Vorhofflimmern - Medizinische Experten

Als Vorhofflimmern bezeichnet man eine Erkrankung des Herzens, bei der der Herzmuskel unregelmässig schlägt (Herzrhythmusstörung). Typisch für die Krankheit sind Herzrasen (übermässig schneller Herzschlag) oder Herzstolpern. Die Erkrankung tritt vor allem bei Patienten höheren Alters auf. Von den 70- bis 80-Jährigen leidet jeder Siebte bis Zehnte an Vorhofflimmern.

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Vorhofflimmern - Weitere Informationen

Im Gegensatz zum Kammerflimmern ist das Vorhofflimmern nicht lebensgefährlich. Allerdings haben die Patienten ein erhöhtes Risiko, an Schlaganfall, Herzinsuffizienz (Herzschwäche) und Herzinfarkt zu erkranken. Ein unbehandeltes, länger andauerndes Vorhofflimmern bewirkt oft eine Vergrösserung der Herz-Vorhöfe.

Je frühzeitiger man die Herzkrankheit erkennt und mit geeigneten Medikamenten oder Verfahren behandelt, desto grösser sind die Chancen des Patienten, seinen normalen Sinusrhythmus zurückzuerlangen.

An welchen Symptomen erkennt man Vorhofflimmern?

Das paroxysmale (anfallartig auftretende) Vorhofflimmern verläuft oft ohne Symptome. Manche Kranke bemerken lediglich einen geringfügigen Leistungsabfall. Andere Patienten mit Herzrhythmusstörungen haben folgende Symptome:

  • Schwindel bis hin zur Ohnmacht
  • Herzschmerzen
  • Atemnot
  • Herzrasen
  • Unruhe
  • starke Angstgefühle

Zu welchen Symptomen es beim Erkrankten kommt, hängt davon ab, ob sein Herz zu schnell, eher normal oder zu langsam unregelmässig pumpt: Schnelle Schläge empfindet man als beängstigendes Herzjagen, zumal dieses oft noch von Atemnot und starken Schmerzen im Brustbereich begleitet wird.

Bei normaler Schnelligkeit kommt es oft zu Müdigkeit. Langsame Herz-Arrhythmien führen meist zu Schwindel oder schlimmstenfalls zum Ohnmächtig-Werden des Betroffenen. Chronisches Vorhofflimmern bemerkt der Patient in den seltensten Fällen, da sich sein Herzmuskel bereits an das unregelmässige Pumpen gewöhnt hat.

Personen, bei denen eines oder mehrere der genannten Anzeichen auftreten, kontaktieren am besten baldmöglichst einen Facharzt für Innere Medizin oder einen Kardiologen. Dasselbe gilt, wenn das Vorhofflimmern nicht innerhalb von spätestens zwei Tagen von allein wieder verschwindet.

Der unregelmässige Herzschlag lässt sich mithilfe einer Blutdruckmessung und eines EKG (Elektrokardiogramm) diagnostizieren: Man klebt dem Betroffenen Elektroden auf die Brust, die seinen Herzschlag messen. Der behandelnde Mediziner setzt beim Verdacht auf Vorhofflimmern meist das Belastungs-EKG, bei dem der Patient auf einer Art Trimm-Fahrrad sitzt und die Pedale betätigen muss, oder das Langzeit-EKG ein. Das ist ein kleines mobiles EKG-Gerät, das der Herzpatient für zwei Tage trägt. Danach wertet der Mediziner die gespeicherten Daten aus.

Paroxysmales Vorhofflimmern lässt sich gut mit einem Ereignis-Rekorder aufzeichnen: Der Erkrankte betätigt das Gerät nur dann, wenn sich das Vorhofflimmern bemerkbar macht. Anschliessend analysiert der Arzt die Daten am PC.

Das Echokardiogramm (Ultraschallbild des Herzens) liefert detaillierte Informationen über die Beschaffenheit des Herzmuskels und sein Pump-Verhalten. Ausserdem kann der untersuchende Facharzt darauf eventuell bestehende Blutgerinnsel gut erkennen. Nachdem er seinem Patienten ein leichtes Betäubungsmittel verabreicht hat, schiebt er den mit einem schmalen Schlauch verbundenen Ultraschallkopf bis zur Mitte der Speiseröhre. Von dort aus kann er sich den rechten Herz-Vorhof genau anschauen.

Wie kommt es zum Vorhofflimmern?

Bei gesunden Menschen kommt der Herzschlag dadurch zustande, dass der im rechten Vorhof befindliche Sinusknoten einen elektrischen Impuls aussendet, der in die Herzkammern weitergeleitet wird. Dort bewirkt er ein Zusammenziehen des Herzmuskels. Dieser pumpt das Blut in den Körper.

Heart conduct explain

Bei Patienten mit Vorhofflimmern entsteht jedoch in beiden Herzvorhöfen eine zu hohe Anzahl kreisender elektrischer Impulse, die ausserhalb des Sinusknotens gebildet werden. Diese unkoordinierten Signale sind ausserstande, eine normale Muskelkontraktion herbeizuführen. Die Folge: Nur ein geringer Teil von ihnen gelangt in die Herzkammern, da die Erregungsleitung noch zusätzlich blockiert ist.

