Blasensenkung - Medizinische Experten

Bei der Blasensenkung (lat. descensus vesicae) handelt es sich um eine häufige Erkrankung des unteren Harntrakts. Der Mediziner spricht von einer Blasensenkung, wenn sich die Blase nach unten in Richtung des Beckenbodens und nach hinten verlagert. Frauen sind davon häufiger betroffen als Männer.

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Blasensenkung - Weitere Informationen

Der Arzt unterteilt die Erkrankung in drei Schweregrade. Während bei Grad I nur geringe oder keine Beschwerden vorliegen, können bei Grad III gravierende Folgen auftreten. Die Harnentleerung kann gestört sein, gehäuft tritt eine Inkontinenz auf. Wird der Harnleiter durch die Senkung abgeklemmt, kann es aber auch zu einem Harnverhalten kommen.

In jedem Fall ist eine Abklärung durch den Urologen oder Beckenboden-Spezialisten empfehlenswert, denn eine Blasensenkung kann gut behandelt werden. Störungen der Blasenfunktion gehören zu den häufigsten Erkrankungen des Harntrakts, bereits jede vierte Frau in Deutschland ist oder war davon betroffen.

Wie entsteht eine Blasensenkung?

Der Beckenboden hat die Funktion, die Blase und weitere Organe zu stützen und in ihrer Position zu halten. Er besteht aus Muskel- und Bindegewebe und schliesst den Beckenraum nach unten ab. Bei der Frau liegen ausser der Blase noch die Gebärmutter, die Eierstöcke und die Vagina im kleinen Becken, beim Mann die Prostata.

Während beim Mann nur die Harnröhre und der Enddarm durch den Beckenboden verlaufen, kommt bei der Frau noch die Scheide, also der Geburtskanal, hinzu. Durch jede Geburt wird der Beckenboden gedehnt und ist damit einer zusätzlichen Belastung ausgesetzt. Erfolgen mehrere Geburten kurz nacheinander, hat der Beckenboden nicht ausreichend Zeit, sich zu stabilisieren. Doch auch kleine Verletzungen während der Geburt können die Funktion des Beckenbodens beeinträchtigen. Deshalb sind Frauen wesentlich häufiger betroffen als Männer. Erschlafft der Beckenboden, senkt sich die Blase und in vielen Fällen kommt es auch zu einer Gebärmuttersenkung.

Doch nicht nur Geburten beanspruchen den Beckenboden. Von einer angeborenen Bindegewebsschwäche können sowohl Männer als auch Frauen betroffen sein. In solchen Fällen kann der Beckenboden seine Halte- und Stützfunktion nicht mehr vollständig erfüllen, eine Senkung der Harnblase kann schon in jüngeren Jahren auftreten.

Auch hormonelle Veränderungen nach den Wechseljahren kommen als Ursache für eine Blasensenkung infrage. Weiterhin spielen Übergewicht, permanente körperliche Belastung und das Heben schwerer Lasten eine Rolle bei der Entstehung einer Harnblasensenkung.

Welche Symptome treten bei einer Blasensenkung auf?

Im Anfangsstadium verläuft eine Blasensenkung häufig symptomlos und wird zuweilen als Zufallsbefund bei einer gynäkologischen Untersuchung entdeckt.

Symptome, die auf eine Blasensenkung hindeuten, sind

  • ein Druckgefühl im Unterbauch, das sich bis zu starken Schmerzen steigern kann,
  • vermehrter Harndrang,
  • unwillkürlicher Harnverlust,
  • Infektionen von Harnblase, Vagina oder Gebärmutter,
  • Verstopfung.

Auch ein Fremdkörpergefühl in der Scheide und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr können durch den Druck der Blase auf die Vagina entstehen.

Wie wird eine Blasensenkung diagnostiziert?

Um eine endgültige Diagnose zu stellen, benötigt der Urologe zunächst eine detaillierte Anamnese. Er befragt seinen Patienten oder seine Patientin ausführlich zum Beschwerdebild, zur körperlichen Tätigkeit, zu Anzahl und Verlauf der Geburten und zum Miktionsverhalten (Wasserlassen). Das Miktionsverhalten gibt Auskunft über die tägliche Harnmenge und die Häufigkeit der Ausscheidung.

Nach diesem ausführlichen Gespräch tastet der Mediziner den Bauchraum ab. Eine Uroflowmetrie gibt Auskunft über die Funktion der Blase. Dabei wird der Harnfluss gemessen, um festzustellen, ob eine Entleerungsstörung der Blase vorliegt. Danach beurteilt der Arzt die Blase, die Nieren und die benachbarten Organe mit einer Sonografie, einer Ultraschalluntersuchung. So kann er feststellen, ob sich die Blase vollständig entleert hat. In einigen Fällen ist eine Blasenspiegelung nötig, um das Innere des Organs genau zu untersuchen. Liegt gleichzeitig eine Darmstörung vor, sollte auch der Darm gespiegelt werden.

Wie wird eine Blasensenkung behandelt?

Die Therapie richtet sich nach der Schwere und vor allem nach der Ursache der Erkrankung. Liegt eine Bindegewebsschwäche vor oder ist der Beckenboden nach einer Geburt geschwächt, kann bereits eine gezielte Beckenbodengymnastik ausreichen. Unter der Anleitung eines Physiotherapeuten werden die Muskeln des Beckenbodens gestärkt. Ein langfristiges regelmässiges Training kann eine Blasensenkung stabilisieren und eine Harninkontinenz verhindern. Zur Unterstützung des Muskeltrainings empfiehlt der Arzt manchmal eine Therapie mit Reizstrom.

Sind hormonelle Umstellungen während der Wechseljahre die Ursache, verordnet der Arzt eine Hormoncreme oder östrogenhaltige Vaginalzäpfchen. Ein Pessar aus Kunststoff hält die Blase zwar an ihrem Platz, eignet sich aber nicht als Dauerlösung. Ist die Blase jedoch schon sehr weit vorgefallen, kann nur eine Operation helfen. Dabei wird ein Netz zur Unterstützung des Beckenbodens verankert. Diese Operation ist auch als minimalinvasiver Eingriff möglich.

Eine gesunde Lebensweise, sportliche Betätigung und ein normales Körpergewicht sind die beste Prophylaxe. Generell verhindern lässt sich eine Blasensenkung damit nicht, doch ein frühzeitiger Arztbesuch und eine rechtzeitige Therapie tragen wesentlich zur Heilung oder Besserung bei.

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