Fruchtwasseruntersuchung - Medizinische Experten

Die Fruchtwasseruntersuchung, in der medizinischen Fachsprache Amniozentese genannt, ist optionaler Teil der Vorsorge in der Schwangerschaft. Mithilfe des Verfahrens sollen Fehlentwicklungen und Fehlbildungen beim Ungeborenen ausgeschlossen werden.

Übersicht

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Fruchtwasseruntersuchung - Weitere Informationen

Die Fruchtwasseruntersuchung wird in spezialisierten Praxen oder Kliniken durchgeführt. Ein stationärer Aufenthalt ist in der Regel nicht erforderlich.

Zur Entnahme des Fruchtwassers ermittelt der behandelnde Arzt zunächst mithilfe von Ultraschall die genaue Lage des Ungeborenen und markiert anschliessend die potenzielle Einstichstelle auf der Bauchdecke. Nach einer gründlichen Desinfektion sticht er dann an der markierten Stelle mit einer dünnen Hohlnadel durch die Bauchdecke und die Gebärmutterwand in die Fruchtblase. Mit der Hohlnadel entnimmt er zwischen 15 und 20 Milliliter Fruchtwasser. In dieser Flüssigkeit befinden sich Zellen des Ungeborenen, die nach der Untersuchung im Labor isoliert und in einer Zellkultur vermehrt werden. So entsteht genetisches Material, das anschliessend auf Abweichungen untersucht werden kann.

Die Entnahme des Fruchtwassers dauert zwischen fünf und 15 Minuten und wird von den meisten Frauen nicht als aussergewöhnlich schmerzhaft empfunden, sodass eine Betäubung in der Regel nicht erforderlich ist.

Human fetus 10 weeks with amniotic sac - therapeutic abortion
Menschlicher, zehn Wochen alter Fötus in seiner Fruchtwasserblase

Neben dem genetischen Material werden auch zwei Eiweisse im Fruchtwasser bestimmt. Der Dottersack und die Leber des Ungeborenen produzieren das sogenannte Alpha-Fetoprotein. Normalerweise finden sich nur sehr geringe Mengen dieses Eiweisses im Fruchtwasser. Bei Fehlbildungen kann der AFP-Wert jedoch deutlich erhöht sein. Das Protein Acetylcholinesterase (AChE) ist ein Enzym des Nervensystems, das bei einem Neuralrohrdefekt des Embryos vermehrt im Fruchtwasser zu finden ist.

Indikationen für eine Fruchtwasseruntersuchung

Eine Amniozentese ist immer dann zu empfehlen, wenn ein erhöhtes Risiko für eine Fehlbildung beim Kind besteht. So erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer genetischen Abweichung bei Schwangeren, die älter als 35 Jahre sind. Auch wenn Chromosomenstörungen oder Erbkrankheiten in der direkten Familie vorliegen oder wenn ein älteres Geschwisterkind mit einer Chromosomenstörung geboren wurde, kann eine Fruchtwasseruntersuchung sinnvoll sein.

Ebenso kann eine Untersuchung des Fruchtwassers erforderlich sein, wenn sich beim Ultraschall oder beim Ersttrimesterscreening Auffälligkeiten wie beispielsweise eine auffällige Nackenfaltenmessung zeigen. Liegt einer der genannten Gründe vor, werden die Kosten für die Fruchtwasseruntersuchung von der gesetzlichen und der privaten Krankenkasse übernommen.

Welche Erkrankungen lassen sich bei der Fruchtwasseruntersuchung nachweisen?

Die Struktur und der Aufbau des genetischen Materials des Ungeborenen werden im Labor detailliert analysiert. Bei der Chromosomenanalyse können sich genetische Abweichungen zeigen, die auf folgende Erkrankungen hinweisen können:
  • Down-Syndrom (Trisomie 21)
  • Edwards-Syndrom (Trisomie 18)
  • Pätau-Syndrom (Trisomie 13)
Ferner lässt sich durch die Analyse des Genmaterials eindeutig das Geschlecht bestimmen. Da einige genetische Erkrankungen nur bei einem bestimmten Geschlecht auftreten, kann diese Information wertvolle Hinweise auf das Erkrankungsrisiko liefern. Mithilfe der DNS-Analyse können zudem vererbbare Stoffwechselerkrankungen und Erbkrankheiten frühzeitig erkannt werden. Die Fruchtwasserprobe gibt weiteren Aufschluss über das Vorliegen verschiedener Erkrankungen. Dazu gehören:
  • Spina bifida (offener Rücken)
  • Bauchwanddefekte wie Gastroschisis oder Omphalozele
  • Infektionen mit dem Cytomegalievirus oder dem Parasiten Toxoplasma gondii