Es kommt zu einer langsamen Arrhythmie. Vorhöfe und Herzkammern können sich nicht mit ausreichend Blut füllen. Leidet der Patient noch zusätzlich an Herzschwäche, pumpt der Herzmuskel noch weniger Blut durch den Körper. Infolgedessen sinkt der Blutdruck. Erzeugt der Sinusknoten jedoch eine hohe Anzahl elektrischer Impulse, verursachen sie in den darunter befindlichen Herzkammern Herzjagen (zu schnelle Arrhythmie).

In der Anfangszeit tritt das Vorhofflimmern nur anfallartig auf. Nach einigen Minuten oder höchstens Stunden normalisiert sich der Herzrhythmus wieder von allein.

In Bezug auf die genauen Ursachen der Herzrhythmusstörung besteht noch erheblicher Forschungsbedarf. Die Mediziner nehmen an, dass der veränderte Herzschlag durch altersbedingt vernarbtes Herzgewebe zustande kommt. Es ist nicht mehr in der Lage, die elektrischen Impulse so weiterzuleiten, wie es erforderlich ist. Die im Vorhof zirkulierenden Signale beeinflussen die normale Herztätigkeit negativ.

Ausserdem scheint das Risiko, im höheren Lebensalter an Vorhofflimmern zu erkranken, genetisch bedingt zu sein. Manchmal entsteht es jedoch auch spontan ohne andere Ursache.

Faktoren, die den gestörten Herzrhythmus begünstigen, sind beispielsweise

Behandlung des Vorhofflimmerns

Liegt der häufig vorkommenden Herzrhythmusstörung beispielsweise eine Schilddrüsenerkrankung zugrunde, behandelt der Facharzt erst einmal nur diese. Danach bessert sich das Vorhofflimmern meist von ganz allein.

Der an einem paroxysmalen Vorhofflimmern Leidende nimmt ein vom Arzt verordnetes Medikament ein, sobald er den Anfall verspürt. Derartige Arzneimittel - der Mediziner nennt sie Antiarrhythmika - bringen den Herzschlag innerhalb kurzer Zeit auf einen Ruhepuls von zirka 70 Schlägen pro Minute. Der Patient sollte jedoch darauf achten, dass er sie genau den Anweisungen des behandelnden Arztes entsprechend einnimmt: Versehentliche Überdosierungen können den Herzschlag stark verlangsamen. Auch von Herzrasen begleitetes Vorhofflimmern lässt sich mithilfe von Medikamenten wirksam behandeln.

Um das mit häufigen Anfällen oder einem chronischen Vorhofflimmern verbundene erhöhte Schlaganfall-Risiko zu minimieren, erhält der Patient noch zusätzlich blutverdünnende Mittel wie beispielsweise Marcumar oder Xarelto. Sie verhindern, dass das im Herzvorhof zirkulierende Blut verklumpt und Blutgerinnsel bildet, die dann zum Gehirn wandern und dort ein wichtiges Blutgefäss verstopfen.

Schlägt die medikamentöse Therapie jedoch nicht an und hat der Herzkranke weiterhin Beschwerden, empfiehlt sich eine Elektrokardioversion (Elektroschock-Behandlung): Man schliesst den Patienten an verschiedene Geräte an, die Blutdruck- und Sauerstoffzufuhr kontrollieren und verabreicht ihm eine kurz wirkende Betäubung. Zwei angelegte Elektroden leiten dann für Sekundenbruchteile Strom durch den Herzmuskel. Das bewirkt eine Normalisierung des Herzschlags.

Sind die Gebiete bekannt, die die Erkrankung beim Patienten auslösen - dabei handelt es sich meist um die Verbindungsstellen zwischen Lungenvenen und Herz - kann man den Erkrankten auch mit einer Pulmonal-Venen-Isolation behandeln. Man führt bei dem auch als Katheterablation bekannten Verfahren einen Katheter (dünnen Kunststoffschlauch) über einen kleinen Schnitt von der Leistenvene durch die grosse Hohlvene zum linken Vorhof. Dort verödet man dann das die Rhythmusstörung verursachende Muskelgewebe mithilfe hoch frequenten Stroms oder durch Kälte.

6 bis 8 von 10 Patienten werden durch eine Katheterablation dauerhaft beschwerdefrei. Eine Wiederholung des Eingriffs erhöht die Heilungschancen der Betroffenen noch zusätzlich. Die Deutsche Herzstiftung rät, diese Operation jedoch nur in einem speziellen Herzzentrum durchführen zu lassen, um das Risiko auftretender Komplikationen zu verringern. Ausserdem kann ein eingesetzter Herzschrittmacher die Herzfunktion des Patienten deutlich bessern.

Herzkranke Patienten, bei denen das Vorhofflimmern noch zusätzlich auftritt, erleiden nach erfolgreicher Behandlung mitunter Rückfälle. Personen mit Herzinsuffizienz (Herzschwäche), die im Laufe ihres Lebens an Vorhofflimmern erkranken, sterben in der Regel früher als Patienten, die nur Herzrhythmusstörungen haben.

Vorbeugung von Vorhofflimmern

Dem Auftreten von Vorhofflimmern kann man zwar grundsätzlich nicht vorbeugen, aber der Entstehung der Grunderkrankungen, deren unmittelbare Folge die Herzrhythmusstörung ist.

Da verengte Herzkranzgefässe die Hauptursache der Erkrankung sind, empfiehlt es sich, sich gesund zu ernähren, ausreichend Sport zu treiben und möglichst auf Rauchen und übermässigen Alkoholgenuss zu verzichten.

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