Lipödem - Medizinische Experten

Beim Lipödem handelt es sich um eine genetisch oder hormonell bedingte Fettverteilungsstörung, unter der etwa 8 bis 14 Prozent aller Frauen leiden. Da konservative Therapien keinen dauerhaften Erfolg versprechen, wird ein Lipödem meist operativ mittels Fettabsaugung behandelt.

Weitere Informationen zum Lipödem finden Sie im Text weiter unten.

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Definition: Was ist ein Lipödem?

Das Lipödem ist eine Krankheit, die ausschliesslich bei Frauen auftritt. Es handelt sich um eine Fettverteilungsstörung, die genetisch und hormonell bedingt ist. Die Krankheit ist chronisch und fortschreitend, aber es gibt Abhilfe, besonders im frühen Stadium. Es sind ca. 8 bis 14 Prozent aller Frauen vom Lipödem betroffen.

Bei der Diagnose ist es wichtig, von anderen Krankeitsbildern zu unterscheiden, wie z.B. der Madelung-Krankheit, die auch Männer betreffen kann und eine Fettansammlung an Hals, Nacken oder Schultergürtel zeigt, oder dem Lymphödem, bei dem im Gegensatz zum Lipödem keine Schmerzen und Hämatome auftreten. Eine Beteiligung des venösen Systems ist in ca. 30 Prozent der Fälle zu finden. Durch das Lipödem entsteht je nach Verlauf eine sehr starke Einschränkung der Lebensqualität.

Symptome und Diagnose des Lipödems

Normalerweise lässt sich das Lipödem anhand eindeutiger Symptome gut diagnostizieren:

  • Zeitpunkt des Auftretens: Das Lipödem tritt nahezu immer im Rahmen einer hormonellen Veränderung wie dem Eintritt in die Pubertät, einer Schwangerschaft oder der Menopause auf.
  • Starke Fettanlagerung: Die im Unterhautfettgewebe angereicherten Fettpolster verteilen sich symmetrisch, zum Beispiel an beiden Beinen oder beiden Oberarmen.
  • Disproportion: Auffallend ist ein grosser Unterschied zum Rest des Körpers. Der Oberkörper und die Taille sind oft schlank während Hüften und Oberschenkel ihr Volumen unkontrollierbar vermehren.
  • Sport und Diäten: Selbst mit gesunder Ernährung, strengen Diäten und viel Sport kann das überschüssige Fettgewebe nicht verringert werden.
  • Ödeme und Hämatomneigung: Schon bei leichtem Druck verspüren die betroffenen Frauen Schmerzen, neigen zu Ödemen und bekommen beim geringsten Anstossen Blutergüsse.
  • Hautstruktur: Im Verlauf der Krankheit verliert die Hautoberfläche zusehend an Glätte und wird “löchrig” mit immer grösseren Knoten im Unterhautfettgewebe. Das ist das so genannte Matratzenphänomen.

Bereits das Zusammentreffen von ein oder zwei der oben aufgeführten Punkte kann auf ein Lipödem hinweisen und sollte die Betroffene dazu veranlassen, einen spezialisierten Facharzt, etwa einen Phlebologen, aufzusuchen.

Krankheitsstadien des Lipödems

Man unterscheidet beim Lipödem drei Krankheitsstadien:

  1. Stadium I: Im Anfangsstadium ist die Hautoberfläche noch relativ glatt mit weicher und feinknotiger Unterhaut. Die Gesamtharmonie des Körpers ist kaum gestört.
  2. Stadium II: Im Verlauf der Erkrankung bilden sich zunehmend Knoten im Fettgewebe, die Hautoberfläche wird unebener, die Fettablagerungen grösser und unsymmetrischer. Der Unterschied zum Rest des Körpers ist deutlich sichtbar.
  3. Stadium III: Das Unterhautfettgewebe ist stark verdickt und verhärtet mit grossen Knoten und einer löchrigen Hautoberfläche. Die betroffenen Partien sind stark angeschwollenen und die Disproportion zur anderen Körperhälfte sehr ausgeprägt, v.a. an den Oberschenkeln und Hüften mit z.T. grossen Fettlappen.