Bei drohender Frühgeburt nutzen Ärzte die Fruchtwasseruntersuchung zudem, um herauszufinden, wie weit die Lungenreifung beim Kind fortgeschritten ist. Sind die Lungen noch unterentwickelt, kann die Reifung mit verschiedenen Medikamenten frühzeitig gefördert werden. Zwischen der Fruchtwasserentnahme und dem Vorliegen des Untersuchungsergebnisses vergehen in der Regel zwischen zwei und drei Wochen. Das Ergebnis ist bei Chromosomenstörungen zu 99 Prozent sicher. Bei Neuralrohrdefekten erhalten die werdenden Eltern nach der Untersuchung ein zu 90 Prozent sicheres Ergebnis. In einigen Fällen können zur Sicherung der Diagnose weitere Untersuchungen erforderlich sein.

Positiver Befund bei der Fruchtwasseruntersuchung

Ein positiver Befund ist für die Betroffenen mit weitreichenden Konsequenzen verbunden. Erbkrankheiten und genetische Schäden lassen sich nicht heilen, sodass eine Entscheidung für oder gegen das Fortführen der Schwangerschaft getroffen werden muss. Auch mithilfe der Fruchtwasseruntersuchung lässt sich nicht immer genau vorhersagen, wie schwerwiegend die vorliegenden Schädigungen sind. Aufgrund des fortgeschrittenen Stadiums der Schwangerschaft bei der Fruchtwasseruntersuchung ist eine Ausschabung oder Absaugung unter Vollnarkose in der Regel nicht mehr möglich.

Fällt die Entscheidung für eine Abtreibung, erhalten die betroffenen Frauen ein Wehen förderndes Mittel, das eine künstliche Fehlgeburt einleitet.

Der beste Zeitpunkt für eine Fruchtwasseruntersuchung

Im Idealfall sollte die Untersuchung zwischen der 14. und der 19. Schwangerschaftswoche (SSW) erfolgen. Vor der 14. Woche ist eine Fruchtwasseruntersuchung nicht empfehlenswert, da sie zum einen keine sicheren Ergebnisse liefert und zum anderen mit einem erhöhten Risiko für eine Frühgeburt einhergeht. Je nach Indikation kann die Entnahme des Fruchtwassers auch nach der 19. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden.

Was gibt es nach der Untersuchung zu beachten?

Viele Schwangere nehmen nach der Entnahme ein leichtes Druckgefühl im Bauch wahr. Sollten sich nach einer Beobachtungszeit von einer halben Stunde keine Auffälligkeiten zeigen, dürfen die Schwangeren die Praxis oder die Klinik verlassen. Nach der Untersuchung sollten körperlich anstrengende Tätigkeiten für zwei bis drei Tage vermieden werden. Auch Geschlechtsverkehr ist in dieser Zeit tabu. In den folgenden Tagen wird eine weitere gynäkologische Untersuchung vorgenommen. Schmerzen, Wehen oder Fruchtwasserverlust deuten auf Komplikationen hin und erfordern einen sofortigen Arztbesuch.

Risiken bei der Fruchtwasseruntersuchung

Bei der Entnahme des Fruchtwassers kommt es eher selten zu Komplikationen, trotzdem birgt der Eingriff gewisse Risiken. Das Risiko, während oder nach der Fruchtwasseruntersuchung eine Fehlgeburt zu erleiden, liegt bei 0,5 Prozent. Auch Kontraktionen der Gebärmutter sowie ein vorzeitiger Blasensprung sind relativ rar. In sehr seltenen Fällen wird das Kind durch die Nadel bei der Probenentnahme verletzt. Weitere Risiken sind Blutungen und Infektionen.

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