Lymphödem - Medizinische Experten

Viele Menschen kennen das Gefühl, wenn sie am Abend von einem anstrengenden Tag wieder nach Hause kommen: Beine und Füsse schmerzen, sind geschwollen. Im Normalfall geben sich diese Symptome nach ein paar Stunden wieder, spätestens am nächsten Tag. Wenn die Schwellungen allerdings nicht nur nach Belastungen auftreten und auch nicht verschwinden, dann ist Vorsicht geboten. Möglicherweise kann es sich um ein Lymphödem handeln.

Was ein Lymphödem ist, wie es entsteht und wie man es behandeln kann, wird im Text weiter unten genauer unter die Lupe genommen.

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Was ist ein Lymphödem und wie entsteht es?

Ein Lymphödem ist eine Flüssigkeitsansammlung im Zwischenzellraum. Ursache für die Entstehung eines Lymphödems ist der mangelnde Abtransport der Lymphflüssigkeit. Dadurch kommt es zu Stauungen in eben jenen Zwischenzellräumen. Die Schwellungen treten sehr häufig am Bein oder beiden Beinen auf. Aber auch andere Körperregionen wie etwa die Arme können hiervon betroffen sein. An Hals, Kopf, Rumpf oder den Genitalien können Lymphödeme ebenfalls auftreten, sind hier allerdings seltener vorhanden. Wichtig: Ein Lymphödem ist keine Diagnose, sondern ein Symptom! Das heisst, dass diesem Beschwerdebild bestimmte Ursachen zugrunde liegen, die von einem Experten zu finden, zu beurteilen und mit der richtigen Therapie zu behandeln sind. Nicht zu verwechseln ist ein Lymphödem übrigens mit einem Lipödem!

Der Arzt muss zwischen einem primären und einem sekundären Lymphödem unterscheiden. Das primäre Lymphödem ist erblich bedingt. Man spricht hier von einem hereditären Lymphödem. Bei Frauen kann es sich auch in der Schwangerschaft bemerkbar machen. Sekundäre Lymphödeme können unterschiedliche Ursachen haben. Zum Beispiel können sie durch Diabetes mellitus entstehen. Tumorerkrankungen (und auch Tumorentfernung), Unfälle sowie der Befall mit Viren und Pilzen können ebenfalls zu diesem Kreis hinzugezählt werden. Das Gleiche gilt für radiologische Bestrahlungen, Operationsnarben oder für die chronisch-venöse Insuffizienz.

Wie erkennt man ein Lymphödem?

Ein Lymphödem ist durch die pralle Flüssigkeitsansammlung sehr gut zu sehen. Bein oder Arm sind dick geschwollen, wirken verquollen. Darüber hinaus sind diese Ödeme auch tastbar. Während man im ersten Stadium noch eine Delle in die Haut drücken kann, ist das Ödem im fortgeschrittenen Stadium fest. Eine Delle kann nun nicht mehr oder nur noch schwer in das Gewebe gedrückt werden. Eine Möglichkeit zur Diagnostik stellt das Stemmersche Zeichen dar. Wenn die Hautfalte über der zweiten und dritten Zehe - oder den Fingern - nicht mehr angehoben werden kann, gilt dieser Test als positiv. Grundsätzlich ist ein Lymphödem in mehrere Stadien eingeteilt:

  • Anfangsstadium: In dieser frühen Phase treten noch keine grossartigen Symptome auf, das Ödem ist nur unterschwellig vorhanden.
  • Erstes Stadium: Das Lymphödem ist inzwischen zu erkennen und auch tastbar. Es fühlt sich relativ weich an, so dass eine Delle in das betroffene Areal gedrückt werden kann. Diese Delle bildet sich nach kurzer Zeit von selbst wieder zurück. Das Stemmersche Zeichen ist aber hier bereits positiv.
  • Zweites Stadium: Das Eindrücken des Hautareals ist nicht mehr oder nur noch in begrenztem Masse möglich, das Ödem wird fester. Während man im ersten Stadium noch eine Verbesserung durch Hochlagern des Körperteils erzielen konnte, schlägt diese Massnahme hier bereits nicht mehr an.
  • Drittes Stadium: Durch die immer stärker werdende Schwellung ist die Beweglichkeit des betreffenden Körperteils stark eingeschränkt. Das "verquollene Aussehen" hat noch mehr zugenommen. Ausserdem kann die Haut mit Ekzemen oder anderen Dingen reagieren. Hinzu kommt, dass Wunden in diesem Bereich nur mässig abheilen. In diesem Stadium spricht man von einer Elephantiasis.

Wie behandelt man ein Lymphödem? Wer behandelt es?

Die Therapie hängt nicht nur von der Ursache ab, sondern auch davon, wie weit das Lymphödem bereits fortgeschritten ist. In einem sehr frühen Stadium kann das Hochlegen – etwa des Beins – den Lymphabfluss unterstützen. Die Behandlung muss sich immer an der Frage orientieren, ob es sich um ein primäres oder um ein sekundäres Lymphödem handelt. Bei einem sekundären Lymphödem spielt die Ursachenforschung eine grosse Rolle. Bevor man also die Therapie in Angriff nimmt, kann man den Ursachen unter anderem per Röntgenuntersuchung, Sonographie oder speziellen Blutuntersuchungen auf den Grund gehen. Ein Facharzt für Gefässchirurgie oder Angiologie ist für den Patienten eine gute Anlaufstelle.

Grundsätzlich haben sich bei diesem Beschwerdebild Lymphdrainagen als wirkungsvoll erwiesen. Dabei handelt es sich um eine spezielle Massagetechnik, durch die das Lymphsystem angeregt wird und somit die Flüssigkeit besser abtransportiert. Diese Technik kommt auch nach Operationen mit starken Schwellungen zum Einsatz und kann von einem Physiotherapeuten durchgeführt werden. Eine individuelle Bewegungstherapie kann ebenfalls helfen, den Abtransport der Flüssigkeit anzuregen. Ferner gibt es spezielle Kompressionsstrümpfe oder Bandagen.

Kompressionsstrümpfe

Eine operative Therapie kann in einigen Fällen auch angezeigt sein. Vorsicht: Diuretika werden ein Lymphödem nicht bekämpfen können! Diuretika sind Medikamente, die das Ausscheiden von Wasser unterstützen. Damit diese Art der Behandlung anschlägt, müsste man das Medikament aber dauerhaft zu sich nehmen. Allerdings schwächen Diuretika den Lymphtransport ab.

Folgende Therapiemethoden stehen zur Verfügung:

  • Lymphdrainage
  • Kompressionsstrümpfe oder Bandagen
  • Bewegungstherapie
  • im frühen Stadium: Hochlagerung
  • operative Therapie

Was kann man selbst tun? Wie ernährt man sich bei einem Lymphödem?

Der Patient sollte darauf achten, dass er lockere Kleidung trägt, die nicht einschneidet. Die Ernährung spielt bei Prophylaxe und Therapie eine wichtige Rolle. So sollte man Übergewicht vermeiden, da durch das Fettgewebe eine vermehrte Speicherung von Körperwasser erfolgt. Falsche Ernährung ist ebenfalls kontraproduktiv, da sie Therapieerfolge bremsen kann. Der Arzt wird den Patienten an den richtigen Fachmann weiteleiten, mit dem ein individueller Ernährungsplan erstellt werden kann.

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