz nachzugeben.

Woher kommt ein Analekzem?

Die Ursachenforschung ist bei jedem Patienten eine Herausforderung für den Arzt. Da das Analekzem in der Regel als Begleiterscheinung oder als Resultat von Allergien bzw. Hautreizungen auftritt, ist es jedoch wichtig, die Ursache zu ermitteln. Folgende Ursachen kommen für die meisten perianalen Ekzeme infrage:

  • allergisches Analekzem
  • atopisches Analekzem (Neurodermitis)
  • mangelnde oder übertriebene Hygiene
  • mechanische Reizung (z.B. Reibung in Verbindung mit Schweiss)
  • kumulativ-toxisches Analekzem
  • Analekzem als Folge einer Darmerkrankung oder Infektion

Das allergische Analekzem entsteht durch den Kontakt mit Allergenen. Typisch ist etwa eine Allergie gegen bestimmte Inhaltsstoffe (vor allem Duftstoffe) von Seifen und anderen Reinigungsmitteln oder eine Kontaktallergie beim Tragen von Slipeinlagen oder der Benutzung bestimmter Toilettenpapiere (insbesondere feuchtem Toilettenpapier). Wird in der Perianalregion mit Medikamenten in Salbenform behandelt (z.B. gegen Hämorrhoiden), kann das ebenfalls die Ursache für eine allergische Reaktion sein.

Beim atopischen Analekzem liegt die Ursache in einer Überempfindlichkeit der Haut. Ursache können chemische Inhaltsstoffe von kosmetischen Produkten und Salben sein, aber auch Inhaltsstoffe bestimmter Nahrungsmittel (scharfe Gewürze, Zitrusfrüchte etc.). Mangelnde oder übertriebene Hygiene kann ebenso ein Analekzem verursachen wie eine mechanische Reizung der Perianalregion. Besonders häufig tritt dies bei Radfahrern und anderen Sportlern auf, die stark schwitzen und das Aneinanderreiben der Pobacken zur Grundbewegung gehört. Übermässige Hygiene kann ebenfalls zu Rötungen führen – ähnlich wie übertriebenes Händewaschen.

Bei einem kumulativ-toxischen Analekzem liegt die Ursache in Flüssigkeiten oder Sekreten, die von anderen Perianalerkrankungen herrühren, etwa bei vergrösserten und nässenden Hämorrhoiden, Analfisteln und anderen derartigen Erkrankungen. Die austretenden Sekrete sammeln sich in Hautfalten und können zu Reizungen führen. Oft geht die Problematik Hand in Hand mit Analekzemen, die durch Pilze oder Bakterien verursacht werden.

Besonders bei Vorliegen einer Durchfallerkrankung kann das Analekzem zu einem zusätzlichen Problem werden, wobei auch die mechanische Reizung (häufige Reinigung mit Toilettenpapier) kontraproduktive Wirkung hat. Erschwerend hinzukommt, dass die Hautfalten in der Perianalregion nur schwierig zu reinigen sind. Alle hygienischen Massnahmen oder das Aufbringen von Salben sind nach dem nächsten Toilettengang zu wiederholen, was gerade bei Durchfall nicht praktikabel ist und die Behandlung erschwert.

Sind Analekzeme gefährlich und/oder ansteckend?

Viele juckende und nässende Hauterkrankungen sind ansteckend. Die meisten Analekzeme können (ähnlich wie Neurodermitis oder Schuppenflechte) nicht auf andere Menschen übertragen werden. Liegt die Ursache allerdings in einer Infektion durch Viren, Bakterien oder Pilze, ist eine Ansteckungsgefahr prinzipiell gegeben.

Gefährlich sind Analekzeme nur in den seltensten Fällen – aber wie bei allen Hautveränderungen kann eine bösartige Krebserkrankung die Grundursache sein. Auch deswegen ist es wichtig, einen Arzt zu Rate zu ziehen, wenn keine Besserung eintritt.

Behandlung des Analekzems

Bei schwach ausgeprägten Symptomen kann man das Analekzem durchaus zunächst mit Hausmitteln behandeln. Die wichtigsten Tipps hierzu:

  • Reize stoppen: Nicht jucken, nur mit Wasser reinigen, Kontakt mit möglichen Allergenen vermeiden
  • Grunderkrankung bekämpfen (falls möglich)
  • Salben zur Pflege und Heilung einsetzen (z.B. mit Zink)
  • Sitzbäder zur richtigen Analhygiene

Bringen solche Massnahmen keine Linderung oder Heilung innerhalb weniger Tage, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Dieser kann dann entscheiden, ob gegebenenfalls der Einsatz einer cortisonhaltigen Salbe notwendig ist, die gegen Analekzeme häufig sehr gut wirkt. Die erste Anlaufstelle ist der Hausarzt, bei fortbestehender Symptomatik sollte der Proktologe als Facharzt konsultiert werden.

Salbe

Bei allen Behandlungsmethoden muss beachtet werden, dass Inhaltsstoffe von Salben und Pflegeprodukten ihrerseits reizauslösend wirken können. Das gilt natürlich auch für die Ernährung, da gerade scharfe Gewürze oder säurehaltige Lebensmittel während der Erkrankung vermieden werden sollten. Das gilt auch dann, wenn sie nicht als eigentlicher Auslöser ausgemacht werden können.

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