Aortendissektion - Medizinische Experten

Unter einer Aortendissektion versteht man eine Aufspaltung (Dissektion) der Wandschichten der Aorta, der zum Herzen führenden Schlagader, die durch eine Blutung im umliegenden Gewebe entsteht. Die Symptome hängen von der Lage und dem Ausmass der Dissektion ab.

Weitere Informationen über Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten finden Sie unten.

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Aortendissektion - Weitere Informationen

Zu einer Aufspaltung der Gefässwandschichten kommt es, wenn die innerste Gefässschicht (sog. Intima) einreisst, aber die äussere Gefässschicht (Adventitia) intakt bleibt. Dann dringt Blut vom Gefässinnenraum (Lumen) durch den Riss in die Schicht zwischen der inneren und äusseren Gefässwand ein und sammelt sich in diesem Zwischenraum (Media) an. Aufgrund des erhöhten Druckes, der in der Aorta herrscht, dringt weiteres Blut in die Zwischenschicht ein, sodass die Schichten über weite Strecken auseinanderweichen und einen unnatürlichen Zwischenraum bilden können. Dadurch kann das eigentliche Lumen vollständig verschlossen werden. Die Intima hält in der Regel dem hohen Druck nicht stand und reisst an einer anderen Stelle wieder ein. Dadurch kann das Blut in die Aorta zurückfliessen.

AoDissect Schema 01a

Als Risikofaktoren für die Entstehung einer Aortendissektion gelten insbesondere die Arteriosklerose und eine Strukturschwäche der Media (Mediadegeneration), wie dies häufig bei Patienten mit angeborenen Herzklappenanomalien oder bei Patienten mit Bindegewebserkrankungen auftritt, wie zum Beispiel bei Patienten mit Marfan-Syndrom oder Ehlers-Danlos-Syndrom. Weitere Risikofaktoren sind ein höheres Lebensalter sowie ein hoher Blutdruck. Daneben können traumatische Ereignisse, wie beispielsweise Verletzungen der Gefässwand bei Katheteruntersuchungen, ursächlich für eine Aortendissektion sein.

Symptome einer Aortendissektion

Die Krankheitszeichen hängen zum einen von der Lage der Dissektion und zum anderen von deren Ausmass ab. So haben manche Patienten mit chronischer Aortendissektion überhaupt keine Beschwerden, bei anderen wiederum kann es im Extremfall bei einer Ruptur der Aorta zu einem plötzlichen Herztod kommen. Typischerweise zeigt sich eine akute Aortendissektion durch einen plötzlich einsetzenden, heftigen, stechenden oder reissenden Schmerz in der Brust, der bis in die Schulterblätter und den Rücken ausstrahlen kann. Je nach betroffenem Gefässabschnitt können weitere Symptome auftreten, wie beispielweise Schmerzen im Bauchraum, Lähmungserscheinungen, akutes Nierenversagen oder neurologische Ausfälle. Durch den Blutverlust kann es zu Symptomen des Schocks (beschleunigter Puls, Abfall des Blutdrucks, Bewusstseinstrübung) kommen.

Typen einer Aortendissektion

Je nach Lage des Einrisses und Ausdehnung der Einblutung lassen sich mehrere Kategorien unterscheiden, wobei die DeBakey-Klassifikation drei Typen definiert:

  • Beim Typ DeBakey I ist der Einriss im Bereich der aufsteigenden Aorta (Aorta ascendens) lokalisiert und die Einblutung reicht über den Aortenbogen hinaus.
  • Beim Typ DeBakey II liegt der Einriss ebenfalls in der Aorta ascendens, allerdings erfolgt der Wiedereintritt der Blutung noch in der Aorta ascendens.
  • Dagegen liegen Entry und Re-Entry beim Typ DeBakey III in der Aorta descendens (absteigende Aorta).

Eine Weiterentwicklung ist die Stanford-Einteilung, die lediglich anhand der Lokalisation des Entry zwei Typen unterscheidet: Beim Typ Stanford A (= DeBakey I und II) liegt der Einriss in der Aorta ascendens und beim Typ Stanford B (= DeBakey III) in der Aorta descendens. Da die Lage des Einrisses entscheidend für die Gefährdung des Patienten und damit für die Therapie ist, wenden die Spezialisten für Aortendissektion hauptsächlich die Stanford-Typen zur Beurteilung der Erkrankung an.

Diagnostik einer Aortendissektion

Bei Verdacht auf eine Aortendissektion können mithilfe von bildgebenden Verfahren Einblutungen in die Aorta erkannt werden. Erste Hinweise können den Experten für Aortendissektion bereits die Röntgenaufnahme des Brustkorbes mit seinen Organen sowie die Ultraschalluntersuchung (Sonografie) des Bauchraumes geben. Die transösophageale Echokardiografie (TEE, Ultraschalluntersuchung über die Speiseröhre) ermöglicht eine genaue Beurteilung der herznahen Aorta sowie der Aorta descendens. Die Dopplertechnik erlaubt zudem eine Unterscheidung des normalen und „falschen“ Lumens, Entry und Re-Entry können meist erkannt werden. Über eine Kontrastmittel-verstärkte Computertomografie (CT) lassen sich das Ausmass und die Beziehung der Aortendissektion zu den benachbarten Gefässen gut darstellen. Die Magnetresonanztomografie (MRT) ist ebenfalls eine zuverlässige Methode zur Diagnose der Aortendissektion, aber auch die Angiografie (Methode zur Darstellung der Gefässe) kann wichtige Erkenntnisse liefern.

Therapie einer Aortendissektion

Entscheidend für die Therapie ist die Lage des Einrisses (siehe oben). Eine akute Dissektion vom Typ Stanford A muss als Notfall betrachtet werden und sollte möglichst schnell operiert werden. Dabei wird der betroffene Gefässabschnitt in der Regel entfernt und durch eine Gefässprothese ersetzt.

Da die Implantation von Gefässprothesen in die Aorta ein relativ hohes Risiko für den Patienten bedeutet, kann dagegen eine Dissektion vom Typ Stanford B zunächst abwartend therapiert werden. Das bedeutet, dass die Entwicklung der Dissektion beobachtet und erst bei Verschlechterung der Situation, zum Beispiel bei drohendem Verschluss von Gefässabgängen, rasch zunehmendem Gefässdurchmesser oder drohender Ruptur der Aorta, eine Therapie eingeleitet wird.

Komplikationen wie verschlossene Gefässabgänge werden mithilfe von Kathetern durch den Spezialisten für Aortendissektion behandelt. Über eine Stentimplantation kann die Gefässwand stabilisiert und bei Bedarf ein künstliches Re-Entry angelegt werden, um den Druck im „falschen Lumen“ zu reduzieren und damit die Gefahr einer Ruptur zu verringern.

Die Behandlung des Schmerzes und die Senkung des Blutdrucks erfolgt medikamentös.

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