Lokalisationen und Lipödem-Typen

Das Lipödem kann fast am ganzen Körper auftreten. Man unterscheidet verschiedene Typen, je nach Ausbreitung der Krankheit:

  • Typ 1 Hüften
  • Typ 2 Hüften und Oberschenkel
  • Typ 3 Hüften, Ober- und Unterschenkel
  • Typ 4 Arme
  • Typ 5 Unterschenkel

Man spricht beim Lipödem auch von: Oberschenkeltyp, Unterschenkeltyp, Wadentyp oder Ganzbeintyp, sowie Oberarmtyp, Ganzarmtyp oder Unterarmtyp.

Therapiemethoden zur Behandlung eines Lipödems

Der Leidensdruck der Patientinnen ist meist sehr hoch. Die Bewegungsfreiheit ist stark eingeschränkt, Sport wird schwer bis unmöglich und passende Kleidung und Schuhe zu finden, verwandelt sich in eine Odyssee. Aus den körperlichen ergeben sich schnell gravierende psychologische Probleme. Dazu kommt der soziale Druck im Familien- und Freundeskreis durch eine allgemeine Unkenntnis des Krankheitsbildes. Selbst manche Ärzte haben noch Probleme, das Lipödem schnell und richtig zu diagnostizieren. Wenn ein Lipödem aber frühzeitig korrekt diagnostiziert wird, gibt es heutzutage gute Therapiemöglichkeiten und auch im fortgeschrittenen Stadium bieten diese Therapien starke Verbesserungen.

Nicht-operative konservative Methode

Als sogenannte konservative Methoden werden Behandlungen bezeichnet, bei denen kein chirurgischer Eingriff erfolgt. Leider bieten sie bei der Behandlung des Lipödems keinen dauerhaften Erfolg, da der Krankheitsverlauf nur verlangsamt wird und sie nur vorübergehende Linderung bieten. Der Gesamtzustand kann mit diesen Methoden nicht verbessert werden und sie können daher nur ergänzend und unterstützend zur chirurgischen Intervention angewendet werden.

Zu den konservativen Lipödem-Therapien zählen:

  • Lymphdrainage
  • Entstauungstherapien, bei denen durch feste Wickelung der Beine Wasser herausgepresst wird
  • Kompressionstherapien: durch das konsequente Tragen von Kompressionshosen können Schwellungen, die bei langem Stehen und Bewegung auftreten, eingeschränkt werden, eine Besserung tritt allerdings nicht auf.

Operative Methode

Die eindeutigen und langanhaltenden Erfolge der operativen Fettabsaugung (Liposuktion) nach neuestem Standard sind wissenschaftlich belegt und werden auch von der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie in ihren Richtlinien als geeignete Behandlung des Lipödems empfohlen.

Alle anderen Therapien müssen ein Leben lang durchgeführt werden und können dennoch das Fortschreiten der Krankheit nicht stoppen. Die Liposuktion hingegen führt in - je nach Schweregrad - ein oder mehreren Eingriffen zu sofort sichtbaren Ergebnissen, die nach Abschluss der Behandlung meist keine weitere Therapie nötig machen. In manchen Fällen ist eine weitere Kompressionstherapie sinnvoll.

Die Fettabsaugung wird ausschliesslich mit der gefässschonenden Methode der Tumeszenztechnik durchgeführt. Dabei wird ein spezielles Flüssigkeitsgemisch ins Unterhautfettgewebe gespritzt, das die Fettzellen aus dem Gewebe löst, um sie in der Folge leicht absaugen zu können. Das Gemisch enthält unter anderem Adrenalin und wird nach einer Einwirkzeit von etwa 30 Minuten, in der sich die Fettzellen weitgehend verflüssigt haben, abgesaugt. Zu diesem Zweck verwendet der Operateur ein spezielles PAL-Gerät (Power Assisted Liposuction) mit stumpfen, vibrierenden Feinnadeln.

Es werden maximal 6 Liter Tumeszenzlösung benutzt, um jegliche Gefährdung der Patientin auszuschliessen. Damit kann man im Normalfall zwischen 6 und 9 Litern Fettgewebe absaugen. Durch die schonende Methode wird nur das zwischen den Bindegewebefasern liegende Fett entfernt. Lymphgefässe, Blutgefässe und Nerven werden dabei bestmöglich geschont. Dadurch ist eine sehr viel geringere Schwellneigung gegeben und die Schmerzen nach dem Eingriff reduzieren sich.

Im Anfangsstadium oder in der Stufe II des Krankheitsverlaufs ist meist ein Eingriff ausreichend, bei schwereren Fällen sind zwei oder drei Interventionen nötig, um ein befriedigendes Ergebnis zu erzielen. Natürlich werden immer die ästhetischen Gesichtspunkte beachtet. Es ist aber bei dem Lipödem auch von entscheidender Bedeutung, die Absaugung möglichst gründlich durchzuführen. Wird in vielen Einzelsitzungen jeweils nur eine kleine Fettmenge entfernt, so steigt die Rezidivgefahr, das heisst das Lipödem kann wieder auftreten.

Vorbereitung und Narkoseform bei der Fettabsaugung

Beim Lipödem werden in den meisten Fällen grössere Mengen an Fett abgesaugt und auch Stunden nach der Operation läuft noch weiter Tumeszenslösung aus. Daher sollte man praktisch alle Eingriffe in Vollnarkose durchführen. Jeder chirurgische Eingriff muss vorbereitet werden mit den üblichen anästhesistischen Voruntersuchungen. Im Falle des Lipödems ist zusätzlich kurz vor dem Eingriff eine Lymphdrainage hilfreich und verbessert das Resultat. Bei einer Liposuktion in Vollnarkose kann auf das örtliche Betäubungsmittel in der Tumeszenzlösung verzichtet werden. Dadurch sind die Patientinnen nach der Operation schneller wieder fit und kreislaufstabil.

Komplikationen und Risiken der Fettabsaugung

Jeder chirurgische Eingriff birgt unabhängig vom Krankheitsbild potentielle Risiken, die aber bei einer gründlichen Vorbereitung meist weitgehend zu vermeiden sind. Die Patientin sollte ihren Arzt umfassend informieren über mögliche Allergien, Unverträglichkeiten und andere gesundheitliche Probleme. Dann können die nötigen Vorsichtsmassnahmen für einen reibungsvollen Ablauf getroffen werden.

Im Falle des Lipödems sind Venenerkrankungen eine durchaus mögliche Begleiterscheinung. In diesem Fall muss ein Venenspezialist in die Behandlung miteinbezogen werden.

Nachsorge nach der Operation

Noch unter Narkose wird die Kompressionshose angelegt und sollte dann 6 Wochen getragen werden. Zum Waschen kann das Mieder für wenige Stunden ausgezogen werden.

Ein stationärer Aufenthalt von ein bis zwei Tagen wird empfohlen. Bereits für den Tag nach der Operation wird die erste Lymphdrainage programmiert. In der ersten Zeit sollten zwei bis drei Lymphdrainagen pro Woche folgen. Nach zwei Wochen kann auf ein bis zwei Lymphdrainagen pro Woche reduziert werden.

Bereits direkt nach dem Eingriff ist eine deutliche Besserung der Schmerzen zu verzeichnen. Wenn die Schwellungen nach einigen Wochen völlig abgeklungen sind, wird es möglich sein, wieder ein normales Leben zu führen, Sport zu treiben und neue Kleider zu geniessen.

Fazit zur Lipödem-Behandlung mittels Fettabsaugung

Mit der entsprechenden Vorbereitung und Nachbehandlung, kann man mit der Liposuktion sehr schöne Ergebnisse erzielen, die das Leben der Patientin grundlegend ändern und verbessern. Bei richtiger Lipödem-Behandlung sind die Rezidive selten. In denfolgenden Bereichen sind gute Resultate zu erwarten:

  • Schmerzen und Krankheitssymptome: Die mit dem Lipödem verbundenen Beschwerden wie Druckempfindlichkeit, Hämatom- und Ödemneigung verschwinden oftmals vollständig.
  • Körperharmonie: Durch die sofortige Volumenreduktion werden die Körperproportionen wiederhergestellt.
  • Beweglichkeit: Die Gewichtsreduktion bringt eine höhere Bewegungsfreiheit mit sich, selbst Sport wird nach vielen Jahren wieder möglich.
  • Ästhetik: Die Haut glättet sich selbst bei schweren Fällen sichtbar und wird wieder elastisch.

Behandlungskosten der Fettabsaugung

Leider wird von den gesetzlichen Kassen in den seltensten Fällen die Übernahme der Kosten gewährt. Die Abrechnung mit privaten Krankenkassen ist manchmal einfacher, aber oft werden auch hier die Kosten nicht übernommen. In jedem Fall können die Behandlungskosten als spezielle Ausgabe zur Steuerreduzierung angegeben werden.

Autor: Dr. med. Dominik von Lukowicz

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